Schulwettbewerb kürt Teilnehmer für den Regionalwettbewerb
Streitkultur entwickeln - Debattieren will gelernt sein
Politische Debatten im Parlament sind für Schüler oft schwer nachvollziehbar. Doch nicht nur dort tritt diese Form des Meinungsaustausches auf, sondern überall, wo man berät, weil eine wichtige Entscheidung ansteht. In einer Demokratie sollte jeder Bürger debattieren können...
Die Teilnehmer des Schulwettbewerbs Jugend debattiert aus den Klassen 8 bis 11 sowie Schülerjuroren (Foto: H.Roeder)
Es muss gelernt sein, klar zu sagen, worum es geht und beide Seiten einer Frage aufzuzeigen und abzuwiegen. Für jeden Zuhörer erweist sich eine Debatte als Zugewinn an Informationen und Entscheidungshilfe. Nur so steigt die Chance für eine kluge Entscheidung.
In der Debatte kommt es darauf an, einen Standpunkt überzeugend vertreten zu können, Gründe für diesen zu nennen und ihn gegen Einwände zu verteidigen. Dafür gibt es eine klare Strukturvorgabe: Vier Gesprächsteilnehmer (je zweimal Pro bzw. Kontra) erhalten in der Eröffnungsrunde die Möglichkeit, Thema, Positionierung und Argumente dafür aufzuzeigen. Die anschließende Schlussrunde dient dann der neuerlichen Positionierung der Rede – im Lichte der geführten Debatte. Eine Debatte verlangt auch, auf jede Situation sprachlich, inhaltlich und argumentativ) flexibel zu reagieren. So muss auf den Vorredner Bezug genommen werden, ohne die eigene Position aus dem Blick zu verlieren. Gerade in der freien Aussprache gilt es, zunächst anzuknüpfen, dies dann zu kommentieren und eine Schlussfolgerung abzuleiten. Beim Debattieren wird die politische Aussage nicht bewertet. Gefordert wird, dass sich der Redner der Auseinandersetzung stellt und die Regeln dieser Debatte beachtet.
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Dies muss natürlich trainiert werden. Verschiedene Arbeitstechniken stehen dazu zur Verfügung. Gerade das aktive Zuhören und überzeugende Argumentieren stehen im Vordergrund. Die sachlich intensive Vorbereitung muss jeder im Selbststudium absolvieren, bekommt aber Rüstzeug in die Hand, wie das Suchfenster, den Fragefächer oder den Begriffsbaum.
Nachdem in den einzelnen Klassen Wettstreite zu den unterschiedlichsten Themen angeboten und jede teilnehmende Klasse ihre Teilnehmer ermittelt hatte, stellten sich nun ausgewählte Schüler des Herder-Gymnasiums aus den Klassenstufen 8 bis 11 der Herausforderung des Schulwettbewerbs. Entsprechend der Altersgruppe setzten sich die Schüler im Vorfeld individuell mit verschiedenen Themen auseinander. Dabei ging es für die Klassen 8 und 9 darum, ob das Freischwimmerabzeichen eine Bedingung für den Erhalt eines Schulabschlusses werden sollte sowie die Bedeutung sozialen Engagements an der Schule.
Teilnehmer der Oberstufe diskutierten die Frage nach Selbstentscheidung Sechzehnjähriger bzgl. Körpermodifikationen und ob nur noch fair produzierte Lebensmittel angebaut und verkauft werden sollen. Diese Themen sowie die jeweilige Position (Pro / Kontra) wurden zum Wettbewerb ausgelost. Nach kurzer Besprechung mit dem Gesprächspartner starteten die einzelnen Gruppen. Besonderes Augenmerk richtete die Jury entsprechend der Hertie-Stiftung auf die Sachkenntnis, das Ausdrucksvermögen, die Gesprächsfähigkeit sowie die Überzeugungskraft.
Die parallel durchgeführten Debatten der entsprechenden Klassenstufen ermittelten jeweils den besten Debattanten, die dann in die Finaldebatte einzogen.
Nach knapp fünf Stunden und interessanten sowie sehr niveauvollen Debatten, die von intensiver Vorbereitung und großem Engagement zeugten, standen die Sieger dieses Schulwettbewerbes fest: In der Altersgruppe I setzten sich Lena Dittberner und Maximilian Schärf aus der Klassenstufe 9 durch, während der Zehntklässler Lukas Kunde und Tim Rödiger aus der Klasse 11 in der Altersstufe II besonders überzeugten. Die jeweils Drittplatzierten werden ihre Mitstreiter bei der Vorbereitung der nächsten Stufe des Debattierens unterstützen und sie im Bedarfsfall vertreten.
Die Gewinner der Debattierrunden (v.l) Tim Rödiger, Lukas Kunde, Daven Jödicke, Lena Dittberner, Maximilian Schärf und Adea Kullashi (Foto: H.Roeder)
Als Sieger des Schulwettbewerbs nehmen o.g. Schüler nun am regionalen Wettstreit, der in diesem Jahr digital durchgeführt werden wird, teil.
Kirsten Arnold, Organisatorin des Wettbewerbs am Herder-Gymnasium, bekräftigte, dass es zum Teil sehr enge Entscheidungen gewesen seien und manchmal nur ein einziger Redebeitrag den Ausschlag gegeben habe. Ihr Dank galt ebenfalls den Juroren, die kritisch und fair einschätzten. Auch aus ihren Reihen werden zwei Vertreter beim Regionalausscheid mitwirken. Und gerade deshalb wird sie aus diesem Kreis weitere Schüler als Zuhörer und für die Regional-Jury als Anerkennung ihrer Leistung sowie ihres Engagements delegieren.
Im Sinne des deutschen Philosophen Gadamers soll die Tradition des Debattierens am Herder-Gymnasium auch zukünftig fortgesetzt und Wettbewerbe im Klassenverbund sowie auf Schulebene durchgeführt werden: Nur wenn wir uns der möglichen Gegensicht aussetzen, haben wir Chancen, über die Enge unserer eigenen Voreingenommenheiten hinauszugelangen.
Damit leistet die Fähigkeit des Debattierens mehr als nur einen Beitrag zur schulischen Reife. Heike Roeder
Na dann kann ja nichts mehr schief gehen. Und einen Sieger gibt es auch. Das ist aber nicht die Realität. Debattieren Sie mal mit einem Polizisten auf der Straße beim "Spaziergang". Debattieren kann ich in der Schulaula vor anderen Schülern oder im Bundes- oder Landtag als Oppositionspartei. Dann können sich die anderen Beisitzenden noch mit dem Handy beschäftigen.
Das ist nicht das Leben draußen.
Um den Wert hilfreicher Debatten zu erkennen, sollte in diese Kurse vielleicht auch Filmmaterial von Märschen im Dunkeln eingebaut werden. Allen voran gewaltsame Aufmärsche mit Fackeln im unregierbaren Ostsachsen. Quasi als Beispiel, wie gesellschaftliches Miteinander nicht funktioniert.
Im Debattierclub lernt man, seine Meinung faktisch zu begründen, belegbare Beweise für die Meinung zu finden und logisch argumentativ zu vertreten, sowie Meinungen der Gegenseite zu akzeptieren, zu interpretieren, die eigene Meinung dabei kritisch zu hinterfragen und eventuell auf der Basis eines bilateralen Gespräches, in welchem der Gegenüber ernst genommen und gehört wird, auch zu einem Konsenz zu finden.
Kommentator Marino50 hat recht, wenn er oder sie sagt, dass das nichts mit der Realität zu tun hat.
Um so wichtiger, dass gelehrt wird, wie es ginge - auf dass künftige Generationen verständiger werden mögen als heutzutage wir.
...weil er auch befürworten wird, Filmaterial von Autobahnblockaden, vom G7-Gipfel in Hamburg, gewalttätigen Randalen in Connewitz und Berlin sowie aus dem Hambacher Forst vorzuführen.
Und bei den heutigen technischen Möglichkeiten sollten sowohl verunglimpfte Dunkeldemonstrierer als auch selbsterhöhte politisch korrekt-aktivistische Lichtgestalten die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhalten.