eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Sa, 19:00 Uhr
13.12.2025
Meine Meinung

Ich nehme diesen Preis nicht an!

Wer erinnert sich nicht gern an diese Worte von Marcel Reich-Ranicki? Das illustre Publikum zur Gala des Deutschen Fernsehpreises 2008 in Köln war einerseits amüsiert, andrerseits konsterniert. Andere wiederum zeigten sich verständnisvoll mit dem alten Haudegen der Literatur, der keine Gelegenheit ausließ, sich über den "Blödsinn", der ihm seinerzeit auf den Bühnen, im TV und in der kulturellen Gesellschaft geboten wurde, zu echauffieren. Das waren noch Zeiten...

Recht sprechen (Foto: Sang Hyun Cho auf Pixabay) Recht sprechen (Foto: Sang Hyun Cho auf Pixabay)
Siebzehn Jahre später begibt es sich im vorweihnachtlich-beschaulichen Erfurt, dass ein deutsches Landessozialgericht einen Preis ablehnt. Es hat im Grunde nur seine Arbeit getan und sich in seiner Entscheidungsfindung schlicht und ergreifend an bestehende Gesetze gehalten. Dies, so sollte man meinen, ist der vornehmliche Auftrag von Richtern. Alles andere wäre wohl dem gesetzestreuen deutschen Steuerzahler kaum zu vermitteln.

Anzeige symplr (1)
Nun sollte den Juristen des hohen Gerichtshofes ein Negativpreis am Internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember) würdig überreicht werden. Die "Spitze des Eisbergs" als Symbol von besonders negativem Verhalten gegenüber "Geflüchteten", früher waren das mal Flüchtlinge, ziert die Urkunde dieser fragwürdigen Anerkennung. Auslöser der Preisvergabe durch den Flüchtlingsrat Thüringen war der Fall eines Syrers, der bereits in Malta um Asyl nachgesucht hatte.

Und just ob dieser verwerflichen Handlung erdreisten sich doch wohl nicht irgendwelche Sozialrichter im vergleichsweise provinziellen Thüringen, dem jungen illegal eingereisten Herrn aus dem Land der Umayyaden ganz profan das europäische Recht des Dublin-Verfahrens vorzuhalten und ihm die deutschen Asylbewerberleistungen zu streichen.

Na ja, möglicherweise hat der Flüchtlingsrat einfach auch nur übersehen, dass gegen eben jenen bereits eine Abschiebeanordnung besteht. Und da kommt Sabine Berninger ins Spiel. Wer sie nicht kennt, dem sei gesagt: Sie ist Politikerin der Partei Die Linke und Vorstandsmitglied des Thüringer Flüchtlingsrates. In dieser hochlobenswerten Funktion fühlt sich die Dame berufen, die Gerichtsentscheidung als "Tiefpunkt sozialgerichtlichen Rechtsschutzes in Thüringen" zu bezeichnen und dem Gericht die Ignoranz "grundlegender rechtsstaatlicher Prinzipien" zu attestieren.

Mein lieber Mann! Das ist schon starker Tobak. Ein deutsches Gericht ignoriert den Rechtsstaat. Wer hätte das gedacht? Das hat ja das Zeug zu einem riesigen Skandal. Das muss rückgängig gemacht werden! Wir wollen doch nicht, dass unser Volk ganz und gar das Vertrauen in unseren Staat und "unsere" Demokratie verliert. Unerhört, so etwas! Was erlaubt sich dieser Kadi zu einer Zeit, da die Bösen schon in Umfragen bei 39% liegen?

Leider konnte sich kein Vertreter des Thüringer Landessozialgerichts dazu hinreißen lassen, im Namen der Rechtsbehörde diese belanglose Auszeichnung in Empfang zu nehmen.

Gewandt an die Stifter dieser absonderlichen Würdigung hielt sogar die Thüringer Migrationsministerin (Beate Meißner von der CDU) die Aufklärung für nötig, dass die Gerichte dem Gesetz unterworfen sind und warf dem Flüchtlingsrat "Missachtung unserer Verfassungsordnung" vor. Da wird die Binse zur Weisheit, und Frau Ministerin hat damit unbestritten recht.

'Geht es nicht eine Nummer kleiner?', möchte man dem Flüchtlingsrat (...oder muss es nicht "GeflüchtetInnenrat" heißen?) fragend zurufen. Was da inszeniert wurde, das war wirklich "Blödsinn". Wer anderen im politischen Kontext vorwirft, demokratische Strukturen im Land abschaffen zu wollen, der sollte selbst ebendiese in ihren Grundfesten verteidigen. Zu diesen Fundamenten gehört eben auch die Judikative.

Ich kann mir nicht helfen. Aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, es wird immer infantiler mit irgendwelchen Pseudoargumentationen von der politisch "richtigen" Seite. Ist aber nur meine Meinung.

Kein Flüchtling, der sich legal in unserem Land aufhält, wird in seinen Asylrechten beschnitten. Im Gegenteil. Deutschland leistet um Längen mehr als andere europäische Nachbarn. Und das teilweise auf schmerzliche Kosten aller, die jeden Morgen sehr früh aufstehen, um mit ihrer Arbeit zum Steueraufkommen dieser schönen Republik beizutragen.

Die Frau Berninger sollte sich beruhigen und erst einmal tief durchatmen. Manchmal hilft das beim Nachdenken über "unsere" Demokratie. Vielleicht sollte sie mal in aller Ruhe einen Glühwein trinken und sich vom ideologischen Klassenkampf in unseren bewegten Zeiten entspannen. Vielleicht tut sie dies auch in der kuscheligen Messerverbotszone der wunderschönen, mit an die Berliner Mauer erinnernden Betonblöcken und durch die bewaffneten Organe gesicherten, Weihnachtsmärkte in Erfurt oder Halle an der Saale oder auch in einer anderen deutschen Stadt.

Auch solche kostspieligen Neuerungen in unserem Stadtbild finanzieren wir, obwohl wir uns doch im Grunde nur der stillen Nacht entgegensehnen. Sehr viele Menschen, ob Ost, ob West, erinnern sich gerne noch an die Zeiten, als der Literaturpapst Reich-Ranicki eine Ehrung ablehnte. Da hatten wir es längst überwunden, uns im Advent einmauern zu müssen.

Das Landessozialgericht jedenfalls muss sich solche verquasten Kinkerlitzchen eines "Flüchtlingsrates" nun wirklich nicht gefallen lassen.

Im Sinne von Marcel Reich-Ranicki: "Ich gehöre nicht in diese Reihe der heute, vielleicht sehr zu Recht, Preisgekrönten." Das Thüringer LSG ganz sicher auch nicht.
Bis neulich!
Karl Nickel
Autor: psg

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Kritiker2010
13.12.2025, 20:59 Uhr
Entwertung von Preisen hat Konjunktur
Der Versuch der Verleihung einer Negativ-Auszeichnung durch einem umstrittenen Krawallverein ist eine ganz eigene Spitze des Eisbergs.

In den letzten Monaten wurden immer mehr Auszeichnungen per Verleihung an fragwürdige Personen und für noch fragwürdigere "Leistungen" nachhaltig entwertet.

Ein aktuelles Beispiel ist die Verleihung der Staufer-Medaille durch Winfried den Weißen (Ministerpräsident vom Ländle) an Angela Merkel. Als Begründung nannte er: "Klare Kommunikation, Detailkenntnis, Führungsstärke und Vertrauen - damit führten Sie unser Land gut durch die Krise." (gemeint ist die Corona-Krise)

Das merkwürdige (oder eher weltfremde) Treiben erinnert zunehmend an die letzten Tage und Wochen der DDR mit ihren verwirrten Politbüro-Opas … hier ein Abzeichen, da ein Orden und das während die Bude lichterloh brennt.

Dysfunktionalität und Versagen werden mit Euphemismen zur herausragenden Leistung umgedeutet, notwendige Entscheidungen blockiert. Alles läuft bestens! Und wenn es keine Probleme gibt, muss man auch nicht über Lösungen diskutieren.

Wer es dennoch wagt, die Zustände oder die Verantwortlichen zu kritisieren oder zu karikieren wird von Meldestellen und Staatsanwaltschaften verfolgt - ähnlich wie früher. Auch gegen Journalisten und missliebige Medien hat man ein probates Mittel, dass sich schon unter vergangenen Regimen bewährt hat, eine Zensurbehörde, die heißt heute "Kommission für Zulassung und Aufsicht" (ZAK).

Wenn man also eine "Auszeichnung" von einem Verein bekommt, der auf der hellen Seite der Macht verortet wird, ist es aktuell wohl besser, diese demütig entgegen zu nehmen und Besserung zu geloben. Selbst der Bundeskanzler ordnet seine Äußerungen nachträglich immer wieder neu in den schrumpfenden Kanon des Sagbaren ein.
emmerssen
13.12.2025, 21:04 Uhr
Leider ist es so
Inzwischen in Deutschland. Jede Minderheit darf sich äußern,einen Senf dazu geben und muss angehört werden. Viele Köche verderben den Brei. Nicht umsonst gibt es dieses Sprichwort. Unser Land ist das beste Beispiel.
DerDiieeeteeer
13.12.2025, 21:22 Uhr
Traurig…
… das hier echt jeder seine Meinung kundtun darf, egal wie verzerrt die Sachverhalte dargestellt werden.
Herr Nickel, haben Sie sich mit der Begründung für die Preisvergabe auseinandergesetzt? Ich bezweifle es, sonst würden Sie nicht so einen Blödsinn wie:„ Es hat im Grunde nur seine Arbeit getan und sich in seiner Entscheidungsfindung schlicht und ergreifend an bestehende Gesetze gehalten.“ schreiben.
Das Urteil steht „entgegen nahezu einhelliger Rechtsprechung bundesweit“ Viele Sozialgerichte hatten bisher den Leistungsausschluss als rechtswidrig eingeordnet. Und als solches sollte er auch gelten.
Die Entscheidung des Sozialgerichts war menschenrechtsfeindlich und jeder der eine Entscheidung gutheißt, die einen anderen in existenzielle Not treibt sollte die eigene Menschlichkeit hinterfragen.
P.Burkhardt
13.12.2025, 22:08 Uhr
ja Emmerssen... genau so ist es...
...und das nennt sich Demokratie ! Ich zähle mal ein paar Minderheiten auf: Arbeitslose, AFD-Wähler, Buddhisten, Rentner, Moslems, Kuckucksuhren-Liebhaber, Geringverdiener, Tesla-Fahrer, Schwule, Lesben und Nichtbinäre, Spielzeugeisenbahn-Betreiber, Tischler, Schlangenzüchter, Die Grünen-Wähler, Mittelspurschleicher, Hochverdiener, AntiFa-Anhänger, Islamisten, Putin-Versteher, Nach-der-Toilettenbenutzung-Händenichtwascher, Veganer, in der Ukraine-Geborene, uswusf...

Merken Sie was ? Jeder von uns gehört irgendeiner Minderheit an und will trotzdem Beachtung finden ! Welche wollen Sie genau ausgrenzen und mundtot machen...mit welchem Recht und warum ?

die Grenze der Zulässigkeit ist einzig und Allein, das Gesetz ! Also jeder der als Verfassungsfeindlich eingestuft wird, darf nicht mehr mitreden und muss mit Verfolgung rechnen... in meiner Aufzählung, trifft das genau 2 Gruppierungen (eine ganz und eine teilweise) - das finden Sie selbst heraus ! Gesetze regeln unser friedliches Zusammenleben, die Durchsetzung obliegt den Gerichten - das nennt sich dann Rechtsstaat.

Auch wenn ich die Art und Weise, wie PSG die Meldung hier präsentiert, absolut daneben finde (es trieft mal wieder nur so voller Häme und Schadenfreude - Sachlichkeit ist anders), ist es richtig, dass das Gericht, diesen Preis abgelehnt hat. Gerichte entscheiden auf der Basis von Gesetzen - nicht aus dem Bauch heraus, ideologiegetrieben oder nach dem täglichen Wohlbefinden. Das sollte den Preisverleihern und PSG eigentlich auch bekannt sein.

Alles ist so komplex, dass man es eigentlich gar nicht in so einen Kommentar hinein bekommt... was uns aber sagt, dass die einfachen Lösungen (die in einen Kommentar passen) nicht zielführend und eben viel zu einfach...und damit keine Lösungen... sind.

Und bitte, niemand möge sich belehrt fühlen... das ist so einfach, dass es sich jedem von alleine erschließen sollte....was dann eine Belehrung absolut unnötig macht - so intellektuell eingeschränkt ist doch niemand von uns, dass man hier sowas simples erklären müsste 😉.
Leser X
14.12.2025, 10:49 Uhr
Apropos Preise annehmen
In den letzten Wochen und Monaten war wieder gut zu beobachten, wie Preise aller Art verliehen wurden an vermeintliche Lichtgestalten dieser Welt. Bei näherem Betrachten fiel aber schon auf, dass sie von Komitees verliehen wurden, die eben nicht von dieser Welt sind, sondern einzig von Vertretern eines konfrontativen Teils dieser Welt. Preisträger sind fast ausnahmslos nützliche Idioten des Westens. Von denen aber die Zivilcourage zu erwarten, einen Preis nicht anzunehmen, wäre wohl ein bisschen viel verlangt...
Waldemar Ceckorr
14.12.2025, 14:37 Uhr
...was dann eine Belehrung absolut unnötig macht,
und warum belehren sie uns dann ?


der waldi
P.Burkhardt
14.12.2025, 18:11 Uhr
Fühlen Sie sich belehrt ?
...dafür kann ich nix... 😂...ich hab nur die Funktionsweise von Gerichten dargelegt...und den Weg, der zu den Entscheidungen führt und mal aufgezeigt, was das so mit den Minderheiten bedeutet.... wieso, soll ich jetzt Schuld daran sein, dass Ihnen das nicht klar war ?

der Burki
Schniedel Castro
14.12.2025, 22:25 Uhr
Oder um es mit anderen Worten zu sagen,
Sie haben uns belehrt, so wie Sie's immer machen.

euer Schniedel Castro

p.s. Chat ende
P.Burkhardt
15.12.2025, 00:15 Uhr
neenee @FiedelSchniedel...
...es ist doch so, dass ich hier einfach nur Fakten nenne... wenn sich davon jemand belehrt fühlt, dann liegt das daran, dass er/sie/es/Schniedel... es einfach nicht wussten... dafür kann ich ja aber dann nix ... hammersnu ?

Ich würde das hier dann gerne auch beenden... entweder man weiß etwas, oder eben nicht. Sollte man etwas nicht wissen und es dann gesagt bekommen...dann wird man eben eines Besseren belehrt - wer das nicht möchte... sollte eben vermeiden dummes Zeug von sich zu geben !...

Ihr könnt euch ja gerne alle an mir abarbeiten... aber bitte, bitte... versucht es doch EINMAL mit belastbaren Argumenten. Daraus könnte dann vielleicht eine fruchtbare Diskussion entstehen.

Genug jetzt davon... das kann doch irgendwie alles gar nicht wahr sein, was hier so passiert ... soviel ... (nein, ich sag es lieber nicht - will keine Schafe oder Ochsen beleidigen).... ... tut mir körperlich fast schon weh !

und mal so am Rande @FiedelSchniedel... Sie waren bisher gar nicht dabei... oder doch ?
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)