eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mo, 13:23 Uhr
26.07.2010

nnz-Forum: Die Macht der Öffentlichkeit

Die Diskussion um den Umgang mit einst Gestorbenen in Nordhausen ist noch nicht zu Ende. Noch einmal meldet sich ein Leser der nnz zu Wort...


Alle paar Wochen geben die Ereignisse in unserer Heimatregion Anlass für heftige Auseinandersetzungen in dieser Internetzeitung. Letzte Beispiele waren der geplante Autohof in Sundhausen und die Baumaßnahmen für den NETTO-Markt auf dem alten Friedhof am Altentor. Ich habe mich an der letzteren Diskussion öffentlich beteiligt, weil ich dazu eine Meinung habe und es für wert halte, dass diese hier mit anderen Meinungen ausgetauscht wird.

Ein Kommentar machte mich stutzig stutzig. „Straba“ regte sich über die hysterische Meckerei der Nordhäuser wegen der paar gefundenen Särge auf. Die Leute sollten sich ein Beispiel an den Sondershäusern nehmen und sich nicht wegen jedem Scheiß die Köpfe einschlagen.

Nun, ich sehe Strabas Kritik als Lob der Nordhäuser Aufmüpfigkeit an. Lieber einmal zuviel gemeckert als gar nicht. Wir haben für unsere Renitenz nicht nur in Nordthüringen einen Ruf weg. Deshalb sind wir hier natürlich nicht besser als unsere Nachbarn aus dem Kyffhäuserkreis. Aber vielleicht bricht doch das alte bürgerliche Selbstbewusstsein der freien Reichstädter manchmal durch. Und das steht durchaus im Gegensatz zur Tradition eines ehemaligen Fürstenstaates wie Schwarzburg-Sondershausen. In Sondershausen war es vor geraumer Zeit möglich, dass Soldaten unter Tschingderassasa und mit inhaltsleeren Ehrenreden der örtlichen Honoratioren zum Einsatz nach Afghanistan verabschiedet wurden, ohne dass jemand den kleinsten Zweifel anmeldete. In Nordhausen wäre das, auch Dank der nnz nicht so einfach nicht durchgegangen. Manchmal ist Nordhausen Spitze.

Heute hatte der evangelische Kirchenkreis auf die Diskussion um den Einkaufsmarkt über dem Friedhof in der nnz reagiert. Und wer die diplomatische Sprache, in der diese Reaktion verfasst wurde, genau liest, versteht, dass die Kirche zum Einlenken in der Angelegenheit drängt. Glauben Sie, liebe Leser der nnz, dass der Kirchenkreis das ohne die Diskussion und „Hysterie“ in dieser Zeitung getan hätte? Ich möchte es sehr hoffen, dass man im Kirchenkreis nicht darauf spekulierte, dass die ganze Kaufabwicklung flugs unter dem Beton verschwindet, sondern dass der Gräberfund von der ersten Veröffentlichung an ernst genommen wurde. Vier Tage sind aber dennoch eine lange Reaktionszeit in diesem schnellen Medium.

Wie dem auch sei, die nnz und wir alle, die wir sie mit unseren Beiträgen und Kommentaren mitgestalten, haben Bewegung in eine Angelegenheit gebracht. Das ist wichtig, egal welche Meinung man dazu hat. Eine Meinung, die bei der Mehrheit Konsens zu finden scheint, wurde durch die Zeitung ebenfalls artikuliert. Das gehört zu ihren Aufgaben und die nnz sollte den weiteren Verlauf genau begleiten und protokollieren.

Diese Seite der Ereignisse um die aufgefundenen Särge ist mir besonders wichtig. Sie verdeutlicht, welche Bedeutung und auch Macht die veröffentlichte Meinung in einer freien Gesellschaft haben kann. Wie sehr Machthaber – und nicht nur diktatorische sondern auch demokratisch gewählte – diese Bedeutung fürchten, kann man derzeit in Russland beobachten. Dort soll eine neue Autobahn zwischen Moskau und Petersburg gebaut werden, wogegen bei weitem nicht nur Umweltschützer protestieren. Die Mächtigen haben solche Angst vor der öffentlichen Meinung, dass sie jede Äußerung hierzu sowohl in den Print- als auch in den elektronischen Medien zensieren.

Es ist natürlich, dass nicht jedem alles gefällt, was an Redaktions-, Lesermeinungen und Kommentaren in der nnz erscheint. Menschlich ist, dass man seine eigene Meinung gerne bestätigt haben will. Aber da macht auch dieses Zeitung mir gerne einen Strich durch die Rechnung. Gut so! Ich bin froh und stolz darauf, dass es so etwas gibt, dass es etwas bewegt. Klar, wenn ich mich hier bewusst als Liberaler bezeichne, kriege ich auch den berechtigten und unberechtigten Groll auf die Regierungspartei in Kommentaren sozusagen stellvertretend als Dummy aufgebrummt.

Das ist nicht gerade schön. Aber ich verwende die Bezeichnung bewusst, weil mir das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit ein liberales Uranliegen ist. Und dieses Menschenrecht ist nicht so ohne weiteres selbstverständlich. Auch in Nordhausen nicht. Es kann nur errungen werden, wie hier in den letzten Meinungsäußerungen. Der Streit und auch der Zoff in der nnz, er ist vielfach besser als Schweigen. Und er birgt die Chance, dass wir als Bürger etwas bewegen können.
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anzeige symplr (6)
Kommentare
Straba
26.07.2010, 14:10 Uhr
Nur ganz kurz....
Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, wenn es darum geht das man froh und dankbar sein kann/muss seine Meinung (auch wenn Sie konträer ist) zu veröffentlichen.

Aber die Art wie hier Debatten geführt werden, erinnert einen schon an Jahrmarktsschlägereien. Sachlichkeit ist hier doch oft ein großes Fremdwort. Und übrigens, könnte es vielleicht auch sein, dass mancher gar nicht die nnz liest ?
pumpnC
26.07.2010, 18:44 Uhr
Langsam reichts
Es reicht nun aber langsam, mit diesem Thema. Ich finde das wird hier ziemlich dramatisiert, und ich möchte nicht jeden Tag 10 Artikel über ein und das selbe Thema lesen. Gibts denn keine anderen Probleme um sich darüber aufzuregen?
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)