Mo, 11:27 Uhr
10.11.2008
Pferdemarkt 9 und 10
Der Pferdemarkt 9 und 10 – das war die Adresse der Nordhäuser Synagoge. Bis zum Jahr 1938. Dann zündeten entmenschte Nazihorden das jüdische Gotteshaus an, nicht nur Historiker sprechen vom Beginn des Holocaust. Im Nordhäuser Rathaus gab es heute Vormittag bewegende Momente zu erleben...
Inge Ernesti ist 80 Jahre alt. Als zehnjähriges Mädchen wohnte die Frau am Pferdemarkt 8, in unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge und des jüdischen Gemeindehauses. Immer und immer wieder hat sie in den vergangenen Jahren ihre Erlebnisse von vor 70 Jahren geschildert. Sie werden davon nicht besser. Doch Inge Ernesti erfuhr heute im Foyer des Nordhäuser Rathauses so etwas wie Genugtuung, wenn dieser Begriff überhaupt verwendet werden kann.
Unter Glas ist hier das Modell der einstigen Synagoge enthüllt worden. Eine Gruppe junger Menschen, die an der Nordhäuser Jugendkunstschule lernen und die im Club Caritas ein- und ausgehen, haben das Modell erschaffen. Einer der Jugendlichen ist Thomas Kirchner. Der 19jährige Nordhäuser studiert derzeit an der Burg Giebichenstein in Halle, der dort beheimateten Hochschule für Kunst und Design.
Thomas Kirchner (Foto: nnz)
Der junge Mann schilderte die Entstehung des Modells, die mehr als technisch-künstlerische Beschäftigung war. Die Erschaffer des Modells setzten sich über Monate hinweg mit der jüdischen Geschichte in und um Nordhausen herum auseinander. Ihnen zur Seiten standen unter anderem Herbert Gerhardt, Dr. Manfred Schröter, Phillip Egboune oder Wolfgang Nossen.
Die heutige Übergabe des Modells wurde auf hohem musikalischen Niveau durch den Chor des Nordhäuser Humboldt-Gymnasiums umrahmt.
Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) war denn auch glücklich, daß sich vor allem die Jugend mit diesem Teil der deutschen Geschichte beschäftigte. Dr. Manfred Schröter, der die Geschichte von fünf Nordhäuser Juden nachzeichnete, mahnte an, daß die Nachfolgegenerationen sich immer und immer wieder mit den Geschehnissen in diesem Deutschland vor 70 Jahren auseinandersetzen sollen. Und: das Erinnern muß nicht nur weitergegeben werden, es muß in den Kontext mit aktuellen Entwicklungen gesetzt werden. Immer noch gebe es Unverbesserliche, die den Holocaust leugnen und es bestehe die Gefahr, daß jene Kräfte im kommenden Jahr in die kommunalen Gremien – auch im Landkreis Nordhausen – Plätze einnehmen könnten.
Inge Ernesti hatte heute Vormittag Tränen in den Augen. Sicher, es waren Tränen der Erinnerung an die Greueltaten von damals, es waren sicher auch Tränen der Freude, daß in Nordhausen die Opfer von damals nicht vergessen werden und daß ein Leben verschiedener Konfessionen in der Rolandstadt wieder möglich ist. Dass dieses Zusammenleben friedlich gedeihe, das ist das Anliegen aller Nordhäuser, denn nur so kann es gelingen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzInge Ernesti ist 80 Jahre alt. Als zehnjähriges Mädchen wohnte die Frau am Pferdemarkt 8, in unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge und des jüdischen Gemeindehauses. Immer und immer wieder hat sie in den vergangenen Jahren ihre Erlebnisse von vor 70 Jahren geschildert. Sie werden davon nicht besser. Doch Inge Ernesti erfuhr heute im Foyer des Nordhäuser Rathauses so etwas wie Genugtuung, wenn dieser Begriff überhaupt verwendet werden kann.
Unter Glas ist hier das Modell der einstigen Synagoge enthüllt worden. Eine Gruppe junger Menschen, die an der Nordhäuser Jugendkunstschule lernen und die im Club Caritas ein- und ausgehen, haben das Modell erschaffen. Einer der Jugendlichen ist Thomas Kirchner. Der 19jährige Nordhäuser studiert derzeit an der Burg Giebichenstein in Halle, der dort beheimateten Hochschule für Kunst und Design.
Thomas Kirchner (Foto: nnz)
Der junge Mann schilderte die Entstehung des Modells, die mehr als technisch-künstlerische Beschäftigung war. Die Erschaffer des Modells setzten sich über Monate hinweg mit der jüdischen Geschichte in und um Nordhausen herum auseinander. Ihnen zur Seiten standen unter anderem Herbert Gerhardt, Dr. Manfred Schröter, Phillip Egboune oder Wolfgang Nossen.Die heutige Übergabe des Modells wurde auf hohem musikalischen Niveau durch den Chor des Nordhäuser Humboldt-Gymnasiums umrahmt.
Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) war denn auch glücklich, daß sich vor allem die Jugend mit diesem Teil der deutschen Geschichte beschäftigte. Dr. Manfred Schröter, der die Geschichte von fünf Nordhäuser Juden nachzeichnete, mahnte an, daß die Nachfolgegenerationen sich immer und immer wieder mit den Geschehnissen in diesem Deutschland vor 70 Jahren auseinandersetzen sollen. Und: das Erinnern muß nicht nur weitergegeben werden, es muß in den Kontext mit aktuellen Entwicklungen gesetzt werden. Immer noch gebe es Unverbesserliche, die den Holocaust leugnen und es bestehe die Gefahr, daß jene Kräfte im kommenden Jahr in die kommunalen Gremien – auch im Landkreis Nordhausen – Plätze einnehmen könnten.
Inge Ernesti hatte heute Vormittag Tränen in den Augen. Sicher, es waren Tränen der Erinnerung an die Greueltaten von damals, es waren sicher auch Tränen der Freude, daß in Nordhausen die Opfer von damals nicht vergessen werden und daß ein Leben verschiedener Konfessionen in der Rolandstadt wieder möglich ist. Dass dieses Zusammenleben friedlich gedeihe, das ist das Anliegen aller Nordhäuser, denn nur so kann es gelingen.
Peter-Stefan Greiner









