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Do, 17:00 Uhr
12.02.2009

Das schriftliche Denkmal

Mit weißen Schutzhandschuhen blättert Dr. Jens-Christian Wagner behutsam in dem etwa DIN-A-4-großen Buch. Zwischen den dunkelbraunen Deckeln sind darin Seite um Seite in fein säuberlicher Handschrift die Namen von genau 8007 Toten vermerkt. Die nnz hatte in dieser Woche bereits darüber berichtet


„Das geht einem schon sehr nahe“, sagt der ansonsten eher nüchtern formulierende Historiker heute in Nordhausen. Denn es sind alles Namen von Häftlingen, die im KZ Mittelbau-Dora zwischen Herbst 1943 und Anfang April 1945 auf oft grausame Art und Weise ums Leben kamen. Für Wagner, den Leiter der heutigen Gedenkstätte, ein schriftliches Denkmal.

Totenbuch in Paris übergeben (Foto: Stiftung) Totenbuch in Paris übergeben (Foto: Stiftung)
Übergabe in Paris
Das Totenbuch war Wagner am Dienstag im Pariser Museum der Befreiung in einer Feierstunde von der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt, Odette Christienne, übergeben worden. Ohne Gegenleistung oder Bedingung, wie Wagner betont. Er freut sich über den „großen Vertrauensbeweis“.

Totenbuch des KZ Mittelbau-Dora (Foto: Stiftung) Totenbuch des KZ Mittelbau-Dora (Foto: Stiftung) Bis dahin hatte das Buch mehrere Jahrzehnte lang als verschollen gegolten. Wieder aufgetaucht war das Register per Zufall. Auf einer Tagung in Frankreich hatte Wagner im Herbst vorigen Jahres Ex-Häftlinge darüber reden hören. Schnell stellte sich dann heraus, dass es sich um das lang vermisste Verzeichnis aus dem früheren Konzentrationslager Mittelbau-Dora handelte, das Christienne in den 1980er Jahren von einstigen Widerstandskämpfern anvertraut worden war.

Das jetzt aufgefundene Totenbuch ist das umfangreichste Sterberegister aus dem früheren KZ und wurde damals im Krankenrevier des Lagers geführt. Von wem und unter welchen Umständen, ob auf eigene Initiative hin oder auf Anordnung der SS, das ist laut Gedenkstättenleiter Wagner alles unbekannt. 99 Prozent der Einträge seien der Handschrift nach aber von derselben Person verfasst worden, Wagner vermutet einen Pfleger.

Weil neben den Namen der Verstorbenen auch weitere Details vermerkt wurden, spricht Wagner von einem "herausragenden Dokument".
Autor: nnz

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