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Mi, 17:15 Uhr
02.12.2009

Post von LUisa (18)

„Aus Kindern denen man Liebe schenkt, werden liebende Erwachsene“. So beginnt ein Bericht von Luisa Schäfer, den sie für ihre Hilfsorganisation geschrieben hat. Mit ihrer Erlaubnis veröffentlicht die nnz das Dokument...


Mit diesem Ausspruch kann man ganz gut meine Hoffnung und Überzeugung nachvollziehen, welche mich dazu gebracht haben, überhaupt einen Freiwilligen Entwicklungsdienst zu machen. Ich weiß, dass ich damit keineswegs die Welt verändern kann oder die direkte Lebenssituation der Menschen hier verbessern kann. Aber mir reicht es schon, wenn mich morgens die Kinder mit einem Lachen begrüßen und wir zusammen Spaß haben können und natürlich auch etwas für die Schule machen können. Darum geht es mir, deshalb bin ich hier. In diesem Bericht möchte ich nun meine Arbeit hier vor Ort genauer vorstellen.

Mein Arbeitstag beginnt um kurz vor acht, wenn mich mein Wecker aus dem Schlaf reißt. Ja ich weiß mit kurz vor acht geht es mir noch ganz gut, aber der Tagesrhythmus ist hier ein ziemlich verschoben. Es geht nachts alles ein bisschen länger und dann morgens halt ein bisschen später los. Nach einem kurzen Frühstück geht dann der Kampf um ein Compertido los, dass sind die sehr günstigen Sammeltaxis die in alle möglichen Viertel der Stadt fahren. Kampf deshalb, weil es wirklich meistens nicht so leicht ist ein Platz zu ergattern.

Wenn dies dann geschafft ist, muss ich noch einen kleinen Berg erklimmen und bin bei meinem Projekt angelangt, der Fundacion Ceres. Dies ist ein Comedor, das bedeutet hier Essenausgabe mit Hausaufgabenbetreuung am Vormittag. Die Kinder haben hier nämlich entweder morgens oder nachmittags Schule. Wir kümmern uns also um die Schüler die erst später los müssen. Von diesen werde ich dann meistens noch ein wenig müde aber durchaus herzlich begrüßt. Zunächst gibt es dann Tee und Brote für die Kinder, die das leider meistens zu Hause nicht bekommen.

Dann bricht irgendwann das geordnete Chaos aus. Denn nun wollen alle alles auf einmal aus. Mit den einen soll man nun sofort Hausaufgaben machen, den anderen ein Gedicht abfragen, wieder andere wollen malen oder spielen. Die letzteren muss dann jeden Tag aufs Neue daran erinnern, dass es nun mal erst an die Schulaufgaben geht und danach erst die Spiele ausgepackt werden. Mit teilweise willigen, aber auch durchaus unmotivierten, ein wenig gelangweilten Kindern und Jugendlichen kämpfe ich mich dann durch Divisionsaufgaben, Umrechnungen und sogar binomische Formeln. Davon profitieren nicht nur sie sondern auch ich kann meine Kenntnisse über Römische Zahlen, Kopfrechnen und Faktorisieren wieder ein bisschen auffrischen.

Glücklicherweise bin ich an diesem Teil des Tages nicht allein. Meine drei Kolleginnen kümmern sich unterschiedlich häufig mit mir um die meistens 15 bis 20 Kinder. Welche dann nach ein, zwei Stunden Rechnen, Schreiben und Lesen wirklich keine Lust mehr haben und es Zeit wird zu dem vergnüglicheren (jedenfalls für die Kinder) Abschnitt des Vormittags überzugehen. Da in der Fundacion selbst nicht viele vorhanden sind, packe ich also meine mitgebrachten Spiele und Ausmalbilder aus. Ich schätze mal nach diesem Jahr werde ich keine Lust mehr auf UNO und Halli Galli haben, denn das sind die eindeutigen Favoriten. Aber ich werde auch immer wieder freundlich daran erinnert Mikado, Mensch ärger dich nicht, Memory usw. auszupacken. Bis zum Mittagessen sind die Kinder dann kaum ansprechbar oder ich selbst auch vertieft in das Spielgeschehen.

Bringt dann aber der erste die Schüssel mit Löffeln, das Aufbruchsignal, dass es Essen gibt, fliegen die Karten und Spielfiguren zur Seite und es wird losgerannt um eine gute Position in der Wartschlange zu bekommen. Nachdem ich dann noch schnell alles zusammengeräumt habe, wird es auch für mich Zeit mich einzureihen und auf die Mittagesausgabe zu warten. Von meinen Erfahrungen mit dem Essen dort habe ich ja schon einmal geschrieben, aber es gibt auch durchaus leckere Sachen wir überbackene Spaghettis oder Kartoffelauflauf. Langsam habe ich den Dreh raus, wann ich zum Essen bleibe und wann nicht. Daher kann ich sagen es schmeckt eigentlich ganz in Ordnung, jedenfalls dann wenn ich bleibe. Leber und Modongo lasse ich natürlich jetzt dankbar aus.

Das gemeinsame Mittagessen mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß und nachdem dann auch geklärt wurden ist, an welchem Tisch ich an dem entsprechenden Tag zu sitzen habe lassen wir es uns alle schmecken. Ein bisschen seltsam ist nur das es zunächst immer das Hauptgericht gibt und danach die Suppe. Es kann dadurch auch durchaus passieren, dass es als ersten Gang schon Suppe gibt und man aber nicht drum herum kommt auch als zweiten Gang eine Suppe zu essen. Selbst wenn ich nicht so Hunger habe bilde ich da keine Ausnahme, als Seño muss ich ja auch mit gutem Beispiel voran gehen. Viel Zeit haben wir aber gar nicht, denn da bald die Schule anfängt müssen auch alle bald los.

Auch ich mache ich mich dann wieder auf den Weg zurück ins zu dieser Zeit eher ruhige Zentrum. Denn es ist dann Siesta, die große Mittagspause von 13 bis 17 Uhr. In dieser wird eigentlich alles geschlossen und man sucht sich an den heißen Tage einfach ein bisschen Schatten. Ich nutze die Zeit meist in den Internetcafes, die glücklicherweise offen bleiben.

So läuft also ein durchschnittlicher Vormittag bei ab. Allerdings ein bisschen Variationen gibt es da schon. Da gibt es zum Beispiel noch den Kindergarten im Projekt. Dort helfe ich auch manchmal aus und kümmere mich um die 2 bis 5 Jährigen. Sehr niedlich ist die Sportgruppe die ich ungefähr einmal die Woche anleite. Dann verwandelt sich der eher einfach ausgestattete Gruppenraum in eine kleine Sporthalle und die kleinen in wirklich begeisterte Sportler. Wir rennen, springen und dehnen uns dann was das Zeug hält. Besonders beliebt sind auch das Nachmachen von Tierarten oder verschiedene Bewegungsspiele.

Für die Größeren gibt es auch ein bisschen körperliche Betätigung, wenn der Zirkuslehrer kommt. So ganz sind sie zwar noch nicht vom Jonglieren, Akrobatik und Theater überzeugt, aber das wird schon noch. Leider nicht allzu regelmäßig kommen die Musiklehrer, welche Instrumente und Lieder beibringen wollen. Doch bei diesem Haufen ist so etwas gar nicht so leicht. Denn Konzentration, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen sind nicht gerade die Eigenschaften die den Kindern bisher ans Herz gelegt wurden.

Das spüre ich dann auch in meinen Nachmittagsprojekten. In diesen arbeite ich dann sowohl in einer Radiostation mit einem Bibliotheksraum, den ich zur Beschäftigung für die Kindern nutze, und in einer anderen Fundacion in einem anderen Viertel. Unsere ersten Pläne, ich arbeite am Nachmittag teilweise mit den meinen Mitfreiwilligen zusammen, waren wie wir bald feststellen mussten ein wenig unrealistisch. Denn intensive Workshops mit viel fachlichen Inhalt sind, sagen wir mal so, nicht unbedingt so erwünscht. Jetzt haben wir aber ganz gute Lösungen gefunden.

Am Montag haben wir einen Taller (das bedeutet hier Workshop) mit wechselnden Themen. Derzeit entwerfen wir zum Beispiel Armbänder. In der bald nahenden Weihnachtszeit wollen wir dann aber beispielsweise in der Projektbäckerei Plätzchen backen oder mit anderen Mittel ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung aufkommen lassen. Für uns selbst, bei den oftmals 40 Grad, keine so leichte Aufgabe.

Am Dienstag steht Englisch auf dem Plan. Nicht so leicht da Motivation zu wecken. Denn manche Kinder kommen gerade erst aus der Schule zurück und daher hält sich die Begeisterung für Vokabeln und Grammatik relativ in Grenzen. Also versuchen wir möglichst viele Lieder und Spiele einzubauen. Aber was dann doch eher interessiert sind die Texte berühmt Musikgruppen oder Schimpfwörter. Wir sind uns aber bisher nicht so einig geworden, ob wir das als pädagogisch hochwertig ansehen so etwas in den Unterricht einzubinden.

Mittwoch ist projektmäßig einer meiner Lieblingstage, da steht dann mein Kreativ und Bastelworkshop an. Den mögen sowohl die Kinder wie auch sehr gerne. Ich versuche diesen auch immer ganz gut vorzubereiten, gar nicht so leicht immer wieder neue Ideen für die Beschäftigung der ganzen Gruppe für 1 ½ bis 2 Stunden zu finden. Also für Vorschläge jeglicher Art bin ich sehr dankbar. Bisher haben wir schon alles Mögliche gemacht. Bilderrahmen, Muttertagsgeschenke, Wollbälle gebastelt. Kuscheltiere genäht, Wachsherzen gegossen oder Halloweenmasken entworfen. Wir werden wohl jetzt unsere Produktion auf das Thema Weihnachten ausrichten.

Am Donnerstag geht es dann in ein anderes Projekt. Dort lautet das Thema unseres Workshops „ Unsere Welt“. Die Themen sind aber ein bisschen überarbeitet wurden. Wir beschäftigen uns beispielsweise nicht wie zunächst mit den Problemen von Tourismus oder der Geschichte der Indianer sondern bauen Burgen oder singen ländertypische Lieder. Damit sichert man sich dann schon eher die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft. Da in diesem Projekt vor allem Jungs sind, kommen wir um das Fußball spielen nicht drum herum. Was bei mir aber immer hin noch mehr Begeisterung auslöst als bei meinem Mitfreiwilligen. Also hetze ich dann mit den Kleinen über den Platz, welche mich regelmäßig fertig machen. In Anfeuerungsrufen und Motivation bin ich aber immer noch prädestinierter.


Den letzten Nachmittag der Woche gibt es immer die verschiedensten Sachen. Beispielsweise gucken wir bei schlechterem Wetter einen Film mit den Kindern. Diese Woche ist mal richtig was los. Es geht zum Pato, eine beliebte Pferdesportart hier vor Ort. Die größeren Projektkinder und ich werden dort versuchen Lose zu verkaufen, um Spenden für die Fundacion zu sammeln. Denn ein neuer Kühlschrank ist dringend dran.

Tja dann gehört natürlich auch immer dazu bei Hausaufgaben bei Bedarf zu helfen oder Nachhilfe anzubieten. Zusätzlich bietet sich auch manchmal die Möglichkeit etwas mit den Kindern am Wochenende oder an den Feiertagen zu unternehmen. So waren wir schon zusammen auf dem Land, im Schwimmbad und im Museum.

Insgesamt bin ich sehr glücklich mit meinem Arbeitsalltag. Er ist insgesamt noch besser als ich es mir vorgestellt habe. Die Kinder, egal in welchem Projekt sind einfach toll, obwohl auch nicht immer so leicht. Ich versuch das Beste ein bisschen positiv auf ihre Entwicklung einwirken zu können. Denn eins ist sicher, liebende Erwachsene kann man hier in den Armutsvierteln auf jeden Fall gebrauchen.
Luisa Schäfer
Autor: nnz

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