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Mo, 16:22 Uhr
27.04.2009

Ein Käfer soll es richten

Es gibt in Nordhausen ein Oberstadt und eine Unterstadt. Und dazwischen? Viele Treppen. Die unzähligen Treppenstufen soll jetzt ein Tierchen bevölkern, das in ganz Europa seines Gleichen sucht. Die nnz hat es gefunden...

Die Geburt der Treppenkäfer (Foto: Gast) Die Geburt der Treppenkäfer (Foto: Gast)

Ist Ihnen eigentlich bewusst, wodurch sich Nordhausen ganz besonders auszeichnet? Durch den Roland? – Es stimmt, unter all den Rolanden ist unser Roland schon ein besonderer. Regelmäßig steigt er herab von seinem Sockel und zieht mit seinen Gefährten durch die Stadt. Sie schauen den Leuten aufs Maul und erzählen denen dann wieder, was sie von ihnen gehört und gesehen haben. Das diesjährige Rolandfest ist nicht mehr fern, da werden wir die Rolandgruppe wieder in Aktion erleben und das Treiben auf den Straßen und Plätzen der Stadt genießen. Und doch ist er es nicht, den ich im Sinne habe.

Unser Nordhäuser Doppelkorn mit Henriette und dem Mammut? - Zweifelsohne ein echter Exportschlager, der den Namen der Stadt auch über Deutschland hinaus bekannt gemacht hat, schließlich kann man den Korn aus Nordhausen fast auf der ganzen Welt kaufen. Und seine Liebhaber tun das auch. Das ist gut so. Und das soll so bleiben. Und Henriette macht ihn auch für diejenigen, die dem Genuss des Kornbrands nicht frönen, liebenswert.

Aber die Stadt am Südrand des Harzes hat noch mehr zu bieten: etwas, das durch die geografische Lage im Laufe der Ausbreitung der Stadt natürlich gewachsen und einzigartig ist: Sie alle, also der Roland, die Hexe, Professor Zwanziger, der Olle Ebersberger, Henriette, das Mammut und Sie – ja genau Sie, verehrter Leser – sind umgeben von einer Menge Treppen: Frauenbergtreppe, Petersbergtreppe, „grüne Treppe“, „Neue Lesserstiege“, Wassertreppe, Kutteltreppe, Johannestreppe, Martinstreppe, Altendorfer Kirchstiege.... und viele namenlose Treppen. Es sind weit über tausend Stufen, die die Stadt durchziehen. Wer sich aufmacht, die Treppen zu entdecken, wird feststellen, dass jede ihren eigenen Reiz hat.

Die Treppen Nordhausens haben es verdient, in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Nun weckt die „nackte“ Treppe mit ihrem beschwerlichen Aufstieg nicht unbedingt die helle Begeisterung in uns, wenn wir an ihrem Fuße stehen und unser Blick weit oben nach ihrem Ende sucht.

Deshalb haben wir im JugendSozialwerk Nordhausen e.V. nach etwas gesucht, was die Einmaligkeit unserer Treppen auf eine sympathische Weise ins Licht rückt. Inspiriert wurden wir bei einem Aufenthalt im polnischen Wroclaw durch die Vielzahl verschiedenartiger Zwerge, die in der ganzen Stadt verstreut sind und dafür sorgen, dass Besucher auf der Suche nach ihnen die Stadt entdecken.

Erfunden haben wir den Treppenkäfer (lat.: scarabaeus scandis nordhusia), der aufgrund vielfältiger Umwelteinflüsse vom Aussterben bedroht ist. Zu seinen natürlichen Feinden gehören Räder aller Art, sowie Fahrstühle und Rampen. Auch die seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrtausends diskutierte „Barrierefreiheit“ und die Einführung von Niederflurstraßenbahnen haben seinen Lebensraum weiter eingeschränkt. Lediglich in unserer Heimatstadt konnte er Dank unzähliger Treppen und Stufen weiter ungestört überleben.

Um die Population der Treppenkäfer zu retten, haben wir eine „Treppenkäfer-Aufzucht-Station“ gegründet. Dort sollen zukünftig Käfer entstehen, die nach und nach die Treppen der Stadt bevölkern. Wenn wir dann vor einer solchen stehen und nach oben müssen und unser Blick bleibt an einem Bronzekäfer „hängen“, der es sich in der Sonne gut gehen lässt, der gerade eine Stufe erklimmt, den Ausblick genießt, ... dann sind Treppen plötzlich durchaus sympathisch und „ersteigenswert“ und etwas, wo man hingeht, selbst wenn es einen weniger beschwerlichen Weg gäbe.

Bereits in den Osterferien hat das Team Mobilé des JugendSozialwerk Nordhausen e.V. die ersten Kreativaktionen für Ferienkinder um Treppenkäfer angeboten. Da wurden wunderschöne Käfer getöpfert, gefilzt und aus Ytongsteinen gestaltet. Die Käfer und ihre Erschaffer wurden und werden auch zukünftig auf Fotos festgehalten, die sich in Ausstellungen und einer Dokumentation wiederfinden werden.

Der eine oder andere Käfer kann vielleicht sogar die Vorlage für ein großes Modell werden, das tatsächlich eine unserer Treppen zieren wird. Denn unsere Käfer sollen von Ihnen, den Nordhäuser Bürgerinnen und Bürgern gestaltet werden. Wir werden dazu verschiedene Gelegenheiten anbieten und freuen uns schon jetzt auf Ihre kreativen Ideen.
Ines Gast, JugendSozialwerk Nordhausen
Autor: nnz

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