Fr, 15:00 Uhr
11.04.2025
Zwei Bürgerinitiativen gegen Windkraft im Südharz
Es regt sich Widerstand
In Harztor wurden Ende März Pläne für den Bau mehrerer Windräder nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt vorgestellt. Unter dem Motto Keine Windindustrie im Naturpark regt sich nun Widerstand gegen das Vorhaben…
Zweifel an der Machbarkeit der in Niedersachswerfen vorgelegten Pläne kamen schon nach der Vorstellung des Entwicklers aus Bremen auf, der momentanen Gesetzeslage nach gehört das Areal an der Landesgrenze nahe Breitenstein nicht zu den Vorranggebieten in denen auf Thüringer Boden neue Windräder entstehen sollen.
Doch Bauvorhaben brauchen Zeit, allein die Planung kann Jahre in Anspruch nehmen, wer weiß also schon, was sein wird. Projektierer und Besitzer sehen Vorteile, anliegende Gemeinden wie Harztor können auf Gewinnbeteiligung hoffen, das Forstamt hat keine generellen Vorbehalte - soweit der Stand der Dinge. Endgültige Entscheidungen zu einem Für oder Wider wurden bisher an keiner relevanten Stelle getroffen, ob die Windräder kommen oder nicht ist völlig offen.
Fledermausforscher Bernd Ohlendorf (Foto: agl)
Das sich gegen das Vorhaben Widerstand formieren würde, war ebenfalls bereits Ende März klar, kritische Stimmen hatte auch die nnz schnell gefunden. Die haben inzwischen organisierten Charakter, zwei neue Bürgerinitiativen wurden mit dem Ziel gegründet, den Bau der Windräder zu verhindern.
Für die Nordhäuser Seite ist das die Initiative Pro Südharz - Keine Windindustrie im Naturpark, die von vier jungen Damen ins Leben gerufen wurde und vorgestern nach Herrmannsacker zu einer Informationsveranstaltung geladen hatte. Man wolle beide Seiten beleuchten und nicht nur die monetäre Aspekte sehen, sagte Mitbegründerin Josephine Schröter-Gast am Mittwochabend im Gemeindesaal des kleinen Ortes. Als Referenten hatte man sich mit Bernd Ohlendorf einen Vertreter der Sachsen-Anhaltischen Schwester-Initiative Pro Südharz - Keine Windkraftanlagen im Wald eingeladen.
Der Fledermausforscher betrachtet den Harz ungern als ein dreigeteiltes Gebirge, das von imaginären Landesgrenzen durchschnitten wird, sondern als Naturraum, der einen gewissen Schutz genießt. Das ist auch auf dem Areal nahe Breitenstein nicht anders, sowohl FFH- wie auch Vogelschutzgebiete grenzen an den möglichen Bauplatz, die angedachte Platzierung der Anlagen sei recht skrupellos, meint Ohlendorf. Für Vögel, Insekten und Fledermäuse könnten die Windräder gefährlich werden, gerade kleinere Tiere erlitten im Umfeld der Rotoren häufig ein Barotrauma - Gewebe- und Organschäden, die durch sich stark veränderte Druckverhältnisse entstehen und bei Kleintieren zum Tod führen können. Der Windpark könne zur ökologischen Falle werden.
Auch dem Argument das hier nach der Kalamität kein Wald mehr vorhanden sei widersprach der Naturschützer, auf der Kahlfläche gebe es viele Neubürger und mit der natürlichen Verjüngung könne überhaupt erst jetzt echter Wald entstehen. Problematisch sei auch die Nähe zweier Quellen, die unter anderem die Nordhäuser Talsperre bei Neustadt speisen. Nicht zu unterschätzen sei auch die Höhe der Anlagen, die zwischen 180 und 200 Metern liegen dürften.
Den Ausführungen in Herrmansacker lauschten rund 50 Besucher, darunter auch Nils Neu, der bereits die Auftaktveranstaltung in Niedersachswerfen kritisch aufgenommen hatte. "Vergangene Woche haben wir etwas von 17 Anlagen gehört, jetzt sieht es so aus als wären es auf Thüringer Seite acht Anlagen. Alleine das würde die Diskussionsgrundlage ändern, der vermeintliche Gewinn für die Kommunen hätte sich halbiert. Es ist offensichtlich das hier noch viele Fragen offen sind. Wie viele Räder sind geplant? Wie hoch sollen sie werden? Wer ist eigentlich am Ende der Betreiber? Die Sache hat eine Brisanz bei der es dringend geboten wäre, dass sich die Kommune noch einmal klar und deutlich äußert und den Menschen ein klares Bild der Lage bietet", sagt Neu gegenüber der nnz.
Die neue Bürgerinitiative willl kommende Woche, am 16. April, ihre Standpunkte in Neustadt vorstellen. Und bei Redebeiträgen wird man es nicht belassen, für den 21. April ist ein Osterspaziergang zur Großen Harzhöhe zusammen mit dem Naturschutzbund NABU, dem Harzklub und dem Heimatverein Stolberg geplant, also eine Art Ortsbegehung.
Angelo Glashagel
Autor: redZweifel an der Machbarkeit der in Niedersachswerfen vorgelegten Pläne kamen schon nach der Vorstellung des Entwicklers aus Bremen auf, der momentanen Gesetzeslage nach gehört das Areal an der Landesgrenze nahe Breitenstein nicht zu den Vorranggebieten in denen auf Thüringer Boden neue Windräder entstehen sollen.
Doch Bauvorhaben brauchen Zeit, allein die Planung kann Jahre in Anspruch nehmen, wer weiß also schon, was sein wird. Projektierer und Besitzer sehen Vorteile, anliegende Gemeinden wie Harztor können auf Gewinnbeteiligung hoffen, das Forstamt hat keine generellen Vorbehalte - soweit der Stand der Dinge. Endgültige Entscheidungen zu einem Für oder Wider wurden bisher an keiner relevanten Stelle getroffen, ob die Windräder kommen oder nicht ist völlig offen.
Fledermausforscher Bernd Ohlendorf (Foto: agl)
Das sich gegen das Vorhaben Widerstand formieren würde, war ebenfalls bereits Ende März klar, kritische Stimmen hatte auch die nnz schnell gefunden. Die haben inzwischen organisierten Charakter, zwei neue Bürgerinitiativen wurden mit dem Ziel gegründet, den Bau der Windräder zu verhindern.
Für die Nordhäuser Seite ist das die Initiative Pro Südharz - Keine Windindustrie im Naturpark, die von vier jungen Damen ins Leben gerufen wurde und vorgestern nach Herrmannsacker zu einer Informationsveranstaltung geladen hatte. Man wolle beide Seiten beleuchten und nicht nur die monetäre Aspekte sehen, sagte Mitbegründerin Josephine Schröter-Gast am Mittwochabend im Gemeindesaal des kleinen Ortes. Als Referenten hatte man sich mit Bernd Ohlendorf einen Vertreter der Sachsen-Anhaltischen Schwester-Initiative Pro Südharz - Keine Windkraftanlagen im Wald eingeladen.
Der Fledermausforscher betrachtet den Harz ungern als ein dreigeteiltes Gebirge, das von imaginären Landesgrenzen durchschnitten wird, sondern als Naturraum, der einen gewissen Schutz genießt. Das ist auch auf dem Areal nahe Breitenstein nicht anders, sowohl FFH- wie auch Vogelschutzgebiete grenzen an den möglichen Bauplatz, die angedachte Platzierung der Anlagen sei recht skrupellos, meint Ohlendorf. Für Vögel, Insekten und Fledermäuse könnten die Windräder gefährlich werden, gerade kleinere Tiere erlitten im Umfeld der Rotoren häufig ein Barotrauma - Gewebe- und Organschäden, die durch sich stark veränderte Druckverhältnisse entstehen und bei Kleintieren zum Tod führen können. Der Windpark könne zur ökologischen Falle werden.
Auch dem Argument das hier nach der Kalamität kein Wald mehr vorhanden sei widersprach der Naturschützer, auf der Kahlfläche gebe es viele Neubürger und mit der natürlichen Verjüngung könne überhaupt erst jetzt echter Wald entstehen. Problematisch sei auch die Nähe zweier Quellen, die unter anderem die Nordhäuser Talsperre bei Neustadt speisen. Nicht zu unterschätzen sei auch die Höhe der Anlagen, die zwischen 180 und 200 Metern liegen dürften.
Den Ausführungen in Herrmansacker lauschten rund 50 Besucher, darunter auch Nils Neu, der bereits die Auftaktveranstaltung in Niedersachswerfen kritisch aufgenommen hatte. "Vergangene Woche haben wir etwas von 17 Anlagen gehört, jetzt sieht es so aus als wären es auf Thüringer Seite acht Anlagen. Alleine das würde die Diskussionsgrundlage ändern, der vermeintliche Gewinn für die Kommunen hätte sich halbiert. Es ist offensichtlich das hier noch viele Fragen offen sind. Wie viele Räder sind geplant? Wie hoch sollen sie werden? Wer ist eigentlich am Ende der Betreiber? Die Sache hat eine Brisanz bei der es dringend geboten wäre, dass sich die Kommune noch einmal klar und deutlich äußert und den Menschen ein klares Bild der Lage bietet", sagt Neu gegenüber der nnz.
Die neue Bürgerinitiative willl kommende Woche, am 16. April, ihre Standpunkte in Neustadt vorstellen. Und bei Redebeiträgen wird man es nicht belassen, für den 21. April ist ein Osterspaziergang zur Großen Harzhöhe zusammen mit dem Naturschutzbund NABU, dem Harzklub und dem Heimatverein Stolberg geplant, also eine Art Ortsbegehung.
Angelo Glashagel


