Fr, 12:24 Uhr
08.05.2009
Kunst zum Feierabend
Mist. Jemand flucht im Kursraum. Es ist ein klein wenig zu viel Farbe auf das Aquarellpapier getropft. Mit einem Zellstoffpapier ist das Missgeschick schnell wieder behoben. Es ist Montagnachmittag, kurz nach 16 Uhr in der Kreisvolkshochschule Nordhausen...
Das hier ist eine lockere Runde von Gleichgesinnten, beschreibt Dozent Jost Brendemühl seinen Aquarellkurs. Seit 2005 gibt er Kurse an der Volkshochschule, Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei. Ich habe damals ganz einfach mal nachgefragt, erinnert sich Jost Brendemühl, der in Stempeda lebt.
Wie mischt man noch einmal Hautfarbe? fragt eine Kursteilnehmerin. Schweinchenrosa auf jeden Fall nicht. Nehmen Sie als Grundton helles Ocker, stark verdünnt, erwidert Jost Brendemühl.
Kursleiter (Foto: Piper)
Vor 35 Jahren hat er sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Erfurt begonnen, war danach Lehrer für Kunsterziehung und Deutsch, bis er Ende 2000 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Lehrerberuf ausstieg. Heute arbeitet Jost Brendemühl als freier Grafiker, Maler und Publizist – und eben als Dozent an der Kreisvolkshochschule. In meinen Kursen ist alles dabei – vom blutigen Anfänger bis zum Vollprofi. Vom Alter her geht es los mit einer Zwölfjährigen, die mit ihrer Mutter kommt, bis hin zu Damen in der 70ern. Und es kommen deutlich mehr Frauen als Männer, so Jost Brendemühl.
Ein Blick in die heutige Kursrunde bestätigt das: nur ganz vorn sitzt ein Mann, Carl Beleites, der gerade den Bodenstein im Eichsfeld malt. Es ist nicht sein erster Kurs. Ich mag die nette Gesellschaft hier. Zuhause habe ich auch nicht so viel Platz zum Malen und die Anleitung hier ist auch gut, sagt der Nordhäuser. Zu dieser Anleitung gehören nicht nur praktische Tipps. Theoretische Grundlagen sind grundsätzlich dabei, erklärt Jost Brendemühl. Zur heutigen Stunde hat er verschiedene Arbeitsblätter auf dem hinteren Tisch ausgelegt, die zum Beispiel Körperstudien zeigen. Wir probieren alles aus: Landschaften, Stillleben, Porträts. Entweder die Leute haben eigene Ideen oder ich gebe etwas vor. Das nehmen wir als Anregung, die wir verändern. Abgemalt wird nichts.
Wie Carl Beleites ist auch Peggy Tielemann nicht zum ersten Mal hier. Es ist ihr zweiter Aquarell-Kurs, sie ist wiedergekommen, weil es Spaß macht. Ich bin selbst interessiert an Kunst und will etwas dazu lernen, erzählt sie. In seiner Zeit an der VHS hat Jost Brendemühl eine Runde treuer Kunstinteressierter aufgebaut. Manche kommen schon seit vier Jahren in meine Kurse, weiß er. So lange ist auch Edelgard Linß dabei. 2006 hat sie den ersten Kurs mitgemacht. Inzwischen hat sie sich eine umfangreiche Malereiausstattung zugelegt: Vor ihr steht eine große Keksdose aus Blech gefüllt mit verschiedenen kleinen Fläschchen mit Aquarellfarbe, die sie auf ihrer Palette aus Porzellan mischt.
Andere Utensilien lagern in kleinen Holzschachteln, die ursprünglich mal für Schokolade gedacht waren. Auch Edelgard Linß` Pinseln sieht man auf den ersten Blick ihre Qualität an – und den dazugehörenden Preis. Das hier ist mein Lieblingspinsel, der hat über 30 Euro gekostet, zeigt sie einen langen Pinsel. Ab und zu wasche ich die mit einer speziellen Kernseife, dann legen sich die abstehenden Spitzen wieder an und die Pinsel bleiben schön weich.
Nicht alle Teilnehmer sind so profimäßig ausgestattet wie Edelgard Linß. Und auch nicht alle Kursteilnehmer glauben auf Anhieb an ihr künstlerisches Talent. Ich kann mich noch an eine Teilnehmerin erinnern – inzwischen kommt sie schon seit zwei Jahren – die hat nach dem ersten Mal gesagt, sie komme nie wieder. Sie meinte, sie schaffe es nicht, so zu malen wie die anderen. Jetzt kommt sie jede Woche mit zwei, drei Bildern an, mit Motiven von alten Meistern, erzählt Jost Brendemühl.
Das ist eine Entwicklung, an die keiner geglaubt hätte. Dranbleiben ist wichtig. Manche geben zu schnell auf. Für sein eigenes Angebot an der VHS gehen dem Künstler, der selbst am liebsten grafische Sachen macht, die ins Abstrakte, Fantastische reingehen, auch bei, auch im fünften Jahr nicht die Ideen aus: Einen Speckstein-Workshop würde ich gerne noch einmal anbieten. Am besten bei schönem Wetter draußen, sagt Jost Brendemühl, den auch einen Zeichnen-Kurs reizen würde. In der Planung steht jetzt schon eine Ausstellung zahlreicher Bilder aus seinen Kursen, die zum Sommerfest der Kreisvolkshochschule am 17. Juni beginnen wird.
Mehr über Jost Brendemühl gibt es auch auf seiner Homepage unter www.xn--brendemhl-w9a.de.
Autor: nnzDas hier ist eine lockere Runde von Gleichgesinnten, beschreibt Dozent Jost Brendemühl seinen Aquarellkurs. Seit 2005 gibt er Kurse an der Volkshochschule, Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei. Ich habe damals ganz einfach mal nachgefragt, erinnert sich Jost Brendemühl, der in Stempeda lebt.
Wie mischt man noch einmal Hautfarbe? fragt eine Kursteilnehmerin. Schweinchenrosa auf jeden Fall nicht. Nehmen Sie als Grundton helles Ocker, stark verdünnt, erwidert Jost Brendemühl.
Kursleiter (Foto: Piper)
Vor 35 Jahren hat er sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Erfurt begonnen, war danach Lehrer für Kunsterziehung und Deutsch, bis er Ende 2000 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Lehrerberuf ausstieg. Heute arbeitet Jost Brendemühl als freier Grafiker, Maler und Publizist – und eben als Dozent an der Kreisvolkshochschule. In meinen Kursen ist alles dabei – vom blutigen Anfänger bis zum Vollprofi. Vom Alter her geht es los mit einer Zwölfjährigen, die mit ihrer Mutter kommt, bis hin zu Damen in der 70ern. Und es kommen deutlich mehr Frauen als Männer, so Jost Brendemühl. Ein Blick in die heutige Kursrunde bestätigt das: nur ganz vorn sitzt ein Mann, Carl Beleites, der gerade den Bodenstein im Eichsfeld malt. Es ist nicht sein erster Kurs. Ich mag die nette Gesellschaft hier. Zuhause habe ich auch nicht so viel Platz zum Malen und die Anleitung hier ist auch gut, sagt der Nordhäuser. Zu dieser Anleitung gehören nicht nur praktische Tipps. Theoretische Grundlagen sind grundsätzlich dabei, erklärt Jost Brendemühl. Zur heutigen Stunde hat er verschiedene Arbeitsblätter auf dem hinteren Tisch ausgelegt, die zum Beispiel Körperstudien zeigen. Wir probieren alles aus: Landschaften, Stillleben, Porträts. Entweder die Leute haben eigene Ideen oder ich gebe etwas vor. Das nehmen wir als Anregung, die wir verändern. Abgemalt wird nichts.
Wie Carl Beleites ist auch Peggy Tielemann nicht zum ersten Mal hier. Es ist ihr zweiter Aquarell-Kurs, sie ist wiedergekommen, weil es Spaß macht. Ich bin selbst interessiert an Kunst und will etwas dazu lernen, erzählt sie. In seiner Zeit an der VHS hat Jost Brendemühl eine Runde treuer Kunstinteressierter aufgebaut. Manche kommen schon seit vier Jahren in meine Kurse, weiß er. So lange ist auch Edelgard Linß dabei. 2006 hat sie den ersten Kurs mitgemacht. Inzwischen hat sie sich eine umfangreiche Malereiausstattung zugelegt: Vor ihr steht eine große Keksdose aus Blech gefüllt mit verschiedenen kleinen Fläschchen mit Aquarellfarbe, die sie auf ihrer Palette aus Porzellan mischt.
Andere Utensilien lagern in kleinen Holzschachteln, die ursprünglich mal für Schokolade gedacht waren. Auch Edelgard Linß` Pinseln sieht man auf den ersten Blick ihre Qualität an – und den dazugehörenden Preis. Das hier ist mein Lieblingspinsel, der hat über 30 Euro gekostet, zeigt sie einen langen Pinsel. Ab und zu wasche ich die mit einer speziellen Kernseife, dann legen sich die abstehenden Spitzen wieder an und die Pinsel bleiben schön weich.
Nicht alle Teilnehmer sind so profimäßig ausgestattet wie Edelgard Linß. Und auch nicht alle Kursteilnehmer glauben auf Anhieb an ihr künstlerisches Talent. Ich kann mich noch an eine Teilnehmerin erinnern – inzwischen kommt sie schon seit zwei Jahren – die hat nach dem ersten Mal gesagt, sie komme nie wieder. Sie meinte, sie schaffe es nicht, so zu malen wie die anderen. Jetzt kommt sie jede Woche mit zwei, drei Bildern an, mit Motiven von alten Meistern, erzählt Jost Brendemühl.
Das ist eine Entwicklung, an die keiner geglaubt hätte. Dranbleiben ist wichtig. Manche geben zu schnell auf. Für sein eigenes Angebot an der VHS gehen dem Künstler, der selbst am liebsten grafische Sachen macht, die ins Abstrakte, Fantastische reingehen, auch bei, auch im fünften Jahr nicht die Ideen aus: Einen Speckstein-Workshop würde ich gerne noch einmal anbieten. Am besten bei schönem Wetter draußen, sagt Jost Brendemühl, den auch einen Zeichnen-Kurs reizen würde. In der Planung steht jetzt schon eine Ausstellung zahlreicher Bilder aus seinen Kursen, die zum Sommerfest der Kreisvolkshochschule am 17. Juni beginnen wird.
Mehr über Jost Brendemühl gibt es auch auf seiner Homepage unter www.xn--brendemhl-w9a.de.


