eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Sa, 14:54 Uhr
31.01.2009

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Am vergangenen Donnerstag traf sich die AG „Neue Linke“ im Vereinshaus Thomas Mann mit den Fraktionsvorsitzenden von Kreistag und Stadtrat der Partei DIE LINKE zum Gespräch. Es ging um eine Zäsur der Arbeit der linken Fraktionen in der vergangenen Legislaturperiode in den beiden Volksvertretungen.


Birgit Keller (Kreistag) eröffnete mit: „Gäbe es uns nicht, dann hätten sie (die anderen Parteien) einen ganz schönen Lenz!“ „Wir wollen einen politischen Richtungswechsel in Nordhausen ... und auch eine Auswechslung des Landrats angehen“, sagte sie weiter. Insgesamt müsse sich die politische Kultur im Kreistag ändern. Immer wieder werde man in regelmäßigen Abständen die soziale Frage im Landkreis aufwerfen.

Hartz-IV sei ein „grottenschlechtes Gesetz“, dem die LINKE nie zugestimmt hätte. Eine Änderung liege aber nicht in ihrer Macht, da es ja ein Bundesgesetz sei. Diesbezüglichen Auseinandersetzungen hätte sich die zweite Beigeordnete, Loni Grünwald, aber immer gestellt. Zumindestens bei jeder zweiten Sitzung hätte man Hartz-IV angesprochen, woraufhin die anderen Fraktionen der Linken dann immer vorgeworfen worden wäre, sie würden lediglich „Populismus zelebrieren“.

Obwohl theoretisch mit der SPD eine linke Mehrheit existieren würde, wäre diese bei vielen Themen nicht durchsetzbar, weil es eine linke und eine rechte SPD geben würde, wobei die erstere Gruppierung mehr von Frau Becker und die andere von der OB Rinke repräsentiert würde.
Ein etwas heikles Thema war die Öffentlichkeitsarbeit. Die Linke hätte es immer schwer, ihre Fraktionsarbeit in den Medien ins rechte Licht zu setzen. So würde es kaum wahrgenommen, wie sich die Partei für den Erhalt von Jugend- und Sozialeinrichtungen engagieren würde. Zu bedauern sei, dass die öffentlichen Sprechstunden der Partei jahrelang so gut wie nicht besucht würden. Besonders stolz sei man jedoch darauf, kommunales Eigentum immer erfolgreich gegen Begehrlichkeiten verteidigt zu haben.

Rainer Bachmann ging auf die Kosten der Unterkunft (KdU) von Alg-II-Empfängern ein. Der Linken sei es gelungen, eine Absenkung des KdU-Betrages auf 3,80 € zu verhindern. Da man in Nordhausen die 10-Prozentklausel bei der Wohnungsgröße habe, käme man bei einer Hochrechnung auf 4,64 € pro m² und nicht, wie allgemein angenommen auf 4,20 €. Der Kyffhäuserkreis zahle mit 4,35 € eine wesentlich niedrigeren Betrag, weil es dort die 10-Prozentklausel nicht gäbe.

Auch Barbara Schenke (Stadtrat) stellte klar, dass eine linke Mehrheit nur theoretisch vorhanden sei. Sie hätte den Eindruck, dass Anträge der Linken nicht aus sachlichen Gründen abgewiesen würden, sondern nur wegen ihrer Herkunft. Man merkte ihr an, dass die von Frau Rinke losgetretene „Steigbügeldebatte“ noch nicht vergessen ist.

Als besonders negativ stufte sie die jährliche Haushaltsdiskussion ein, bei der immer wieder wichtige Zahlen fehlen würden. Deshalb würde man auch immer dagegen stimmen. Seit 2003 würde die Linke immer wieder erfolglos einen aussagekräftigen Sozialbericht einfordern. Auch ein Antrag zur Finanzierung von Empfängnisverhütungsmitteln für Alg-II-Empfänger sei abgeschmettert worden. Für die Kommunalisierung der Horte hätte die Linke nicht gestimmt.

Während es unbestritten war, dass alle Fraktionssitzungen der Linken öffentlich sind, entspann sich diesbezüglich zu den Ausschusssitzungen eine kleine Debatte. Es wurde kritisiert, dass entgegen dem gültigen Wahlprogramm sich auch die linken Fraktionen für nichtöffentliche Ausschusssitzungen aussprechen. Frau Schenke argumentierte damit, dass schon Ausschussmitglieder wegen ihrer Argumentationen an ihrem Arbeitsplatz gemobbt worden seien.
Ein weiteres Thema waren Gerüchte über Teilprivatisierungen des Südharzkrankenhauses. Hierzu sei ein Termin mit der Geschäftsleitung geplant. Der Vertreter der Montagsdemonstranten, Herr Flötling, kam noch einmal kritisch auf den „Rot-Roten-Deal“ zu sprechen und kritisierte eine zu geringe Beteiligung der Thüringer Linken an der Unterschriftenaktion: „Aktiv werden für eine Alternative gegen die Krise!“ Ein weiterer Teilnehmer bat Herrn Bachmann, er solle mit mehr Nachdruck vom Landrat fordern, dass dieser endlich eine konkrete Antwort auf die Anfragen und offenen Briefe geben müsse.

Die nächste Versammlung der AG soll im März stattfinden. Das Thema und der genaue Termin werden rechtzeitig bekanntgegeben.
Jörg Birkefeld, AG „Neue Linke“
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Chefkoch
31.01.2009, 17:09 Uhr
Linke Landrätin?
Die von Frau Keller angekündigte Auswechslung des Landrats Joachim Claus klingt interessant. Sicher ist sie auch absolut notwendig. Mit der Person des Landrats Claus verbindet sich eine ausweglose Haushaltslage und nicht nur diese Katastrophe. Auch wird mit ihm kein Großkreis Nordthüringen unter einem entsprechend starken Einfluss der Stadt und Region Nordhausen machbar sein. Dazu ist er viel zu schwach und genießt keinerlei Rückhalt in Erfurt.

Ich nehme mal an, Frau Keller möchte sich nach den Kommunalwahlen, aus der vielleicht die LINKE als stärkste Partei hervorgeht, als Alternative präsentieren. Versucht hatte sie’s ja schon einmal. Und war am Wähler gescheitert! Nunmehr muss sie aber Herrn Claus während dessen regulärer Amtszeit vom Posten verdrängen. Denn der ist erst einmal bis 2012 gewählt, egal wie der Kreistag zusammengesetzt ist.

Machbar ist das und sicherlich auch sinnvoll. Ob Frau Keller allerdings mehr Möglichkeiten als der augenblickliche Provinzgraf hat, wage ich zu bezweifeln. Der aufmerksame Beobachter wird nicht vergessen haben, dass dank des Parteiengekungels im Kreistag eine LINKE schon lange 2. Vizelandrätin ist. Die hat bisher außer mit vollmundigen Äußerungen die Situation nicht wesentlich beeinflussen können.

Auf denn, Frau Keller! Zeigen Sie, wozu Ihre Truppe in der Lage ist! „Menschliche Tat hatte die Schwierigkeit schon gelöst, lange ehe menschliche Klugtuerei sie erfand. The proof of the pudding is in the eating.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur englischen Ausgabe von 1892 der "Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft", MEW, Bd. 22, S. 296)
H.Buntfuß
01.02.2009, 14:17 Uhr
Doppelzüngig?
Ich habe den Artikel „Anspruch und Wirklichkeit“, den Herr Birkefeld am 31.01.09 veröffentlichen lies, mit Interesse gelesen. Nach langen Recherchen im Archiv der nnz, habe ich mich dazu entschlossen einen Kommentar abzugeben.
Da kann man die Aussage von Frau Keller lesen: „Gäbe es uns nicht, dann hätten (die anderen Parteien) einen ganz schönen Lenz.“ Das hört sich für mich so an, als wäre die Linkspartei der treibende Keil, der dafür sorgt, dass sich im Kreistag überhaupt etwas bewegt. Ist das so? Man will einen Kurswechsel und die Auswechslung des Herrn Landrat. Ich möchte wissen, wie man das erreichen will. Auf das Wahlprogramm der Linkspartei für die anstehenden Wahlen bin ich gespannt.
Hartz-IV sei ein „grottenschlechtes Gesetz“ ist dort zu lesen. Nun das ist auch meine Meinung. Aber bei der Linkspartei hat diese Aussage einen bitteren Beigeschmack. Ist es nicht Frau Grünwald – zweite Beigeordnete im Kreistag und Mitglied der Partei „DIE LINKE “,– die immer wieder Anträge zur Kürzung von irgendwelchen Hartz-IV- Leistungen einbringt (wie ich diversen Artikeln entnehmen konnte) und sich dabei auf angebliche Gesetze beruft, die sich aber nur als Empfehlungen herausstellen. Ich frage mich nur, wie man so doppelzüngig sein kann.
Auf der einen Seite sagt man, die Hartz-IV Gesetze sind schlecht und auf der anderen Seite verlangt man von den Kreistagsmitgliedern, dass sie den von Frau Grünwald eingereichten Kürzungen zustimmt. Genauso verhält sich das mit den Ausschusssitzungen. Nach außen plädiert man für Transparenz und Öffentlichkeit und im Rat spricht man sich für die Nicht-Öffentlichkeit, um nicht zu sagen für Abschottung aus. Bei einen solchen Verhalten muss man sich nicht wundern, wenn man als populistisch eingestuft wird.
Frau Grünwald kann ich nur empfehlen über einen Parteiwechsel nachzudenken, denn mit ihrer Vorgehensweise, die der Linkspartei nur schaden kann, wäre sie in einer anderen Partei besser aufgehoben. Das schlimme daran ist, dass die Parteiführung der Meinung ist, ohne Frau Grünwald ginge es den Hartz-IV-Empfängern noch schlechter. Ich meine durch so etwas verliert man an Glaubwürdigkeit gegenüber dem Wähler, und auf die ist nun mal eine Partei angewiesen, ob sie will oder nicht.
Aber das wird der Politikerkaste immer erst bewusst, wenn Wahlen vor der Tür stehen, so wie dieses Jahr. In der übrigen Zeit sind ihnen kritische Bürger immer nur lästig.
echter Nordhaeuser
01.02.2009, 17:06 Uhr
Der Lenz im Kreistag!
Endlich sagt mal eine vielleicht "angehende Landrätin der Herzen" was im Kreistag so abgeht.
Ob nun Linke, SPD und was es sonst noch für Parteien im Keistag gibt, aktiv werden unsere Kreistagsmitglieder nicht für uns Bürger, sondern nur , wenn Sie des Bürgers Geld brauchen oder was für sozialschwache abgeben müssen. Diese alten verkrusteten Strukturen werden sich gegenseitig nichts anhaben, denn Sie alle wollen ja in Ruhe den Lenz erleben!!
User1612
98maschr
02.02.2009, 18:23 Uhr
Wer nichts macht...
...macht nichts verkehrt. Insofern kann man auch immer schön dem Pöbel nach dem Mund reden :)
Armes Deutschland, armes Nordhausen.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)