Fr, 07:00 Uhr
18.10.2024
Gabriel Krone-Schmalz
Einfach mal die Perspektive wechseln
Diesmal waren es nicht sieben, sondern nur etwas mehr als zwei Jahre, da Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz in der Nordhäuser Stadtbibliothek zu Gast war. Manchmal sind es eben die besonderen Umstände, die es notwendig machen, einige Gegebenheiten” in der jüngsten Geschichte dieses Europas von verschiedenen Blickwinkeln aus zu beobachten…
Krone-Schmalz bei ihrem Vortrag (Foto: nnz)
Konnte die Journalistin im Jahre 2015 noch unter einigermaßen normalen Umständen ihre Sicht auf die Dinge” dem interessierten Publikum vortragen, so ist die geopolitische Gemengelage wesentlich komplizierter geworden. Oder doch nicht?
Vor allem aber stand und steht die Frage im Raum: Russland und wie weiter? Auf die fachliche Expertise von Krone-Schmalz explizit eingehen zu müssen, ist an dieser Stelle nicht nötig, auch wenn es Teile der Medien selbst im Osten dieser Republik nicht verstehen wollen oder können, dass ein Großteil ihre Rezipienten die Ausführungen der langjährigen ARD-Korrespondentin mit Beifall bedenken.
Zurück zum Besuch von Krone-Schmalz im Jahr 2022, der Angriff Russlands war bereits vier Monate alt. Nun ist sie wieder in der Rolandstadt und sie stellt einen Blick auf die Historie der Ukraine an den Anfang ihres Vortrags. So gebe es das heutige Gebiet erst seit dem Jahr 1991. Auch sei der Umgang mit Begrifflichkeiten heute ein anderer als noch vor einem Jahrzehnt. Kernenergie und Atommacht zum Beispiel. Der Querdenker sei damals noch ein häufig gebrauchtes Wort in Stellenanzeigen großer deutscher Zeitungen.
Aus der Geschichte der Ukraine ableitend, die von unterschiedlichen Interessen, Nationalitäten und Religionen geprägt war, schlussfolgert die Vortragende auf eine fehlende staatliche Kontinuität und das Fehlen föderaler Strukturen. Aus all dieser Gemengelage würden sich unterschiedliche Interessen ableiten, nicht nur der Ukraine selbst. Zum Beispiel die der EU oder der USA. Letztere seien die eigentlichen Profiteure, die eine Zusammenarbeit auf dem eurasischen Kontinent scheuen wie der Teufel das bekannte Wasser. Diese Zusammenarbeit läge nicht im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten.
Gabriele Krone-Schmalz (rechts) beim Signieren ihres neuesten Buches (Foto: nnz)
Gabriele Krone-Schmalz brachte es fertig, ihre Sicht auf den Status Quo in der Ukraine, fein seziert, aus der Geschichte herzuleiten. Zum Beispiel aus der Geschichte Europas, der EU, flankiert von den globalen Entwicklungen, zum Beispiel rund um die Brix-Staaten. Sie plädierte eindringlich, bei der Betrachtung der Entwicklungen rund um die Ukraine, alle Seiten, alle Handelnden, all ihre Ziele heranzuziehen. Leider haben die Medien an dieser Stelle total versagt.
Wie also nun weiter? Noch immer gebe es das Bestreben von Russland, einen angemessenen Platz in einer künftigen Sicherheitsarchitektur zu bekommen, der dem Land durchaus zustehe. Statt dessen würde in Deutschland von Kriegstüchtigkeit geredet. Wohin solle das führen? Zur Stationierung neuer weitreichender US-Raketen im dicht besiedelten Deutschland, ohne demokratische Diskussion oder Beschlussfassung? Und: wird unsere Demokratie wirklich in der Ukraine verteidigt oder geht es um die Interessen einzelner Akteure im globalen Spiel.
Aktuell sieht die Journalistin keinen politischen Plan, wie die Spirale der Kriegsvorbereitung aufzuhalten wäre. In den 1980er Jahren gab es ín Deutschland die größten Demos gegen den Nato-Doppelbeschluss, die das Land damals gesehen hatte. Vor allem junge Menschen gingen damals auf die Straßen, heute kleben sie sich darauf fest.
Der Vortrag von Krone-Schmalz bediente sich nicht der Glorifizierung von Russland, sondern basierte auf dem Wagnis des ständigen Perspektivwechsels. Einfach mal zu verstehen, warum Russland tatsächlich so handelt.
Ihr Schluss war der Demokratie gewidmet, deren wichtigster Bestandteil die Meinungsfreiheit ist, die durch eine Denunziantenkultur gefährdet sei und die eine Debattenkultur nahezu unmöglich macht. Die sogenannten trusted flagger, seien dafür nur der Anfang. Damit war Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz am Ende ihres einstündigen Vortrages angelangt, der mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach schloss: Nicht jene die streiten sind zu fürchten, sondern jene die ausweichen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg
Krone-Schmalz bei ihrem Vortrag (Foto: nnz)
Konnte die Journalistin im Jahre 2015 noch unter einigermaßen normalen Umständen ihre Sicht auf die Dinge” dem interessierten Publikum vortragen, so ist die geopolitische Gemengelage wesentlich komplizierter geworden. Oder doch nicht?
Vor allem aber stand und steht die Frage im Raum: Russland und wie weiter? Auf die fachliche Expertise von Krone-Schmalz explizit eingehen zu müssen, ist an dieser Stelle nicht nötig, auch wenn es Teile der Medien selbst im Osten dieser Republik nicht verstehen wollen oder können, dass ein Großteil ihre Rezipienten die Ausführungen der langjährigen ARD-Korrespondentin mit Beifall bedenken.
Zurück zum Besuch von Krone-Schmalz im Jahr 2022, der Angriff Russlands war bereits vier Monate alt. Nun ist sie wieder in der Rolandstadt und sie stellt einen Blick auf die Historie der Ukraine an den Anfang ihres Vortrags. So gebe es das heutige Gebiet erst seit dem Jahr 1991. Auch sei der Umgang mit Begrifflichkeiten heute ein anderer als noch vor einem Jahrzehnt. Kernenergie und Atommacht zum Beispiel. Der Querdenker sei damals noch ein häufig gebrauchtes Wort in Stellenanzeigen großer deutscher Zeitungen.
Aus der Geschichte der Ukraine ableitend, die von unterschiedlichen Interessen, Nationalitäten und Religionen geprägt war, schlussfolgert die Vortragende auf eine fehlende staatliche Kontinuität und das Fehlen föderaler Strukturen. Aus all dieser Gemengelage würden sich unterschiedliche Interessen ableiten, nicht nur der Ukraine selbst. Zum Beispiel die der EU oder der USA. Letztere seien die eigentlichen Profiteure, die eine Zusammenarbeit auf dem eurasischen Kontinent scheuen wie der Teufel das bekannte Wasser. Diese Zusammenarbeit läge nicht im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten.
Gabriele Krone-Schmalz (rechts) beim Signieren ihres neuesten Buches (Foto: nnz)
Gabriele Krone-Schmalz brachte es fertig, ihre Sicht auf den Status Quo in der Ukraine, fein seziert, aus der Geschichte herzuleiten. Zum Beispiel aus der Geschichte Europas, der EU, flankiert von den globalen Entwicklungen, zum Beispiel rund um die Brix-Staaten. Sie plädierte eindringlich, bei der Betrachtung der Entwicklungen rund um die Ukraine, alle Seiten, alle Handelnden, all ihre Ziele heranzuziehen. Leider haben die Medien an dieser Stelle total versagt.
Wie also nun weiter? Noch immer gebe es das Bestreben von Russland, einen angemessenen Platz in einer künftigen Sicherheitsarchitektur zu bekommen, der dem Land durchaus zustehe. Statt dessen würde in Deutschland von Kriegstüchtigkeit geredet. Wohin solle das führen? Zur Stationierung neuer weitreichender US-Raketen im dicht besiedelten Deutschland, ohne demokratische Diskussion oder Beschlussfassung? Und: wird unsere Demokratie wirklich in der Ukraine verteidigt oder geht es um die Interessen einzelner Akteure im globalen Spiel.
Aktuell sieht die Journalistin keinen politischen Plan, wie die Spirale der Kriegsvorbereitung aufzuhalten wäre. In den 1980er Jahren gab es ín Deutschland die größten Demos gegen den Nato-Doppelbeschluss, die das Land damals gesehen hatte. Vor allem junge Menschen gingen damals auf die Straßen, heute kleben sie sich darauf fest.
Der Vortrag von Krone-Schmalz bediente sich nicht der Glorifizierung von Russland, sondern basierte auf dem Wagnis des ständigen Perspektivwechsels. Einfach mal zu verstehen, warum Russland tatsächlich so handelt.
Ihr Schluss war der Demokratie gewidmet, deren wichtigster Bestandteil die Meinungsfreiheit ist, die durch eine Denunziantenkultur gefährdet sei und die eine Debattenkultur nahezu unmöglich macht. Die sogenannten trusted flagger, seien dafür nur der Anfang. Damit war Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz am Ende ihres einstündigen Vortrages angelangt, der mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach schloss: Nicht jene die streiten sind zu fürchten, sondern jene die ausweichen.
Peter-Stefan Greiner

