nnz-tv Nachrichten aus Nordthüringen Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Sa, 11:13 Uhr
17.07.2021
Uwe Steimle in Neustadt

"Wir kommen aus der Zukunft!"

Zum zweiten Mal gastierte der Kabarettist Uwe Steimle gestern in Neustadt. Ratskeller-Chef Frank Poitinger hatte es möglich gemacht. Bevor der Sachse so richtig loslegte, gab es einen gemeinsamen musikalischen Gruß...

Mehr als 300 Gäste lauschten dem Auftritt Steimles (Foto: nnz) Mehr als 300 Gäste lauschten dem Auftritt Steimles (Foto: nnz)
Eigentlich wollte es Erika Schirmer, die Schöpferin der "Kleinen weißen Friedenstaube" möglich machen und den Auftritt persönlich miterleben. Doch die Gesundheit machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Und so galt das gemeinsame Singen ihres Liedes als der Gruß ins Pflegeheim.

Schon die gemeinsame Sangeskraft und Texfestigkeit der mehr als 300 Gäste, die den Platz neben der Neustädter Kirche füllten, ließen erahnen, dass Menschen aus den etwas älteren Bundesländern an diesem Freitagabend in der deutlichen Minderheit waren.

Und so zog sich dieses Heimat- und Vaterlandgefühl komplett durch die fast zwei Stunden, die den Zuhörern arg zu schaffen machten. Zumindest den Teil ihrer Muskeln, die zum Lachen, Lächeln und Johlen notwendig sind. Ganz klar: Corona war das Intro des Abends und der erste Lacher war perfekt, als Steimle zitierte, dass die Infektionen 40 Prozent höher gewesen seien als vermutet. "Was wollte der Dichter uns damit sagen", ging es in Richtung Klaus Kleber. Steimles Rat: "Machen Sie Urlaub im Donau-Delta und fliegen Sie dorthin mit Delta Airlines".

Das eigentlich Programm unter dem Titel "Feinkost" war eine persönliche Reise Steimles durch seine berufliche Vita. Das begann im Theater, ging vor und nach der Wende im TV weiter. Bis er sich unbeliebt machte und dann vom MDR nicht mehr gewollt wurde. Nicht nach Lachen zumute war dem Publikum, als Steimle berichtete, dass sein einstiger Heimatsender ihn aus der Doku "50 Jahre Polizeiruf 110" rausgeschnitten habe. Dort hatte Uwe Steimle immerhin 16 Jahre den Kommissar Jens Hinrichs aus Schwerin gespielt.

Aber so sei das, wenn man im Staatsfernsehen, das eigentlich staatsfern sein sollte, nicht mehr mitmachte. "Erst, wenn du gegen den Strom schwimmst, merkst du, wieviel Dreck dir da entgegen kommt."

In der weiteren Folge standen sodann die "Seuchen-Heilige Angela", die Erste, der Bundes-Uhu Frank Walter Steinmeier und natürlich die Grünen im Bannstrahl seiner Satire. Wer die Grünen wähle, der wähle den Krieg, oder: Wer Grün wählt, der wünscht sich auch als Kerngesunder, dass er gerne mal Krebs haben wollte."

Steimle berichtete den Zuhörern und Zuschauern an diesem Abend von zufälligen Begegnungen mit ganz normalen Menschen, von einer Kirchenführerin oder einem Kasperkopfschnitzer. Sie hätten weitaus tiefere Spuren bei ihm hinterlassen als zum Beispiel der Ostbeauftragte Marco Wanderwitz, der Herr Mister Running-Gag. Früher, ja früher hätte man ihn als "Saugnapf auf der Planstelle" bezeichnet.

Nicht vergessen wurde das islamistische Attentat von Würzburg, in dessen Folge der Somalier, der drei Menschen tötete, vom Täter zum Opfer gemacht werde. Steimle schlug vor, dass der Bundes-Uhu (siehe oben) dem afrikanischen Gast den "Mohr mit Smaragdstufe" aus dem Grünen Gewölbe schenken solle, "bevor der ihn klaut". Die Menschen applaudierten, manche wussten nicht, ob ihnen zum Heulen oder Lachen zumute war.

Nach der Pause wurde wieder gesungen: "Unsere Heimat" war dran und besonders stimmgewaltig wurde der mehrere hundert Kehlen starke Chor bei "... und wir schützen die Heimat,... weil sie unserem Volke gehört!"
Gehört zum Pflichtteil seines Programms: Honecker-Parodie (Foto: nnz)
Uwe Steimle in Neustadt (Foto: nnz)
"Das riecht nach richtigem Gummi" (Foto: nnz)
So einfach und genial: der Bleistift von Tadeus Punkt (Foto: nnz)


Kleine, aber bekannte Requisiten hatte Steimle, neben dem Honecker-Hut, mitgebracht. Eine Friedhofsgießkanne aus Gummi oder den Zauberwürfel des Ungarn Ernö Rubik. Letzteren bezeichnete Steimle als "Integrationswürfel", denn jeder, der das schafft alle Farben an den korrekten Platz zu drehen, "der kann bleiben".

Dann zur Gegenwart und darüber hinaus sowie zur Transformation der Gesellschaft vom Kapitalismus in den Sozialismus. "Das haben wir Ossis doch alles schon mal erlebt, eben nur anders rum" und deshalb: "Wir kommen aus der Zukunft" und wissen dass all das, was jetzt eingeleitet werde, eine "Verblödung am offenen Hirn" sei. Allerdings würden das die Wessis nicht verstehen und sie würde auch nicht erkennen, dass die Corona-Krise eine "Insolvenzverschleppung des Kapitalismus" übertünchen solle.

Von der Zukunft reiste Uwe Steimle zum Ende seines Auftritts in unsere Vergangenheit. "Wenn wir damals angeblich nicht viel beigebracht bekommen haben, aber das es nie wieder Faschismus und nie wieder Krieg geben darf, dass hat sich in unseren Köpfen festgefressen. Und uns ehemalige DDR-Bürger auch nur in diese Nähe von Nazis zu bringen, das ist die größte Unverfrorenheit, die ich je erlebt habe." Die Zustimmung des Publikums kam mit Bravo-Rufen, mit stehen Ovationen und einer Menge Beifall, deren Lohn drei Zugaben waren.

Frank Poitinger, der Ratskeller-Chef, ist mit Uwe Steimle befreundet. Das machte das erneute Gastspiel möglich, verbunden mit der Zusage auf eine dritte Folge im nächsten Jahr. Uwe Steimle war schon öfter in Nordhausen zu Gast, im Theater zum Beispiel. Ich persönlich bin gespannt, ob es im Tempel der Nordthüringer Hochkultur nach dessen Sanierung und Umbau ein erneutes Gastspiel geben würde. Kenner der Szene sagen jetzt schon: Nein, der ist nicht mehr genehm!
Peter-Stefan Greiner
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

17.07.2021, 13.34 Uhr
redela | Ehrlich
Kein Wunder, dass Hr.Steimle auf manchen Veranstaltungen nicht gerne gesehen ist. Mit manch seinen 'Spitzfindigkeiten' schießt er sich selbst ins Abseits. Und dann "wundert" er sich über Empörung. Ob das mal nicht so gewollt ist?!
Er kann seine Finger in die Wunden legen, aber der Ton macht die Musik. Und diese Oberflächlichkeiten sind mir zu einfach, und manchmal auch zu "gewollt".
Was der MDR gemacht hat, ist auch nicht die feine englische Art. Aber das sollten sie unter sich klären, und nicht so vor sich her tragen.

"Dass man in einer freiheitlichen Gesellschaft mit seiner Meinung bei Andersdenkenden aneckt, soll vorkommen. Schließlich beinhaltet das Recht auf Meinungs- freiheit nicht das Recht, mit seiner Meinung auch Recht zu bekommen.

Und sich als politisch verfolgt zu betrachten, wenn man nach vielen Jahren seine eigene Show beim Fernsehen verliert, ist auch übertrieben - so erging es schon vielen Stars vor ihm. Dass Steimle-Fans trotzdem sauer oder traurig sind, ist aber verständlich. Vielleicht ruft ihn ja morgen ein anderer Sender an..." (Superillu.de 27.12.2019)

Ich finde, dass ist ein guter Schluss.
Und er ist ja immer noch bestens im Geschäft.

1   |  2     Login für Vote
17.07.2021, 14.26 Uhr
redela | Ehrlich
Mich erstaunt es nicht, dass Hr.Steimle bei manchen Veranstaltungen nicht willkommen ist. Mit manchen seiner 'Spitzfindigkeiten' schießt er gerne mal über das Ziel hinaus. Und dann 'wundert' er sich, dass es Empörung gibt. Ob das wohl nicht so "gewollt" ist?!
Er kann gerne seine Meinung kundtun, so wie ich es jetzt auch tue. Und mit den Reaktionen halt leben.
Er kann seine Finger in die Wunden legen- doch der Ton macht die Musik. Und manch dieser Oberflächlichkeiten sind mir zu einfach, als dass man darüber überhaupt diskutieren und zu einem Konsens kommen kann.
Was der MDR getan hat, war auch nicht die feine englische Art. Aber dass sollten sie unter sich klären, und nicht ständig vor sich her tragen.

Und über mangelnde Arbeit kann er sich ja schlussendlich nicht beklagen.

7   |  18     Login für Vote
17.07.2021, 14.53 Uhr
BigBen | Frank Poitinger hatte es möglich gemacht.
Ich ziehe den Hut vor diesen Mann. Er hat den Mut, den viele andere Wendehälse nicht haben. Wie viele wenden sich ab von Uwe Steimle, seit er vom Staat praktisch als unerwünschte Person behandelt wird? Es ist hierzulande immer noch nicht so leicht wie man es behauptet, die Wahrheit als zu oft oder als zu laut von sich zu geben,oder? Das Ganze hat ein Geschmäckle von, na raten sie mal?

19   |  3     Login für Vote
17.07.2021, 14.58 Uhr
nordfreak | Vielleicht
sollte gestern Abend einfach mal gelacht werden. Denn das will Kabarett eben auch, neben dem Nachdenklichen.

12   |  1     Login für Vote
17.07.2021, 16.34 Uhr
jan-m | Witzig geht anders.
Da macht ein wenig begabter "Kabarettist" Kasse mit seinem Rauswurf beim MDR. Witzig geht anders.
Die Witze waren so schlecht, dass ich den MDR verstehen kann.
Manchmal ist ein Skandal kein Skandal sondern eine einfach richtige Entscheidung.

2   |  6     Login für Vote
17.07.2021, 22.16 Uhr
diskobolos | Steimle war früher wirklich witzig
Aber jetzt hat er wohl den Instinkt dafür verloren was Humor und was einfach geschmacklos ist. Das ist eigentlich schade. Er bedient damit eine Nische, die rechts von der Mitte angesiedelt ist.

4   |  17     Login für Vote
18.07.2021, 07.43 Uhr
nur_mal_so | Verstehe ich die Pointe richtig:
Man darf Ostdeutsche pauschal nicht als Nazi bezeichnen, weil wir in Geschichte mal was gelernt haben?
Ich kenne da einen Geschichtslehrer, der aus entsprechenden Gründen per Gerichtsbeschluss Faschist genannt werden darf - aber, gut, der ist tatsächlich kein Ossi, der fischt hier nur.

8   |  9     Login für Vote
18.07.2021, 10.17 Uhr
nordfreak | Die Mitte
Es ist interessant, dass Kommentatoren hier suggerieren, dass rechts von der Mitte etwas Abscheuliches ist, dafür - so der Umkehrschluss - ist links von der Mitte immer gut. Damit ist doch alles gesagt. Zum Schluss: das Publikum in Neustadt, das war die Mitte der Gesellschaft und soweit ich das überblicken konnte auch diejenigen, die tatsächlich etwas zum Bruttosozialprodukt beitragen.

9   |  2     Login für Vote
18.07.2021, 12.02 Uhr
nur_mal_so | Ich würde nicht so weit gehen zu sagen:
"Wenn ein Kommentator das sagt, so schließt es umgehrt alles andere aus" (oder ein, je nach Bezug).

Ich meine, jemand der stets von "Gutmenschen" spricht und damit andere meint, will doch selbst auch nicht als "Schlechtmensch" bezeichnet werden, obwohl das der völlig logische Umkehrschluss wäre.

Ich finde, dieses absolute Schwarz-Weiß-Denken und die verhärtete "wer nicht meiner Meinung ist, ist logischerweise automatisch gegen mich"-Haltung bedenkenswert.

6   |  2     Login für Vote
18.07.2021, 12.14 Uhr
nur_mal_so | Nachtrag
(Kann von der nnz auch mit dem vorangegangenem Kommentar zu einem kombiniert werden(:

So möchte ich auch meinen eigenen, vorangegangenen Kommentar verstanden wissen. Ich meine, ich weiß nicht, wie korrekt Herr Steimle da zitiert wurde, aber was soll dieses absolute "Wir hatten in der DDR Geschichtsunterricht" (ergo) "welch Unverfrorenheit, Ostdeutsche als Nazis zu bezeichnen"?
Natürlich gibt's im Osten Nazis und Neonazis. Die gab es, trotz Geschichtsunterricht, sogar schon während der DDR, nur durfte es sie nicht geben, und erst recht durften sie nicht so genannt werden.

Also, entweder verstehe ich den Witz nicht, oder ich kann ihn einfach nicht komisch finden.

5   |  7     Login für Vote
18.07.2021, 17.54 Uhr
Landarbeiter | Tut mir leid,
Den Zonen-Uwe hier noch einmal auszugraben, aber hier ist einiges richtig zu stellen.

Zum einen bedient Zonen-Uwe immer die Ränder. Entweder Kommunisten (bis vor kurzem) oder die Rechten ( aktuell) . Ein Schelm wer da an Zufälle glaubt.

Ansonsten würde ich diesen @Nordfreak gerne mal fragen, wo er da auf den Bildern die Mitte der Bruttosozialprodukt schaffenden Leistungsträger unserer Gesellschaft erkennt? Ich sehe da auf den Bildern 90% ältere Leute, die nichts zum Bruttosozialprodukt, aber sehr viel zu Zonen-Uwe's Erlösen auf der Steuererklärung beitragen.

Der lacht sich doch jeden Abend ins Kissen und freut sich am nächsten Morgen über die, denen er wieder das Lied von der Friedenstaube vorsingen darf.

2   |  11     Login für Vote
18.07.2021, 18.32 Uhr
tannhäuser | Tut mir Leid...
...aber Steimle ist für mich kein Opfer der Cancel Culture oder sonstwas..

O.F. Weidling ist es damals richtig schlimm ergangen nach einem Witz über die DDR und Günter Mittag.

Wem es gefällt, der soll sich gerne darüber amüsieren, da muss man Steimles Fans auch nicht arroganterweise sonstwie beleidigend betiteln, um für sich selbst eine höhere Intellektuellere Stufe zu definieren, um gebührenfinanzierte Regierungshofschranzen wie Kebekus, Böhmermann oder Welke zu rechtfertigen.

Seitdem Pispers und Schramm im TV nicht mehr auftreten und Kalkofe sowie Krömer und Priol handzahme Analkriecher geworden sind, ist das politische Kabarett sowieso tot.

Und wenn sich ältere Leute vis-a-vis 2 Stunden von Steimle erfreuen lassen können, sollte auch ein Landarbeiter, der hier an anderer Stelle den hypertoleranten Trüffel-Groupie spielt, mal etwas Respekt aus den verknöcherten Rippen schwitzen können.

7   |  1     Login für Vote
18.07.2021, 19.33 Uhr
Wolfi65 | Er ist eben nicht für jedes Publikum genehm
Als Fernseh-Kriminaler ja, doch schon schön.
Als Gesellschaftskritiker und Komödien.
Ja auch.
Für Neustadt eine Abwechslung.
Er will noch ein bisschen Geld verdienen.
Man nimmt ihn zur Kenntnis.

2   |  0     Login für Vote
18.07.2021, 21.43 Uhr
Landarbeiter
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
25.07.2021, 15.44 Uhr
Opa Hardrock
Der Beitrag wurde deaktiviert – Beziehen Sie sich in Kommentaren auf den Inhalt des Artikels
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

Anzeige MSO digital
 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.