Di, 12:39 Uhr
15.08.2006
Rückkehr ohne Groll
Nordhausen (nnz). Sinaida Isossomowa war 15 Jahre alt, als sie 1942 von Sewastopol nach Nordhausen verschleppt wurde. Sie musste in der Firma Schmidt & Krantz zwangsarbeiten. Heute kehrte die Frau nach Nordhausen zurück.
Rückkehr ohne Groll (Foto: nnz)
Sinaida Isossimowa (links), Dolmetscherin (Bildmitte), Barbara Rinke
Heute Vormittag begrüßte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) eine sechsköpfige Delegation aus Nowosibirsk, darunter die ehemaligen Zwangsarbeiter Alla Seidmann, Sinaida Isossimowa und Aleksej Budasow, im Nordhäuser Rathaus. Ich freue mich sehr, dass sie die lange Reise angetreten haben, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Besonders beeindruckend finde ich aber auch, sagt die Oberbürgermeisterin, dass sie uns und unseren Kindern jetzt selbst erzählen, was ihnen widerfahren ist.
Das Thema Zwangsarbeit sei der Stadt Nordhausen schon seit vielen Jahren sehr wichtig, Namen wurden erforscht und Zeitzeugen berichteten schon in der Vergangenheit vor interessierten Nordhäuser Bürgern.
Besonders für die 79-jährige Sinaida Isossimowa war es wichtig, Nordhausen noch einmal zu besuchen. Hierin wurde sie als 15-Jährige im September 1942 aus Sewastopol verschleppt. Fast zwei Jahre arbeitete sie täglich 12 Stunden nur im Stehen bei der Firma Schmidt & Krantz in Nordhausen, nahe ihres Lagers am An – der - Foehr - Damm. Das Leben im Lager sei sehr schwer gewesen, sagt sie sichtlich gerührt. 30 Menschen seien in einem Zimmer bei schlechter Versorgung untergebracht gewesen. Täglich gab es 2 Teller Wasserrübensuppe, 1 Teelöffel Zucker, 15 g Margarine, Rauchfleisch und 300 g Brot aus Holzmehl. Da fiel auch die schwere Arbeit nicht leicht. Doch Groll hege sie nicht. Die Menschen in Nordhausen und besonders in der Fabrik hätten oft geholfen und seien ihr immer noch in guter Erinnerung, sagt sie.
Die 77-jährige Alla Seidmann wird in den nächsten Tagen auch an den Ort ihrer Vergangenheit ins Eichsfeld reisen. Sie arbeitete eineinhalb Jahre in der Landwirtschaft in Heuthen im Eichsfeld. Ebenso Aleksej Budasow, der in einem Arbeitslager in Hohenroda/ Rhön als Zwangsarbeiter arbeitete und danach Häftling im KZ Buchenwald war.
Das Gesamtkonzept der Zeitzeugenbegegnung, die vom 14. – 24. August in Thüringen und Sachsen-Anhalt durchgeführt wird, wurde durch den Verein Arbeit und Leben, das Regionale Bildungszentrum Merseburg und das Seniorenbüro Merseburg organisiert.
Autor: nnz
Rückkehr ohne Groll (Foto: nnz)
Sinaida Isossimowa (links), Dolmetscherin (Bildmitte), Barbara Rinke
Heute Vormittag begrüßte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) eine sechsköpfige Delegation aus Nowosibirsk, darunter die ehemaligen Zwangsarbeiter Alla Seidmann, Sinaida Isossimowa und Aleksej Budasow, im Nordhäuser Rathaus. Ich freue mich sehr, dass sie die lange Reise angetreten haben, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Besonders beeindruckend finde ich aber auch, sagt die Oberbürgermeisterin, dass sie uns und unseren Kindern jetzt selbst erzählen, was ihnen widerfahren ist.
Das Thema Zwangsarbeit sei der Stadt Nordhausen schon seit vielen Jahren sehr wichtig, Namen wurden erforscht und Zeitzeugen berichteten schon in der Vergangenheit vor interessierten Nordhäuser Bürgern.
Besonders für die 79-jährige Sinaida Isossimowa war es wichtig, Nordhausen noch einmal zu besuchen. Hierin wurde sie als 15-Jährige im September 1942 aus Sewastopol verschleppt. Fast zwei Jahre arbeitete sie täglich 12 Stunden nur im Stehen bei der Firma Schmidt & Krantz in Nordhausen, nahe ihres Lagers am An – der - Foehr - Damm. Das Leben im Lager sei sehr schwer gewesen, sagt sie sichtlich gerührt. 30 Menschen seien in einem Zimmer bei schlechter Versorgung untergebracht gewesen. Täglich gab es 2 Teller Wasserrübensuppe, 1 Teelöffel Zucker, 15 g Margarine, Rauchfleisch und 300 g Brot aus Holzmehl. Da fiel auch die schwere Arbeit nicht leicht. Doch Groll hege sie nicht. Die Menschen in Nordhausen und besonders in der Fabrik hätten oft geholfen und seien ihr immer noch in guter Erinnerung, sagt sie.
Die 77-jährige Alla Seidmann wird in den nächsten Tagen auch an den Ort ihrer Vergangenheit ins Eichsfeld reisen. Sie arbeitete eineinhalb Jahre in der Landwirtschaft in Heuthen im Eichsfeld. Ebenso Aleksej Budasow, der in einem Arbeitslager in Hohenroda/ Rhön als Zwangsarbeiter arbeitete und danach Häftling im KZ Buchenwald war.
Das Gesamtkonzept der Zeitzeugenbegegnung, die vom 14. – 24. August in Thüringen und Sachsen-Anhalt durchgeführt wird, wurde durch den Verein Arbeit und Leben, das Regionale Bildungszentrum Merseburg und das Seniorenbüro Merseburg organisiert.

