eic kyf msh nnz uhz tv nt
Mi, 11:13 Uhr
28.07.2010

"Ich war am Boden"

“Ich war wirklich am Boden, jetzt kann ich wieder lachen”, sagt Hanna B. (Name geändert). Die Frau, Mitte Fünfzig, ist...


...Teilnehmerin einer Maßnahme der Arbeitsgemeinschaft des Landkreises Nordhausen (ARGE), die mittlerweile “Impuls 50plus” heißt und die sich Frauen und Männern zuwendet, die zahlreiche, schwere Vermittlungshemmnisse aufweisen. Im Klartext: An der Rathsfelder Straße in Nordhausen werden durch einen Bildungsträger rund 100 Menschen betreut, die auf der sozialen Leiter ganz unten angekommen waren. Sie waren unfähig, soziale Bindungen einzugehen, hatten diverse Suchtprobleme, litten unter Vereinsamung, waren am Ende.

Seit April werden sie nun in besonderer Weise betreut. In fünf verschiedenen Bereichen lernen sie nicht nur über fünf Stunden täglich hinweg zu arbeiten, sie lernen das normale Leben kennen. Ihnen zur Seite stehen erfahrene Dozenten und Sozialpädagogen. Hanna B. ist schon sehr weit in diesem Lernprozess. Sie absolviert derzeit ein Praktikum in einem Alten- und Pflegeheim im Südharz. Und es gibt weitere Erfolge, auf die Mario Hoche-Arbeiter von der ARGE verweist: “Unser Ziel ist es, von den 100 Teilnehmern dieser Maßnahme wenigstens zehn in eine einfache Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Einen Zwischenerfolg gibt es bereits. Ein Mann ist von einem Hausmeisterservice in Ellrich eingestellt worden.”

Das Projekt mit dem Bildungsträger Grone endet am 31. Dezember 2010. Dann liegen auch die Erfahrungen der Beteiligten vor. In der Geschäftsführung der ARGE wird davon ausgegangen, dass es eine Fortsetzung geben werde. Wie nutzbringend und aufbauend die Zeit für jeden einzelnen Teilnehmer sein kann, verdeutlicht Heiner B. (Name geändert): “Ich würde das immer wieder machen, ich möchte hierbleiben!”
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
H.Buntfuß
28.07.2010, 14:59 Uhr
Selbsdarstellung
Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Selbstdarstellung, um nicht zu sagen Eigenlob, die ARGE ihre „GROSSEN ERFOLGE“ darstellt. Einer von hundert hat einen Arbeitsplatz als Hausmeister bekommen und einer Frau konnte man einen Praktikantenplatz besorgen.

Das sind wirklich „tiefgreifende Erfolge“! Muss damit man an die Öffentlichkeit gehen? Für mich sehen Erfolge anders aus. Aber bei der vielen Schelte, die die ARGE von allen Seiten bekommt, da muss man schon mal die Rosinen aus einem an sich verdorbenen Kuchen picken.

Es ist immer die ARGE, die solche Einzelfälle aufbauscht. Interessant wäre es doch, wenn einmal Betroffene das alles aus ihrer Sicht schildern würden. Hiermit sind all die vielen Teilnehmer, die zum Teil an sehr fragwürdigen Maßnahmen teilnehmen mussten und müssen, gefragt. Ich glaube das Ergebnis wäre für die ARGE niederschmetternd. Oder?
Georg
28.07.2010, 20:40 Uhr
Selbstüberschätzung...
und Geldvernichtung durch die Arge. Ich kenne einige der dort "beschäftigten" Frauen und Männer. Die sind nicht ganz unten (wohl nur in den Augen der Arge). Die einzigen Gewinner sind die Geschäftsführer und Dozenten des Maßnahmeträgers, denn die Kosten sind ja nicht gerade gering. Für die betroffenen Teilnehmer ändert sich nicht viel, sie sind nach einem Jahr genau wieder dort wo sie vorher waren. Ohne Chance wieder einen Arbeitsplatz zu erhalten mit ordentlicher Bezahlung und unbefristet.
Nordhäuserin
29.07.2010, 07:25 Uhr
An die ewigen Nörgler
Es wird den Lesern der nnz mitunter recht viel zugemutet. Vor allem, wenn es um die ARGE geht. Ich habe den Eindruck, dass "GEORG" und "WERNER" nur darauf warten, um dann ihren ganz persönlichen Frust hier loszuwerden. Ich persönlich kennen einen Teilnehmer dieser Maßnahme, der eben ganz tief unten angekommen war. Daran hatten nicht die Mitarbeiter der ARGE eine Schuld. Der Mann war schon ganz unten, da gab es das Kunstwort ARGE in unserem Wortschaft noch garnicht.

Erst durch die ARGE hatte er eben wieder Mut geschöpft. Sicher, da werden auch Fehler gemacht, das ist menschlich. Doch immer nur nölen, immer nur kritisieren und fragwürdige Behauptungen aufstellen - nein, das muss nicht sein.

Lieber Georg und lieber Werner, des Übels Wurzel sind nicht die Mitarbeiter in der ARGE, in den Verwaltungen oder in anderen Behörden, die Wurzel ist doch das System, das es zulässt, dass Menschen so tief fallen. Das aber auch zulässt, dass Menschen nicht arbeiten müssen. Und genau dieses System wählen wir alle vier Jahre erneut wieder.

Ein wenig Zwang zur Arbeit wäre da schon nicht unangebracht. Schließlich ist der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen nicht ganz unbeträchtlich.
Sonntagsradler 2
29.07.2010, 08:58 Uhr
Nörgeln bringt nichts´handeln
Nordhäuserin hat recht es liegt an den System was gewählt wurde.
smike
29.07.2010, 10:24 Uhr
Perspektivwechsel
Eine wirklich kreative Herangehensweise an die Probleme des Arbeitsmarkts der Kommentatorin „Nordhäuserin“ – Respekt! Somit gibt es also zu wenige arbeitswillige Bürger und nicht wie immer angenommen wird zu wenige existenzsichernde Arbeitsplätze.

Schönes Weltbild! – Wenn es so einfach ist, dann machen Sie mal eine Aktion vorm Eingang der Arge. Sie könnten die arbeitsunwilligen Bürger abweisen, damit sie sich endlich eine Beschäftigung suchen und Ihnen nicht mehr auf der Tasche liegen – viel Spaß dabei. Die nnz wird ganz sicher davon berichten.
Retupmoc
29.07.2010, 10:33 Uhr
Gesundgestoßen
Die Einzigen, die sich hier gesund stoßen, sind die Arge und die Chefs der wie Pilze aus dem Boden gekommenen Weiterbildungsanbieter. Selbst wenn man 20 von den 100 Leuten in eine (meist unterbezahlte und befristete Arbeit ) bekommen würde, wäre das kein Erfolg.

Schafft die Argen und die privaten Anbieter ab und lasst die Leute ganz normal auf dem ersten Arbeitsmarkt nach Jobs suchen. Und ich wette:
Wer suchet, der findet !

Das Geld was für diese sinnfreien Kurse und Aktionen ausgegeben wird, reicht um 1 Million Leute sozialversicherugspflichtig zu beschäftigen.

Und ja...es ist das System. Hiermit ein schöner Gruß an den Verfassungsschutz: Ihr könnt mich gern beobachten - ABER DIESER KAPITALISMUS MUSS WEG!
Georg
29.07.2010, 19:52 Uhr
Empörung bei...
...vielen Teilnehmern dieser Maßnahme, die in diesem Artikel pauschal als“ Lebensuntüchtig“ abgestempelt wurden. Freunde, Nachbarn und Bekannte wissen nun auch wie der soziale Status der Betroffenen ist.

So schnell kann man in Verruf kommen, wenn alle in die unterste Schublade gesteckt werden. Eine Klarstellung und Entschuldigung des Geschäftsführers der Arge wäre dringend angebracht.
H.Buntfuß
01.08.2010, 12:09 Uhr
Ich war am Boden
Am Freitag den 30.Juli 10 war ich auf den Weg in die Südharz-Galerie. Vor den Eingang in der Bahnhofstraße stand eine Menschentraube. Neugierig wie ich bin ging ich zu den Personen und es stellte sich heraus, das diese Personen genau die gleichen waren, um die es in den Artikel „Ich war am Boden“ vom 28.Juli 2010 ging.

Mit einigen dieser Personen kam ich schnell ins Gespräch. Sie waren mit Ihrer Dozentin unterwegs, um einmal von der Maßnahme auszuspannen, dass wollten sie bei einem Becher Eis tun. Natürlich lenkte ich das Gespräch auf den Artikel über sie, in den Medien.

Man gab mir deutlich zu verstehen, das man sehr empört ist über über diesen Artikel. So sagte man, wir fühlen uns gedemütigt, in den Artikel werden wir dargestellt, als seien wir alle süchtig. Die Dozentin und der Bildungsträger sollen ebenfalls sehr enttäuscht über den Artikel reagiert haben.

Eine Behörde die in der Öffentlichkeit so über Ihre „KUNDEN“ spricht oder schreibt, dass ist für mich einfach ein Skandal. Das mindeste was man von dieser Behörde verlangen kann, ist eine öffentliche Entschuldigung und zwar in allen Medien, die den Artikel veröffentlicht haben.
Werniman0606
01.08.2010, 14:24 Uhr
Weg mit solchen Maßnahmen
Zuersteinmal muss ich erwähnen,daß ich selbst auch schon mehrfach an solchen Maßnahmen teilgenommen habe. Das Muster, nachdem solche Maßnahmen ablaufen,ist meist das selbe: 2-3 Wochen ist noch "richtiger" Unterricht, dann werden die Teilnehmer zunehmend sich selbst überlassen.

Eigeninitiative seitens der Teilnehmer ist meist gar nicht erwünscht. Wozu soll sich der Maßnahmeträger auch anstrengen? Immerhin werden "Kontrollen" des Amtes durch dieses frühzeitig angekündigt, was dem Maßnahmeträger Zeit gibt, das gewünschte "Bild" zurechtzubiegen.

Da werden dann plötzlich unliebsame Teilnehmer unter einem Vorwand außer Haus geschickt, nie zuvor gesehene Unterrichtsmaterialien/Werkzeuge werden verteilt usw. Das Amt sieht also wirklich nur das, was es sehen soll.

Erfahrene Dozenten und Sozialpädagogen? Wer schonmal so eine Maßnahme gemacht hat, der weiß um die Kompetenz der dort angestellten Dozenten und Sozialpädagogen. Nicht selten sind diese Herrschaften der Bodensatz ihres eigenen Berufsstandes.

Der größte Hohn sind aber die obligatorischen Praktika. Da wird gerne vollmundig von den achso großen Übernahmechancen gesprochen. Aber: Ich kenne niemanden,der nach einem Praktikum wirklich übernommen wurde. Wozu auch,denn der nächste kostenlose Praktikant wartet doch schon. Es gibt auf dem Markt Firmen, deren "praktisches" Personal nur aus 1-2 Festangestellten, aber mehreren Dutzend Praktikanten besteht. Wer glaubt eigentlich, daß solche Firmen tatsächlich einen Praktikanten übernehmen würden ?

Ich kann mir schon ausrechnen, wie das Fazit der Teilnehmer über die Maßnahme aussehen wird. Das wird in der Regel mittels eines netten Fragebogens am Ende der Maßnahme ermittelt. Klingt soweit ganz gut ,aber welches objektive Ergebnis erwartet man denn,wenn das Formular vom Maßnahmeträger selbst erstellt wurde? In der Regel sind diese Dinger eher eine Selbstbeweihräucherung des Maßnahmeträgers und bewusst so entworfen,daß für Kritik kaum Platz ist. Frei nach dem Motto:Wenn keine Kritik abgegeben werden kann,kann die Maßnahme nur ein Erfolg gewesen sein!

Die Nordhäuser Arge muss Vermittlungserfolge ganz schön nötig haben. Von 100 Leuten ist nach 4 Monaten gerade mal EINER vermittelt worden? Na Wahnsinn. Leider werden wir nie erfahren,wieviele schon vorher vorhandene Anstellungen,z.B. Minijobs der Maßnahmeträger und die Arge hinterher als eigenen Vermittlungserfolg verbuchen.
Alex Gösel
04.08.2010, 19:57 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)