Mo, 19:43 Uhr
04.10.2010
WENDE GUT ALLES GUT? (2)
Vergangenem Sonntag beging das deutsche Volk den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung. nnz-Autor Hans-Georg Backhaus nimmt dies zum Anlass und setzt im 2. Teil seine Rückschau auf die Zeit vor 20 Jahren fort, benennt alte und neue Probleme und wirft die Frage nach der Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf.
Erfreulich hingegen war die riesige ideelle wie auch materielle Unterstützung durch Frauen und Männer aus westdeutschen Verwaltungen. Nicht wenige von ihnen holten ihre Familien in den Osten nach und bauten sich hier eine neue Existenz auf. Ein nicht zu unterschätzendes Beispiel dafür, dass allmählich zusammen wuchs und weiter wächst, was zusammen gehört - um es mit den Worten von Willy Brand zu sagen.
Für die Ostdeutschen bestand nun die Aufgabe, sich mit den Spielregeln einer marktwirtschaftlichen Ordnung vertraut zu machen. Und allmählich reifte bei den Menschen die Erkenntnis, dass durch Eigeninitiative, Ehrgeiz und Selbstvertrauen sich in der Regel auch Erfolg einstellt.
In den ersten Jahren der politischen Einheit lockte Ostdeutschland mit lukrativen Wirtschafts-föderungsmaßnahmen zahlreiche Investoren an. Waren hin und wieder auch schwarze Schafe oder auch Raubritter unter ihnen, die als solche nicht gleich zu erkennen waren, so machte sich doch die Mehrheit rasch daran, im Rahmen des Aufbaus Ost fair und engagiert unternehmerisch tätig zu werden. Es war ein Gebot der Stunde, die mittelständische Wirtschaft anzukurbeln und mit dem reichlich vorhandenen Potenzial hoch qualifizierter DDR-Facharbeiter produzierendes Gewerbe zu schaffen. Konfliktlos verlief die Umwandlung des ehemals volkeigenen Wirtschaftssektor in Privatunternehmen jedoch keinesfalls. Nicht wenige und das betrifft Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber blieben dabei auf der Strecke.
Doch jede neue Entwicklung braucht ihre Zeit und fordert auch im wahrsten Sinne des Wortes (ihre) Opfer. Nur schrittweise gleichen sich die Lebensverhältnisse in Ost und West an. Es sind nicht nur die immer noch zumindest in manchen Branchen stark auseinanderklaffenden Löhne und Gehälter, die die Ostdeutschen nicht selten am viel zitierten Gleichheitsgrundsatz zweifeln lassen. Es sind in erster Linie die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und -einflüsse, die Ost- und Westdeutsche sehr oft noch voneinander unterscheiden und deren Ursachen im Wesen der gegensätzlichen Gesellschaftsordnungen begründet liegen.
Es wird noch geraume Zeit vergehen, bis das Trennende spürbar überwunden ist. Leicht wir dieser Weg nicht sein, haben sich doch zu den bestehenden Problemen wie die im Osten noch immer viel zu hohe Arbeitslosigkeit neue hinzugesellt. Da greifen Westunternehmen verstärkt auf Methoden des Manchester-Kapitalismus zurück und versuchen ostdeutsche Betriebe zu ruinieren, nimmt die Wirtschaftskriminalität erschreckende Ausmaße an, streuen Banker weltweit hochriskante Finanzpapiere aus und bringen die Völker der Welt an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds, bleiben unterschiedliche Formen von Ausländerfeindlichkeit ein Dauerthema im Alltag der Deutschen, stellt die Hartz IV Gesetzgebung und deren Auswirkung einen enormern Konfliktstoff dar und spaltet die Gesellschaft weiter, werden Kultur- und Moralvorstellungen durch fragwürdige Sendungen hauptsächlich privater Fernsehsender in Frage gestellt, hat die katholische Kirche durch erst kürzlich aufgedeckte Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen schwere Schuld auf sich geladen und hat wohl noch lange Zeit daran zu tragen, bis Vertrauen wieder wachsen kann.
So gibt es in letzter Zeit zunehmend Stimmen aus unterschiedlichen politischen Lagern, die Zweifel an der Fairness und Gerechtigkeit einer marktwirtschaftlichen Ordnung, so wie sich derzeit in Deutschland und in anderen Staaten der so genanten westlichen Welt darstellt, aufkommen lassen und die Frage nach einer wahrhaft gerechten Gesellschaft immer lauter stellen. Doch wie könnte eine solches Gemeinwesen aussehen? Welche Kräfte und Gesetze bestimmen ihr Wesen? Könnte die sich in der Tat verändernde neue Bundesrepublik Deutschland in einem solchen Prozess gar eine Vorreiterrolle spielen? (Wird fortgesetzt)
Hans-Georg Backhaus
Autor: nnzErfreulich hingegen war die riesige ideelle wie auch materielle Unterstützung durch Frauen und Männer aus westdeutschen Verwaltungen. Nicht wenige von ihnen holten ihre Familien in den Osten nach und bauten sich hier eine neue Existenz auf. Ein nicht zu unterschätzendes Beispiel dafür, dass allmählich zusammen wuchs und weiter wächst, was zusammen gehört - um es mit den Worten von Willy Brand zu sagen.
Für die Ostdeutschen bestand nun die Aufgabe, sich mit den Spielregeln einer marktwirtschaftlichen Ordnung vertraut zu machen. Und allmählich reifte bei den Menschen die Erkenntnis, dass durch Eigeninitiative, Ehrgeiz und Selbstvertrauen sich in der Regel auch Erfolg einstellt.
In den ersten Jahren der politischen Einheit lockte Ostdeutschland mit lukrativen Wirtschafts-föderungsmaßnahmen zahlreiche Investoren an. Waren hin und wieder auch schwarze Schafe oder auch Raubritter unter ihnen, die als solche nicht gleich zu erkennen waren, so machte sich doch die Mehrheit rasch daran, im Rahmen des Aufbaus Ost fair und engagiert unternehmerisch tätig zu werden. Es war ein Gebot der Stunde, die mittelständische Wirtschaft anzukurbeln und mit dem reichlich vorhandenen Potenzial hoch qualifizierter DDR-Facharbeiter produzierendes Gewerbe zu schaffen. Konfliktlos verlief die Umwandlung des ehemals volkeigenen Wirtschaftssektor in Privatunternehmen jedoch keinesfalls. Nicht wenige und das betrifft Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber blieben dabei auf der Strecke.
Doch jede neue Entwicklung braucht ihre Zeit und fordert auch im wahrsten Sinne des Wortes (ihre) Opfer. Nur schrittweise gleichen sich die Lebensverhältnisse in Ost und West an. Es sind nicht nur die immer noch zumindest in manchen Branchen stark auseinanderklaffenden Löhne und Gehälter, die die Ostdeutschen nicht selten am viel zitierten Gleichheitsgrundsatz zweifeln lassen. Es sind in erster Linie die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und -einflüsse, die Ost- und Westdeutsche sehr oft noch voneinander unterscheiden und deren Ursachen im Wesen der gegensätzlichen Gesellschaftsordnungen begründet liegen.
Es wird noch geraume Zeit vergehen, bis das Trennende spürbar überwunden ist. Leicht wir dieser Weg nicht sein, haben sich doch zu den bestehenden Problemen wie die im Osten noch immer viel zu hohe Arbeitslosigkeit neue hinzugesellt. Da greifen Westunternehmen verstärkt auf Methoden des Manchester-Kapitalismus zurück und versuchen ostdeutsche Betriebe zu ruinieren, nimmt die Wirtschaftskriminalität erschreckende Ausmaße an, streuen Banker weltweit hochriskante Finanzpapiere aus und bringen die Völker der Welt an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds, bleiben unterschiedliche Formen von Ausländerfeindlichkeit ein Dauerthema im Alltag der Deutschen, stellt die Hartz IV Gesetzgebung und deren Auswirkung einen enormern Konfliktstoff dar und spaltet die Gesellschaft weiter, werden Kultur- und Moralvorstellungen durch fragwürdige Sendungen hauptsächlich privater Fernsehsender in Frage gestellt, hat die katholische Kirche durch erst kürzlich aufgedeckte Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen schwere Schuld auf sich geladen und hat wohl noch lange Zeit daran zu tragen, bis Vertrauen wieder wachsen kann.
So gibt es in letzter Zeit zunehmend Stimmen aus unterschiedlichen politischen Lagern, die Zweifel an der Fairness und Gerechtigkeit einer marktwirtschaftlichen Ordnung, so wie sich derzeit in Deutschland und in anderen Staaten der so genanten westlichen Welt darstellt, aufkommen lassen und die Frage nach einer wahrhaft gerechten Gesellschaft immer lauter stellen. Doch wie könnte eine solches Gemeinwesen aussehen? Welche Kräfte und Gesetze bestimmen ihr Wesen? Könnte die sich in der Tat verändernde neue Bundesrepublik Deutschland in einem solchen Prozess gar eine Vorreiterrolle spielen? (Wird fortgesetzt)
Hans-Georg Backhaus

