Am kommenden Montag soll der Nordhäuser Stadtrat den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 beschließen. Im Finanzausschuss wurde am Dienstagabend noch einmal knapp drei Stunden über zahlreiche Änderungsanträge der Fraktionen beraten. Dabei versuchte die AfD-Fraktion, städtische Zuschüsse in Höhe von insgesamt rund 180.000 Euro für mehrere Vereine zu streichen, allerdings ohne Erfolg...
Der Verein Studio 44 ist Trägerverein für Zappelini und das Blue-Ballon-Festival. (Foto: nnz-Archiv)Wir sind hier nicht auf dem Basar, sagte Linken-Stadträtin Martina Degenhardt. Vorausgegangen war eine lange Diskussion über die finanzielle Unterstützung des Vereins Studio 44, die hier nur verkürzt dargestellt werden kann. Für das laufende Jahr hat der Verein einen Zuschuss von 40.000 Euro beantragt. Mit dem Geld soll zu rund 75 Prozent eine Trainerstelle beim Kinderzirkus Zappelini finanziert werden, erläuterte Vereinsvorsitzender Holger Richter. Er war eigens in den Ausschuss gekommen, um die finanzielle Situation des Vereins transparent darzustellen. Eine solche Darstellung hatten im vorhergehenden Ausschuss unter anderem Vertreter von AfD und Linken gefordert.
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Ursprünglich hatte die AfD-Fraktion beantragt, den Zuschuss vollständig zu streichen. Fraktionschef Frank Kramer begründete dies mit einer aus seiner Sicht bestehenden Doppelfinanzierung. Für denselben Förderzweck erhalte der Verein bereits Landesmittel in Höhe von rund 128.000 Euro für den Zeitraum von 2024 bis 2026. Hinzu kämen in diesem Jahr weitere 38.000 Euro vom Landkreis.
Nach Angaben Kramers werden aus den Landesmitteln unter anderem das Blue Balloon Festival, Angebote an Schulen und Kindergärten sowie Projekte mit Vereinen und Institutionen finanziert. Auch die wöchentlichen Trainingsangebote des Kinderzirkus Zappelini seien Bestandteil dieser Förderung. Darin sieht die AfD die von ihr kritisierte Doppelförderung. Zudem bemängelte Kramer, dass der Verein lediglich rund sechs Prozent seiner Ausgaben durch Eigenmittel finanziere. Diese Struktur sei aus seiner Sicht dringend reformbedürftig.
Vereinschef Richter versicherte, dass der Verein bereit sei, daran zu arbeiten, seine Finanzierung künftig breiter aufzustellen. Eine Kürzung im laufenden Jahr sei jedoch nur schwer zu verkraften. Im Verlauf der Diskussion zeigte sich Kramer kompromissbereit. Mit einem Zuschuss von 40.000 Euro für 2026 könne er leben, jetzt, wo der Verein seine Finanzen transparent gemacht habe. Aber nur unter der Prämisse, die Förderung im Jahr 2027 auf 20.000 Euro zu reduzieren.
CDU-Stadtrat und Ausschuss-Vorsitzender Christian Völker brachte daraufhin einen Kompromissvorschlag ins Spiel: 35.000 Euro für 2026 und 25.000 Euro für 2027. Letztlich schloss sich die AfD jedoch dem SPD-Vorschlag an. Dieser sieht vor, den Verein im Jahr 2026 mit 40.000 Euro und 2027 mit 30.000 Euro zu unterstützen. Mit sieben Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Antrag angenommen.
Damit könne er gut leben, sagte Richter. Oberbürgermeister Kai Buchmann stellte fest, dass der Verein damit insgesamt sogar mehr Geld sicher habe, als ursprünglich vorgesehen.
Zuschuss für Migra-Projekt infrage gestellt
Streichen wollte die AfD zudem den städtischen Zuschuss von jährlich 50.000 Euro für das Migra-Projekt des Schrankenlos-Vereins. Auch hier argumentierte Kramer mit einer Doppelstruktur und verwies auf das Thinka-Projekt des Horizont-Vereins. Dabei bezog er sich auf frühere Überlegungen der Stadtverwaltung, die Förderung für Migra auslaufen zu lassen.
Dem widersprach Oberbürgermeister Kai Buchmann. Man habe seinerzeit gehofft, dass das Thinka-Projekt mögliche Lücken schließen könne. Das ist aber nicht der Ist-Zustand, stellte er klar. Er wolle deshalb an dem Projekt festhalten.
Unterstützung erhielt er von Martina Degenhardt. Aus ihrer Sicht ergänzen sich beide Angebote, anstatt miteinander zu konkurrieren. Thinka ist eine sinnvolle Ergänzung des Migra-Projekts, sagte die Linken-Stadträtin.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass der bestehende Vertrag für das Jahr 2026 ohnehin nicht mehr kündbar sei. Entsprechend fand auch dieser Kürzungsantrag im Ausschuss keine Mehrheit. Fünf Mitglieder stimmten dagegen, zwei enthielten sich.
AfD wollte Unterstützung für Falken aussetzen
In einem weiteren Änderungsantrag forderte die AfD-Fraktion, die jährlichen städtischen Zuschüsse in Höhe von 107.000 Euro für den Verein Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken vorübergehend auszusetzen.
Als Begründung verwies AfD-Stadtrat Alexander Wille auf die Vorkommnisse an einer neunten Klasse in der sächsischen Gemeinde Schleife. Dort hatte der Berliner Landesverband der Falken im März 2026 einen Workshop zum Thema Mut organisiert. Bei der Gestaltung einer Collage mit ausgeschnittenem Material aus verschiedenen Zeitschriften sei Medienberichten zufolge versehentlich auch eine pornografische Zeitschrift unter das Bastelmaterial geraten.
Zudem verwies Wille auf Bundesfördermittel in Höhe von mehr als 1,3 Millionen Euro, die dem Verein zur Verfügung stünden. Warum wird dem Verein wie in einem festen Abonnement Jahr für Jahr 107.000 Euro gezahlt?, fragte Wille. Im Vergleich zu anderen Trägern sei der Verein aus seiner Sicht deutlich weniger präsent als etwa der Kinderzirkus Zappelini, erhalte jedoch mehr als doppelt so hohe Zuschüsse.
Die eingesparten Mittel könnten stattdessen anderen Projekten zugutekommen, argumentierte Wille. Als Beispiele nannte er ein geplantes Klettergerüst auf dem Blasii-Kirchplatz oder eine stärkere Entlastung bei den Hortgebühren.
Scharfe Kritik an dem Vorstoß kam aus den Reihen der SPD. Stadtrat Hans-Georg Müller warf der AfD vor, gezielt etablierte Vereinsstrukturen in Nordhausen infrage zu stellen. Sie wollen hier mit Macht bestehende Strukturen zerstören. Und wie Sie hier völlig unterschiedliche Sachverhalte miteinander vergleichen, ist unerträglich und reiner Populismus, sagte Müller in Richtung der AfD-Fraktion.
Auch Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) verteidigte die Förderung. Sie diskreditieren hier unsere Leute vor Ort, erklärte sie. Die Stadt erfülle mit der Unterstützung des Vereins zugleich Vorgaben des Jugendförderplans des Landkreises. Demnach müsse Nordhausen zwei Jugendzentren vorhalten. Eines davon werde von den Falken in Salza betrieben.
Dafür benötige der Verein qualifizierte Fachkräfte. Diese könnten jedoch nur gehalten werden, wenn den Mitarbeitern eine gewisse finanzielle Sicherheit geboten werde. Aus diesem Grund habe die Stadt im Jahr 2024 einen Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren abgeschlossen, erläuterte Buchmann. Dieser sehe eine jährliche Förderung von 107.000 Euro zur Finanzierung von Personal vor.
Die Stadt habe damit eine vertragliche Verpflichtung übernommen, die nicht einseitig geändert werden könne. Über den Antrag könne daher gar nicht abgestimmt werden, so der Oberbürgermeister.
Auch Stadtrat Marko Rossmann (Bürgerliste Südharz) äußerte Zweifel an dem Vorstoß. Er halte es für fragwürdig, Vorgänge in Sachsen als Begründung für eine Kürzung in Nordhausen heranzuziehen. Das, was dort passiert ist, hat nichts mit der Arbeit der Falken in Nordhausen zu tun, sagte Rossmann. Susanne Schedwill
hoffentlich wird bald mal richtig aufgeräumt in dem Saustall! Verschwendung von Geldern steht ja ganz oben bei SPD, Grüne und Linke!
Und ganz schön Rassistisch was sie die Linke hier erlaubt
Wir sind hier nicht auf dem Basar
Und der Kinderzirkus Zappelini ist doch selber daran Schuld, wenn man Kinder für seine linken politischen Zwecke benutzt, muss dann halt mal Schluss damit sein! Wer mit #FCKAFD Shirt sich bei Tiktok und Instagram präsentiert, sollte ja auch nicht erwarten dass diese dann stillschweigend zuschauen! Selber Schuld! Und die restlichen Projekte sind auch alle politisch Instumentalisiert und leben nur wie die Maden im Speck..
Einfach alle Gelder stoppen, Konten einfrieren und die noch vorhandenen Gelder wieder zurück in die Stadtkasse fließen lassen! Vieleicht springt dann ein neuer Radweg für Peru raus!
In Ihrem hasserfüllten Kommentar steht eigentlich alles drin, was man braucht um zu wissen, warum man um die AfD einen möglichst großen Bogen machen sollte. Wirklich sehr "eindrucksvoll". Vielen Dank dafür.
...im Geld ausgeben für Projekte die zur "Sicherung der Demokratie" sind die SPD,LINKE, und Grünen ja immer sportlich unterwegs. Meiner Meinung nach ist eine kritische Prüfung gerade unter der Haushaltslage der Stadt durchaus berechtigt. Wenn Gelder wie von Herrn Wille als Abo-Modell ausgezahlt werden, dann stimmt in 99% der Fälle irgendetwas nicht.
Sicherlich machen Vereine wie "Zappelini" mit den Kinder gute Projekte ... dies gibt allerdings keinen Freifahrtsschein für diese politischen Spielchen die diese Vereine betreiben.
Ich kann nur hoffen, dass auch in Zukunft weiter kritisch nachgefragt wird und vor allem auch der Rotstift angesetzt wird.
Man kann kein Geld ausgeben welches man nicht hat. Diesen Satz sollte sich vor allem die SPD-Nordhausen mal hinter die Ohren schreiben.
Der Beitrag wurde deaktiviert von vgf Schreiben Sie uns ggf. eine private Mail.
nur_mal_so
03.06.2026, 15:40 Uhr
Nachfrage:
Zitat: "Wer mit #FCKAFD Shirt sich bei Tiktok und Instagram präsentiert, sollte ja auch nicht erwarten dass diese dann stillschweigend zuschauen! Selber Schuld!"
Es werden in der ersehnten Alternativen Zukunft nur noch Belange von Personen und Vereinen unterstützt, die sich zuvor vorbehaltlos PRO-AfD ausgesprochen haben? Sozusagen totalitäre Gleichschaltung erwünscht?
Frage: Was hat man mit Personen und Vereinen vor, die sich einem solchen Kadaver-Gehorsam verweigern?
einen Beleg sehen, wo genau sich auf den genannten Social Media Kanälen eine Person vom Verein und dann noch auf den eigenen Kanälen je mit FCKAFD T-Shirt präsentiert hat.
Das halte ich für eine sehr üble Unterstellung und Verleumdung durch einen doch sehr ahnungslosen Kommentator.
Also Bernd, Haus raus deine Quellen.
Der Beitrag wurde deaktiviert von psg Gehört nicht zum Artikel
Franz 2018
03.06.2026, 17:43 Uhr
Nein, so geht das nicht
Es darf bei der Unterstützung von Vereinen nicht darum gehen, dass sie politisch in den Zeitgeist passen, egal welcher Couleur. Solange sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen, darf Unterstützung nicht gestrichen werden, nur weil es nicht der eigenen Meinung entspricht. Genau diese Forderungen, wie auch einer "Säuberung" im öffentlichen Dienst ( war jetzt aus Sachsen Anhalt zu hören) u.ä. kann ich niemals unterstützen. Es kann und darf nicht sein, dass jeder, der nicht bei allem ja und Amen sagt, nicht mehr unterstützt oder rausgeworfen und sonst wie verfolgt wird. Das hatten wir schon zweimal und das brauche ich nie wieder....
Ohne auf die Nordhäuser Arbeit konkret eingehen zu wollen, muss ein Verein, der sich "sozialistisch" schimpft, nicht unterstützt werden. Frau Prien hat recht: die Mitte der Gesellschaft sollte gefördert werden, beispielsweise direkt an die Schulen ohne Umwege über NGO , freiwillige Feuerwehren und Sportvereine usw.
Fairerweise möchte ich aber sagen, dass mir bei der Villa Kunterbunt noch keine sozialistischen Umtrieben aufgefallen sind und dort gute Arbeit geleistet wird.
Der Beitrag wurde deaktiviert von vgf Ich verstehe jetzt gerade gar nicht, worum es hier geht.
BerndLuky
03.06.2026, 18:16 Uhr
Es geht um
das Kommentar von "nordhaeuser927", der mich somit als Lügner hinstellt! Dies ist zwar kein Chat hier, aber wenn mir unterstellt wird, dass ich lügen würde, hat das unmittelbar mit dem Thema des Beitrags zu tun.
Quelle für FCKAFD bei Zappelini!
Einfach bei Google nach Las Vegas in Nordhausen! ✨ | Siegfried & Joy suchen. Dann wird schnell deutlich, dass meine Aussage keine Lüge war, sondern nachprüfbar ist.
Anmerkung techn. Support:
Naja, da gibt es vielleicht ein kleine Verständnis- bzw. Genauigkeitsproblem. Die dort sichtbare Person ist kein Vereinsmitglied.
Und so richtig als Lügner wurden Sie auch nicht bezeichnet. Es wurde nach der Quelle gefragt. Sind Sie ein Lügner? Falls ja, ist das nicht schlimm. Sie wären in »guter« Gesellschaft. Menschen lügen im Durchschnitt etwa ein- bis zweimal am Tag.
Quelle: www.ardalpha.de.
Wir werden diesen Punkt hier nicht weiter diskutieren, da es nur indirekt mit dem Artikel-Inhalt zu tun hat.
Stadtmensch47
03.06.2026, 20:17 Uhr
Zappelini
Das Video (FCKAFD), das hier immer wieder angeführt wird, ist erstens allein auf dem Mist dieser angeblichen Künstler gewachsen, zeigt zweitens niemanden von Zappelini und ist drittens lediglich vor dem Blue Ballon entstanden. Das ist mehr als ärgerlich für Zappelini, denn es wird immer wieder damit in Zusammenhang gebracht.
Würde BerndLuky aber mit einem Antifa-T-Shirt vor dem Rathaus fotografiert werden, ist ja auch nicht gleich die Stadtverwaltung linksextrem, oder?!?
Letztendlich war es im Finanzausschuss gut, dass nun von allen Parteien nicht mehr über Animositäten, sondern über die Förderhöhe für den Kinderzirkus diskutiert wurde. Am Ende haben dann alle Parteien außer der CDU die Förderung von 40.000 Euro für dieses und 30.000 für das nächste Jahr mitgetragen.
PS: Ist das eigentlich jetzt ein Skandal, dass SPD, Linke, Grüne und BLS mit der AFD gestimmt haben?