Di, 07:55 Uhr
31.03.2009
Die richtige Strategie und: Glück
Weltweit geht die Industrieproduktion zurück. Bei den Thüringer Automobilzulieferern gibt es Kurzarbeit und erste Entlassungen. Doch es scheint einen Fels in der Krisen-Brandung zu geben. Hier in Nordhausen...
Oliver Wönnmann im Juli 2008, im damals noch fast leeren Werk II
So richtig krisengeschüttelt sieht Oliver Wönnmann nicht aus. Der Geschäftsführer des Nordhäuser Kurbelwellenherstellers Feuer Powertrain empfängt die nnz im Verwaltungstrakt im Werk I in Nordhausen und erzählt. Der Mann erzählt immer wieder die Geschichte des Unternehmens, die mit Menschen und mit der Region verbunden ist. Man muss das verstehen, nur dann lässt sich begreifen, wie Wirtschaft funktioniert.
Ein solches Retortenwerk wie an der Rothenburgstraße hätte wohl auch an jeder anderen deutschen Autobahn gebaut werden können. Doch es sollte Nordhausen sein. Wegen der Geschichte im Motorenbau? Unternehmerische Entscheidungen sind selten historisch behaftet. Geschichte macht sich nicht schlecht – jedoch nur in Bildern im Traditionskabinett. Es waren die anderen Faktoren, die Dieter Feuer damals, kurz nach der Jahrtausendwende dazu bewegten, in Nordhausen den Grundstein zu legen, damit hier – sieben Jahre später – über 200 Frauen und Männer eine gut bezahlte Arbeit haben und 34 junge Menschen ausgebildet werden.
Über harte und weiche Standortfaktoren ist hier schon viel geschrieben worden, in Krisenzeiten gerät selbst eine ausgeklügelte Unternehmensstrategie oft ins Wanken. Da zählen Innovation, Entscheidungsfreude, Flexibilität und - ein Quantum Glück. Auch an der Rothenburgstraße sind die geplanten Umsätze dieses Jahres nur noch Makulatur. Wir wissen doch nicht, ob es den einen oder anderen Kunden in drei Monaten noch gibt. Wir wissen nicht, wie es mit GM zum Beispiel weitergeht. Bestehende Aufträge werden reduziert, konstatiert Wönnmann.
Was dagegen tun? Das klassische Szenario: Kosten sparen und schnell mal Personal abbauen. In Nordhausen wird anders gedacht. Niemand wird entlassen, statt dessen werden neue Aufträge akquiriert. Wie jetzt bei Volkswagen. Wir haben VW mit einem großen Auftragt in siebenstelliger Höhe quasi als Lückenfüller nach Nordhausen geholt. Unser Plus war, dass wir das Projekt, das die Wolfsburger ihren Zulieferern abverlangten, dank der Flexibilität in kürzester Zeit umsetzbar war, berichtet Wönnmann. Jetzt erweist sich die Entscheidung zum Bau des zweiten Werkes als goldrichtig.
Na klar, auch in Nordhausen wird weniger produziert, eine Prognose wagt momentan niemand abzugeben. Es wird weiterhin keine Entlassungen geben, die gut gefüllten Arbeitszeitkonten machen es möglich. War im vergangenen Jahr die Sieben-Tage-Woche die Regel, so wird jetzt fünf Tage pro Woche gearbeitet, in drei Schichten. Die beiden Werke sind zu 75 Prozent ausgelastet. Auch das ist Krise.
Jetzt zeigt sich, dass eine weitere Unternehmensentscheidung nicht die verkehrteste war: Mehr als die Hälfte der Kurbelwellen, die in Nordhausen hergestellt werden, sind so genannte Industriekurbelwellen. Sie werden in Generatoren, Schiffsmotore oder in Traktoren eingebaut. Nur 45 Prozent der Wellen sind automotivlastig. Diese Strategie soll weiter verfolgt werden, kündigt Oliver Wönnmann im Gespräch mit der nnz an. Kombiniert mit einem 60prozentigen Exportanteil und noch breiteren Produktionssegmenten soll Schwankungen am Markt die Firmenstirn geboten werden.
Und Wönnmann blickt in die nahe Zukunft, will sich konkrete Zahlen nicht entlocken lassen, nur soviel gibt er preis: In diesem Jahr wollen die Kurbelwellenhersteller in Nordhausen den Umsatz des vergangenen Jahres überbieten. Sicher, jetzt läuft das zweite Werk voll mit, Krise jedoch – die sieht ein wenig anders aus.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzOliver Wönnmann im Juli 2008, im damals noch fast leeren Werk II
So richtig krisengeschüttelt sieht Oliver Wönnmann nicht aus. Der Geschäftsführer des Nordhäuser Kurbelwellenherstellers Feuer Powertrain empfängt die nnz im Verwaltungstrakt im Werk I in Nordhausen und erzählt. Der Mann erzählt immer wieder die Geschichte des Unternehmens, die mit Menschen und mit der Region verbunden ist. Man muss das verstehen, nur dann lässt sich begreifen, wie Wirtschaft funktioniert.
Ein solches Retortenwerk wie an der Rothenburgstraße hätte wohl auch an jeder anderen deutschen Autobahn gebaut werden können. Doch es sollte Nordhausen sein. Wegen der Geschichte im Motorenbau? Unternehmerische Entscheidungen sind selten historisch behaftet. Geschichte macht sich nicht schlecht – jedoch nur in Bildern im Traditionskabinett. Es waren die anderen Faktoren, die Dieter Feuer damals, kurz nach der Jahrtausendwende dazu bewegten, in Nordhausen den Grundstein zu legen, damit hier – sieben Jahre später – über 200 Frauen und Männer eine gut bezahlte Arbeit haben und 34 junge Menschen ausgebildet werden.
Über harte und weiche Standortfaktoren ist hier schon viel geschrieben worden, in Krisenzeiten gerät selbst eine ausgeklügelte Unternehmensstrategie oft ins Wanken. Da zählen Innovation, Entscheidungsfreude, Flexibilität und - ein Quantum Glück. Auch an der Rothenburgstraße sind die geplanten Umsätze dieses Jahres nur noch Makulatur. Wir wissen doch nicht, ob es den einen oder anderen Kunden in drei Monaten noch gibt. Wir wissen nicht, wie es mit GM zum Beispiel weitergeht. Bestehende Aufträge werden reduziert, konstatiert Wönnmann.
Was dagegen tun? Das klassische Szenario: Kosten sparen und schnell mal Personal abbauen. In Nordhausen wird anders gedacht. Niemand wird entlassen, statt dessen werden neue Aufträge akquiriert. Wie jetzt bei Volkswagen. Wir haben VW mit einem großen Auftragt in siebenstelliger Höhe quasi als Lückenfüller nach Nordhausen geholt. Unser Plus war, dass wir das Projekt, das die Wolfsburger ihren Zulieferern abverlangten, dank der Flexibilität in kürzester Zeit umsetzbar war, berichtet Wönnmann. Jetzt erweist sich die Entscheidung zum Bau des zweiten Werkes als goldrichtig.
Na klar, auch in Nordhausen wird weniger produziert, eine Prognose wagt momentan niemand abzugeben. Es wird weiterhin keine Entlassungen geben, die gut gefüllten Arbeitszeitkonten machen es möglich. War im vergangenen Jahr die Sieben-Tage-Woche die Regel, so wird jetzt fünf Tage pro Woche gearbeitet, in drei Schichten. Die beiden Werke sind zu 75 Prozent ausgelastet. Auch das ist Krise.
Jetzt zeigt sich, dass eine weitere Unternehmensentscheidung nicht die verkehrteste war: Mehr als die Hälfte der Kurbelwellen, die in Nordhausen hergestellt werden, sind so genannte Industriekurbelwellen. Sie werden in Generatoren, Schiffsmotore oder in Traktoren eingebaut. Nur 45 Prozent der Wellen sind automotivlastig. Diese Strategie soll weiter verfolgt werden, kündigt Oliver Wönnmann im Gespräch mit der nnz an. Kombiniert mit einem 60prozentigen Exportanteil und noch breiteren Produktionssegmenten soll Schwankungen am Markt die Firmenstirn geboten werden.
Und Wönnmann blickt in die nahe Zukunft, will sich konkrete Zahlen nicht entlocken lassen, nur soviel gibt er preis: In diesem Jahr wollen die Kurbelwellenhersteller in Nordhausen den Umsatz des vergangenen Jahres überbieten. Sicher, jetzt läuft das zweite Werk voll mit, Krise jedoch – die sieht ein wenig anders aus.
Peter-Stefan Greiner


