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Mo, 17:30 Uhr
26.05.2025
Stadt- und Gästeführergilde feiert 30. Geburtstag

Wie es eigentlich gewesen

Nordhausen blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, schon bald werden es 1.100 Jahre sein. Ein weites Feld das nicht leicht zu durchschreiten ist, doch eine Handvoll Nordhäuser tun genau das seit nunmehr 30 Jahren mit Leidenschaft und vielen Begleitern…

Eine Stadt mit vielen Gesichtern - die Stadt- und Gästeführergilde führt seit 30 Jahren durch die bewegte Geschichte der Stadt (Foto: agl) Eine Stadt mit vielen Gesichtern - die Stadt- und Gästeführergilde führt seit 30 Jahren durch die bewegte Geschichte der Stadt (Foto: agl)


Die Vergangenheit kann, je nach Entfernung zur eigenen Lebenszeit, wie eine andere, eine fremde Welt wirken. Und doch ist sie gerade da, wo man tagtäglich selber seine Spuren hinterlässt, auch vertraut, ein Stück Heimat, ein Stück Selbst und das gilt umso mehr, je tiefer man mit der Materie vertraut ist. Vertrautheit aber kommt nicht von ungefähr und ist leichter zu finden, wenn jemand mit dem Licht des Wissens vorangehen kann und im Dickicht der Jahrhunderte auf den einen oder anderen interessanten Punkt hinzuweisen vermag. Dem deutschen Historiker klingt dazu Leopold Ranke im Ohr, Geschichte gilt es so zu erzählen, „wie es eigentlich gewesen“. So hält man es auch bei der Stadt- und Gästeführergilde und das schon seit drei Jahrzehnten.

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Jedes Nordhäuser Kind kennt den Roland, warum er da steht und wieso er über Jahrhunderte hinweg der Bürgerschaft am Herzen lag, da wird der Kreis schon kleiner. Was hat es mit dem „Aar“ auf sich? Warum war der Dom eine Zeit lang ein Pferdestall? Wo wurde der Korn gebrannt und warum hat gerade der Alkohol der Stadt zu Wohlstand verholfen? Was haben die Reliefs an den Wohnblöcken am Pferdemarkt zu bedeuten? Wer sind die Herren auf dem großen Gemälde in der Blasii-Kirche? Wieso ist der Neptun etwas besonderes und warum hat Nordhausen überhaupt so viele Brunnen? Wie war das Leben in der Stadt in über 1000 Jahren und welche Geschichten haben die Jahrhunderte geschrieben?

All diese Fragen und noch eine Myriade mehr beantwortet die Stadt- und Gästeführergilde regelmäßig bei ihren Rundgängen. 1995 folgten 68 Personen dem Aufruf, sich zum Stadtführer ausbilden zu lassen und Gästen aus Nah und Fern die Nordhäuser Geschichte nahe zu bringen. „Das waren damals auf einen Schlag recht viele, aber da waren auch Leute dabei, die dachten sie können als Gästeführer groß Geld verdienen“, erinnert sich Heinz Degner. Gesucht und schließlich gefunden hatte man Menschen, die ihre Stadt und deren Geschichte liebten. Auf dem Gründungsdokument steht Degners Name am Ende weit oben, darunter noch 27 weitere. Ein normaler Verein will man nicht sein, auch kein Club und so wird man, in Anlehnung an die Geschichte, zur „Gilde“.

Historisch interessierte Bürger und Chronisten hatte es in Nordhausen immer gegeben, das man sich als Stadtführer engagiert geschweige den zusammengeschlossen hätte, das gab es bis dato nicht. Ehe es richtig losgehen konnte wurde mit etwas Schützenhilfe aus Wernigerode und durch die Lokalhistoriker Hans-Jürgen Gröhnke, Peter Kuhlbrodt, Horst Kieper und Heidelore Kneffel das Feld bereitet - jeder der Städteführer in spe hatte einen anderen Bereich der Nordhäuser Geschichte zu recherchieren. Erster „Gildemeister“ wird Peter Kreßner, der auch die erste Stadtführung am 10. Juli 1995 übernimmt. Man trifft sich am Roland.

Anette Grohmann hat sich auf Kinderführungen spezialisiert (Foto: Stadt- und Gästeführergilde) Anette Grohmann hat sich auf Kinderführungen spezialisiert (Foto: Stadt- und Gästeführergilde) „In den ersten zehn Jahren waren wir voller Energie, da ist richtig viel passiert. Zum Beispiel saßen wir immer mit in der Namenskommission, wenn neue Straßennamen vergeben wurden, wir begleiteten Patenschulen und waren immer dran am Stadtleben “, erinnert sich Degner. Eigene Schriften und CD’s brachte man damals heraus, nahm an der „Südharzmesse“ mit eigenem Stand teil, ging auch über die Stadtgrenzen hinaus und führte etwa wöchentlich durch die Burgruine Hohenstein oder begleitet Besichtigungsfahrten durch den Kreis und bildete Schülerstadt und Wanderführer aus.

Ein erstes, großes „Danke Schön“ erhält man 2002 in Form des „Goldenen Rolands“. Um Trophäen oder Mammon ging es aber nie, die Liebe zur Stadt und zur Geschichte stand stets im Vordergrund. Auch dann, wenn finanzielle Mittel zur Verfügung standen, wie das etwa rund um die Landesgartenschau 2004 der Fall war. Knapp 300 Stadtführungen bietet man allein in diesem Jahr an, über das Projekt „LOKAST“ kann man über 1.000 alte Fotografien digital erfassen und engagiert sich nebenher in der Arbeitslosenhilfe. Mitunter müssen die Stadtführer nicht nur gut zu Fuß sein, sondern auch richtig anpacken, so geschehen in Ilfeld an der Langen Wand, wo man hilft einen Holzpavillon zu errichten.

In drei Jahrzehnten ist das angesammelte Wissen nur weiter gewachsen, das Material, aus dem neue Stadtführer schöpfen können reichlich vorhanden. Eine eigene Prüfungsarbeit müssen neue Gildemitglieder heute nicht mehr verfassen. „Die wichtigsten Zahlen sollte man kennen und es gibt ein paar Punkte, die in keiner Stadtführung fehlen werden aber man muss die Leute nicht damit überfrachten. Wir erzählen die Geschichten dieser Stadt und zu erzählen gibt es viel. Selbst Einheimische wissen oft nicht, wie schön Nordhausen einmal war und wo die Stadt noch schön ist. An der Stadtmauer erlebt man oft solche A-ha Effekte und manchmal lernt man auch selber noch etwas dazu“, erzählt Anette Grohmann, zur Zeit „Gildemeisterin“.

Neue Stadt- und Gästeführer werden weiter ausgebildet - hier Jessica Müller im Jahr 2020 (Foto: agl) Neue Stadt- und Gästeführer werden weiter ausgebildet - hier Jessica Müller im Jahr 2020 (Foto: agl) Ganz so umtriebig wie einst ist man nicht mehr, von den Gründungsmitgliedern sind nur noch drei im Dienst und von manchem Gildefreund hat man sich für immer verabschieden müssen. Ein wenig Nachwuchs gibt es, bei 19 Gildemitgliedern und acht aktiven Stadtführern sind neue Gesichter aber stets gerne gesehen.

Wer sich selber ein Bild von der Arbeit der Gilde machen will, der hat bald ausreichend Gelegenheit dazu: am kommenden Wochenende will man den 30. Geburtstag ordentlich feiern und das - wie könnte es anders sein - mit einer ganzen Palette an Rundgängen durch die Nordhäuser Geschichte. Los geht es am 31. Mai um 10 Uhr Am Alten Tor 18. Von hier aus führt Thomas Müller zu „Nordhausens alten Brennereien“. Um 11 Uhr lädt Annette Grohmann zu einem Besuch der Nordhäuser Treppenkäfer“, Treffpunkt ist der Roland. Sandy Weinrich startet zur Mittagsstunde zum Rundgang im Dom und eine Stunde später um 13 Uhr wird Hardy Schoenau Geschichten und Anekdoten zum Besten geben. Auch hier geht es am Roland los. Um 14 Uhr macht Gerald Beyermann weiter und kann Rund um den Pferdemarkt viel berichten, angefangen an der Luther-Skulptur vor der Blasii-Kirche. Den krönenden Abschluss bietet ab 15 Uhr Jessica Sophie Müller, die vom Zwinger aus zum Neptun und durch die Promenade führt.

Von 10 bis 16 Uhr werden Michael Garke und Uwe Koch zudem den Zwinger selbst für Gäste öffnen. Alle Führungen sind kostenlos, um eine Spende für den guten Zweck wird gebeten.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
geloescht.20260120
27.05.2025, 20:57 Uhr
Glückwunsch und Danke
... allen, die in der Gilde seit 30 Jahren wirkten und wirken, um die sichtbare und unsichtbare Geschichte der einst Freien Reichststadt vor der Vergessenheit zu bewahren. Und Danke NNZ für diesen schönen Rückblick dazu.....
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