Seit fast 100 Jahren ist die Firma Liebram in Nohra in Familienhand. Aus einer kleinen Elektrofirma, die einst sogar Fahrräder reparierte, ist ein Spezialist für Brandmelde- und Sicherheitstechnik geworden. Inzwischen führt die vierte Generation die Geschäfte und wartet trotz aller Digitalisierung noch immer auf schnelles Internet...
Thomas Liebram mit einem alten Zeitungsausschnitt, er zeigt seinen Vater Heinz Liebram und seinen Großvater Fitz Hilpert in der Werkstatt. Foto: sscWenn Thomas Liebram heute seine Büroarbeit erledigt, sitzt er an demselben Schreibtisch, an dem bereits sein Großvater Fritz Hilpert in den 1920er Jahren gearbeitet hat. Die dunklen Echtholzmöbel sind bis heute im Familienbesitz. Gleiches gilt für die Firma, die Fritz Hilpert im August 1926 Jahren gegründet hat.
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Der Schritt meines Großvaters in die Selbstständigkeit fiel 1926 in wirtschaftlich schwierige Zeiten. Dazu gehörte immer auch eine Portion Wagemut, erzählt Thomas Liebram. Eigentlich stammte sein Großvater aus einer Eisenbahnerfamilie. Doch statt diese Tradition fortzusetzen, entschied sich der junge Hilpert für ein Ingenieurstudium und gründete im August 1926 in Nohra seine Elektrofirma. Das Startkapital stammte aus der Abfindung, die er nach der Schließung des Bergwerks Ludwigshall in Immenrode erhalten hatte, in dem er zuvor arbeitete. In den ersten Jahren nahm er nahezu jede Arbeit an. Neben Elektroinstallationen reparierte er auch Fahrräder und Rundfunkgeräte, organisierte sogar Kinovorführungen.
55 Jahre lang führte Hilpert das Unternehmen, bevor Anfang der 1980er Jahre sein Schwiegersohn Heinz Liebram die Geschäftsführung übernahm. Zu DDR-Zeiten gelang der Familie etwas, das nur wenigen Privatunternehmern vergönnt war: Die Firma blieb in Familienbesitz und wurde nicht verstaatlicht.
Seit 1995 steht Thomas Liebram an der Spitze des Unternehmens. Seine Frau Andrea arbeitet ebenfalls im Familienbetrieb. Die gelernte Medizinisch-Technische Assistentin absolvierte später eine Ausbildung zur Industriekauffrau, kümmert sich heute um Personal und Buchhaltung, gehört mit zur Geschäftsführung.
Die vierte Generation übernimmt
Mit Sohn Alexander arbeitet inzwischen die vierte Generation im Unternehmen. Der 39-Jährige studierte regenerative Energien und war mehrere Jahre als Projektmanager in China tätig. Vor rund zehn Jahren kehrte er nach Nohra zurück. Heute verantwortet er das operative Geschäft.
Vom Elektriker zum Sicherheitsspezialisten
Dass der Elektrobetrieb seinen Sitz in Nohra hat, das hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht geändert. Die Ausrichtung des Unternehmens dagegen schon. Wir sind heute keine klassische Elektrofirma mehr, sagt Thomas Liebram. Das Unternehmen konzentriert sich auf sicherheitstechnische Lösungen und Gebäudetechnik.
Mehr als 70 Prozent des Geschäfts entfallen inzwischen auf Brandmeldeanlagen. Systeme aus Nohra kommen unter anderem in der Feuerwache Kassel, im XXL-Lutz am Erfurter Kreuz sowie in zahlreichen Möbelhäusern der Marke Poco in ganz Deutschland zum Einsatz.
Moderne Technik, langsames Internet
Auch die Digitalisierung spielt im Unternehmen eine immer größere Rolle. Gemeinsam mit der Nordhäuser Firma Aturis entwickelte Alexander Liebram eine App zur digitalen Erfassung und Verwaltung sicherheitstechnischer Anlagen. Die Firma installiert modernste Sicherheitstechnik und entwickelt digitale Anwendungen. Nur beim Internetanschluss am eigenen Standort ist sie dagegen auf Geduld angewiesen. Der Breitbandausbau in Nohra lässt seit Jahren auf sich warten. Wir arbeiten täglich mit digitaler Technik und modernen Softwarelösungen. Dafür braucht man auch die entsprechende Infrastruktur, sagt Thomas Liebram. Für einen Betrieb, der zunehmend digital arbeitet, sei eine leistungsfähige Internetanbindung längst eine Grundvoraussetzung.
Thomas, Alexander und Andrea Leibram zeigen das fast 100 Jahre alte Firmenschild. Foto: sscHeute beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende. Bei der Fachkräftesicherung setzt Liebram seit Jahren auf die eigene Ausbildung. Mit der Regelschule Hainleite in Wolkramshausen arbeitet das Unternehmen eng zusammen. Schüler absolvieren Praktika im Rahmen des TiP-Projekts oder besuchen die Jugend-Unternehmenswerkstatt in dem Elektrobetrieb.
Unter der Leitung unseres Mitarbeiters Sascha Kühnemund entstehen dort immer wieder spannende Projekte, berichtet Alexander Liebram. Aktuell bauen die Schüler ein Modellauto. Demnächst soll auch eine Drohne entstehen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Ferienarbeit an. Dank dieser frühen Mitarbeiterbindung, sei es immer gelungen auch Auszubildende zu finden. Unsere Lehrlinge kommen alle aus der Region, sagt Thomas Liebram.
Ein Familienbetrieb, auch bei den Mitarbeitern
Was wäre ein Handwerksbetrieb ohne seine Mitarbeiter?, sagt Thomas Liebram. Schätzungsweise rund 200 Menschen haben in den vergangenen Jahrzehnten für die Firma gearbeitet. Viele haben uns über Jahrzehnte begleitet und ihren Anteil daran, dass es das Unternehmen heute noch gibt. Einige kehrten selbst nach einem Jobwechsel später wieder zurück. Inzwischen absolviert auch der Sohn eines Mitarbeiters seine Ausbildung im Unternehmen. Zudem arbeitet ein Ehepaar gemeinsam bei Liebram. Bei uns ist es wirklich sehr familiär, sagt Andrea Liebram.
Hausmesse zum Jubiläum
Einen Eindruck von der Firma können sich alle Interessierten am Freitag, 5. Juni, machen. Dann feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen ganz offiziell. In den Büros werden aus diesem Anlass historische Erinnerungsstücke ausgestellt, darunter alte Telefone, Rechenmaschinen und weitere Zeitdokumente aus der Firmengeschichte.
Von 10 bis 16 Uhr findet zudem auf dem Firmengelände in der Sondershäuser Landstraße 70 eine Hausmesse statt. Gezeigt werden Sicherheitstechnik sowie Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Elektrohandwerk. Für Kinder gibt es unter anderem eine Hüpfburg und den Heißen Draht. Susanne Schedwill
die die DDR-Zeit überwinden konnten und heute noch in der Region erfolgreich tätig sind !
Aber auch die Fachleute, welche nach der Zerschlagen der DDR-Wirtschaft durch die CDU-geführte "Treuhand"den Mut hatten, neu anzufangen und eine Firma zu gründen ( Peter, Triebel, Heck u.v.a.) verdienen Lob und Anerkennung. Ich hoffe nur, dass sich die mitteldeutschen Länder trotz spürbarer Diffamierung und Konkurrenz durch die alten Bundesländer bald ebenbürdig oder besser auf allen Gebieten weiter entwickeln !
Die Fachleute dafür haben wir !