eic kyf msh nnz uhz tv nt
Do, 11:06 Uhr
08.04.2010

nnz-Betrachtung: Aufregend

Gestern tage der Nordhäuser Stadtrat. Der Haushalt, der erste Doppische, ist beschlossen. Das ist normalerweise der "Königs-Tagesordnungspunkt" einer solchen Sitzung. Gestern jedoch ging es um weit mehr...


Auch wenn es niemand mehr hören will, kann oder darf. Es ging gestern um eine Teilentmachtung. Der von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD). Nach rund 16 Jahren darf das gewählte Stadtoberhaupt nicht mehr die Sitzungen des Stadtrates leiten. Das macht jetzt Dr. Klaus Zeh (CDU). Es brauchte dazu acht Monate "harter" kommunalpolitischer Arbeit in dieser Stadt. Es bedurfte dazu einer Grabenbildung im Stadtrat, die es nicht einmal in den ersten Jahren nach der Wende gegeben hatte.

Auf der einen Seite die sozialdemokratische Führungsspitze im Rathaus und deren nahezu bedingungslos ergebene SDP-Fraktion. Auf der anderen Seite die Fraktionen von Bündnis 90/Grüne, FDP, Linke und CDU. Die Parteienkonstellation gab es (sieht man vom temporären Fernbleiben der Bündnisgrünen und Liberalen ab) schon immer in dem regierenden Gremium. Das Neue sind also die Namen der Stadträte, hier inbesondere die neuen Namen. Sie sind in dieser Zeitung schon mehrfach genannt worden.

Da sind Kräfte, die darauf sinnen, es den Sozis heimzuzahlen, was die den anderen im Wahlkampf des Jahres 2009 angetan haben und da sind die Kräfte, die Demokratie nicht mit monarchischen Entwicklungen übertüncht sehen wollen. Beide Achsen zusammen sind immer noch stark, trotz aller geschickten und ungeschickten Versuche, dort einen Keil hineinzutreiben.

Es soll gestern alles unaufgeregt gewesen sein, berichten Beobachter. Und doch wird aufgenommen, dass die Verteidigungshaltung der SPD-Fraktionsspitze gestern wieder sichtbar wurde. Wer ganz tollkühn ist, der kann erkennen, dass die SPD-Fraktion die durchaus sehr gute Entwicklung dieser alten Stadt in den zurückliegenden 20 Jahren einzig und allein mit dem Vorsitz des Stadtrates durch Frau Rinke begründet, habe Andreas Wieninger der SPD-Frontmann ausgeführt. Es ist genau das, was die anderen Vier zusammenhält: "Das alles haben wir (die SPD) gemacht!"

Dieses bedingungslose Festhalten, die Sturheit ist es auch, die den politischen Prozess in dieser Stadt "ein wenig" gelähmt hat. All das, was gestern im Nordhäuser Bürgersaal geschah, hätte auch im September vergangenen Jahre geschehen können. Eine lapidare Pressemeldung aus dem Rathaus hätte für Ruhe sorgen können. Und weil genau das nicht passiert, muss die gestrige Wahl von Dr. Klaus Zeh nicht unaufgeregt betrachtet werden.

Sie ist mehr als die Wahl eines Vorsitzenden, den es übrigens im fast allen größeren Kommunen Thüringens gibt, sie ist auch der Beginn eines neuen Zeitalters. Fast könnte man meinen, dass sich so ein Mann in Stellung bringen kann, der in der Landespolitik fast alles (außer seinem Landtagsmandat) verloren hat. Jetzt kann sich ein Mann positionieren, der sich intensiver als bisher dem kommunalen Geschehen zuwenden wird. Natürlich wird Klaus Zeh immer wieder betonen, dass er das neue Amt überparteilich ausüben wird.

Fakt aber ist, er wird mehr als bisher im Gespräch sein. Und all das könnte, wenn es so gewollt und geplant ist, nicht schädlich für die anstehenden Personenwahlen sein. Denn da muss zuerst ein Bürgermeister und danach ein Nachfolger für Barbara Rinke gewählt werden.

Nun werden einige Macher in Kreisen der CDU überhaupt keinen Zusammenhang zwischen der gestrigen Wahl und denen der beiden kommenden Jahre herstellen. Doch - und das glauben sie einem interessierten Beobachter des kommunalpolitischen Spektakels: In der Politik wird alles geplant, nichts dem Zufall überlassen. In der Großen wie in der Kleinen. Insofern war die Wahl eines Stadtratsvorsitzenden doch schon aufregend.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Stewart
08.04.2010, 16:03 Uhr
Nicht zuviel zutrauen
Hier traut der Autor den Machern der kleinen Politik vielleicht zuviel zu. Es ist doch vielmehr so, dass auf Provinzebene meist erst kurz vor Wahlen eine hektische Betriebsamkeit einsetzt.

Dann geht es darum, die Zufälligkeiten des Tagesgeschehens seit der letzten Wahl einzusammeln, zu bewerten und etwas annähernd brauchbares daraus zu stricken. Wahl vorbei geht es vorn los - ohne Konzept, ohne Vision.
Roland82
08.04.2010, 19:34 Uhr
Alles geplant?
Sehr geehrter Herr Greiner,
eine sehr interessante Betrachtung zur gestrigen Wahl des Vorsitzenden des Stadtrates. Sie meinen, dass alles schön geplant ist in der Kommunalpolitik.Was aber plant denn die SPD für die kommenden Personalentscheidungen?

So wie es jetzt aussieht, stehen die Chancen für Herrn Jendricke nicht besonders gut im nächsten Jahr. Und wer wird OB-Kandidat. Doch nicht etwa die Marionette Wieninger?! Wie ist denn Ihre Meinung dazu? Man sagt Ihnen ja beste Kontakte zu allen Parteien nach.
Luftikus
08.04.2010, 21:32 Uhr
Neuer Vorsitz im Stadtrat
Der gestrige Stadtrat war mit fast 5 Stunden auch lang, wobei hier die Öffentlichkeit nur fast 4 Stunden teilhaben durfte.

Das Herr Dr. Zeh für diese Funktion zur Verfügung stand kann nicht von langer Hand geplant sein, denn vor einigen Wochen war er noch nicht im Gespräch und hat es, so wie man seinen Worten glauben darf, auch erst kurzfristig zugesagt, sich zur Wahl für den Vorsitzenden des Stadtrats zu stellen. Herr Dr. Zeh genießt für seine Person auch Ansehen über die CDU hinaus. Natürlich liegt die Messlatte hoch, da Frau OB Rinke gut 16 Jahre eine souveräne Arbeit leistete.

Ich persönlich denke, dass es dem Stadtrat in schwierigen Entscheidungen, welche den Stadtverwaltung betreffen, Entscheidungen zu treffen und Diskussionen zu führen einfacher ist, wenn der Vorsitz des Stadtrats nicht vom Oberhaupt der Stadtverwaltung geführt und "gelenkt" wird.
Retupmoc
09.04.2010, 09:52 Uhr
Einsparen
Ich würde den ganzen Rat einsparen. Etwas Vernünftiges kommt in den seltensten Fällen heraus.
Demokratie ist für die meisten der Abgeordneten ein Fremdwort. Grabenkämpfe an der Tagesordnung. Die Finanzen dafür könnte man Kindern zu Gute kommen lassen.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)