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Sa, 18:06 Uhr
25.04.2009

nnz-Forum: Die Blindheit der Macht

Jeder kennt das Phänomen. Man beschäftigt sich zu lange mit einer Angelegenheit und beginnt, Dinge zu übersehen und Fehler zu machen. Das nennt man im Allgemeinen Betriebsblindheit. Dazu eine Anmerkung im Forum der nnz...


Die Betriebsblindheit der Mächtigen in Wirtschaft und Politik verwandelt sich relativ schnell in das, was als Machtarroganz bezeichnet wird. Die ist nicht immer bösartig gewollt, hat aber durchaus böse Folgen für alle Beteiligten. Herr Mehdorn, machtarroganter Bahnchef, der erst massiv zum Rücktritt gezwungen werden musste, ist als Beispiel noch gut in Erinnerung.

Wie der mdr heute berichtete, zeigte ein Eichsfelder Rechtsanwalt die Thüringer CDU und das Landesverwaltungsamt an. Die Anzeige wurde von der Erfurter Staatsanwaltschaft angenommen. Grund der Anzeige: Die noch alleinherrschende Regierungspartei wirbt auf ihrer Internetseite (http://cdu-thueringen.de/) mit dem Thüringer Wappenlöwen. Das aber verstoße gegen geltendes Recht, so der Anwalt.

Auf der Internetseite des Kreisverbandes der CDU Nordhausen (http://cdu-nordhausen.l-m-f.net/) kommt es jedoch noch dicker. Dort wird für den amtierenden Ministerpräsidenten gleich mit dem kompletten Landeswappen auf einen Link zur Seite von Herrn Althaus geworben. Mögen sich die Juristen beim aus dem Wappen herausgenommenen Löwen auf der Webseite der Landes-CDU noch streiten.

Das vollständige Landeswappen auf der Seite des Nordhäuser Kreisverbandes dürfte ohne Frage nicht statthaft sein. Das ist auch dadurch ersichtlich, dass, wenn man den Link anklickt und auf die Seite von Dieter Althaus (http://www.dieter-althaus.de/) kommt, dort das Thüringer Wappen nur verfremdet dargestellt wird. Der Ministerpräsident hat eben bessere juristische Berater als seine Nordhäuser Parteifreunde und tappt im Unterschied zu diesen nicht in das wappenrechtliche Fettnäpfchen. Woran man sieht, dass nicht nur im Freistaat sondern auch auf kommunaler Ebene eine lange de facto Alleinherrschaft in der Demokratie zu einer Denkweise führt, bei der die Handelnden Recht und Gesetz für sich ein klein wenig anders in Anspruch nehmen, als sie es dem Rest der Bürger zugestehen.

Ich glaube jedoch, dass es eine Illusion ist anzunehmen, die anderen beiden großen Parteien Thüringens wären vor einer solchen Machtarroganz gefeit. Damit so etwas zukünftig nicht mehr passiert, sollten wir Wähler die demokratische Kontrolle sehr genau nehmen. Beginnen könnten wir damit, dass wir zu den anstehenden Wahlen gehen und dafür sorgen, dass die absolute Mehrheit einer Partei in Thüringen ein für alle Mal der Vergangenheit angehört.
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Autor: nnz/kn

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
NinaM
25.04.2009, 22:39 Uhr
Manche sind gleicher
Wer sich die "Über uns" Rubrik des CDU Kreisverbandes ansieht, wird erstaunliches feststellen. Da sind die Herren Zeh, Primas, Claus, Grund, Schröter und Berend in Schwarzweiß abgebildet Haben die denn nur Männer??) Und natürlich gibts einen Link zu den Herrschaften.

Bei allen, außer bei Herrn Claus und Herrn Schröter, lande ich auf schönen privaten Websites, übrigens ohne Landeswappentiere. Herr Schröter lässt mich unfreundlicherweise im Regen stehen: "Zugriff verboten!" (Warum wohl? Hat der was zu verheimlichen?) Aber raten Sie mal, was passiert, wenn man auf den Herrn Claus, seines Zeichens Landrat in Nordhausen, klickt...? Will ich eine Mail an das CDU-Mitglied Joachim Claus richten, lande ich bei der Mailadresse: <mthiel@lrandh.thueringen.de>.

Das dürfte eine im Landratsamt Nordhausen sein, allerdings nicht die von Herrn Claus. Das bedeutet also, wenn ich die CDU und ihr Mitglied Joachim Claus ansprechen will, werden die technischen und personellen Ressourcen des Landratsamtes aktiviert. Daß der Link der CDU Präsentation auf die website von Herrn Claus dann direkt auf den offiziellen Internetauftritt des Landratsamtes Nordhausen führt, ist dann nur folgerichtig.

Hier wird also von offiziellen Stellen unseres Landkreises (und mit dessen Wappen) für Partei- und persönliche Auftritte der CDU geworben. Toll!
Real Human
26.04.2009, 14:28 Uhr
Das Wappen ...
„ ... Das mahnt an das Mittelalter so schön,
An Edelknechte und Kappen,
Die in dem Herzen getragen die Treu
Und auf dem Hintern ein Wappen.“

Herr Koch, ich bin immer wieder für Ihre Artikel dankbar, denn Sie liefern – wenn nicht Angriffspunkte – so doch die allerschönsten Stichworte.

Drei Republiken hat nun dieses Land gesehen – die Weimarer, die Bonner, und die Berliner Republik. Wo aber bleibt die republikanische Gesinnung? Das Aussehen und die Geschichte des Thüringer Wappens machen überdeutlich, welche wahre Gesinnung bei den regierenden „Demokraten“ im Unterbewusstsein schlummert. Nach dem Grundgesetz und dem Strafgesetzbuch ist schon die Vorbereitung eines Angriffskrieges verfassungswidrig und strafbar. Was aber tut ein Löwe, damit seine Gene überleben können? Es ist ja alles nur Symbolik und Heraldik!? Nein, eben nicht! Denn Fahnen und Wappen sollen auch Identifikationssymbole für die jeweilige Bevölkerungsgruppe sein, und somit wirken sie auf tieferliegende und unbewusstere Hirnstrukturen.

In den zwanziger Jahren hat man ganz bewusst auf ein Raubtier im Thüringer Wappen verzichtet. Erst die Nazis führten den hessischen Löwen mit einem Hakenkreuz in der rechten Pfote wieder ein, nebst dem reußischen Löwen und dem Schwarzburger Adler. Die sieben Sterne, die wohl zu stark Davidssternen ähnelten, entfernten sie. Immer wieder sind es offensichtlich Erzreaktionäre und unverbesserliche Traditionalisten, die von Raubtieren auf Hoheitszeichen nicht lassen können. Der Rest der Bevölkerung – bis weit in die Sozialdemokratie hinein – nimmt es mit gedankenlosem Untertanengeist einfach als Gegebenheit hin. Wer hat die Thüringer Verfassung auch schon gelesen, bevor er ihr zugestimmt hat? Es gibt eben zu jeder Zeit wichtigere Probleme.

Aber es ist auch gut so, denn wenigstens so offenbaren bestimmte politische Kreise einmal ungewollt deutlich, wes' Geistes Kinder sie wirklich sind. Gönnen wir es ihnen, dass sie uns zeigen, was sie wirklich „im Schilde führen“!

Neun von 16 Bundesländern führen übrigens ein Raubtier im Wappen, drei ein Nutztier. Mecklenburg-Vorpommern wappnet sich mit zwei gekrönten schwarzen Stierköpfen, einem roten Adler und einem Greif. Ein von traditionalistischem Brimborium Unbelasteter könnte übelsten Spott damit treiben, aber solches ist in Deutschland strafbar! Da lobe ich mir das Wappen unseres Landkreises, denn es weist ehrlich auf die unglückliche Vergangenheit hin und gibt mit einem aussprießenden jungen Zweig Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Was den Bundesadler mit seiner Tradition betrifft, so überlasse ich den Spott darüber jemandem, den man nicht mehr bestrafen kann:

„ ... Du häßlicher Vogel, wirst du einst
Mir in die Hände fallen,
So rupfe ich dir die Federn aus
Und hacke dir ab die Krallen.

Du sollst mir dann, in luft'ger Höh',
Auf einer Stange sitzen,
Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei
Die rheinischen Vogelschützen.... „
Peppone
26.04.2009, 17:59 Uhr
Wahlkampf mit Niveau,
den möchte ich Ihnen hiermit, ganz ohne Ironie, bescheinigen Herr Klaus-Uwe Koch. Im Gegensatz zu den „Totschlag“ Sprüchen „ SPD, alles Arbeiterverräter…; CDU, alles gefräßige Schwarzkittel…; FDP, alles Reiche Yuppies…; Linke, alles Anarchisten…“ sind Ihre Artikel eine wohltuende Abwechslung im sonst üblichen Wahlkampfgeschäft.

Auch wenn ich nicht voll auf Ihrer politischen Wellenlinie liege, zumindest zum Schmunzeln und hier und da zum Nachdenken haben Sie mich bisher immer gebracht. Bitte weiter so.

Auch die von Ihnen“ hervorgerufenen“ Kommentare zeigen, dass Wahlkampf nicht immer nur todernst betrieben werden muss. So stelle ich mir persönlich natürlich auch die Frage, ob den Jungs von der CDU bei der Darstellung des Personales auf Grund von Planwirtschaft vielleicht die Farbe ausgegangen ist?

Auch war mir bisher nicht klar, dass Löwen das Synonym für Angriffskriege sind. Um ehrlich zu sein, aus der Sicht eines Zebras oder einer Gazelle habe ich dieses Thema bisher noch nicht betrachtet. Mir als Verfechter einer wehrhaften Demokratie erscheint dieses gestreifte Tier im Thüringer Wappen auch mehr als zahnloser Tiger, noch dazu einer, der den Landeskindern die Zunge heraus streckt.

Als neuer Hobby Heraldiker habe ich auch gleich mal das Wappen meiner Heimatstadt zerlegt. Neben einen mit Hirschknochen geschmückten geharnischten Blechkopp habe ich da zwei Heringe gefunden. Die ernähren sich angeblich von kleinen Krebsen.

Das der Blechkopp aus dem Wappen fliegt dürfte klar sein, aber was macht man mit den Fischen? Sind das Raubfische oder sind es Friedfische? Bleibt dann weißes Schild auf weißem Grund oder darf man die Hirschknochen drinnen lassen?

Vielleicht kann ja ein regionaler Hochseeangler helfen. ;-)
ein.nordhaeuser
27.04.2009, 08:04 Uhr
Danke, Herr Koch!
Danke! Danke! Danke!
Das politische Gewissen hat einen Namen: Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler. Endlich zeigt er den Wappensumpf der CDU auf. Vergessen sind alle Affären rund um die FDP, es gilt den Feind im Duell zu besiegen. Mit Helm, Lanze und dem Löwenschild.

Nur leider hat hier ein Eichsfelder den Zug zum fahren gebracht. Der mdr berichtete. Bevor dieser schnell an Fahrt gewinnt, springt ein Liberaler auf das Trittbrett und zeigt gleich noch die Missetaten des Nordhäuser Kreisverbandes der CDU auf. Recht geschieht diesen Hobbyhomepagebastlern ohne juristischem Beistand.

Aber zum Glück gibt’s die Liberalen. Die zeigen uns, wo’s lang geht. Denn, so das Resümee, Zitat: „Ich glaube jedoch, dass es eine Illusion ist anzunehmen, die anderen beiden großen Parteien Thüringens wären vor einer solchen Machtarroganz gefeit.“

Machtgeilheit gleich Machtarroganz. Die anderen großen Parteien sind nicht viel besser als die CDU.

Da wünsch ich mir die Liberalen doch lieber auf der Oppositionsbank, da wird man jedenfalls nicht machtarrogant.
schnuff
27.04.2009, 10:06 Uhr
Das mit dem Glashaus...
und den Steinen sollte man sich schon ab und an mal in Erinnerung rufen, werter Herr Koch.

Ein Blick auf die Website der Thüringer FDP unter www.fdp-thueringen.de zeigt dem geschätzten Betrachter auf der Startseite schon das Thüringer Wappen. Nicht stilisiert oder verfremdet, einfach pur.

Vielleicht ist ja für die hiesige FDP die eigene Landesseite so uninteressant, dass man sie nicht betrachtet? Es darf geschmunzelt werden.

Bei all dem bleibt ein schaler Beigeschmack, dass es eben doch nur Wahlkampfgetöse ist. Eine saubere Recherche hätte wohl für Herrn Koch, als auch für den Anwalt aus Großbodungen dieses Ergebnis gebracht.

Bleibt das Fazit : Chance gehabt- Chance vertan.

Im Übrigen finde ich es durchaus positiv, wenn sich Thüringer auch zu Thüringen bekennen und sei es durch die Nutzung eines Wappens. Es muss nur sauber geklärt sein.
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