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Sa, 17:57 Uhr
17.01.2026
Meine Meinung:

Absagen über Absagen

Man kann ihn schon bedauern, den Herrn Kulturstaatsminister im deutschen Bundeskabinett. Der Herr Weimer lag doch mit seinen Äußerungen so schön im Trend. Dann ereilte ihn böse Kunde. nnz-Kolumnist Karl Nickel ist irgendwie enttäuscht...

Sekt (Foto: Claudia Peters auf Pixabay) Sekt (Foto: Claudia Peters auf Pixabay)
Vielleicht achtet er auf seine Gesundheit, und er lässt die Zigarren weg. Seinem großen Vorbild Ludwig Erhard war es ziemlich egal, was die Leute über dessen Tabakkonsum und seine Gesundheit dachten. Er hat es einfach getan. Wo er ging und wo er stand. Nur, sein Verstand hat die einstige Bundesrepublik zum Erfolg geführt. Der Wolfram hingegen ist ein wenig angeführt.

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Die gemeinsame Zigarre wird er wohl nicht mehr mit den "Großkopferten" am schönen Tegernsee genießen können. Allein, der Appetit scheint ihm vergangen zu sein. Man hört auch gar nicht mehr so viel vom einst so gesprächigen Herrn Wolfram Weimer.

Sie wenden sich ab von ihm, der doch in der Vergangenheit so schön im Hintergrund die Beziehungen; Entschuldigung! Es muss heißen "Netzwerke"; aufzubauen verstand. Die Eliten wollen, so scheint's, nicht mehr mit ihm spielen.

Selbst der ehemalige "Minister in Fußnöten" K.T. zu Guttenberg wendet sich im Fernsehen wie ein Aal, wenn es darum geht, dass seine aktuelle Gespielin, die ja derzeit selbst eine nicht unbedeutende Ministerrolle zu bekleiden hat, aus dem unangenehmen Fadenkreuz des Gipfels geschoben werden soll.

Da werden Treffen mit Staatslenkern an Industrielle verkauft, die dort ihren Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen können. Da werden in internen Gesprächen Vereinbarungen über künftige Strategien mit Staatssekretären und Ministern, Industriekapitänen und milliardenschweren Investoren getroffen. Da werden gegen Geld Zusammenkünfte zwischen Bankiers, Hedgefonds-Managern und Politikern jeglicher Couleur organisiert.

Und das alles bei Häppchen und Champagner. Es ist einfach nur lächerlich und reißt dem ganzen Gemenge aus staatsmännischem Getue und weltgewandten Lügen sowie den ideologischen Verbrämungen die Maske vom Gesicht. Man hält sich für die bessere Gesellschaft. Man lebt doch ganz gut auf dem Rücken des subalternen Pöbels, der gefälligst alles hinzunehmen hat, was ihm hingeworfen wird und dabei tunlichst den Rand zu halten hat.

Die politischen Zusammenhänge sind zu komplex, als dass man sie dem Volk in kurzen verständlichen Sätzen vor einer Kamera erklären könnte. Der blöde Michel soll mal schön morgens zur Arbeit latschen und uns machen lassen. Wir werden dem schon zeigen, wie das geht. Wir erfinden einfach neue Begriffe wie 'Sondervermögen' für Schulden oder etwa 'unser Beitrag' zur Finanzierung anderer Nationen gegen den "Gasabsteller", auch wenn unsere Armee chronisch verteidigungsunfähig ist.

Der Wolfram jedenfalls steht, wie es scheint, alleine da im idyllischen Bayern am Tegernsee und wartet auf seine Gäste. Sie wollen wohl nicht ins Gerede kommen. Söder sagt ab, seine gute Freundin Dorothee Bär tut es ebenso. Kanzleramtschef Thorsten Frei lässt sich entschuldigen wegen 'anderer' Termine. Vize-Kanzler Lars Klingbeil von der SPD hätte seine Teilnahme wohl schon vor Längerem abgesagt. CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die letztes Jahr gern am Tegernsee dabei war, gibt kurzfristig keine Zusage. Was wohl ihr Karl-Theodor da'zu' sagt?

Und so weiter, und so weiter.

Ach, du meine Güte! Der Staat kommt ins Wanken.
Im Großen wie im Kleinen. Bei uns sind es die Neujahrsempfänge, die unsere Volksvertreter und Wirtschaftslenker nicht ruhen lassen in dieser Zeit.
Man muss präsent sein. Man muss Zeichen setzen. Und das Wichtigste: Man muss in der elitären Gesellschaft immer am Ball bleiben, sonst ist man ganz schnell raus aus dem Gespräch. Und das will doch keiner, oder?

Immer schöne Bilder in den Gazetten, gedruckt oder online. Wir begrüßen den neuen Abschnitt unseres Wirkens. Viele Gäste sind da und freuen sich mit uns über unsere Erfolge. Gegenseitiges Schulterklopfen, Huldigungen und Ehrerweisungen. Landrat, Sparkassenchef, Geschäftsführer, Spitzen der Gesellschaft, Honoratioren und Wirtschaftslenker, Vordenker und Visionäre in herzlicher Eintracht. Das, liebe Leserinnen und Leser ist nicht nur in Nordhausen so, in jedem Landkreis trifft man sich und ist - wie in der Rolandstadt - meist unter sich.

Und so wird (schon seit Jahren) hinter vorgehaltener Hand geflüstert: Jedes Jahr im Januar/Februar (ja, man kann auch im Februar Neujahrsempfang machen) immer wieder dieselben Gesichter, dieselben Leute, die sich gegenseitig hochleben lassen.

Immer und immer wieder die gleiche Leier von "ein gutes Jahr" oder "wir starten solide durch" oder "wir werden ganz viel bewegen". Für die Stadt, für den Kreis und für die Region sind wir ganz vorn.

Wie wäre es denn mal mit ein wenig Demut? Lasst doch auch mal die Leute mitfeiern, die jeden Tag die Flure und Toiletten putzen. Auch diejenigen, welche jeden Tag die Post bringen oder die Handwerker, die bei jeder Kleinigkeit da sind, um sich um Petitessen für die "Leistungsträger" zu kümmern. Das wird wohl nichts. Die bekommen wohl nur Absagen über Absagen.

Schade eigentlich. Sie hätten es verdient, in der Zeitung zu stehen mit einem Glas Sekt in der Hand.
Bis neulich.
Karl Nickel, der sogar in diesem Jahr eine Einladung zum Empfang im Theateranbau erhalten hatte und sie annahm.
Autor: red

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