So, 13:08 Uhr
30.11.2008
nnz-Forum: Soll Vandalismus triumphieren?
Der Lindenhof in Nordhausen. Die Diskussion um den Erhalt dieser historischen Bausubstanz hat seit einige Wochen eine politische Dimension erhalten. Dazu ein Beitrag im Forum der nnz...
Fest verankert in der Erden steht an der Peripherie Nordhausens auf dem Geiersberg eine Villa mit Namen Lindenhof, von einem kleinen Park umgeben, in dem besonders die Ahornbäume zu den Kostbarkeiten gehören. Die Mauer im Norden des Areals macht der Stadtmauer Konkurrenz. Der Baustil erinnert an den Landhausstil, der im Sehnsuchtsland vieler Deutschen, in Italien, seit der Renaissance gepflegt wird. Maß und Form des Bauwerkes sind also im klassischen Sinne vollkommen, schlicht und edel zeugt es von der Kunst des Bauens. Seine wenigen, aber an den rechten Stellen angebrachten Schmuckelemente zeugen gleichfalls davon, dass ein Meister der Architektur am Werke war.
Und doch, ausgerechnet in dieser Bürgervilla tobte sich besonders im Inneren ein Vandalismus aus, der, im wahrsten Sinne des Wortes, als widersinnig bezeichnet werden muss. Aber, vielleicht ist es ja gerade dieses: Dieser Bau der Gründerzeit - Deutschland war 1871 eins geworden -, ist eines der Zeugnisse des großen Aufschwunges, den das Bürgertum damals erlebte, in dem es Werte schuf, die Kunde geben vom Schöpfergeist des Menschen. Wer kann das nicht ertragen? Und der Geist des Betrachters der Zerstörung kommt ins Routieren, denn in der Architektur spiegelt sich seit Menschengedenken Ideenkraft am öffentlichsten wider!
Dieses Villengrundstück hatte immer einen Besitzer, war mit Menschen im Kontakt, aber seit 1998 stand es leer. Und, wie der Mensch, bedarf ein Gebäude der Zuwendung. Fehlt diese, so der Trugschluss nach außen, dann taugt es wohl nichts. Deshalb freuten sich viele jetzige und frühere Nordhäuser, als die Stadt im Sommer 2008 Besitzer wurde und der Stadtrat, von Bürgern gewählte Bürger, im September beschloss, sich des Gebäudes anzunehmen.
Wieso kann ich behaupten, dass es eine nicht geringe Anzahl von Menschen gibt, die darüber Genugtuung empfinden, wo ja so manche öffentlich gemachte Meinung ob der Kosten, die entstehen, anderes aussagt?!
Seit ich in der Galerie im Tresor 2006 meine Fotos vom Lindenhof zeigte, Artikel in den Zeitungen und im Heft 4/2006 der Nordhäuser Nachrichten erschienen, bekam ich Anrufe von nah und fern, Briefe, in denen Nordhäuser Freude ausdrückten, dass dieses das Stadtbild der Oberstadt entscheidend prägende Ensemble wieder in den Blickpunke geraten sei. Mehrere Personen sprachen mich auch auf der Straße an. Gerade Nordhausen, so der Grundtenor der Meinungen, eine von alters her durch Bürgersinn geprägte Stadt, in der es der Adel schwer hatte, und deshalb auch keine Schlossbauten errichtete und hinterließ, müsste nach den Zerstörungen Ende 1945, nach den weiteren Verlusten bis 1989 und leider auch danach alles tun, um weiteres Dahinscheiden historischer Bausubstanz zu verhindern. Die Zahl der Gebäude, die nur noch als Fotografien überliefert sind, ist schon riesig genug, mehrere Buch-Wälzer würden sich damit füllen. Vielleicht begibt sich jemand einmal auf diesen Schmerzensweg, um es zusammenfassend festzuhalten.
Es ist ja von zahlreichen Persönlichkeiten, deren Meinung in der Menschheitsgeschichte Gewicht hat, nicht so dahingesagt, dass das in der Vergangenheit geschaffene kulturelle Gut ein unersetzbarer Schatz ist, den jede Generation für sich ergründen muss, um das Gegenwärtige und Zukünftige gestalten zu können. Man kann aber schwer tiefverankerte Gefühle und Überzeugungen entwickeln, wenn nur noch das Hörensagen übrig bleibt. Anschauung ist unersetzbar, eine Binsenwahrheit! Und: Architektur muss durchschritten werden!
Jetzt, da Hoffnung erweckt war, scheint es so, dass einige gewählte Stadtverordnete die Courage und Innovation für diese Aufgabe verloren haben? - so liest man es in den Medien. Da werden Geldsummen genannt, ohne dass man sie in die Relation anderer Haushaltsposten setzt und sie dadurch ungeheuerlich groß erscheinen für jemanden, der mit diesen Beträgen logischerweise nicht täglich umgeht, ein anderes sanierungsbedürftiges Gebäude, die Flohburg, wird gegen den Lindenhof gesetzt. Das ist angesichts der Historie der Stadt absurd!
Nordhausen hat die Chance, einmalige Gründerzeitvillen zu erhalten, denn diese Bauten, insbesondere die von Parkanlagen umgebenen, sind auffällig in den Focus des Denkmalschutzes gekommen, weil sie sonst unwiederbringlich verloren sind. Man möchte doch Vorreiter sein, hier bietet sich die Chance!
Heidelore Kneffel, Nordhausen
Autor: nnzFest verankert in der Erden steht an der Peripherie Nordhausens auf dem Geiersberg eine Villa mit Namen Lindenhof, von einem kleinen Park umgeben, in dem besonders die Ahornbäume zu den Kostbarkeiten gehören. Die Mauer im Norden des Areals macht der Stadtmauer Konkurrenz. Der Baustil erinnert an den Landhausstil, der im Sehnsuchtsland vieler Deutschen, in Italien, seit der Renaissance gepflegt wird. Maß und Form des Bauwerkes sind also im klassischen Sinne vollkommen, schlicht und edel zeugt es von der Kunst des Bauens. Seine wenigen, aber an den rechten Stellen angebrachten Schmuckelemente zeugen gleichfalls davon, dass ein Meister der Architektur am Werke war.
Und doch, ausgerechnet in dieser Bürgervilla tobte sich besonders im Inneren ein Vandalismus aus, der, im wahrsten Sinne des Wortes, als widersinnig bezeichnet werden muss. Aber, vielleicht ist es ja gerade dieses: Dieser Bau der Gründerzeit - Deutschland war 1871 eins geworden -, ist eines der Zeugnisse des großen Aufschwunges, den das Bürgertum damals erlebte, in dem es Werte schuf, die Kunde geben vom Schöpfergeist des Menschen. Wer kann das nicht ertragen? Und der Geist des Betrachters der Zerstörung kommt ins Routieren, denn in der Architektur spiegelt sich seit Menschengedenken Ideenkraft am öffentlichsten wider!
Dieses Villengrundstück hatte immer einen Besitzer, war mit Menschen im Kontakt, aber seit 1998 stand es leer. Und, wie der Mensch, bedarf ein Gebäude der Zuwendung. Fehlt diese, so der Trugschluss nach außen, dann taugt es wohl nichts. Deshalb freuten sich viele jetzige und frühere Nordhäuser, als die Stadt im Sommer 2008 Besitzer wurde und der Stadtrat, von Bürgern gewählte Bürger, im September beschloss, sich des Gebäudes anzunehmen.
Wieso kann ich behaupten, dass es eine nicht geringe Anzahl von Menschen gibt, die darüber Genugtuung empfinden, wo ja so manche öffentlich gemachte Meinung ob der Kosten, die entstehen, anderes aussagt?!
Seit ich in der Galerie im Tresor 2006 meine Fotos vom Lindenhof zeigte, Artikel in den Zeitungen und im Heft 4/2006 der Nordhäuser Nachrichten erschienen, bekam ich Anrufe von nah und fern, Briefe, in denen Nordhäuser Freude ausdrückten, dass dieses das Stadtbild der Oberstadt entscheidend prägende Ensemble wieder in den Blickpunke geraten sei. Mehrere Personen sprachen mich auch auf der Straße an. Gerade Nordhausen, so der Grundtenor der Meinungen, eine von alters her durch Bürgersinn geprägte Stadt, in der es der Adel schwer hatte, und deshalb auch keine Schlossbauten errichtete und hinterließ, müsste nach den Zerstörungen Ende 1945, nach den weiteren Verlusten bis 1989 und leider auch danach alles tun, um weiteres Dahinscheiden historischer Bausubstanz zu verhindern. Die Zahl der Gebäude, die nur noch als Fotografien überliefert sind, ist schon riesig genug, mehrere Buch-Wälzer würden sich damit füllen. Vielleicht begibt sich jemand einmal auf diesen Schmerzensweg, um es zusammenfassend festzuhalten.
Es ist ja von zahlreichen Persönlichkeiten, deren Meinung in der Menschheitsgeschichte Gewicht hat, nicht so dahingesagt, dass das in der Vergangenheit geschaffene kulturelle Gut ein unersetzbarer Schatz ist, den jede Generation für sich ergründen muss, um das Gegenwärtige und Zukünftige gestalten zu können. Man kann aber schwer tiefverankerte Gefühle und Überzeugungen entwickeln, wenn nur noch das Hörensagen übrig bleibt. Anschauung ist unersetzbar, eine Binsenwahrheit! Und: Architektur muss durchschritten werden!
Jetzt, da Hoffnung erweckt war, scheint es so, dass einige gewählte Stadtverordnete die Courage und Innovation für diese Aufgabe verloren haben? - so liest man es in den Medien. Da werden Geldsummen genannt, ohne dass man sie in die Relation anderer Haushaltsposten setzt und sie dadurch ungeheuerlich groß erscheinen für jemanden, der mit diesen Beträgen logischerweise nicht täglich umgeht, ein anderes sanierungsbedürftiges Gebäude, die Flohburg, wird gegen den Lindenhof gesetzt. Das ist angesichts der Historie der Stadt absurd!
Nordhausen hat die Chance, einmalige Gründerzeitvillen zu erhalten, denn diese Bauten, insbesondere die von Parkanlagen umgebenen, sind auffällig in den Focus des Denkmalschutzes gekommen, weil sie sonst unwiederbringlich verloren sind. Man möchte doch Vorreiter sein, hier bietet sich die Chance!
Heidelore Kneffel, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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