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Fr, 17:02 Uhr
17.04.2009

Fühlen als Deutscher

Umeswaran Arunagirinathan, kurz Umes genannt, wurde 1978 in eine tamilische Familie auf Sri Lanka geboren. Am Donnerstagabend faszinierte er seine mehr als vierzig Zuhörer und Zuhörerinnen mit der Darbietung von wichtigen Abschnitten seiner Lebensgeschichte. In Bad Sachsa. Eine nnz-Rezension von Dr. Karin Hesse-Lehmann.

Lesung in Bad Sachsa (Foto: Autorin) Lesung in Bad Sachsa (Foto: Autorin)

Immer wieder unterbrach er seine Lesungen, um mit humoristischen Einblendungen seinen Lebensweg zu illustrieren. Später in der Diskussion stellte er sich kompetent den Fragen zur ethnisch-religiösen Zusammensetzung seines Herkunftslandes und zu den Ursachen der seit Jahren andauernden Kämpfe zwischen den separatistisch motivierten Tamile Tigers und den Regierungstruppen.

Zunächst stand das Wiedersehen mit seiner Mutter nach 15 Jahren Trennung im Vordergrund der Darstellungen. Es folgten Beschreibungen der entbehrungsreichen, trotz allem aber behüteten Kindheit im Elternhaus oder der Faszination, mit der der achtjährige Umes einst feindliche Regierungssoldaten in ihren Jeeps beobachtete. Schließlich schilderte er die Übergabe an die bezahlten Schlepper, die den Zwölfjährigen nach acht Monaten des Aufenthalts in Afrika zu seinem Onkel nach Hamburg schleusten. Hier registrierte er mit Staunen, dass Hubschrauber nicht nur Bomben abwerfen, sondern durchaus zu friedvollen Zwecken eingesetzt werden.

In Hamburg fand er in seiner Schule am Mümmelmannsberg einen Ersatzvater in seinem Klassenlehrer: Lorenz Köhler. Ihm ist das Buch gewidmet. Seinem Engagement verdankt er, nicht aus Deutschland abgeschoben worden zu sein und nach erfolgreichem Abitur hier sein Medizinstudium abschließen zu können. Lorenz Köhler ist verstorben, doch er steht vorbildhaft für den Erfolg eines Einsatzes für einen wehrlosen Jugendlichen. Umes war strebsam, er wurde Klassen- und Schulsprecher. Gleichzeit folgte er populäre Moden, rasierte sich Streifen durchs Haar, trug Ohrringe.

Für den heutigen Assistenzarzt Umes ist dies Teil einer Entwicklungsgeschichte, der er gelassen und mit Toleranz begegnet. Heute fühlt sich Umes als Deutscher. Er dankt hilfreichen Mitmenschen und seiner neuen Heimat für all die Möglichkeiten, die sie ihm geboten haben. Die Lesung begann mit einem Wort Mahatma Gandhis „Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten“. Sie war ein Plädoyer für eine gewaltlose Welt und ein friedvolles Miteinander.
Dr. Karin Hesse-Lehmann
Autor: nnz

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