Mo, 16:48 Uhr
13.04.2026
101 Kilometer durch den Harz
Von Berga nach Berga
Zwischen Josephskreuz und Kyffhäuserdenkmal erwanderten am vergangenen Wochenende acht Enthusiasten Strecken zwischen 21 und 101 Kilometern am Stück. Der 56. Südharz-Hunderter gehört zu den landschaftlich und körperlich abwechslungsreichsten Touren, die Wanderleiter Bodo Schwarzberg anbietet...
Die alte Weisheit Der Weg ist das Ziel, konnte jeder von uns bei der zurückliegenden Langstreckenwanderung bezeugen. Denn die Eindrücke, die man bei einer 24 Stunden andauernden auf eigenen Beinen absolvierten Fußtour gewinnt, sind in ihrer Gesamtheit meist intensiver, als der kurze Moment der Zielankunft: Neben der Dämmerung, den Sonnen- auf und -untergängen, dem Vogelgezwitscher am frühen Morgen, dem Regen auf Kapuze und Schirm oder aktuell den tausenden Blüten von Busch-Windröschen, Lungen- und Scharbockskraut, nimmt man den eigenen Körper bei solch langen Wanderungen besonders intensiv wahr. Drückt bereits nach 20 Kilometern am Fuß eine Blase, dann kommt sofort die Frage auf, wie lange ein Durchhalten mit ihr noch möglich sein könnte.
Zwei Kilometer nach dem Start unterquerten die Wanderer die A 38-Brücke im Thyratal bei Bösenrode. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Wirklich noch 80 Kilometer? - Ähnliche Gedanken überkommen jeden Langstrecken- oder Extremwanderer, wenn er frühmorgens um Vier plötzlich von bleierner Müdigkeit geflutet, sein Gang torkliger wird und die Augen während des Gehens zufallen wollen. Oder wenn die Beinmuskulatur, statt die Beine voranzutreiben, selbige an Ort und Stelle festhalten wollen, weil sie schwer wie Fels geworden sind.
Der Weg ist das Ziel, heißt aber immer auch, die vorgenannten Beschwerden mit Disziplin, Optimismus, Leidensfähigkeit und Erfahrung, also mental, zu überwinden.
Manche Menschen sagen, solche Touren absolvierende Wanderer könnten doch die Schönheiten ihrer Umgebung gar nicht mehr wahrnehmen: Ich selbst habe gegenteilige Erfahrungen gemacht. Denn erstens muss man die Natur intensiv wahrnehmen, um etwaige Gefahren zu erkennen, oder um die Wetterentwicklung einzuschätzen. Nach meiner Beobachtung blühen Blumen schöner und erscheint das frische Grün der Bäume intensiver, wenn der Körper sauerstoff- und endorphingeflutet ist.
Noch vor wenigen Jahrzehnten legte der durchschnittliche Deutsche zwischen 10 und 20 Kilometern täglich zu Fuß zurück. Der Mensch wurde von der Evolution als Bewegungstier konzipiert. Die dafür vorgesehenen körperlichen und seelischen Voraussetzungen sind genetisch fixiert und damit immer noch vorhanden, wenngleich sie heute allgemein nur noch wenig in Anspruch genommen werden – mit durchaus bedenklichen gesundheitlichen Folgen.
An der Heimkehle gabs nach 7,5 Kilometern die erste kleine Stärkung aus dem Rucksack. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Der 56. Südharz-Hunderter war zum zweiten Mal in seiner mehr als 20-jährigen Geschichte keine Wanderung von A nach B, sondern eine 101-Kilometer-Runde. Thematisches Ziel war es, die abwechslungsreichen und unterschiedlichen Landschaften von Goldener Aue, Südharz und Gipskarstlandschaft auf einer einzigen Tour miteinander zu verbinden. Ganz in diesem Sinne ging es vom Bahnhof Berga-Kelbra ab 10 Uhr zunächst parallel zur Thyra, über Bösenrode, die Heimkehle und den Alten Stolberg, durch Rottleberode nach Stolberg (km 21), nach einer Gaststätteneinkehr hinauf zum Josephskreuz und erneut über Stolberg, das Hainfeld und Herrmannsacker nach Neustadt (km 42). Nach einer weiteren Gaststättenpause wanderten wir bei Nacht über Niedersachswerfen, die Flehmüller- und die Antiquar-Eiche nach Krimderode. In einer Nordhäuser Tankstelle stärkten wir uns nach 58 Kilometern noch einmal vor der weiteren 43 Kilometer langen Nachtstrecke, die uns ab 1 Uhr entlang von Zorge und Helme durch Bielen, Görsbach, Auleben und Kelbra bis hinauf zum Kyffhäuserdenkmal führte (km 90).
Wanderleiter Bodo Schwarzberg absolvierte am vergangenen Wochenende seinen 210. Hunderter. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Während der Nacht hatte es mehr oder weniger stark geregnet, so dass wir Regenbekleidung und Schirme nicht umsonst mitführen mussten. Der Regen war angesichts der schon wieder viel zu trockenen Wintermonate erfreulich. Wir sahen im Taschenlampen- und Stirnlampenschein Weinbergschnecken und Erdkröten. Gerade für die in den zurückliegenden langen Dürrezeiten arg dezimierten Amphibienbestände sind feuchte Bedingungen während der Paarungszeit essenziell.
Leider ist das Plateau mit dem Kyffhäuserdenkmal nur noch gegen Bezahlung und schon gar nicht morgens um 7 Uhr 30 erreichbar. Am größeren Bruder, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, käme gewiss niemand auf die Idee, der Öffentlichkeit schon den Zugang zum für unsere Geschichte durchaus bedeutsamen Denkmal dermaßen zu erschweren.
Auf dem Radweg, der streckenweise den Bahndamm der historischen Bahnstrecke Berga-Artern nutzt, wanderten wir die verbleibenden neun Kilometer über Sittendorf und Kelbra zum Ausgangspunkt Bahnhof Berga.
Von den acht Startern wanderte ein Teilnehmer 21 Kilometer von Berga nach Stolberg, ein Wanderer 55 Kilometer von Stolberg bis ins Nordhäuser Zentrum und die anderen sechs erwanderten die Gesamtstrecke: Die weiteste Anreise hatte Gundula Schäfer aus Hamburg, die vor Jahren die erste erfolgreiche Frau auf der von mir organisierten knapp 150 Kilometer langen Nonstopstrecke Seesen-Brocken-Eisleben war.
Die 101 Kilometer bewältigten auch Stammteilnehmer Dr. Christian Richter (Jena), Hartmut Schmidt (Prestewitz bei Elsterwerda), Lutz Hollerbuhl (Sangerhausen) sowie Antje Otte-Hartig und Bodo Schwarzberg aus Nordhausen. Roy Hartig aus Nordhausen beendete seine Wanderung planmäßig nach 55 Kilometern im Nordhäuser Zentrum. Ältester Teilnehmer war Hartmut Schmidt mit 69 Jahren. Ich selbst absolvierte laut einer App auf der Langstreckenwanderung 118.318 Schritte.
Die nächsten von mir geführten Hunderter sind Von der Müritz zur Warnow (Waren-Rostock 109 km (27.06), Der ganze Harz von West nach Ost (20. Harz-Hunderter Extrem, 147 km, 24.10.) und der 57. Südharz-Hunderter (Nordhausen-Halle, bis 107 km, 12.12.) Meldungen sind jederzeit möglich an bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg
Autor: redDie alte Weisheit Der Weg ist das Ziel, konnte jeder von uns bei der zurückliegenden Langstreckenwanderung bezeugen. Denn die Eindrücke, die man bei einer 24 Stunden andauernden auf eigenen Beinen absolvierten Fußtour gewinnt, sind in ihrer Gesamtheit meist intensiver, als der kurze Moment der Zielankunft: Neben der Dämmerung, den Sonnen- auf und -untergängen, dem Vogelgezwitscher am frühen Morgen, dem Regen auf Kapuze und Schirm oder aktuell den tausenden Blüten von Busch-Windröschen, Lungen- und Scharbockskraut, nimmt man den eigenen Körper bei solch langen Wanderungen besonders intensiv wahr. Drückt bereits nach 20 Kilometern am Fuß eine Blase, dann kommt sofort die Frage auf, wie lange ein Durchhalten mit ihr noch möglich sein könnte.
Zwei Kilometer nach dem Start unterquerten die Wanderer die A 38-Brücke im Thyratal bei Bösenrode. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Wirklich noch 80 Kilometer? - Ähnliche Gedanken überkommen jeden Langstrecken- oder Extremwanderer, wenn er frühmorgens um Vier plötzlich von bleierner Müdigkeit geflutet, sein Gang torkliger wird und die Augen während des Gehens zufallen wollen. Oder wenn die Beinmuskulatur, statt die Beine voranzutreiben, selbige an Ort und Stelle festhalten wollen, weil sie schwer wie Fels geworden sind.
Der Weg ist das Ziel, heißt aber immer auch, die vorgenannten Beschwerden mit Disziplin, Optimismus, Leidensfähigkeit und Erfahrung, also mental, zu überwinden.
Manche Menschen sagen, solche Touren absolvierende Wanderer könnten doch die Schönheiten ihrer Umgebung gar nicht mehr wahrnehmen: Ich selbst habe gegenteilige Erfahrungen gemacht. Denn erstens muss man die Natur intensiv wahrnehmen, um etwaige Gefahren zu erkennen, oder um die Wetterentwicklung einzuschätzen. Nach meiner Beobachtung blühen Blumen schöner und erscheint das frische Grün der Bäume intensiver, wenn der Körper sauerstoff- und endorphingeflutet ist.
Noch vor wenigen Jahrzehnten legte der durchschnittliche Deutsche zwischen 10 und 20 Kilometern täglich zu Fuß zurück. Der Mensch wurde von der Evolution als Bewegungstier konzipiert. Die dafür vorgesehenen körperlichen und seelischen Voraussetzungen sind genetisch fixiert und damit immer noch vorhanden, wenngleich sie heute allgemein nur noch wenig in Anspruch genommen werden – mit durchaus bedenklichen gesundheitlichen Folgen.
An der Heimkehle gabs nach 7,5 Kilometern die erste kleine Stärkung aus dem Rucksack. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Der 56. Südharz-Hunderter war zum zweiten Mal in seiner mehr als 20-jährigen Geschichte keine Wanderung von A nach B, sondern eine 101-Kilometer-Runde. Thematisches Ziel war es, die abwechslungsreichen und unterschiedlichen Landschaften von Goldener Aue, Südharz und Gipskarstlandschaft auf einer einzigen Tour miteinander zu verbinden. Ganz in diesem Sinne ging es vom Bahnhof Berga-Kelbra ab 10 Uhr zunächst parallel zur Thyra, über Bösenrode, die Heimkehle und den Alten Stolberg, durch Rottleberode nach Stolberg (km 21), nach einer Gaststätteneinkehr hinauf zum Josephskreuz und erneut über Stolberg, das Hainfeld und Herrmannsacker nach Neustadt (km 42). Nach einer weiteren Gaststättenpause wanderten wir bei Nacht über Niedersachswerfen, die Flehmüller- und die Antiquar-Eiche nach Krimderode. In einer Nordhäuser Tankstelle stärkten wir uns nach 58 Kilometern noch einmal vor der weiteren 43 Kilometer langen Nachtstrecke, die uns ab 1 Uhr entlang von Zorge und Helme durch Bielen, Görsbach, Auleben und Kelbra bis hinauf zum Kyffhäuserdenkmal führte (km 90).
Wanderleiter Bodo Schwarzberg absolvierte am vergangenen Wochenende seinen 210. Hunderter. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Während der Nacht hatte es mehr oder weniger stark geregnet, so dass wir Regenbekleidung und Schirme nicht umsonst mitführen mussten. Der Regen war angesichts der schon wieder viel zu trockenen Wintermonate erfreulich. Wir sahen im Taschenlampen- und Stirnlampenschein Weinbergschnecken und Erdkröten. Gerade für die in den zurückliegenden langen Dürrezeiten arg dezimierten Amphibienbestände sind feuchte Bedingungen während der Paarungszeit essenziell. Leider ist das Plateau mit dem Kyffhäuserdenkmal nur noch gegen Bezahlung und schon gar nicht morgens um 7 Uhr 30 erreichbar. Am größeren Bruder, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, käme gewiss niemand auf die Idee, der Öffentlichkeit schon den Zugang zum für unsere Geschichte durchaus bedeutsamen Denkmal dermaßen zu erschweren.
Auf dem Radweg, der streckenweise den Bahndamm der historischen Bahnstrecke Berga-Artern nutzt, wanderten wir die verbleibenden neun Kilometer über Sittendorf und Kelbra zum Ausgangspunkt Bahnhof Berga.
Von den acht Startern wanderte ein Teilnehmer 21 Kilometer von Berga nach Stolberg, ein Wanderer 55 Kilometer von Stolberg bis ins Nordhäuser Zentrum und die anderen sechs erwanderten die Gesamtstrecke: Die weiteste Anreise hatte Gundula Schäfer aus Hamburg, die vor Jahren die erste erfolgreiche Frau auf der von mir organisierten knapp 150 Kilometer langen Nonstopstrecke Seesen-Brocken-Eisleben war.
Die 101 Kilometer bewältigten auch Stammteilnehmer Dr. Christian Richter (Jena), Hartmut Schmidt (Prestewitz bei Elsterwerda), Lutz Hollerbuhl (Sangerhausen) sowie Antje Otte-Hartig und Bodo Schwarzberg aus Nordhausen. Roy Hartig aus Nordhausen beendete seine Wanderung planmäßig nach 55 Kilometern im Nordhäuser Zentrum. Ältester Teilnehmer war Hartmut Schmidt mit 69 Jahren. Ich selbst absolvierte laut einer App auf der Langstreckenwanderung 118.318 Schritte.
Die nächsten von mir geführten Hunderter sind Von der Müritz zur Warnow (Waren-Rostock 109 km (27.06), Der ganze Harz von West nach Ost (20. Harz-Hunderter Extrem, 147 km, 24.10.) und der 57. Südharz-Hunderter (Nordhausen-Halle, bis 107 km, 12.12.) Meldungen sind jederzeit möglich an bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg


