Fr, 11:56 Uhr
18.03.2011
Ein lehrreicher Nachmittag
Auf Einladung der Interessengemeinschaft Ahnenforschung in Nordhausen hielt der örtliche Forstamtsleiter Klaus-Wilhelm Brüggemann einen Vortrag zu den Themen Forst- und Regionalgeschichte im Thüringer Südharz. Hier der Bericht einer interessanten Veranstaltung...
Der Bogen wurde in einem zweistündigen Exkurs von der ersten postglazialen Waldentwicklungsstufe der Steinzeit in über zehntausend Jahren bis zur ordnungsgemäßen Forstwirtschaft der Jetztzeit gespannt. Schwerpunkt war der Raubbau des Waldes insbesondere nach dem Dreißigährigen Krieg im Harz. Brüggemann zitierte einen Gegenförster: Er habe keinen einzigen Oberbaum gefunden, der stark genug gewesen wäre, um einen Kommmunionsförster daran aufzuhängen.
Dann kam der Hinweis auf die Anfänge der geregelten Forstwirtschaft mit der ersten Forsteinrichtung der Reviere Rothesütte, Hufthal und Schmerplatz (Sophienhof) durch den Dänischen Hofjägermeister von Langen und des Wirken von H.D.von Zanthier für anderthalb Jahre in Sophienhof. Auch in der beginnenden Hochwaldzeit wurde im heutigen Südharz im 19. Jahrhundert weiter vor allem auf die Buche gesetzt, so dass heute die Begehrlichkeiten des Naturschutzes besonders auf die Altbestände in Nordthüringen gerichtet sind und der Laubholzanteilanteil mit 2/3 als sehr naturnah zu bezeichnen ist.
Das Warum wurde mit einleuchtenden Erklärungen beantwortet. Bis 1865 hatte Nordhausen keinen Bahnanschluss und der Absatz von Buchenbrennholz in den Brennereien und Brauereien stellte stetigen Erlös für den Waldbesitz dar. Auch erreichte der Bergbau, vor allem wegen Qualitätsproblemen, nicht den landschaftszerstörenden Umfang des Oberharzes. Der Thüringer Südharz entging so der Verfichtung. Mit der Bahn kam die Steinkohle aus dem Ruhrgebiet und die Buche kam unter Preisdruck. Den örtlichen Förstern wurden daher schwere Vorwürfe gemacht, sie hätten zu lange an der als allein selig machenden Baumart Buche krampfhaft festgehalten. So ändern sich die Zeiten.
Großen Raum nahmen die Ausführungen über die Zeit von 1945 – 1990 ein. Über die Zeit der Sozialistischen Forstwirtschaft wurde informiert ohne zu verteufeln oder zu verherrlichen. Begriffe wie Nebenbetrieb, Technikkomplexe, Hauptförster und Flaschenetikett wurden mit ironischem Unterton erläutert. Den kürzesten Abschnitt nahm die Zeit von 1990 bis in die Gegenwart ein. Dass von den drei 1991 eingerichteten Forstämtern im Kreis Nordhausen zwei wegoptimiert wurden, konnten viele Zuhörer kaum glauben. Auch die Aufgabe des forstlichen Traditionsstandortes Ilfeld als Amtssitz fand wenig Verständnis.
In der Diskussion wurden kritische Fragen zur aktuellen Höhe des Holzeinschlages und den Zustand der Wanderwege im Wald gestellt. Die Teilnahme von knapp 100 Interessierten übertraf alle Erwartungen.
Carsten Wiegleb
Autor: nnzDer Bogen wurde in einem zweistündigen Exkurs von der ersten postglazialen Waldentwicklungsstufe der Steinzeit in über zehntausend Jahren bis zur ordnungsgemäßen Forstwirtschaft der Jetztzeit gespannt. Schwerpunkt war der Raubbau des Waldes insbesondere nach dem Dreißigährigen Krieg im Harz. Brüggemann zitierte einen Gegenförster: Er habe keinen einzigen Oberbaum gefunden, der stark genug gewesen wäre, um einen Kommmunionsförster daran aufzuhängen.
Dann kam der Hinweis auf die Anfänge der geregelten Forstwirtschaft mit der ersten Forsteinrichtung der Reviere Rothesütte, Hufthal und Schmerplatz (Sophienhof) durch den Dänischen Hofjägermeister von Langen und des Wirken von H.D.von Zanthier für anderthalb Jahre in Sophienhof. Auch in der beginnenden Hochwaldzeit wurde im heutigen Südharz im 19. Jahrhundert weiter vor allem auf die Buche gesetzt, so dass heute die Begehrlichkeiten des Naturschutzes besonders auf die Altbestände in Nordthüringen gerichtet sind und der Laubholzanteilanteil mit 2/3 als sehr naturnah zu bezeichnen ist.
Das Warum wurde mit einleuchtenden Erklärungen beantwortet. Bis 1865 hatte Nordhausen keinen Bahnanschluss und der Absatz von Buchenbrennholz in den Brennereien und Brauereien stellte stetigen Erlös für den Waldbesitz dar. Auch erreichte der Bergbau, vor allem wegen Qualitätsproblemen, nicht den landschaftszerstörenden Umfang des Oberharzes. Der Thüringer Südharz entging so der Verfichtung. Mit der Bahn kam die Steinkohle aus dem Ruhrgebiet und die Buche kam unter Preisdruck. Den örtlichen Förstern wurden daher schwere Vorwürfe gemacht, sie hätten zu lange an der als allein selig machenden Baumart Buche krampfhaft festgehalten. So ändern sich die Zeiten.
Großen Raum nahmen die Ausführungen über die Zeit von 1945 – 1990 ein. Über die Zeit der Sozialistischen Forstwirtschaft wurde informiert ohne zu verteufeln oder zu verherrlichen. Begriffe wie Nebenbetrieb, Technikkomplexe, Hauptförster und Flaschenetikett wurden mit ironischem Unterton erläutert. Den kürzesten Abschnitt nahm die Zeit von 1990 bis in die Gegenwart ein. Dass von den drei 1991 eingerichteten Forstämtern im Kreis Nordhausen zwei wegoptimiert wurden, konnten viele Zuhörer kaum glauben. Auch die Aufgabe des forstlichen Traditionsstandortes Ilfeld als Amtssitz fand wenig Verständnis.
In der Diskussion wurden kritische Fragen zur aktuellen Höhe des Holzeinschlages und den Zustand der Wanderwege im Wald gestellt. Die Teilnahme von knapp 100 Interessierten übertraf alle Erwartungen.
Carsten Wiegleb


