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Mo, 11:43 Uhr
11.10.2010

Nebel im Sommer und Sommer im Herbst

Ein verregneter Herbstmonat ist vorbei. Regen satt, wenig Sonne und Nebel haben uns bewiesen, dass die Meteorologen Recht haben: Der September ist der erste Herbstmonat. Obwohl wir doch alle gehofft haben, dass es nach dem verregneten August noch mal so richtig schön wird. Und zumindest kalendarisch war noch bis zum 23. September Sommer.

Görsbacher Storch in Nordhausen? (Foto: privat) Görsbacher Storch in Nordhausen? (Foto: privat)
Aufgenommen am 22. September 2010, 07:14 Uhr. Vielleicht ist es ja der Görsbacher Storch?

Am letzten Sommertag wachte Nordhausen im Nebel auf. Dicke Schwaden zogen durch die Rolandstadt. Ein Storch hatte sich verirrt und machte auf einer Laterne auf dem Campus in den frühen Morgenstunden eine Pause. Vielleicht war es ja der gleiche, der einige Tage später in Görsbach gesichtet wurde. Nebel entsteht übrigens dann, wenn die Taupunkttemperatur von der Lufttemperatur unterschritten wird. Dies hat zur Folge, dass der Wasserdampf in der Luft kondensiert und kleine Wassertröpfchen gebildet werden. Diese können wir sehen, da nun das Licht der Sonne an den Tröpfchen reflektiert wird.

Mancher kennt dies auch als Bierglaseffekt: Man sitzt in einer wohl gefüllten und warmen Kneipe, bekommt sein kühles Bier und fragt sich, warum das Glas nass ist: Außen am Glas ist die Luft im Vergleich zu der Umgebungsluft der Kneipe durch das kühle Bier wesentlich kälter, die Taupunkttemperatur wird unterschritten, der Wasserdampf kondensiert zu Tröpfchen, die sich als Tau auf dem Glas niederschlagen. Kühlt sich die Luft knapp über dem Erdboden ab, entsteht auch Tau: Die Wiese ist nass, obwohl es nicht geregnet hat. Ist die Luftschicht mächtiger, sprechen wir von Nebel. Wobei Nebel eigentlich nur eine besondere Wolkenform ist – nämlich eine, die direkt auf der Erdoberfläche aufliegt.

Zurück zum Wetter in Nordhausen: Vier Sommertage hatte der September 2010 zu bieten, mit einer maximalen Temperatur von 28,3°C am 23. September, gerade pünktlich zum Herbstanfang. Die mittlere Temperatur betrug 14,1°C. Es gab noch keinen Bodenfrost, dafür jedoch 17 Tage Regen: Es fielen 125% des üblichen Monatsniederschlags: 54,3 mm und damit gut 30 mm weniger als im August. Besonders in Erinnerung bleibt der 27. September, an dem es fast 24 Stunden ohne Unterlass regnete: 23,8 mm wurden auf dem Campus der FH Nordhausen gemessen. Interessant an diesem Tag ist ein Blick auf das Thermometer.

Aufgrund der dichten Wolkendecke gab es kaum Strahlungsverluste der langwelligen Wärmestrahlung. Diese war unter der dichten Wolkendecke gefangen. Zudem transportiert der Niederschlag eine Menge Wärmeenergie auf die Erdoberfläche. So gab es am 23.09. fast keinen Tagesgang der Temperatur, sondern durchgängig ca. 10°C. Zum Vergleich: Am 23. September hatten wir minimale Temperaturen von 7°C und eine maximale Temperatur von 28 °C. Daraus ergibt sich eine Tagesschwankung von 19K. Die fehlende Sonneneinstrahlung lässt sich an der Globalstrahlung ablesen: Am 23.09. wurden 172 W/m² im Mittel von der Sonne eingestrahlt (direkt und indirekt), am 27.09. waren es nur 16 W/m². In Stunden ausgedrückt: Zum Herbstanfang schien die Sonne ganze sechs Stunden, vier Tage später haben wir sie gar nicht gesehen – wie übrigens an 5 weiteren Tagen im September. Insgesamt schien die Sonne 96 Stunden und damit 40 Stunden weniger als im langjährigen Mittel.

Der erste meteorologische Herbstmonat hat uns kein schönes Wetter beschert. Die Landwirte bangten um die Ernte, der Boden war mit Wasser gesättigt, Hochwasser war in einigen Regionen im Osten von Deutschland ein wichtiges Thema. Nordhausen blieb verschont. Hoffen wir im Südharz auf einen goldenen Oktober mit stabilem Hochdruckeinfluss.
Dr.rer.nat. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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