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Mo, 18:59 Uhr
08.02.2010

nnz-Forum: Nachdenken über Beschluss

Eine große Mehrheit im Nordhäuser Stadtrat hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, keine weitere Bürgerbeteiligung bei der Neugestaltung des Blasiikirchplatzes in der Rolandstadt zuzulassen. Dazu eine Wortmeldung im Forum der nnz...


Gisela Hartmann, Fraktionsvorsitzende von B` 90/Die Grünen hat in einer öffentlichen Wortmeldung ihren Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, nachdem mehrere Initiativen seitens ihrer Partei, diesen Beschluss zumindest ansatzweise aufzuweichen, in der betreffenden Sitzung scheiterten. Sie und weitere Bündnisgrüne sind nicht die einzigen, die empört sind über die Vorgänge im Stadtrat. Auch ich gehöre dazu.

Um vorweg etwas klar zu stellen: Als Demokrat habe ich in der Regel keine Probleme mit einer Mehrheitsentscheidung einer frei gewählten Bürgervertretung. Doch es gibt Situationen im Leben, wo man als Bürger auch demokratisch gefällte Entscheidungen nicht unwidersprochen lassen kann.

Als am kommunalen politischen Geschehen stark interessierten Bürger kann ich nämlich nicht nachvollziehen, dass eine Bürgervertretung – in diesem Fall der Nordhäuser Stadtrat – einen Beschluss fasst, der faktisch jegliche Mitsprache bei einem geplanten innerstädtischen Projekt untersagt. Das erinnert mich an den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV, der einmal sagte und so auch regierte: Der Staat bin ich! Diese Art der Ausschaltung der Volksmeinung hatten wir in dieser Form in Nordhausen noch nicht, auch wenn in diesem Fall so manches an die Vorbereitungsphase für die Landesgartenschau 2004 in Nordhausen erinnert.

Was hat es da vor etwa sieben Jahren nicht alles an Angeboten zur Mitwirkung gegeben: Bürgerversammlungen, Pressekonferenzen noch und noch. Den Menschen wurde damals suggeriert, sie hätten ein Mitspracherecht, könnten Visionen, Ideen, Änderungsvorschläge einbringen. Und sie taten es. Ein wahres Feuerwerk an kritischen Anfragen und zahlreichen Anregungen war in den Medien oder in öffentlichen Versammlungen daraufhin zu erleben.

Doch am Ende gab es – wenn überhaupt – kaum erkennbare Veränderungen in der Phase der Realisierung. Als markantes Beispiel für völlig überzogene futuristisch anmutende Platzgestaltung gilt nach wie vor – wie Gisela Hartman auch berechtigt anführte – der Bahnhofsplatz. Doch auch der Theaterplatz ist aus meiner Sicht ein Produkt gestalterischer Einfallslosigkeit.

Oder noch schlimmer das seelenlose Designer-Areal unterhalb der ehemaligen „Stadtterrasse“, jetzt Restaurant „Da Vinci“. Für wen wurde dieser Platz überhaupt errichtet? Es scheint in Nordhausen einige Leute zu geben, denen außer „eckig – kantig – gerade“ nichts einfällt. Vielleicht sollte sich der eine oder andere Volksvertreter, Architekt oder Planer mal in den südlichen Länder umsehen. Dort sprudelt es nur so von architektonischen Einfällen. Abgucken war schon immer erlaubt.

Damit sich derartiges, wie im Vorfeld der Landesgartenschau geschehen, nicht wiederholt, sollten alle Bürger, die an einer sinnvollen Neugestaltung des Blasiikirchplatzes mitwirken wollen, aufbegehren und dem Stadtratsbeschluss mit klugen fachbezogenen Veranstaltungen Paroli bieten.

Wie der Stellungnahme von Gisela Hartmann weiter zu entnehmen ist, wird bereits ein Workshop vorbereitet, an dem interessierte Bürger teilnehmen und ihre Ideen vortragen können. Solche Initiativen, von denen ich mir wünschen würde, dass sie auch von meiner Partei – der CDU – mitgetragen werden, sind nur zu begrüßen, räumen sie doch den Bürgern die Möglichkeit aktiven Mitgestaltens ihrer Heimatstadt ein.

Ich meine, es ist auch höchste Zeit zu handeln angesichts der Nachricht, dass es offensichtlich bereits beschlossene Sache ist, die Linden vor dem altehrwürdigen Gotteshaus verschwinden zu lassen. Wem stehen sie denn im Wege? Und das schöne Fachwerkhaus! Ist es etwa nicht eckig genug?

Meine Frage an die städtischen Volksvertreter wären deshalb: Sollten nicht, wenn es um in die Zukunft wirkende Vorhaben in einer Kommune geht, die Vorstellungen der Bürger, die später mit diesen Veränderungen leben müssen, mit einbezogen werden?
Hans-Georg Backhaus, CDU Nordhausen, Linker Flügel
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Rechthaber
08.02.2010, 19:13 Uhr
Blasii - Kirchplatz wird nicht abgeholzt!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verantwortlichen tatsächlich ernsthaft planen, die Linden vor der Blasii - Kirche abzuholzen. Falls aber doch, dann kündige ich hiermit schonmal erbitterten Widerstand an.
altmeister
08.02.2010, 21:09 Uhr
Geht es noch?
Das ist ja Spitze!
Unangenehme Fragen und Vorschläge werden erst mal ganz schnell schon im Keim erstickt, das wird alles hinter verschlossenen Türen festgelegt! Der stimmberechtigte Bürger darf zur Wahl gern seine Stimme abgeben, am liebsten wäre es einigen gewählten Vertretern, wenn diese dann auch bis zur nächsten von diesen aufbewahrt würde!

Soll etwa wieder ein Denkmal errichtet werden für die Fraktion "Das haben wir gemacht"? Dass die Linden abgeholzt werden sollen, wäre aber schon der Hammer, ich würde mich jederzeit Frank Tuschy anschließen, um dieses zu verhindern!
Georg
08.02.2010, 23:37 Uhr
Lindenprotest
Liebe Frau Oberbürgermeisterin! Auch mein energischer Protest ist ihnen sicher, sollten die schönen Linden abgeholzt werden.
denk-mal
09.02.2010, 07:28 Uhr
wettbewerb ?
grundsätzlich stimmt es, dass eine bürgerbeteiligung bei der europaweiten ausschreibung ausgeschlossen ist. Ich bin in jedem fall für ein mitspracherecht der bürger und der in den stadtrat gewählten bürger. aber es kann andererseits nicht verkehrt sein, in einem groß angelegten wettbewerb ideen zu sammeln und letztlich auch zu finden um nicht im eigenen ideenmief vor sich hin zu dümpeln.

der nennen wir es vorbehaltliche protest mit der forderung nach einer bürgerbeteiligung ist ersteinmal zu unterstützen, denn letztlich müssen wir als die bürger ja den platz auch wollen und schön finden. mit solchen eigenartigen unnützen plätzen, wie im artikel beschrieben kann der nordhäuser nichts anfangen, die lässt er im wahrsten sinn des wortes unbenutzt links liegen (wenn er der rautenstraße hoch geht)
Pro112
09.02.2010, 08:03 Uhr
Linden abholzen???
...Wann sind die nächsten Wahlen........??? Ich glaube da möchten einige nicht mehr gewählt werden.....
Pe_rle
09.02.2010, 08:52 Uhr
Blasiikirchplatz
Hallo,
es ist nicht lange her,da habe ich schon über die Rodung der Bäume vor der Blasiikirche meinen Unmut zum Ausdruck gebracht.

Leider hat niemand weiter reagiert.Nun ist es Gewissheit das es passieren wird. Hier im Stadtrat wird genau so gehandelt wie es zu DDR-Zeiten gang und gebe war.

Dort hieß es "Die Partei hat immer Recht" heute scheinen es die Stadträte zu sein.Und man sollte sich vor Augen halten das es sich hier um Bäume vor der Kirche handelt, in der unsere OB Rinke zu Weihnachten von Frieden ,Liebe und Zusammenhalt redet. Ich jedenfalls werde es nicht so hin nehmen!!!!
Pressesprecher Stadt Nordhausen
09.02.2010, 13:35 Uhr
Weder Fällung noch Abriss beschlossen
Sehr geehrte Damen und Herren Kommentatoren,

es ist falsch, wenn im Forum behauptet wird, es stehe fest, dass sowohl das Fachwerkhaus als auch die Linden auf dem Blasiikirchplatz entfernt werden sollen. Zum jetzigen Zeitpunkt steht lediglich fest, dass es ein europaweites Ausschreibungsverfahrten zur Neugestaltung des Blasiikirchplatzes geben wird. Die entsprechende Aufgabenstellung hat der Stadtrat jetzt beschlossen.

Richtig ist, dass das Wettbewerbsverfahren in jeder Hinsicht so offen wie möglich gestaltet werden soll, um eine Vielzahl und ein bereites Spektrum von Gestaltungsideen zu bekommen. Deshalb wurden die Vorgaben in engen Grenzen gehalten. Gerade dieser Punkt wurde in den verschiedenen Fachausschüssen des Stadtrates als auch während der jüngsten Sitzung Stadtrates noch einmal ausführlich diskutiert.

Die letzte Entscheidung wird das Preisgericht treffen. Dem vorgeschaltet ist ein breites Beteiligungsverfahren, an dem sowohl Einzelpersonen als auch kommunale Interessengruppen und Fachleute in mehreren Stufen teilnehmen werden.
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