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Fr, 10:11 Uhr
20.11.2009

Mal jemand zum einhaken

Waltraud Ehrhardt lacht. Sie ist ein fröhlicher Mensch, kontaktfreudig und nicht gern die ganze Zeit allein. Als vor ein paar Jahren ihr Mann gestorben ist, hat sich viel für sie geändert. Sie lebte schon damals mit ihm in einer kleinen, gemütlichen Wohnung im Seniorenzentrum Salza – ein seniorengerechtes Haus, in dem Ältere unabhängig leben, ohne ständig betreut zu werden. Aber irgendwas fehlte...

Zum Einhaken (Foto: J. Piper) Zum Einhaken (Foto: J. Piper)

„Ich hab immer gedacht, hier wohnen so viele alte Leute, da wird man schon jemanden finden, mit dem man mal was unternehmen kann“, sagt Waltraud Ehrhardt. Doch das war gar nicht so leicht. „Es ist oft schwierig, alte Menschen für etwas zu interessieren. Nach dem Tod meines Mannes habe ich immer jemanden gesucht, mit dem ich zum Beispiel mal spazieren gehen kann“, meint die alte Dame. Irgendwann hat sie in der Zeitung gelesen, dass ehrenamtliche Seniorenbegleiter gesucht werden. Erst hat sie die Zeitung wieder weggelegt.

„Dann hab ich aber doch mal angerufen und war erstaunt über die Antwort: ‚Ja, da sind sie genau an der richtigen Stelle, wen hätten Sie denn gern’“, erinnert sich Waltraud Ehrhardt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so etwas von kommunaler Seite geben könnte.“ Gibt es aber. Denn gesucht hatte damals die Seniorenberatungsstelle des Landratsamtes Nordhausen, die Ansprechpartner für Senioren und ihre Angehörigen ist.

Denselben Artikel wie Waltraud Ehrhardt hat Karin Otte gelesen. „Ich bin im vergangenen Jahr arbeitslos geworden, wollte aber nicht nur zuhause rumsitzen. Deshalb habe ich mich gemeldet“, erzählt Karin Otte. „Und dann ging alles ratzfatz.“ Die Frauen haben sich durch die Seniorenberatungsstelle Anfang des Jahres kennen gelernt und schnell gut verstanden. Auf die Frage, was sie bei ihren wöchentlichen Treffen so machen, antwortet Waltraud Ehrhardt ganz schnell: „Schwatzen.“ Aber das ist natürlich nicht alles. „Wir machen das, was Frau Ehrhardt gerne möchte“, sagt Karin Otte.

Mal gehen sie einkaufen, mal auf den Friedhof. „Eigentlich sind wir immer unterwegs“, sind sich beide einig. Auch am Geburtstag von Waltraud Ehrhardt. Sie haben gemeinsam mit ihren zwei Cousinen einen Ausflug gemacht. Spaß machen ihnen auch Veranstaltungen der Seniorenberatungsstelle, bei denen sie andere Senioren und Seniorenbegleiter treffen. „Es gibt viele Dinge, bei denen es schön ist, wenn noch jemand dabei ist“, sagt Waltraud Ehrhardt. „Frau Otte ist ein ganz lieber Mensch, der auf mich eingeht. Sie begleitet mich zum Beispiel auch zum Arzt. Ich brauche auch mal jemanden, der mich einhakt. Und wir lachen viel zusammen. Das finde ich schön.“

Der Rentnerin ist es auch schon passiert, dass jemand eine falsche Vorstellung davon hat, was eine Seniorenbegleiterin eigentlich macht. „Manche fragen mich schon ‚Macht sie sauber bei dir?’, dann sage ich ‚Wie kommst du darauf?’“ Darum geht es nicht, auch nicht um die Pflege an sich. „Unser Ziel ist es, dass die Senioren so lange wie möglich selbstständig in ihren eigenen vier Wänden wohnen“, sagt Seniorenberaterin Susanna Riemann-Störr vom Landratsamt. Oft sei aber das Problem, dass ältere Menschen sich nicht mehr alleine raus trauen, sich zuhause isolieren.

Genau das wollen die ehrenamtlichen Seniorenbegleiter aufbrechen. Diesen positiven Effekt hat Waltraud Ehrhardt schon nach ein paar Monaten bemerkt. „Mich baut das auf“, meint sie. „Ja, Frau Ehrhardt ist richtig mutig geworden und ich habe auch ein bisschen dazu beigetragen“, meint Karin Otte. So ist die Seniorin in diesem Jahr zum ersten Mal alleine in den Urlaub gefahren – nach Neustadt. „Ich habe immer gesagt, ich kann das nicht, ich kann das nicht. Aber es ging doch. Für mich war das ein großer Schritt, denn vorher war ich immer nur mit meinem Mann dort. Viel dort erinnert mich an ihn.“

Jetzt haben sie genug geschwatzt und ziehen sich an. Heute wollen sie los und schauen, ob sie Lichter für den Weihnachtbaum ohne Kabel finden, damit es dieses Jahr kein Kabelwirrwarr beim Schmücken gibt. „Schmücken muss doch auch Spaß machen“, meint Waltraud Ehrhardt und lacht wie schon so oft an diesem Vormittag.

Wer sich auch ehrenamtlich engagieren will oder als Senior oder Angehöriger Rat sucht, kann sich persönlich und telefonisch bei Susanna Riemann-Störr unter 03631/911 537 informieren.
Jessica Piper
Autor: nnz

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