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Do, 12:14 Uhr
15.01.2009

nnz-Forum: Keine Qualitäten

In die Diskussion um das künftige Industriegebiet in der Goldenen kommt jetzt wieder kommunalpolitischer Wind. Nach der Bürgerinitiative nimmt eine Partei jetzt zu den Planungen Stellung.


Die nordthüringische Region, besonders Stadt- und Landkreis Nordhausen brauchen dringend eine stabile Wirtschaftsperspektive. Relativ konstant hohe Arbeitslosenzahlen, Zunahme von Kurzarbeit und immer mehr Kinder mit geminderten Bildungschancen unterscheiden uns zunehmend von den dynamischen Regionen im Freistaat und benachbarten Bundesländern. Existierende Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe entstanden überwiegend durch die beharrlichen Aktivitäten des einheimischen Mittelstandes, aber kaum durch Fremdinvestoren.

Die bald fertig gestellte Autobahn (A-38) und ebenso die Existenz einer Fachhochschule nährten die naive Illusion von der attraktiven Kraft unserer Standortfaktoren, die nur noch durch die Schaffung einer Großindustriefläche ergänzt; automatisch Investoren anziehen würde. Ohne präzise Umfeldanalyse der Wirtschaftsprozesse an unseren Ränder wurde die Notwendigkeit einer 100 ha-Fläche (Erwartung von Großinvestoren) ersonnen und in die Goldene Aue platziert, die durch eine große Dichte von Verkehrsinfrastruktur, ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten und von Norden einströmenden Fließgewässern gekennzeichnet war.

Trotzdem wurde in einem wissenschaftlich mangelhaften Bewertungsverfahren, in dem querende Fließgewässer vorsorglich ausgespart waren, die Goldene Aue als Standort erkoren. Der Zeitraum der Planung von nunmehr immerhin 10 Jahren und die immer noch herrschenden Defizite zeigen deutlich die Überforderung der Planer, vernetzte Naturprozesse besonders in sensiblen Landschaftsarealen zu durchschauen. Selbst die Herstellung einer neuen Gleisanbindung in einem Gebiet ohne dafür verfügbaren Flächenraum zwischen zwei Kiesseen, in einem Überschwemmungsgebiet und angrenzend an eine wichtige Trinkwasserfassungsanlage für den gesamten Landkreis wurde erwogen.

Nach behördlichem Einwand gegen wasserbauliche Eingriffe am querenden Krumbach sollen nun Wasser stauende Maßnahmen Extremniederschläge sowohl vom Industriegebiet weglenken und gleichzeitig die Gefährdung der in der Abfließrichtung der Hochwässer liegenden Gemeinde Windehausen mindern. So wurden als Planungsbasis Hochwasserereignisses der letzten 100 Jahre verwendet, die kaum oder nicht mit den Jahrhunderthochwässern im Raum Dresden und aktuell messbaren Veränderung der atmosphärischen Zirkulation vergleichbar sind. Hier werden damit fahrlässig Gefahren durch nicht mehr verantwortbare Entscheidungen vorprogrammiert.

Eine Kosten- Nutzen Abwägung habe nach Aussagen der Planer keinen höheren Schutz für Windehausen ermöglicht. Somit gefährdet das Industriegebiet bei Extremereignissen auch deshalb die Sicherheit der Bürger, weil gesetzlich noch zulässig alte Vergleichsdaten (HQ-Werte), auch wenn sie im Widerspruch zu gesicherten heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen, verwendet werden dürfen. Die Nordhäuser Planer haben sich gegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse entschieden.

Die extrem lange Planungsphase des Industriegebietes hat mit Sicherheit auch Bemühungen zur innovativen Entwicklung einzelner Unternehmen nicht genügend gefördert. Wie viel Arbeitsplätze dadurch nicht entstehen konnten bleibt ebenso offen wie ein fehlendes Entwicklungs- und Förderkonzept für Industrieentwicklungen mit integrierter Hochschulforschung. Erst daraus könnte ein Flächenbedarf abgeleitet werden, einschließlich seiner verantwortbaren Kosten. Der aktuelle Zustand der Planung der Rahmenbedingungen für Wirtschaftsentwicklung und Förderung hat nicht die Qualität einer Förderfähigkeit nachweisen können.
Dr. Horst Kox, Bündnis90/Grüne
Autor: nnz

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