Do, 08:36 Uhr
12.03.2020
Neue Informationen zur Forschung von Tim Schäfer
Es war bei Nordhausen vor 75 Jahren
Historische Recherchen aus dem Jahr 1945 bei Niedersachwerfen (Harztor) und Nordhausen zum Kohnstein erbringen teils unbekannte Informationen und Fragmente zur Zwangsarbeit, NS-Rüstungsprojekten wie B11, dem KZ Mittelbau -Dora, dem Gipswerk Niedersachswerfen und einer italienischen Musikkapelle für das Nordwerk …
Das Ammoniakwerk Ni (Niedersachwerfen), das Gipswerk stand Anfang 1945 in vielfältigen, bisher wenig bekannten Beziehungen oder Details zu den Rüstungsprojekten in der Region. So gab es auch eine italienische Musikkapelle, die die bunten Abende unserer italienischen Gastarbeiter wiederholt abgesichert hat, laut einer Mitteilung der NORDWERKE Aktiengesellschaft vom Januar 1945, Abteilung K.D.F. (= Kraft durch Freude, nationalsozialistische geprägte Gemeinschaft).
Nun, das Regime und die Arbeitsbedingungen waren streng geregelt, das Sachswerfer Werk war in kriegswichtige Bauvorhaben wie dem Geheimprojekt B11, unter Führung der SS, eingebunden. Die Musikapelle bestand aus mindestens 5 Musikern, die im Ammoniak-/Gipswerk Niedersachswerfen eingesetzt worden sind, so im Steinbruch (Brambilla).
Die Belegschaft des Gipswerkes erhöhte sich 1944 auf 857 Mann, wobei Deutsche 564 und Ausländer 293, davon 38 zur Stammgefolgschaft zählten. Die große Mehrheit der Ausländer machten hier die Italiener und Franzosen, gefolgt von Ostarbeitern, Belgiern und Polen aus.
Die sogen. Gefolgschaftsabteilung – Lagerbetreuung- hatte demnach vielfältig weitergehende Aufgaben, so auch zur Entlausung, die in der Entwesungsanstalt im Mittelwerk zumindest bis Mitte März 1945 ausgeführt werden sollten. Darunter auch mindestens 41 Arbeitskräfte, die in der Unterkunft Wacker-Klubhaus Nordhausen untergebracht waren. Darunter Slowaken, Polen, Franzosen und Kroaten.
Hintergrund
Wie kam es zu B11?
Die Gründung des Jägerstabes (später dann Rüstungsstab) 1944 setzte auf zum Teil vorhandene Planungen auf und entsprach dem Motiv in der Krise, sichere Gegenmaßnahmen gegen die weitere Zerstörung kriegswirtschaftlich wichtiger Anlagen durch alliierte Luftangriffe, vor allem der Flugzeugwerke wie Junkers, schnellstmöglich zu treffen sowie innovatives Kriegsgerät herstellen und versorgen zu können. Auch der Geilenberg-Stab hatte ähnliche Aufgabenstellungen.
B 11 wurde schließlich auf die Bedürfnisse des Programms Eber", dieses sah den Bau einer Sauerstoffverflüssigungsanlage im Berg vor, abgestimmt. Dazu kam das Programm Kuckuck, welches die Einrichtung eines großen Treibstoffwerkes von 240 000 Tonnen Treibstoff umfassen sollte. Beide Programme waren federführend von Carl Krauch geplant worden, der wohl zum wichtigsten Mann für Fragen der Chemie-Industrie im Dritten Reich avanciert und vorher Manager der IG Farben AG war. Krauch war in die Geheimprojekte in Niedersachswerfen schon seit 1936 involviert. Die Kuckuck- und die Eber B11 Bau- Anlage konnte plangemäß über verschiedene Stolleneingänge erreicht werden, wobei auch Normalspurgleisanlagen im Grenzstollen, F-Stollen und G-Stollen installiert wurden. Eine Zufahrt über die Wüst-Gleisanlage vor Woffleben war geplant.
Die erforderliche Mittelbereitstellung erfolgte zwar durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion über einzurichtende Konten, die Beauftragung und Abrechnung sollte aber weitgehend den Bauleitungen vor Ort überlassen bleiben. Zwischenprüfungen übernahm die Preisprüfungsstelle der Amtsgruppe C im Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS. Deren Chef war Dr. Kammler. Die Finanzierung dieser Bauvorhaben erfolgte also ausschließlich aus Reichsmitteln, und dazu wurde ein besonderes Konto Ni B 11 bei der Deutschen Länderbank AG Berlin eingerichtet. Der SS-Führungsstab B 11 forderte monatlich für das Bauvorhaben Ku I B 11 von der Kontingent- und Rechnungsstelle der SS-Sonderinspektion die finanziellen Mittel an, die sich in der Größenordnung von sieben bis zehn Millionen Reichsmark bewegten. Die Anlage Kuckuck war auf 150 Millionen Reichsmark veranschlagt. Der SS-Führungsstab hatte gemeinsam mit der Bauleitung Fricke (Architekt Wilhelm Fricke) gemeinsam das Postschließfach Nr. Halle/Saale 2) 1504/B11.
Aus der Zeichnung der Benzinspaltanlage kann man mehrere Maschinenräume (Kammern), Kompressoren, Destillationsraum, Ofenhäuser, Pumpenhäuser, Kammern für Elektroversorgung, für Benzinwäschen und Reinigung, Mischhäuser, Wasseraufbereitung und Betriebsüberwachung erkennen. Nach einem Plan sollten die Kuckuck-Aggregate für die Treibstoffherstellung im Berg in der Vertikalen bis 15 Meter hoch und mit Steigleitung bei 39 Metern liegen, wobei offenbar die Produktleitung durch einen Kanal im Berg bis auf 60 Meter Höhe geführt werden sollte. Vorgesehen waren u.a. Stollen für den Einbau von Büros und Sozialräumen, Küchen, Ambulanz-Klinik sowie eine Anzahl Lagerstollen. Die erprobte Technologie des Ausbruches der Stollenanlagen sah vor, dass der Vortrieb an einer Arbeitsstelle von einem Sprengmeister, vier Bohrern, einem Baggerführer, einem Lokfahrer und Rangierer mit Hilfskräften im Akkordsystem durchzuführen war. Gearbeitet wurde in drei Schichten; in der ersten und zweiten Schicht wurde gebohrt und gesprengt und in der dritten Schicht das Haufwerk gefördert.
Originalplan des Architekten W. Fricke, 1944 (Abbildung anbei) Zu B 11 (1944) in ihrer Lage zum heute noch vorhandenen Stollensystem, das von der WiFo und später von den Mittel- und Nordwerken genutzt wurde. Gut zu erkennen ist die leitermäßige Struktur der Anlage mit insgesamt 90 Kammern á max. 65 Meter Länge, einer Kammerbreite von 12,5 Metern bei einer Höhe bis zur Kammersohle von 9,8 Metern, drei Haupterschließungsstollen, 13 Zugangsstollen (Gesamt).
Zu erkennen ist, dass der rechte Teil für Eber- und links die Kuckuck-Anlage (Tarnbezeichnungen) vorgesehen war. Die nutzbare Fläche gesamt sollte rund 101 000 Quadratmeter betragen, davon waren 12 700 Quadratmeter Verkehrsfläche. Der Plan wurde offenbar bis zumindest 1947 verwendet, als Grundlage auch für die 1947 erfolgten Teilsprengungen diente.
B11- eingesetzte Firmen und Häftlingseinsatz aus dem KZ Mittelbau
Großdeutsche Schachtbau AG in Gemeinschaft mit dem Gipswerk Nie.
Fa. Gebhard und König
Fa. Gehlen KG und 20 weitere, zusätzlich 3 Arbeitsgemeinschaften wie Arge Süd und Südbagger.
Häftlinge aus dem KZ Mittelbau wurden massiver hinzugezogen, so dass beispielsweise ein Trupp von 4 Mann aus den Firmen etwa um 10 Häftlinge ergänzt worden ist. Übergabe der Häftlinge für das Bauvorhaben B11 fand vor dem Stollen (wahrscheinlich: Grenzstollen-d.A.) oder auf dem damaligen Platz an der Zorgebrücke statt. Dort wurde dann zunächst durchgezählt und in den Arbeitseinsatz eingeteilt, der sofort damit erfolgen sollte. Also hat auch das Ammoniakwerk, Gipswerk Niedersachswerfen an B11 auch direkt mit Häftlingen aus dem KZ gearbeitet.
Tim Schäfer
Autor: redDas Ammoniakwerk Ni (Niedersachwerfen), das Gipswerk stand Anfang 1945 in vielfältigen, bisher wenig bekannten Beziehungen oder Details zu den Rüstungsprojekten in der Region. So gab es auch eine italienische Musikkapelle, die die bunten Abende unserer italienischen Gastarbeiter wiederholt abgesichert hat, laut einer Mitteilung der NORDWERKE Aktiengesellschaft vom Januar 1945, Abteilung K.D.F. (= Kraft durch Freude, nationalsozialistische geprägte Gemeinschaft).
Nun, das Regime und die Arbeitsbedingungen waren streng geregelt, das Sachswerfer Werk war in kriegswichtige Bauvorhaben wie dem Geheimprojekt B11, unter Führung der SS, eingebunden. Die Musikapelle bestand aus mindestens 5 Musikern, die im Ammoniak-/Gipswerk Niedersachswerfen eingesetzt worden sind, so im Steinbruch (Brambilla).
Die Belegschaft des Gipswerkes erhöhte sich 1944 auf 857 Mann, wobei Deutsche 564 und Ausländer 293, davon 38 zur Stammgefolgschaft zählten. Die große Mehrheit der Ausländer machten hier die Italiener und Franzosen, gefolgt von Ostarbeitern, Belgiern und Polen aus.
Die sogen. Gefolgschaftsabteilung – Lagerbetreuung- hatte demnach vielfältig weitergehende Aufgaben, so auch zur Entlausung, die in der Entwesungsanstalt im Mittelwerk zumindest bis Mitte März 1945 ausgeführt werden sollten. Darunter auch mindestens 41 Arbeitskräfte, die in der Unterkunft Wacker-Klubhaus Nordhausen untergebracht waren. Darunter Slowaken, Polen, Franzosen und Kroaten.
Hintergrund
Wie kam es zu B11?
Die Gründung des Jägerstabes (später dann Rüstungsstab) 1944 setzte auf zum Teil vorhandene Planungen auf und entsprach dem Motiv in der Krise, sichere Gegenmaßnahmen gegen die weitere Zerstörung kriegswirtschaftlich wichtiger Anlagen durch alliierte Luftangriffe, vor allem der Flugzeugwerke wie Junkers, schnellstmöglich zu treffen sowie innovatives Kriegsgerät herstellen und versorgen zu können. Auch der Geilenberg-Stab hatte ähnliche Aufgabenstellungen.
B 11 wurde schließlich auf die Bedürfnisse des Programms Eber", dieses sah den Bau einer Sauerstoffverflüssigungsanlage im Berg vor, abgestimmt. Dazu kam das Programm Kuckuck, welches die Einrichtung eines großen Treibstoffwerkes von 240 000 Tonnen Treibstoff umfassen sollte. Beide Programme waren federführend von Carl Krauch geplant worden, der wohl zum wichtigsten Mann für Fragen der Chemie-Industrie im Dritten Reich avanciert und vorher Manager der IG Farben AG war. Krauch war in die Geheimprojekte in Niedersachswerfen schon seit 1936 involviert. Die Kuckuck- und die Eber B11 Bau- Anlage konnte plangemäß über verschiedene Stolleneingänge erreicht werden, wobei auch Normalspurgleisanlagen im Grenzstollen, F-Stollen und G-Stollen installiert wurden. Eine Zufahrt über die Wüst-Gleisanlage vor Woffleben war geplant.
Die erforderliche Mittelbereitstellung erfolgte zwar durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion über einzurichtende Konten, die Beauftragung und Abrechnung sollte aber weitgehend den Bauleitungen vor Ort überlassen bleiben. Zwischenprüfungen übernahm die Preisprüfungsstelle der Amtsgruppe C im Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS. Deren Chef war Dr. Kammler. Die Finanzierung dieser Bauvorhaben erfolgte also ausschließlich aus Reichsmitteln, und dazu wurde ein besonderes Konto Ni B 11 bei der Deutschen Länderbank AG Berlin eingerichtet. Der SS-Führungsstab B 11 forderte monatlich für das Bauvorhaben Ku I B 11 von der Kontingent- und Rechnungsstelle der SS-Sonderinspektion die finanziellen Mittel an, die sich in der Größenordnung von sieben bis zehn Millionen Reichsmark bewegten. Die Anlage Kuckuck war auf 150 Millionen Reichsmark veranschlagt. Der SS-Führungsstab hatte gemeinsam mit der Bauleitung Fricke (Architekt Wilhelm Fricke) gemeinsam das Postschließfach Nr. Halle/Saale 2) 1504/B11.
Aus der Zeichnung der Benzinspaltanlage kann man mehrere Maschinenräume (Kammern), Kompressoren, Destillationsraum, Ofenhäuser, Pumpenhäuser, Kammern für Elektroversorgung, für Benzinwäschen und Reinigung, Mischhäuser, Wasseraufbereitung und Betriebsüberwachung erkennen. Nach einem Plan sollten die Kuckuck-Aggregate für die Treibstoffherstellung im Berg in der Vertikalen bis 15 Meter hoch und mit Steigleitung bei 39 Metern liegen, wobei offenbar die Produktleitung durch einen Kanal im Berg bis auf 60 Meter Höhe geführt werden sollte. Vorgesehen waren u.a. Stollen für den Einbau von Büros und Sozialräumen, Küchen, Ambulanz-Klinik sowie eine Anzahl Lagerstollen. Die erprobte Technologie des Ausbruches der Stollenanlagen sah vor, dass der Vortrieb an einer Arbeitsstelle von einem Sprengmeister, vier Bohrern, einem Baggerführer, einem Lokfahrer und Rangierer mit Hilfskräften im Akkordsystem durchzuführen war. Gearbeitet wurde in drei Schichten; in der ersten und zweiten Schicht wurde gebohrt und gesprengt und in der dritten Schicht das Haufwerk gefördert.
Originalplan des Architekten W. Fricke, 1944 (Abbildung anbei) Zu B 11 (1944) in ihrer Lage zum heute noch vorhandenen Stollensystem, das von der WiFo und später von den Mittel- und Nordwerken genutzt wurde. Gut zu erkennen ist die leitermäßige Struktur der Anlage mit insgesamt 90 Kammern á max. 65 Meter Länge, einer Kammerbreite von 12,5 Metern bei einer Höhe bis zur Kammersohle von 9,8 Metern, drei Haupterschließungsstollen, 13 Zugangsstollen (Gesamt).
Zu erkennen ist, dass der rechte Teil für Eber- und links die Kuckuck-Anlage (Tarnbezeichnungen) vorgesehen war. Die nutzbare Fläche gesamt sollte rund 101 000 Quadratmeter betragen, davon waren 12 700 Quadratmeter Verkehrsfläche. Der Plan wurde offenbar bis zumindest 1947 verwendet, als Grundlage auch für die 1947 erfolgten Teilsprengungen diente.
B11- eingesetzte Firmen und Häftlingseinsatz aus dem KZ Mittelbau
Großdeutsche Schachtbau AG in Gemeinschaft mit dem Gipswerk Nie.
Fa. Gebhard und König
Fa. Gehlen KG und 20 weitere, zusätzlich 3 Arbeitsgemeinschaften wie Arge Süd und Südbagger.
Häftlinge aus dem KZ Mittelbau wurden massiver hinzugezogen, so dass beispielsweise ein Trupp von 4 Mann aus den Firmen etwa um 10 Häftlinge ergänzt worden ist. Übergabe der Häftlinge für das Bauvorhaben B11 fand vor dem Stollen (wahrscheinlich: Grenzstollen-d.A.) oder auf dem damaligen Platz an der Zorgebrücke statt. Dort wurde dann zunächst durchgezählt und in den Arbeitseinsatz eingeteilt, der sofort damit erfolgen sollte. Also hat auch das Ammoniakwerk, Gipswerk Niedersachswerfen an B11 auch direkt mit Häftlingen aus dem KZ gearbeitet.
Tim Schäfer




