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Fr, 07:02 Uhr
20.11.2009

Opfer und Täter zugleich

Wie geht das? Wie schafft man so etwas? Die Antwort auf diese Fragen, was dies mit dem gestrigen Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion an der Nordhäuser Fachhochschule zu tun hatte, um welches Anliegen es dabei ging und was das mit den Studierendenprotesten zu tun hat, all das erfahren Sie im folgenden Artikel...


Logo (Foto: privat) Logo (Foto: privat) "Viel Erfolg! ...beim Protest" So endete gestern der Vortrag mit anschleißender Podiumsdiskussion zum Thema "Bologna-Prozess" an der Nordhäuser Fachhochschule. Die studentische Initiative GoFair hatte zwei Referenten aus aktuellem Anlass eingeladen, den Zuhöreren den "Bologna-Prozess" mit seinen Folgen näher zu bringen. Einer der Referenten war Thomas Hoffmann, Leiter des Referats für Internationales an der Fachhochschule und Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Der zweite Sprecher war Falk Pißler (auch GEW), ehemaliges Mitglied des Studierendenrats (StuRa) der FH Jena und langjähriges Mitglied der Konferenz der Thüringer Studierendenschaften (KTS). Sie erläuterten welche tiefgreifenden Umwälzungen das deutsche Bildungssystem seit 1999 mit der "Bologna-Erklärung" und 2006 mit der Föderalismusreform hinter sich hat. So wurde zunächst über die Ziele und Absichten gesprochen, die Durchführung beleuchtet und die Ergebnisse im Detail erläutert.

Obwohl beide Referenten teilweise unterschiedliche Standpunkte vertraten, waren sich beide unterm Strich einig: Die Idee der Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums ist als positiv zu bewerten. Doch die Durchführung, bei der in den einzelnen Bundesländern die nötigen Reformen jeweils unterschiedlich umgesetzt wurden und scheinbar möglichst schnell, ökonomisch verwertbar, die Ware "Absolvent/in" heraus kommen sollte haben zu einem Ergebnis mit Prädikat "mangelhaft" geführt. An anderen Hochschulen haben Studierende offensichtlich keinen anderen Ausweg gesehen als zu demonstrieren und zu streiken, Hörsääle zu besetzen und ihre Stimme zu erheben.

Denn was viele nicht wissen: Die Demokratie an den Hochschulen wurde im Zusammenhang mit den Reformen der letzten Jahre gleich mit eingeschränkt. So gab es bis vor einigen Jahren eine Hochschulkonferenz, bei der neben den Rektoren auch Mitarbeiter und Studierende, wenn auch nicht mit gleichem Stimmgewicht, vertreten waren. Heute ersetzt dies die Hochschulrektorenkonferenz. Wer darin noch vertreten ist und wer nicht verrät der Name ja bereits. Inzwischen wird der Präsident der Hochschule durch den Hochschulrat gewählt, der teilweise von Vertretern der lokalen Wirtschaft gestellt wird.

Welche Wege die Ökonomisierung gefunden hat zeigt ein Beispiel: An der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt zum Beispiel wird inzwischen im "Aldi-Süd-Hörsaal" gelehrt, an der Uni Erlangen-Nürnberg studieren Frauen und Männer im "easyCredit"-Hörsaal. So sind die Studierenden Opfer und Täter eines schleichenden Demokratieabbaus geworden. Wir rufen daher alle Nordhäuser Studierenden auf, zu den anstehenden Wahlen zum Studierendenrat und den Fachbereichsräten am 8. und 9. Dezember 2009 zu gehen und zu wählen!

Behandelt wurde in diesem Zusammenhang unter anderem auch ein Artikel einer Thüringer Tageszeitung, in dem der Sprecher des Nordhäuser Studierendenrats sich gegen einen Streik ausspricht. Doch vor Nordhausen haben die Entwicklungen nicht halt gemacht: Das dieser Vorsitzende Mitglied im RCDS, der Studierendenabteilung der CDU ist, wird hier nicht erwähnt, aber zumindest, das es sich um seine persönliche Meinung handelt.

Seit 2006 stellt der RCDS zunehmend Kandidaten für den Studierendenrat. Sie sind engagiert und mangels anderer, unabhängiger Kandidaten und erschütternd niedriger Wahlbeteiligungen schnell gewählt. Dort vertreten sie dann "konservative Werte". Das solche Vertreter sich nicht gegen die Ideen, welche ja meist aus den Reihen der CDU kamen, aussprechen werden ist verständlich.
Christian Darr
Autor: nnz

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Kommentare
StuRa a.D.
20.11.2009, 13:46 Uhr
Studentenrat der FH
Dass sich immer mehr RCDS-Kandidaten aufstellen lassen und diese dann auch noch gewählt werden, kann man ja nun schlecht den Kandidaten selber vorwerfen, schon gar nicht dem jetzigen Vorsitzenden des StuRas.

Allerdings kann man dies den restlichen 2.500 Studenten vorwerfen, die sich weder aufstellen lassen noch wählen gehen (die Wahlbeteiligung lag in den letzten Jahren im Schnitt bei etwa 20-30%).

Anscheinend meckern einige von denen lieber aus der Deckung, statt sich die Arbeit im StuRa aufzubürden und so Hochschulpolitik mit zu gestalten.

Auf Christian Darr trifft dieser Vorwurf allerdings nicht zu, denn er war selber Mitglied im Stura und bei der KTS.

Der Trend geht ja leider nicht nur an der FH zum Nichtwählen, die allgemeine Politikverdrossenheit führt auch außerhalb der Hochschule zu schwindender Wahlbeitiligung.

T. Grube (Ex StuRa-Vorsitzender und JuSo-Mitglied)
Wilk85
20.11.2009, 22:56 Uhr
Falsche Ernährung wegen Bologna?
Was hat eine "Initiative zur nachhaltigen FAIRpflegung mit dem Schwerpunkt regionaler, biologisch-dynamischer Lebensmittel" (Initiativenbeschreibung siehe www.fh-ndh.de) mit der GEW und dem Thema "Bologna-Prozess" zu tun? Ist der Bologna-Prozess daran schuld, dass sich Studenten falsch ernähren?

Falsch: RCDS ist nicht CDU. Der Ring-Christlich-Demokratischer-Studenten ist parteiunabhängig, allerdings haben wir auf Grund unserer Grundwerte mit der CDU die größte Schnittmenge.

Die RCDS-Listen bestehen nicht ausschließlich aus RCDSlern sondern auch Studenten die unsere Arbeit schätzen und etwas bewegen wollen. Wir sind auch froh, dass durch unsere Wähler in der letzten Wahl zwei unserer Ausländischen Studenten gs in den Stura zu integrieren. Bei der letzten Wahl erreichte er 30% der abgegeben Stimmen, was 10% der gesamten Stimmberechtigten entspricht.

Für mich als Wahlleiter der letzten Studentenrats und Fachschaftsratswahlen war es schwer Leute für die ehrenamtliche Arbeit zu motivieren. So musste die Einreichungspflicht verlängert werden, um eine ausreichende Anzahl an Kandidaten zu erreichen.

Auf Grund seines überdurchschnittlichen Engagements hat der RCDS ein hohes Ansehen. Unser Vorteil ist, die Studenten wissen, wen sie wählen. Im Gegensatz zu vermeintlichen Initiativen, die versuchen über die Hintertür Parteipolitik zu machen. Diese Gruppen organisieren fast ausschließlich politische Vorträge die vom gesamten Studentenrat finanziert wurden.

Wilk Jagemann
RCDSler
ex. Studentenratsmitglied
ex. Delegierter der KTS
Wahlleiter der letzten Studentrats und Fachschaftsratswahl an der FH Nordhausen
ChrisD
25.11.2009, 13:50 Uhr
Wer betreibt hier Parteipolitik?!
Lieber Wilk85,

leider ist die Darstellung der Absichten und Ziele der Initiative auf der Seite www.fh-ndh.de sehr verkürzt, in der Satzung der Initiative heißt es dazu:
"GoFair ist eine Initiative, welche sich um eine nachhaltige Ernährungs- und Lebensweise bemüht".
Wir bitten dies zu entschuldigen und werden o.a. Beschreibung demnächst berichtigen.

Uns geht es mit unserem Engagement um Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit, diese Themen enden für uns nicht am Tellerrand.

Das ehrenamtliche Betreiben einer Einkaufsgemeinschaft für biologisch-dynamisch produzierte Lebensmittel und die Organisation von Vorträgen zu Themen wie Kernenergie, rechtsextremen Strukturen, Gentechnologie, Zertifizierung im ökologischen Landbau und fairen Handel oder zum Bologna-Prozess (um nur einige zu nennen) hat -oberflächlich betrachet- ein politisches Moment.
Wenn wir also zum Beispiel Dr. Frank Augsten (Mitglied von Bündis90/Die Grünen) zum Thema "Gentechnlogie - unverzichtbare Zukunftstechnologie oder unkalkulierbarer Risikofaktor?" einladen,
so wird er als Wissenschaftler, welcher über objektive, belegbare Fakten berichtet, referieren.

Wir laden keinesfalls Referenten/Referentinnen ein um für politische Überzeugungen zu werben.

Unsere Vorträge richten sich an alle interessierten Personen und sind stets mit dem Angebot zur Diskussion mit dem Referenten/Referentin verbunden.
Das Angebot zum Diskurs gehört zur demokratischen Kultur, welche wir mit unserem Engagement pflegen und stärken wollen.
Wir finanzieren unsere Vorträge in Kooperation mit dem Studierendenrat der FH, welcher in einer demokratischen Abstimmung als demokratisch
legitimiertes Gremium uns dieses Geld bewilligt hat.

Die Themen, zu denen wir einladen und uns engagieren sind Probleme aus dem aktuellen gesellschaftlichen Diskurs, zu deren Lösung wir damit beitragen möchten.

Hier nun zu sagen, es werde "Parteipolitik durch die Hintertür" betrieben halten wir für schlicht anmaßend.

Auch möchten wir an dieser Stelle sagen das wir das Engagement des RCDS, wie auch jedes andere studentische Engagement sehr schätzen und anerkennen.

Denn, wie auch Herr Grube bereits bemerkte, sind Verdrossenheit, Gleichgültigkeit und Desinteresse hier das größte Problem, welches die Demokratie gefährden kann.
Christian Darr, GoFair
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