Fr, 09:43 Uhr
08.05.2009
Wolle im Bürgersaal
Der Berliner Historiker Stefan Wolle war gestern Abend anlässlich des Gedenkjahres "20 Jahre friedliche Revolution in Nordhausen" im Bürgersaal des Neuen Rathauses zu Gast, um den Zuhörern seine Sicht der Ereignisse der Kommunalwahlen in der DDR vor genau 20 Jahren zu schildern.
Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), die den Gast begrüßte, freute sich auf den namhaften Berliner Historiker, der mit einem distanzierten Blick auf die damaligen Ereignisse zurück schaute.
Für den Vortrag "Das letzte Mal zum Zettelfalten - Die Volkswahlen vom 7. Mai 1989 und die Entlarvung des Wahlbetruges durch Oppositionsgruppen" habe man einen historischen Ort gewählt, der auch bei den letzten Volkswahlen 1989 eine bedeutende Rolle spielte und lange Zeit das Kreiswahlbüro beherbergte, sagte Frau Rinke.
Wahlen in der DDR waren wenig aufregend. Es gab am Wahlabend keine Hochrechnungen, kein Zittern um Prozentpunkte und keine Elefantenrunden. Alles stand vorher fest, die Abgeordneten, die Stärke der Fraktionen und vor allem die führende Rolle der Partei. Rund 99 Prozent der Wähler stimmten jedes Mal für die Kandidaten der Nationalen Front.
"Die evangelischen Landeskirchen hatten zur Wendezeit eine bedeutende Rolle", sagte der Berliner Historiker Wolle. Seit den frühen Jahren der DDR dienten sie als Rückzugspunkt, der nicht vom Staat kontrolliert worden sei. So bildeten sich Oppositionsgruppen, die die Wahlen erstmals ernst nahmen und nach ersten Versuchen im Jahre 1987 auch bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 den Wahlvorgang überprüften. Nach Wolles Meinung war die Hauptschwierigkeit damals nicht, die DDR-Strukturen zu bekämpfen, sondern die Leute aus ihrer Lethargie herauszureißen. "Viele Menschen glaubten nicht an eine fundamentale Veränderungen der Situation, sondern es ging den meisten um die Wiedergewinnung ihrer
Würde", sagte er.
Stefan Wolle, geboren 1950, hat Geschichte an der Humboldt Universität Berlin studiert. 1972 wurde er aus politischen Gründen von der Uni verwiesen und arbeitete danach in einem Produktionsbetrieb. Von 1976-89 war er Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR und promovierte 1984.
1990 war er Mitarbeiter des Komitees für die Auflösung des MfS, in den folgenden Jahren war er Assistent an der Humboldt Uni, Stipendiat der Deutschen
Forschungsgemeinschaft und Referent bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Heute ist er freier Autor und seit 2006 wissenschaftlicher Leiter des DDR Museums Berlin.
Autor: nnzOberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), die den Gast begrüßte, freute sich auf den namhaften Berliner Historiker, der mit einem distanzierten Blick auf die damaligen Ereignisse zurück schaute.
Für den Vortrag "Das letzte Mal zum Zettelfalten - Die Volkswahlen vom 7. Mai 1989 und die Entlarvung des Wahlbetruges durch Oppositionsgruppen" habe man einen historischen Ort gewählt, der auch bei den letzten Volkswahlen 1989 eine bedeutende Rolle spielte und lange Zeit das Kreiswahlbüro beherbergte, sagte Frau Rinke.
Wahlen in der DDR waren wenig aufregend. Es gab am Wahlabend keine Hochrechnungen, kein Zittern um Prozentpunkte und keine Elefantenrunden. Alles stand vorher fest, die Abgeordneten, die Stärke der Fraktionen und vor allem die führende Rolle der Partei. Rund 99 Prozent der Wähler stimmten jedes Mal für die Kandidaten der Nationalen Front.
"Die evangelischen Landeskirchen hatten zur Wendezeit eine bedeutende Rolle", sagte der Berliner Historiker Wolle. Seit den frühen Jahren der DDR dienten sie als Rückzugspunkt, der nicht vom Staat kontrolliert worden sei. So bildeten sich Oppositionsgruppen, die die Wahlen erstmals ernst nahmen und nach ersten Versuchen im Jahre 1987 auch bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 den Wahlvorgang überprüften. Nach Wolles Meinung war die Hauptschwierigkeit damals nicht, die DDR-Strukturen zu bekämpfen, sondern die Leute aus ihrer Lethargie herauszureißen. "Viele Menschen glaubten nicht an eine fundamentale Veränderungen der Situation, sondern es ging den meisten um die Wiedergewinnung ihrer
Würde", sagte er.
Stefan Wolle, geboren 1950, hat Geschichte an der Humboldt Universität Berlin studiert. 1972 wurde er aus politischen Gründen von der Uni verwiesen und arbeitete danach in einem Produktionsbetrieb. Von 1976-89 war er Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR und promovierte 1984.
1990 war er Mitarbeiter des Komitees für die Auflösung des MfS, in den folgenden Jahren war er Assistent an der Humboldt Uni, Stipendiat der Deutschen
Forschungsgemeinschaft und Referent bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Heute ist er freier Autor und seit 2006 wissenschaftlicher Leiter des DDR Museums Berlin.


