Mo, 17:30 Uhr
18.05.2026
Welche Rolle spielt Nordhausen?
Rüstungsfirma vor Ansiedlung in der Region
Siedelt sich ein Rüstungsunternehmen im knapp 40 Kilometer entfernten Industriegebiet in Sangerhausen an? Mit dieser Frage wird sich an diesem Donnerstag der dortige Stadtrat im nicht öffentlichen Teil seiner Sitzung beschäftigen. Was diese Entwicklung für das Industriegebiet in Nordhausen bedeutet...
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in der vergangenen Woche in der kleinen Kreisstadt im benachbarten Landkreis Mansfeld-Südharz. Wie die dort erscheinende Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtet, führt die Sangerhäuser Stadtverwaltung aktuell konkrete Gespräche mit einem deutschen Rüstungszulieferer, dessen Mutterkonzern im Nahen Osten sitzt. Auch in Nordhausen hat man die Nachricht aus dem Nachbarkreis in Sachsen-Anhalt längst beim Unternehmerverband (NUV) vernommen. Dessen Vorstandsvorsitzender Niels Neu beobachtet das Vorgehen genau: Sollte Sangerhausen die Ansiedlung gelingen, könne man der Stadt nur gratulieren, sagte Neu am Montag gegenüber nnz-online.
Ist es womöglich die Firma, die auch Interesse am Nordhäuser Industriegebiet hatte? Im vergangenen Jahr, Richtung Sommer, hatte Landrat Matthias Jendricke (SPD) das Thema einer Ansiedlung der Rüstungsindustrie im Industriegebiet Goldene Aue auf das Tableau gebracht. Wir haben immer mal wieder Anfragen von interessierten Firmen, doch eine Rüstungsfirma war nie dabei, relativierte Neu. Auch Kreissprecherin Jessica Piper bestätigte am Montag genau das: Es hat nie eine konkrete Anfrage einer Rüstungsfirma für Nordhausen gegeben. Vielmehr gehe es dem Landrat darum, für alles offen zu sein, so seine Sprecherin.
Sprich: Die Firma, die nun in Sangerhausen Interesse an einer 130 Hektar großen Fläche westlich der Kreisstadt an der A 38 hat, hatte das Industriegebiet in Nordhausen wohl auch gar nicht auf dem Schirm.
Verkaufserlös in zweistelliger Millionenhöhe
Wie die MZ weiter berichtet, stellt das Unternehmen Komponenten für den Verteidigungsbereich her. Was konkret, ist derzeit noch nicht öffentlich bekannt. Auch nicht, wie viele Arbeitsplätze entstehen würden. Inoffiziell war die Rede von 400 neuen Jobs. Konkreter wird es hingegen beim Geld: Je nach Vertragsmodell rechnet Sangerhausen mit erheblichen Einnahmen. Als möglicher Verkaufserlös wird ein zweistelliger Millionenbetrag genannt. Sollte ein Erbbaurechtsmodell gewählt werden, könnten jährlich deutlich über eine Million Euro in die Stadtkasse fließen.
OB soll weiterführende Vertragsverhandlungen führen
Der Stadtrat soll nun Oberbürgermeister Torsten Schweiger (CDU) am 21. Mai beauftragen, weiterführende Vertragsverhandlungen zu führen. Ziel ist es, ein Kaufangebot über maximal 130 Hektar zu unterbreiten. Bereits jetzt führt das Thema im Vorfeld der Stadtratssitzung zu kontroversen Diskussionen. Die Linke und die Ratsfraktion der SOS haben ihre Ablehnung bereits deutlich gemacht. Die anderen Fraktionen um CDU, SPD, AfD und BIS äußerten sich bislang gar nicht oder nur zurückhaltend.
Am 1. Oktober 2012 war Spatenstich für das Industriegebiet. (Foto: Pressestelle Stadt Nordhausen, Patrick Grabe)
Niels Neu findet das Vorgehen in der gerade einmal rund 25.000 Einwohner großen Kreisstadt grundsätzlich richtig: Erst einmal muss man sich doch anhören, was konkret produziert werden soll. Rüstungsindustrie ist heutzutage so vielschichtig, das kann von Drohnentechnik bis zur Zulieferindustrie alles sein, sagte Neu. Wichtig sei es, offen in die Diskussion zu gehen und transparent zu machen, worum es eigentlich gehe. Dann kann man in die tieferen Diskussionen einsteigen.
Taskforce für "Goldene Aue" in 2025 gegründet
Für das knapp 100 Hektar große Industriegebiet in Nordhausen gibt es derweil keine Neuigkeiten. Seit Jahren werden für das brachliegende Areal zwischen Bielen und Urbach Firmenansiedlungen ersehnt. Spatenstich für das hiesige Industriegebiet war bereits im Herbst 2012, wurden seither allein rund 32,5 Millionen Euro in die Erschließung gesteckt. Im vergangenen Juli war nun eine Taskforce gegründet worden. Es war ein Neustart für die Vermarktung der Flächen vor den Toren der Stadt, unmittelbar an der A 38. Unter Leitung des Nordthüringer Unternehmerverbandes hatten sich im Rahmen eines Wirtschaftsdialoges im Sommer folgende Akteure zu einer Taskforce zusammengeschlossen: Die beiden CDU-Landtagsabgeordneten David Gregosz und Carolin Gerbothe, Nordhausens Landrat und Oberbürgermeister Kai Buchmann, die IHK Nordthüringen sowie die Landesentwicklungsgesellschaft LEG und das Thüringer Wirtschaftsministerium. Es gebe regelmäßige Treffen, und es gebe viele konkrete Nachfragen von Firmen. Etwas Ernstes habe sich daraus bisher jedoch nicht ergeben, so Niels Neu.
Investoren beobachten die Situation hier vor Ort sehr genau, sagte Neu. Leider herrsche in Nordhausen nicht immer ein investitionsfreundliches Klima, so der NUV-Chef. Vieles werde schon im Vorfeld zerredet. Wir machen hier leider oft den zweiten vor dem ersten Schritt, sagte Neu. Man solle keine Industrie von vornherein und kategorisch ausschließen, so Neu.
LEG kennt Ansiedlungspläne in Sangerhausen nicht
Bei der LEG Thüringen zeigte man sich am Montag überrascht über die Entwicklungen in Sachsen-Anhalt. Von einer möglichen Ansiedlung in Sangerhausen habe man bislang keine Kenntnis, sagte LEG-Pressesprecher Holger Wiemers. Zugleich betonte er die Bedeutung des Industriegebiets Goldene Aue für die Landesentwicklungsgesellschaft. Die Vermarktung des Standorts werde weiterhin intensiv vorangetrieben. Warum dann aber auf der Internetseite der LEG derzeit jedoch lediglich das Gewerbe- und Industriegebiet Darrweg in Nordhausen aufgeführt ist, und das an der A 38 gar nicht zu finden ist, das konnte Wiemers nicht beantworten. Er versprach aber, sich zu kümmern.
Susanne Schedwill
Autor: sscWie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in der vergangenen Woche in der kleinen Kreisstadt im benachbarten Landkreis Mansfeld-Südharz. Wie die dort erscheinende Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtet, führt die Sangerhäuser Stadtverwaltung aktuell konkrete Gespräche mit einem deutschen Rüstungszulieferer, dessen Mutterkonzern im Nahen Osten sitzt. Auch in Nordhausen hat man die Nachricht aus dem Nachbarkreis in Sachsen-Anhalt längst beim Unternehmerverband (NUV) vernommen. Dessen Vorstandsvorsitzender Niels Neu beobachtet das Vorgehen genau: Sollte Sangerhausen die Ansiedlung gelingen, könne man der Stadt nur gratulieren, sagte Neu am Montag gegenüber nnz-online.
Ist es womöglich die Firma, die auch Interesse am Nordhäuser Industriegebiet hatte? Im vergangenen Jahr, Richtung Sommer, hatte Landrat Matthias Jendricke (SPD) das Thema einer Ansiedlung der Rüstungsindustrie im Industriegebiet Goldene Aue auf das Tableau gebracht. Wir haben immer mal wieder Anfragen von interessierten Firmen, doch eine Rüstungsfirma war nie dabei, relativierte Neu. Auch Kreissprecherin Jessica Piper bestätigte am Montag genau das: Es hat nie eine konkrete Anfrage einer Rüstungsfirma für Nordhausen gegeben. Vielmehr gehe es dem Landrat darum, für alles offen zu sein, so seine Sprecherin.
Sprich: Die Firma, die nun in Sangerhausen Interesse an einer 130 Hektar großen Fläche westlich der Kreisstadt an der A 38 hat, hatte das Industriegebiet in Nordhausen wohl auch gar nicht auf dem Schirm.
Verkaufserlös in zweistelliger Millionenhöhe
Wie die MZ weiter berichtet, stellt das Unternehmen Komponenten für den Verteidigungsbereich her. Was konkret, ist derzeit noch nicht öffentlich bekannt. Auch nicht, wie viele Arbeitsplätze entstehen würden. Inoffiziell war die Rede von 400 neuen Jobs. Konkreter wird es hingegen beim Geld: Je nach Vertragsmodell rechnet Sangerhausen mit erheblichen Einnahmen. Als möglicher Verkaufserlös wird ein zweistelliger Millionenbetrag genannt. Sollte ein Erbbaurechtsmodell gewählt werden, könnten jährlich deutlich über eine Million Euro in die Stadtkasse fließen.
OB soll weiterführende Vertragsverhandlungen führen
Der Stadtrat soll nun Oberbürgermeister Torsten Schweiger (CDU) am 21. Mai beauftragen, weiterführende Vertragsverhandlungen zu führen. Ziel ist es, ein Kaufangebot über maximal 130 Hektar zu unterbreiten. Bereits jetzt führt das Thema im Vorfeld der Stadtratssitzung zu kontroversen Diskussionen. Die Linke und die Ratsfraktion der SOS haben ihre Ablehnung bereits deutlich gemacht. Die anderen Fraktionen um CDU, SPD, AfD und BIS äußerten sich bislang gar nicht oder nur zurückhaltend.
Am 1. Oktober 2012 war Spatenstich für das Industriegebiet. (Foto: Pressestelle Stadt Nordhausen, Patrick Grabe)
Niels Neu findet das Vorgehen in der gerade einmal rund 25.000 Einwohner großen Kreisstadt grundsätzlich richtig: Erst einmal muss man sich doch anhören, was konkret produziert werden soll. Rüstungsindustrie ist heutzutage so vielschichtig, das kann von Drohnentechnik bis zur Zulieferindustrie alles sein, sagte Neu. Wichtig sei es, offen in die Diskussion zu gehen und transparent zu machen, worum es eigentlich gehe. Dann kann man in die tieferen Diskussionen einsteigen.Taskforce für "Goldene Aue" in 2025 gegründet
Für das knapp 100 Hektar große Industriegebiet in Nordhausen gibt es derweil keine Neuigkeiten. Seit Jahren werden für das brachliegende Areal zwischen Bielen und Urbach Firmenansiedlungen ersehnt. Spatenstich für das hiesige Industriegebiet war bereits im Herbst 2012, wurden seither allein rund 32,5 Millionen Euro in die Erschließung gesteckt. Im vergangenen Juli war nun eine Taskforce gegründet worden. Es war ein Neustart für die Vermarktung der Flächen vor den Toren der Stadt, unmittelbar an der A 38. Unter Leitung des Nordthüringer Unternehmerverbandes hatten sich im Rahmen eines Wirtschaftsdialoges im Sommer folgende Akteure zu einer Taskforce zusammengeschlossen: Die beiden CDU-Landtagsabgeordneten David Gregosz und Carolin Gerbothe, Nordhausens Landrat und Oberbürgermeister Kai Buchmann, die IHK Nordthüringen sowie die Landesentwicklungsgesellschaft LEG und das Thüringer Wirtschaftsministerium. Es gebe regelmäßige Treffen, und es gebe viele konkrete Nachfragen von Firmen. Etwas Ernstes habe sich daraus bisher jedoch nicht ergeben, so Niels Neu.
Investoren beobachten die Situation hier vor Ort sehr genau, sagte Neu. Leider herrsche in Nordhausen nicht immer ein investitionsfreundliches Klima, so der NUV-Chef. Vieles werde schon im Vorfeld zerredet. Wir machen hier leider oft den zweiten vor dem ersten Schritt, sagte Neu. Man solle keine Industrie von vornherein und kategorisch ausschließen, so Neu.
LEG kennt Ansiedlungspläne in Sangerhausen nicht
Bei der LEG Thüringen zeigte man sich am Montag überrascht über die Entwicklungen in Sachsen-Anhalt. Von einer möglichen Ansiedlung in Sangerhausen habe man bislang keine Kenntnis, sagte LEG-Pressesprecher Holger Wiemers. Zugleich betonte er die Bedeutung des Industriegebiets Goldene Aue für die Landesentwicklungsgesellschaft. Die Vermarktung des Standorts werde weiterhin intensiv vorangetrieben. Warum dann aber auf der Internetseite der LEG derzeit jedoch lediglich das Gewerbe- und Industriegebiet Darrweg in Nordhausen aufgeführt ist, und das an der A 38 gar nicht zu finden ist, das konnte Wiemers nicht beantworten. Er versprach aber, sich zu kümmern.
Susanne Schedwill



