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Di, 14:47 Uhr
21.09.2010

Zwischen Klassik und KZ

Am letzten Augusttag waren die 12. Klassen des Bleicheröder Schiller-Gymnasiums unterwegs nach Weimar. Paula Pascaru hat für die nnz ihrer Eindrücke dieser Exkursion aufgeschrieben...

Exkursion nach Weimar (Foto: privat) Exkursion nach Weimar (Foto: privat)

Dienstag, 31.08.2010, die zwölften Klassen des Schillergymnasiums Bleicherode erreichen die Gedenkstätte Buchenwald. Ein blauer Himmel, sommerlich grüne Bäume und ein kühler Wind begrüßen uns. Nur wenige der unseren hatten die Gedenkstätte schon einmal besucht. Die Stimmung war nicht traurig oder heiter, sondern Spannung lag in der Luft, Spannung davor, was uns hier erwarten würde. Alle wussten, dass hier, wo wir uns jetzt befanden, Schreckliches geschehen war. Es ist so eigenartig, so bizarr, wie Menschen sein können, Menschen wie du und ich und doch ganz anders.

Zuerst schauen wir uns einen Dokumentarfilm über Buchenwald an, der mich schon ängstigt, traurig macht und vor allem starkes Mitgefühl empfinden lässt. Danach teilt sich die Klasse vor dem Tor, auf dem geschrieben steht: „Jedem das seine.“ Was für eine passende Aussage, aber hier an diesem Ort so falsch, so zerstörend, so tödlich. Unschuldige gingen durch dieses Tor und nur wenige kamen zurück und nichts war wie vorher.

Exkursion nach Weimar (Foto: privat) Exkursion nach Weimar (Foto: privat)

Wenn ich nun durch diesen Eingang gehe, erblicke ich ein weites steiniges Feld. Hier und da Gedenktafeln und grünes, frisches Gras mit kleinen, violetten Blumen darin, die im kühlen Wind wehen. Ich pflücke eine ab und lege die Blume unter einen der unzähligen Steine, die auf Betontafeln gelegt sind. Der farbige Blütenkopf schaut raus. Ich gedenke jener, die hier waren und nie die Freiheit wiedererlangten. Nach einem kurzen Stück erreichen wir ein Haus, in dem sich Verbrennungsöfen befinden.

Exkursion nach Weimar (Foto: privat) Exkursion nach Weimar (Foto: privat)

Ich gehe rein, bleibe aber nicht lange, die Luft scheint so stickig zu sein, fast als würde ich Asche einatmen und das war nicht nur mein Gefühl. Wieder draußen, laufen wir das weite Feld hinab. Dort unten steht ein großes Haus, ein Museum befindet sich darin. Es ist schlicht und weiß von außen, innen viel Grau. Die Räume sind riesig, Fenster lassen uns den Blick nach draußen. Drinnen stehen hohe, massive, graue Schränke. In einigen befinden sich Fundsachen der Häftlinge, andere beinhalten Briefe und Schriften, wieder andere erzählen von Personen, die im Lager Buchenwald waren, ob Gefangene oder Angestellte. In einem Raum darüber geht es so weiter, Aufzeichnungen, Fotografien, endlose Namen schon fast Vergessener. Die Zeit vergeht so schnell hier, aber dann denke ich, anderen kam sie wie eine Ewigkeit vor.

Auf dem Weg nach oben weht ein kühler Wind, Gedanken schwirren mir durch den Kopf, so unzählig, dass ich sie selbst nicht begreifen kann. Am versperrenden, freiheitsraubenden Tor wieder angekommen, bin ich froh, aber auch wehmütig.

Wir gehen hinaus, weiter nach oben; eine neue Klasse trifft ein. Sie kommen und wir gehen, WIR sind frei und können diesen Ort jederzeit betreten und verlassen. Im Bus weiter nach Weimar kitzelt die Sonne mein Gesicht und ich denke über Menschen nach und ihre zerstörerische, unaufhaltsame Kraft.
„Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut! Denn das allein Unterscheidet ihn Von allen Wesen, Die wir kennen.“

Die Zeilen stammen aus Goethes Gedicht „Das Göttliche“. Ein gutes Jahrhundert nach ihm kamen die Nationalsozialisten an die Macht. An Goethes „Definition“, wie ein Mensch sein sollte, hielten sich diese Menschen nicht. Und so treffen sich in Weimar zwei sehr unterschiedliche Themen: Goethe und Buchenwald.

In Weimar liegt Romantik in der Luft, das Stadtzentrum ist schön, voller Leben. Menschen lachen, alles ist anders als in dem vorher besichtigten Ort. Das Goethehaus und das Goethemuseum sind interessant, hübsch anzusehen. Helle, freundliche Farben dominieren hier. Bei dem Rundgang steigt die Stimmung etwas. Es ist wissenswert zu sehen, wie jemand vor ca. zweihundert Jahren gelebt hat, viele kleine und große Zimmer, stilvoll eingerichtet und verziert, so wie es der Mode nach üblich war. Hinter dem Haus befindet dich ein wunderschöner Garten, genau das Richtige für schöne Sommertage.

Das Museum beschäftigt sich mit Goethes-Farbtheorie. Viele kleine, spannende Experimente laden zum Mitmachen ein. Das erinnert etwas an Physik, macht mir jedoch mehr Spaß und weckt den Erkundungswillen, von Raum zu Raum mehr. Die Stimmung ist locker, nicht angespannt. Fast vergesse ich die vorherigen Ereignisse, aber eben nur fast. Wieder draußen laufen wir noch ein Stück durch Weimar, lassen die Eindrücke auf uns wirken und ich denke an das, was uns erwartet, den Essay über das Menschsein zu verfassen…
Paula Pascaru
Autor: nnz

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Kommentare
Georg66
22.09.2010, 10:07 Uhr
wie lange denn noch?
Wie lange sollen wir uns noch mit den 60 Jahre alten KZ Geschichten herumschlagen. Können diese Leute nicht endlich Ruhe geben? Die jungen Menschen in Deutschland können doch nichts für die Taten in der Vergangenheit, welche mit einer wiederkehrenden Überflüssigkeit hervor gekramt werden.

Wem oder Was nützt die Kollektive Schuldsprechung.
Die jungen Leute sollten nach Vorn blicken, denn da ist deren Zukunft! Mit ständigen Schuldzuweisungen wird man das Gegenteil erreichen.
MFG
Retupmoc
22.09.2010, 12:53 Uhr
Vergessen?
Man sollte es nicht vergessen... Keinesfalls. Nur wir gehen damit falsch um. Dieser Zwang dazu, ganze Klassen und Schulen hinzukarren hat man ja aus der DDR übernommen. Allerdings frage ich mich an dieser Stelle mal folgendes:

Gibt es in den USA Gedenkstätten solcher Art, wo man sehen kann wie Weiße hundertausende Indianer massakriert haben?

Gibt es in Rom oder anderswo Gedenkstätten, wo man derer gedenken kann, die die Katholische Kirche in Folterkammern und auf Scheiterhaufen zu tausenden zu Tode gebracht hat?

Gibt es in China Gedenkstätten für die ermordeten Tibeter? Wo sind die Gedenkstätten für die von den USA getöteten Vietnamesen? Gibt es in England Gedenkstätten für die getötete deutsche Zivilbevölkerung im zweiten Weltkrieg. ( Dresden, Nordhausen usw. )

Wir sollten nichts vergessen. Und man muss davor sorgen das es nicht wieder geschieht. Aber dann bitte überall auf der Welt !
WR-NDH
22.09.2010, 15:13 Uhr
Unmenschlichkeit
Zunächst ein großes Lob für Paula Casparu. Sie hat literarisches Talent und belegt, dass man, wenn man Interesse daran hat, auch heutzutage in der Schule viel lernen kann.

Zum Inhalt des Beitrages und den Kommentaren:
Aus meiner Sicht besteht der Sinn der Erhaltung solcher Gedenkstätten darin, dass man jungen Menschen zeigt, wozu Menschen in der Lage sind, was sie für Schlimmes anrichten können, wenn man nicht rechtzeitig etwas dagegen tut (wehret den Anfängen).

In den 30iger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben zu viele Menschen in Deutschland das sich abzeichnende Unheil ignoriert, es nicht ernst genommen oder gar nicht erkennen wollen, bis es dann zu spät war. Ich glaube, dass man in solchen Lagern auch begreifen kann, dass die Nazibarbarei nicht unbedingt typisch deutsch ist, dass nicht nur deutsche Nazis Unmenschen sein konnten, sondern dass unter bestimmten Voraussetzungen so etwas überall in der Welt und in allen Nationen geschehen kann.

Einige von rwe62 gestellte Fragen sind natürlich berechtigt (Indianervertreibung und Dezimierung, Kirchenverbrechen, China, Vietnam). Auch in der SU wurde z.T. völlig unmenschlich gegen Kritiker vorgegangen (Gulak u.a.). Und die Unmenschlichkeit wird auch heute noch fortgesetzt. Man denke nur an die Geschehnisse im Irak, auf Guantanamo oder vorher die Verbrechen der Roten Khmer.

Und gerade deshalb sind Mahn- und Gedenkstätten wichtig, weil mancher zum Nachdenken über die Ursachen angeregt wird.
ANS_Norm
22.09.2010, 15:38 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert.
meiner meinung nach
22.09.2010, 16:22 Uhr
Erinnerung
Ich kann solche Kommentare wie von rwe62 und georg66 nicht mehr hören! Eigentlich traurig, insbesondere in einer Stadt wie Nordhausen.

Man muss erinnern und "Gedenk-stätten" (im wahrsten Sinne des Wortes) schaffen, damit nicht vergessen wird! Information und Bildung (im Sinne der Geschichte des eigenen Volkes) ist hierfür die Voraussetzung.

Wir sollten nicht vergessen, lieber rwe62, und deshalb gehört eine Kultur des Erinnerns dazu. Und da sind wir in der Tat in Deutschland weiter als in vielen anderen Ländern. Das ist eigentlich etwas sehr positives und auf diese Kultur des Erinnerns können wir stolz sein! Natürlich wäre das in anderen Ländern auch wünschenswert. Aber es ist völlig sinnlos und absurd, dies als Außenstehender von anderen einzufordern. Man kann sich nur an seine eigene Geschichte oder die des eigenen Volkes erinnern.

Lieber georg66, natürlich können die jungen Menschen nichts für diese Taten. Erinnern hat aber überhaupt nichts mit kollektiver Schuldsprechung zu tun. Ohne Erinnerung kommt das Vergessen und nach dem Vergessen bestimmt die Wiederholung!
Und leider sind in unserem Land und in unserer Stadt simplifizierende Sichtweisen, Stereotypen und Ablehnung gegenüber Fremden oder Andersdenkenden an der Tagesordnung... Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch...
TeeEff
22.09.2010, 20:18 Uhr
Gegen das Vergessen!
Es ist schon bezeichnend, dass gewisse Klientel gern die Untaten ihrer ideologischen Vorbilder totgeschwiegen haben möchten. Dabei sind dies Mahnmale für die Opfer und nicht wie sonst oft Verherrlichungsbauten für die Sieger und Täter.

(Übrigens Völkerschlachtdenkmale und ähnliches stehen auch noch...)

Und auf die Frage wie lange diese Stätten bestehen sollten: Nun lieber Georg, wie lange wollte nochmal das 1000 jährige Reich bestehen? Also so lange, oder bis die Opfer wieder lebendig sind - je nachdem was eher eintrifft - finde ich angemessen.

Allerdings befürchte ich, dass diese Greueltaten bis dahin von noch viel schlimmeren Ereignissen überschattet werden sein könnten und dann in dieser atomaren Wüste niemand mehr da ist, der Gedenken kann.
Georg66
23.09.2010, 17:17 Uhr
Friede auf der Welt
Ja TeeEff, dann ist wahrscheinlich endlich Ruhe.
Bloß der Zustand des Todsein`s ist nicht erstrebenswert, solange die Sonne auf diesen Planeten aufgeht und uns mit ihrer Strahlung am Leben erhält.
Der Tag wird kommen, an dem sie uns vernichtet, aber bis da hin kann man es sich ja gemütlich machen.
Es wird immer Gegensätze geben und solange die Menschheit agiert, ist auch Mord und Totschlag angesagt.
Sehr bedauerlich......
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