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Fr, 16:55 Uhr
10.10.2008

nnz-Forum: Rundumschlag von A bis Z

Die nnz hatte heute im Forum ein Statement der LINKEN in Nordhausen veröffentlicht. Dazu gibt es jetzt eine erste Reaktion...


Nun, das war wahrhaftig Wahlkampf vom Feinsten. Dank des Kreisverbandes der Linken weiß ich jetzt endlich, wie schlimm es um uns alle steht. Und wie verbrecherisch und halsabschneiderisch, „die da oben“ mit uns Monopoly spielen. Die Welt ist zum Heulen und obendrein korrupt und ungerecht.

Ich hätte, nur der Vollständigkeit halber, noch ein paar Punkte im Weltuntergangsszenarium des Kreisverbandes der Linken zu ergänzen: So zum Beispiel, dass die Politik uns alle garantiert dem Klimatod ausliefern wird, und Frau Merkel ist persönlich daran schuld. Neben der Deutschen Bank. Die Atomwaffen und die weltweite Aufrüstung seien auch nicht zu vergessen. Die deutsche Rüstungsindustrie, die von jedem toten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan reiche Dividende einfährt, schert sich einen feuchten Kehricht um den Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung. Die Beitragserhöhungen in den nächsten Jahren werden von den Arbeitnehmern ohnehin allein getragen.

China fehlt noch auf der Liste. Die sogenannte Volksrepublik, mit unmenschlichen Dumpinglöhnen, Sklavenarbeit, katastrophaler Umweltverschmutzung und öffentlichen Hinrichtungen. Und die Bundeswehr hat nicht mal eine friedenssichernde Mission in Tibet. Zu guter Letzt sei auch das Fehlen einer entschieden demokratischen Strategie der „da oben“, gegen die mögliche Vernichtung unserer Erde durch ein Schwarzes Loch aus dem Kernforschungszentrum CERN in Genf oder durch ein Armageddon nach dem nächsten Kometeneinschlag erwähnt. Die apokalyptische Liste ist natürlich nicht abschließend. Die Thematisierung dieser Fragen behält sich der Kreisverband der Linken sicher für seinen nächsten Auftritt im Netz vor. Wir alle dürfen gespannt sein.

Wenn der Wahlkampf auf diesem Niveau der Plattitüden richtig anlaufen sollte, schwant mir Schlimmes für die nächsten Monate. Noch haben sich die Kreisverbände der SPD und CDU nicht geäußert. Alles lässt sich ja bekanntlich steigern. Bis zum Exzess.

Natürlich hat der Kreisverband der Linken in allem, was er schreibt, weitgehend Recht. Die Welt ist schlimm und wir sind arm dran. Und der globalisierte Kapitalismus im Besonderen ist des Teufels. Die Finanzkrise bestätigt nur, was die Linke schon immer wusste. Der kleine Mann jedenfalls, dies als Fazit, muss für alles die Zeche zahlen. Mit der Bedienung von Stammtischparolen, die noch dazu die Leute für dumm verkaufen, ist aber weder in der weiten, weiten Welt noch in unserem kleinen Landkreis irgendetwas getan. Irgendwie fehlt auch die logische Konsequenz aus dem Inhalt des Forum-Beitrags. Ich hätte eigentlich den Aufruf zum Umsturz der bürgerlichen Gesellschaft, zur Revolution, erwartet. Fehlanzeige, davor schrecken die Damen und Herren zurück.

Und für dumm fühle ich mich von der Linken tatsächlich gehalten. Was glauben denn die Verfasser des nnz-Forumbeitrages? Brauche ich etwa ihren Rundumschlag, um all über das Elend in dieser Welt die Augen geöffnet zu bekommen? Für wie blöd halten die mich und andere Leser der nnz eigentlich?

Nicht, dass nicht gesagt werden soll, was der Kreisverband der Linken dort von sich gibt. Dafür ist das nnz-Forum ja da. Jeder kann, die Einhaltung gewisser Spielregeln, über die die Redaktion wacht, vorausgesetzt, schreiben, was er will. Wenn das von Lieschen Müller, Fränzchen Meier oder eben auch von Klaus-Uwe Koch, einem Liberalen aus Nordhausen, kommt, ist das soweit o.k. Hier äußert sich aber der Kreisverband einer zumindest im Osten großen demokratischen Partei.

Da dürfte man doch wohl mehr erwarten, als das, was ich auch hinter dem Getränkestützpunkt zu hören bekomme. Im Übrigen pfeifen die Rechtsradikalen auf dieser Flöte des vom Kapitalismus betrogenen "kleinen Mannes" besser, als das Linke, Grüne, Christ- und Sozialdemokraten und die Liberalen zusammen je könnten. Das Fazit des letzten Absatzes, welches auch nicht mehr enthält, als was wir, teilweise noch dazu aus dem Mund der Bundeskanzlerin, schon seit Tagen wissen, ist mir jedenfalls zu dürftig. Allgemeinplätze.

Hegel, der große deutsche Philosoph, nannte einmal die „unbestreitbare Tatsache“, dass Napoleon am 5. Mai 1821 gestorben war, eine „schlechte Wahrheit“. Diese Wahrheit sagt im Unterschied zur Wirklichkeit, der konkreten Geschichte mit ihren Kausalitäten und Wechselwirkungen, dem, was hinter den Tatsachen steht, nichts aber auch gar nichts aus. „Schlechte Wahrheiten“ werden in der Politik bevorzugt propagandistisch verwendet. Dahinter stehen ganz andere Dinge, Interessen und Ziele. Der Kreisverband der Linken lieferte heute hierzu ein Lehrstück.
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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