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Do, 07:37 Uhr
01.05.2025
Ein Blick in die Geschichte

Junkerland in Bauernhand

Junkerland in Bauernhand - unter dieser Losung wurde in der 2. Jahreshälfte von 1945, in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone, die "Bodenreform" begonnen. Es war auch der Startschuss für die Traktorengeschichte der DDR. Hubert Rein vom Ostklassikerklub Wolkramshausen weiß mehr zu berichten...

Einher ging die Bodenreform mit der entschädigungslosen Enteignung der ehemaligen Großgrundbesitzer und systemnahen Personen deren Besitz an Land – und Forstflächen über 100 Hektar betrug. Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland in Folge des 2. Weltkrieges ein besiegtes und in großen Teilen auch zerstörtes Land, die einstige Infrastruktur überwiegend in den bedeutenden Ballungsgebieten zerstört. Die ab 1939 auf Kriegslage umgestellte Wirtschaft in vielen Bereichen nicht mehr existent bzw. produktionsfähig. Dazu kamen noch viele vertriebene Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten die versorgt und ernährt werden mussten sowie eine neue Lebensorientierung benötigten.

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Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) stand nun im Osten Deutschlands vor der Aufgabe den Menschen materiell und moralisch eine neue entnazifizierte Zukunft zu eröffnen. Ein erster Schritt in diese für Ostdeutschland neue Gesellschaftsrichtung war der Erlass der Bodenreform, denn Millionen Menschen benötigten schnellstens Nahrung, Wohnung, Arbeit um dann auch ein neues Bewusstsein entwickeln zu können. Genau diese gesetzmäßige Reihung formulierte der deutsche Dichter und Lyriker, Berthold Brecht, 1928 in seiner Dreigroschenoper mit den Worten:“ Erst kommt das Fressen dann kommt die Moral“

Famulus und Co. kamen aus Nordhausen (Foto: Hubert Rein)
Famulus und Co. kamen aus Nordhausen (Foto: Hubert Rein)
Famulus und Co. kamen aus Nordhausen (Foto: Hubert Rein)
Famulus und Co. kamen aus Nordhausen (Foto: Hubert Rein)


Die Land – und Forstwirtschaft aber auch die Reste der Industrie mussten neu organisiert werden um die dringendsten Bedürfnisse der Menschen befriedigen zu können. Die Verteilung der enteigneten Boden- und Waldflächen auf die besitzlose Bevölkerung war der erste Schritt zu einem gesellschaftlichen Neuanfang.
Zur effektiven Bewirtschaftung der nun neuen Strukturen in der Landwirtschaft wurde die noch aus der Vorkriegszeit stammende Technik besonders aus den Gütern der Großgrundbesitzer aber auch noch verwendbare Technik aus den Wehrmachtsbeständen ab 1948 in die sog. Maschinen – Ausleih – Stationen (MAS) zusammen geführt und den Klein – und Neubauern zur Verfügung gestellt. Schrittweise begannen auch in der Wirtschaft die Unternehmungen, allesamt noch in Privatbesitz, mit der Produktion von Land- und Forsttechnik nach dem Wissensstand aus der Vorkriegszeit.

Mit der Gründung der DDR am 07.10.1949 und einer ersten staatlichen Regierungs- und Verwaltungsstruktur wurde in allen Bereichen der Gesellschaft nach unterschiedlichen Plänen perspektivische Entwicklungen vollzogen. Erster Minister für die Land- und Forstwirtschaft war damals Ernst Goldbaum (*1898, +1990).

Die Wirtschaft orientierte sich nach den Kriegsjahren wieder an der Produktion von zivilen Gütern nach dem Bedarf der Kundschaft so auch der Kunden aus den Bereichen der Land- und Forstwirtschaft. Verstärkt mit einbezogen wurde in den Folgejahren auch die Wissenschaft.

Nach 1950 wurden die Maschinen – Ausleih – Stationen (MAS) in die sog. Maschinen – Traktoren – Stationen (MTS) aus eigentumsrechtlichen Gründen umgewandelt. Diese Einrichtungen ermöglichten der Landbevölkerung ohne eigene Investitionsmittel den Einsatz von Geräten und Maschinen zur Bewirtschaftung der Feld- und Waldflächen. Besonders benötigten die Bauern und Forstleute von dieser Zeit an auch leistungsfähige Zugmaschinen wie Rad – und Kettenschlepper für die tägliche Arbeit auf den Feldern und den Transport der Güter.

Anfang der 1950 er Jahre existierten in der damaligen jungen DDR 3 größere Volkseigene Betriebe, welche aus den Resten ehemaliger Privatunternehmen gegründet wurden, die sich mit der Produktion und der späteren Weiterentwicklung von Zugfahrzeugen befassten. Sie gehörten dem DDR Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) an. Diese Großbetriebe waren das IFA Schlepperwerk in Nordhausen. Dieses Werk baute von 1949 – 1952 erst den kleinen Radtraktor „Brockenhexe“, von 1950 – 1956 den Radtraktor RS 01, von 1953 -1956 den RS 04/30, von 1957 -1958 den Typ „ Harz“, ihnen folgte von 1956 -1961 der sehr erfolgreiche RS 14/ 30 „Famulus“ mit mehreren Varianten auch für den Export. Weiterhin das Traktorenwerk Brandenburg an der Havel, welches den Radtraktor RS 05 „Aktivist“ ab 1951, den Kettenschlepper KS 07 „Rübezahl“ ab 1954 und das Nachfolgemodell KS 30 „Urtrak“ ab 1956 bis 1964 produzierte.

Der 3. Großbetrieb der Traktorenhersteller in der DDR war das Traktorenwerk Schönebeck der ab 1948 mit dem Kettenschlepper KS 07 die Nachkriegsproduktion aufnahm und später Getriebe für sämtliche Nutzfahrzeuge herstellte.

Nur wenige der ersten Traktoren aus der Frühzeit der DDR sind bis heute erhalten geblieben. Zu den auch optisch sehr ansprechenden Kettenschleppern zählt, aus der Sichtweite des Autors, der KS 30 „Urtrak“ aus Brandenburg.

Dieser, durch seine Abgerundete Frontpartie welche auch bei den Radschleppern Typ „Harz“ und „Famulus“ Verwendung fand, modern wirkende und auch sehr wendige Kettenschlepper mit einem Leergewicht von etwas über 5 Tonnen ist heute auf Oldtimerausstellungen ein Anziehungsmagnet. Sein 8.5 Liter Dieselmotor entwickelte eine Leistung von ca. 60 PS und erreicht eine Fahrgeschwindigkeit von fast 8 Km/ h. Ausgestattet mit einem Schiebeschild oder einer Überkopfladevorrichtung war das Fahrzeug auch in anderen Bereichen der Wirtschaft einsetzbar.
Diese Kettenschlepper mit ihren Gleiskettenlaufwerken sind heute seltene aber doch sehr beeindruckende historische Nutzfahrzeuge aus den Anfangsjahren der sozialistischen Landwirtschaft in der ehemaligen DDR. Als Kulturgut einer vergangenen Zeit werden sie erhalten und auch auf den verschiedensten Veranstaltungen präsentiert. Dieser Aufgabe hat sich auch eine technisch sehr begabte Familie aus dem Südharz von Thüringen zur Lebensmaxime gemacht.

Familienoberhaupt Edgar Merx, ehemals Landmaschinenschlosser und Meister für Landmaschinenbau, und seine Söhne haben über viele Jahre die verschiedensten Schlepper erworben und äußerst aufwendig restauriert. Ihr heutiger Bestand reicht vom kleinen Gartenbautraktor aus der ehemaligen CSSR über mehrere Ausführungen des Famulus dabei auch einem Allradschlepper aus dem ehemaligen Schlepperwerken Nordhausen bis zum Dutra D4K aus dem Traktorenwerk „Roter Stern“ in Ungarn. Für diese Leistungen sollte man Sprichwörtlich den Hut ziehen.
Hubert Rein
Ost Klassiker Klub Wolkramshausen
Autor: red

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Kommentare
ArreeTim
01.05.2025, 10:05 Uhr
DDR System-Bedingungen und Dogmen
Interessanter Beitrag, finde ich. Die Entwicklung zur DDR und in der DDR muss man klar systemisch, in Ihren Unterschieden benennen. Sonst versteht man die DDR nicht. "Die Grundlagen der DDR auf dem Weg zum Sozialismus" bedingten einen großen Anteil Ihres Untergangs, besonders auch deshalb, weil dogmatisch, hartherzig und suboptimal von „Betonköpfen“ als Gesetz ausgegeben. Beispiele? Regulierung Privateigentum als Widerspruch (sozusagen antagonistisch), Zentrale Lenkung und Planung, Missachtung von Kultur, Tradition, sich ins eigene Fleisch schneiden, versuchte Ideologisierung bis ins Ehebett, usw.. Trotzdem hatte die DDR viele Ergebnisse und Menschen, die das ermöglicht haben. Insbesondere in den Landw. Produktionsgenossenschaften, ja es konnte sogar ausgenutzt werden, dennoch, viele fühlten sich auch benachteiligt. Aus den genannten Gründen, die DDR- systemisch grds. fehlerhaft waren. Nur, wen juckt das?
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