Schmale Baumformen erobern die Gärten in Thüringen
Wer durch die Wohnviertel von Nordhausen spaziert, bemerkt einen Wandel. Zwischen klassischen Obstbäumen und Thujahecken tauchen immer häufiger schmal gezogene Baumformen auf, die sich eng an Hauswände oder Grundstücksgrenzen schmiegen. Diese sogenannten Spalierbäume erleben seit einigen Jahren einen regelrechten Aufschwung in der Region...
Spalierobst (Symbolbild) (Foto: Brittney Strange auf Unsplash)
Gerade in Städten wie Nordhausen, Sondershausen oder Mühlhausen sind Grundstücke bei Neubauten oft nicht größer als 300 bis 400 Quadratmeter. Der Wunsch nach Grün bleibt trotzdem bestehen. Spalierbäume bieten eine Lösung, die sowohl ästhetisch als auch funktional überzeugt, ohne den begrenzten Platz zu dominieren.
Online-Baumschulen wie Venovi aus dem nordrhein-westfälischen Ahaus verzeichnen eine steigende Nachfrage nach Spalierbäumen aus ganz Deutschland. Das Familienunternehmen mit über 160 Jahren Baumschultradition kultiviert auf 160 Hektar mehr als 600 verschiedene Baumarten. Besonders gefragt sind dabei Hainbuchen- und Platanen-Spaliere, die als natürlicher Sichtschutz dienen.
Warum schmale Baumformen gerade jetzt so gefragt sind
Der Trend hat handfeste Gründe. Die durchschnittliche Gartenfläche bei Neubauten in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren merklich geschrumpft, während das Bewusstsein für Klimaanpassung und Biodiversität gleichzeitig gewachsen ist. Wer weniger Platz hat, muss klüger pflanzen.
Ein Spalierbaum nimmt in der Breite oft nur 30 bis 50 Zentimeter ein, bietet aber auf einer Höhe von zwei bis drei Metern eine geschlossene Grünfläche. Diese Eigenschaft macht ihn zur idealen Alternative zu Sichtschutzwänden aus Kunststoff oder Holz. In Nordhausen setzt etwa die Stadtverwaltung seit 2025 verstärkt auf Spalierlinden entlang von Gehwegen in der Innenstadt.
Welche Baumarten sich für das Klima am Südharz eignen
Nicht jede Baumart gedeiht am Südharz gleich gut. Nordhausen liegt auf rund 185 Metern Höhe und hat ein gemäßigtes Klima mit vergleichsweise kalten Wintern. Temperaturen von minus 15 Grad sind in manchen Jahren keine Seltenheit.
Hainbuchen (Carpinus betulus) gelten als besonders robust und vertragen sowohl Frost als auch sommerliche Trockenperioden. Auch der Feldahorn in Spalierform hat sich in der Region bewährt. Wer dagegen auf mediterrane Arten wie Feigen oder Maulbeeren setzt, braucht zwingend einen geschützten Standort an einer südwestlich ausgerichteten Hauswand.
Der Boden rund um Nordhausen ist überwiegend lehmig bis tonig, was für die meisten spaliergeformten Gehölze vorteilhaft ist. Staunässe sollte allerdings vermieden werden. Ein einfacher Drainagegraben von etwa 30 Zentimetern Tiefe reicht in der Regel aus, um überschüssiges Wasser abzuleiten.
Pflanzung und Pflege ohne großen Aufwand
Die beste Pflanzzeit für Spalierbäume in Thüringen liegt zwischen Oktober und April, solange der Boden frostfrei ist. Containerpflanzen, wie sie bei Venovi und anderen Baumschulen angeboten werden, lassen sich grundsätzlich ganzjährig setzen. Ein Pflanzloch, das doppelt so breit wie der Wurzelballen ist, gibt den Wurzeln genügend Raum zum Anwachsen.
Der Schnitt ist entscheidend für die Form. Spaliergehölze brauchen mindestens zwei Schnittdurchgänge pro Jahr: einen im späten Winter vor dem Austrieb und einen leichten Korrekturschnitt im Juli. Wer das konsequent durchhält, hat innerhalb von drei bis vier Jahren eine dichte, gleichmäßige Grünwand.
Bewässerung spielt besonders in den ersten beiden Standjahren eine wichtige Rolle. In den zunehmend trockenen Sommern am Südharz empfiehlt sich ein Gießring um den Stamm, der bei jeder Wässerung etwa 20 Liter Wasser direkt an die Wurzelzone leitet. Etablierte Bäume kommen danach mit den natürlichen Niederschlägen meist gut zurecht.
Ein grüner Sichtschutz, der mehr leistet als ein Zaun
Spaliergehölze bieten weit mehr als nur Ästhetik. Sie filtern Feinstaub, bieten Insekten Nahrung und können die unmittelbare Umgebung im Sommer um bis zu 3 Grad kühlen. An versiegelten Flächen in Städten wie Nordhausen macht das einen spürbaren Unterschied für die Aufenthaltsqualität.
Die Kosten liegen je nach Art und Größe zwischen 80 und 350 Euro pro Baum. Ein Spalier aus Hainbuchen auf sechs Metern Länge ist damit deutlich günstiger als ein vergleichbarer Holzzaun mit professionellem Einbau. Wer bei einer Baumschule mit Anwachsgarantie bestellt, geht zudem kein finanzielles Risiko ein, falls ein Exemplar den ersten Winter nicht übersteht.
Die Region um Nordhausen hat in den letzten Jahren verstärkt in öffentliches Grün investiert. Dass dieser Trend nun auch in privaten Gärten sichtbar wird, lässt sich an den wachsenden Absatzzahlen der Baumschulen ablesen. Allein Venovi liefert nach eigenen Angaben jährlich mehr als 175.000 Bäume an Privatkunden in Deutschland, Österreich und Luxemburg aus.