Mi, 09:30 Uhr
23.03.2011
Durch den Harz (1)
Für den 15. Juli 2011 wird im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Ausstellung vorbereitet, die den Titel Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich trägt, des wohl bekanntesten deutschen Malers und Zeichners der Frühromantik, der vor allem von Dresden aus wirkte. Dazu eine Beitragsreihe der Kuratorin Heidelore Kneffel in der nnz...
Anlass dieser Präsentation, die bis zum 3. Oktober dauern wird, ist die 200. Wiederkehr seiner Harzwanderung im Sommer 1811, die ihn bis in die Südharzregion nach Ellrich und Ilfeld führte. Im Mittelpunkt dieser Kunstschau meisterlicher Werke von der Frühromantik über die Hochromantik bis in die Zeit des Biedermeiers steht die Porträt- und Historienmalerin Caroline Bardua, die am 11. November 1781 in Ballenstedt geboren wurde und dort 1864 starb. Sie kannte den Harz gut, denn das Wandern gehörte von Kindheit an zu ihrem Leben.
Schloss Ballenstedt vom Thiergarten aus Quelle: Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden ... 7 Bände mit 84 Original-Lithographien. Sondershausen. Verlag Friedrich August Eupel, 1839-42
Die Bilder, die gemeinsam mit den ihren gezeigt werden, stammen von Gerhard von Kügelgen, Johan Christian Dahl, Louise Seidler, Adolf Senff, Ludwig Richter, Wilhelm von Kügelgen, Carl Blechen, Ernst Helbig, Georg Heinrich Crola und Elise Crola. Was diese Künstlerpersönlichkeiten mit Caspar David Friedrich verbindet, wird in der Kunstausstellung aufgezeigt. Auch der Künstler Wilhelm Eichler (1806-1872) und der Literat und Zeichner Carl Duval (1807-1853), die lange Jahre in Nordhausen lebten und Zeitgenossen waren, werden vorgestellt.
Seit der Harzwanderung von Johann Wolfgang Goethe im Spätherbst 1777, die ihn in unseren Breiten über Sundhausen, Nordhausen und Ilfeld führte, zog es Literaten und Bildende Künstler in dieses Mittelgebirge. J. W. Goethe selbst kam noch dreimal dorthin. Nach ihm wanderten u. a. Heinrich von Kleist, Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine, Carl Blechen, Hans Christian Andersen.
Dass Caroline von Bardua in Nordhausen besonders gewürdigt wird, hängt damit zusammen, dass sie als einzige der genannten Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich aus dem Harz stammt und auch unmittelbar mit seiner Harzwanderung verknüpft ist. Denn am 23. Juni 1811 traf der mit seinem Freund, dem Bildhauer Christian Gottlieb Kühn, in Ballenstedt ein. Ziel war das Haus der Familie Bardua, denn mit der dort beheimateten Künstlerin Caroline Bardua war er gut befreundet.
Sie hatte in Dresden von 1808 bis 1810 bei dem Maler Gerhard von Kügelgen Kunst studiert, diesem empfohlen von Johann Wolfgang Goethe, der sie in Weimar gut kennen gelernt hatte, denn dort hatte sie bei dessen Freund Johann Heinrich Meyer seit 1805 Zeichen- und Malunterricht erhalten. Diesen beiden war sie wiederum von Wilhelm Körte aus Halberstadt empfohlen worden, dem Neffen des Dichters der Aufklärung, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, und Schwiegersohn des bekannten Altertumsforschers Friedrich August Wolf, in Hainrode an der Hainleite geboren. Diese Personen brauchten nicht zu bereuen, die junge Frau empfohlen zu haben, denn Caroline Bardua entwickelte sich zu einer angesehenen Künstlerin.
Selbstbildnis (Foto: privat)
Selbstbildnis 1810, aus: Johannes Werner. Die Schwestern Bardua ..., Leipzig 1929
Original: Städtische Galerie Dresden
Sie war eine der wenigen Frauen dieser Zeit, die freiberuflich als Künstlerin tätig waren und damit den Unterhalt verdienten. Das bedeutete für die Bardua, sehr oft unterwegs sein zu müssen hin zu den Auftraggebern für die Kunst. Zu ihren Wirkungsorten gehörten Ballenstedt, Weimar, Dresden, Coswig, Halberstadt, Halle, Magdeburg, Berlin, Heidelberg, Paris, Krefeld, Frankfurt am Main, Alexisbad.
Dass sie sich in so vielen Städten ansiedelte - seit Halle immer gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Wilhelmine, Mine genannt, - war also lebensnotwendig. Deshalb schrieb Mine in ihren Aufzeichnungen über das gemeinsame Leben: Nun heißt es wieder Besuche zu machen, und dann wollen wir sehen, wie es gelingen wird, uns hier eine einstweilige Heimat zu schaffen. Die Kunden kamen aus dem Bürgertum, aber auch aus dem Adel und bestellten vor allem Porträts.
Quelle: Johannes Werner. Die Schwestern Bardua ..., Leipzig 1929
Bei den Recherchen über sie stieß ich auf Bezüge dieser außergewöhnlichen Frau zu Personen oder Begebenheiten, die mit unserer Region direkt oder indirekt in Verbindung zu bringen sind. Da wäre der bereits erwähnte Friedrich Heinrich Wilhelm Körte, der den Anstoß zu ihrer Ausbildung als Künstlerin gab. Er lebte nach seinem Jurastudium, das er in Halle absolviert hatte, in Halberstadt. Hier war er vor allem als Nachlassverwalter und Herausgeber seines 1803 verstorbenen Großonkels Gleim tätig. Leben und Studien Friedr. Aug. Wolf's, des Philologen, die zweibändige Biographie über seinen Schwiegervater, verfasste er 1833.
Wolf, der in Nordhausen das Gymnasium besuchte, in Göttingen ab 1777 Philologie studierte, einige Zeit an der Klosterschule in Ilfeld lehrte, lernte im benachbarten Neustadt unterm Bergschloss Hohenstein, wie Körte schrieb, seine Frau Sophie Hüpeden kennen. Sie heirateten 1782, weil deren wunderbare Schönheit Wolfs beide Augen verwundet hatte. Sie war wenig belesen, weil der Vater das für unnötig erachtete. Wolf wollte sie zu sich hinaufbilden, was erfahrungsgemäss nicht gut ausging.
Der Hohnstein im bewohnten Zustand, Litho. von F. Fritsch in Nordhausen, coloriert, nach einer alten Handzeichnung, Kunstsammlung der Stadt Nordhausen
Man war sehr verschieden und ließ sich 1802 scheiden. Leider gestaltete sich das Verhältnis zu der schnell alternden Frau allmählich so trübe, dass die Gatten sich ... dauernd trennten, so Körte. Wolf erhielt ab 1783 in Halle und ab 1810 in Berlin als Universitätsgelehrter für die von ihm modernisierte Altertumswissenschaft, die er von der Theologie trennte, große Anerkennung. Berühmt wurde er mit seiner Forschung über den antiken Dichter Homer, die heftige Diskussionen auslöste, weil Wolf der Ansicht war, dass nicht alle der diesem zugeschriebenen Werke von einem Mann verfasst worden seien.
Wilhelmine, die mittlere Tochter, genannt Minchen, lebte fortan bei ihm und wurde in philologischer Forschung unterwiesen. Goethe, mit Wolf eng befreundet, lernte sie 1805 als ein Mädchen kennen, die in allen Reizen der frischen Jugend mit dem Frühling wetteiferte. Körte heiratete Wilhelmine und lebte mit ihr in Halberstadt unweit des Domes.
Als Caroline 1810 ihr Kunststudium in Dresden mit der Ausstellung einiger Bilder in der aktuellen Kunstausstellung beendet hatte, in der vor allem ihr Porträt von Caspar David Friedrich, im Jahr der Präsentation entstanden, Anerkennung erntete, kehrte sie nach Ballenstedt zurück. In dieser Kleinstadt gab es für sie zu wenige Auftraggeber. Deshalb folgte sie 1812 der Einladung Körtes, doch in Halberstadt ihr Glück zu versuchen. Sie wohnte in dessen Haus, in dem für sie eigens ein Atelier eingerichtet wurde, und war seit dieser Zeit besonders mit Wilhelmine Körte befreundet.
Die Bardua erhielt tatsächlich mehrere Porträtaufträge, und sie malte auch ihre Gastgeberin, wie man aus den Aufzeichnungen der Schwester weiß. Die Dargestellte wurde so beschrieben: Sie konnte Griechisch und es gab nichts Anziehenderes, als diese junge Frau mit dem ausdrucksvollen Gesicht .... mit dem glänzend weißen Hals und dem hellbraunen, nach hinten geknoteten Haar, ganze Partien des Homer mit ihrer wohltönenden Stimme rezitieren zu hören ... Ihre schöne Altstimme paßte trefflich zu Carolines Sopran. Herrlich war es, wenn Mine Körte den Zelterschen König von Thule sang – zum bleibenden Andenken daran hat ihr Caroline ... ein Heft mit den Anfangsworten des Liedes in die Hand gegeben.
Damit man einen Eindruck gewinnt, in welcher Häuslichkeit Caroline Aufnahme fand, sei nochmals ihre Schwester zitiert: Man trat durch ein Tor in das Gehöft, im Hintergrunde lag das Haus, zur Seite der Garten mit einem Gartenhaus, in dem sich die Körtes zur Sommerzeit ... aufhielten. Die Einrichtung ... hatte etwas Poetisches; ... an der Nordwand sah man auf hohem Postament die Marmorbüste von F. A. Wolf, an der Seite ein Fortepiano, darüber hing Carolines Bildnis der Freundin. Ein besonderer Anziehungspunkt ... war die Sammlung von Porträts berühmter Personen, die zum Gleimschen Nachlasse gehörten. Geselligkeit wurde groß geschrieben, und um den Teetisch versammelten sich bekannte Persönlichkeiten.
F. A. Wolf besuchte alljährlich seine Kinder und brachte interessante Freunde mit; berühmte Komponisten und Virtuosen wie Zelter, Spohr, Hermstedt u. a. ... Caroline ... gewann sich Freunde, sie wurde geschätzt, gesucht, gehätschelt. Nun konnte sie es sich mit dem Verdienst leisten, 1813 nochmals nach Dresden zur Fortsetzung des Kunststudiums zu gehen. Wird fortgesetzt
Autor: nnzAnlass dieser Präsentation, die bis zum 3. Oktober dauern wird, ist die 200. Wiederkehr seiner Harzwanderung im Sommer 1811, die ihn bis in die Südharzregion nach Ellrich und Ilfeld führte. Im Mittelpunkt dieser Kunstschau meisterlicher Werke von der Frühromantik über die Hochromantik bis in die Zeit des Biedermeiers steht die Porträt- und Historienmalerin Caroline Bardua, die am 11. November 1781 in Ballenstedt geboren wurde und dort 1864 starb. Sie kannte den Harz gut, denn das Wandern gehörte von Kindheit an zu ihrem Leben.
Schloss Ballenstedt vom Thiergarten aus Quelle: Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden ... 7 Bände mit 84 Original-Lithographien. Sondershausen. Verlag Friedrich August Eupel, 1839-42
Die Bilder, die gemeinsam mit den ihren gezeigt werden, stammen von Gerhard von Kügelgen, Johan Christian Dahl, Louise Seidler, Adolf Senff, Ludwig Richter, Wilhelm von Kügelgen, Carl Blechen, Ernst Helbig, Georg Heinrich Crola und Elise Crola. Was diese Künstlerpersönlichkeiten mit Caspar David Friedrich verbindet, wird in der Kunstausstellung aufgezeigt. Auch der Künstler Wilhelm Eichler (1806-1872) und der Literat und Zeichner Carl Duval (1807-1853), die lange Jahre in Nordhausen lebten und Zeitgenossen waren, werden vorgestellt.
Seit der Harzwanderung von Johann Wolfgang Goethe im Spätherbst 1777, die ihn in unseren Breiten über Sundhausen, Nordhausen und Ilfeld führte, zog es Literaten und Bildende Künstler in dieses Mittelgebirge. J. W. Goethe selbst kam noch dreimal dorthin. Nach ihm wanderten u. a. Heinrich von Kleist, Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine, Carl Blechen, Hans Christian Andersen.
Dass Caroline von Bardua in Nordhausen besonders gewürdigt wird, hängt damit zusammen, dass sie als einzige der genannten Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich aus dem Harz stammt und auch unmittelbar mit seiner Harzwanderung verknüpft ist. Denn am 23. Juni 1811 traf der mit seinem Freund, dem Bildhauer Christian Gottlieb Kühn, in Ballenstedt ein. Ziel war das Haus der Familie Bardua, denn mit der dort beheimateten Künstlerin Caroline Bardua war er gut befreundet.
Sie hatte in Dresden von 1808 bis 1810 bei dem Maler Gerhard von Kügelgen Kunst studiert, diesem empfohlen von Johann Wolfgang Goethe, der sie in Weimar gut kennen gelernt hatte, denn dort hatte sie bei dessen Freund Johann Heinrich Meyer seit 1805 Zeichen- und Malunterricht erhalten. Diesen beiden war sie wiederum von Wilhelm Körte aus Halberstadt empfohlen worden, dem Neffen des Dichters der Aufklärung, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, und Schwiegersohn des bekannten Altertumsforschers Friedrich August Wolf, in Hainrode an der Hainleite geboren. Diese Personen brauchten nicht zu bereuen, die junge Frau empfohlen zu haben, denn Caroline Bardua entwickelte sich zu einer angesehenen Künstlerin.
Selbstbildnis (Foto: privat)
Selbstbildnis 1810, aus: Johannes Werner. Die Schwestern Bardua ..., Leipzig 1929Original: Städtische Galerie Dresden
Sie war eine der wenigen Frauen dieser Zeit, die freiberuflich als Künstlerin tätig waren und damit den Unterhalt verdienten. Das bedeutete für die Bardua, sehr oft unterwegs sein zu müssen hin zu den Auftraggebern für die Kunst. Zu ihren Wirkungsorten gehörten Ballenstedt, Weimar, Dresden, Coswig, Halberstadt, Halle, Magdeburg, Berlin, Heidelberg, Paris, Krefeld, Frankfurt am Main, Alexisbad.
Dass sie sich in so vielen Städten ansiedelte - seit Halle immer gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Wilhelmine, Mine genannt, - war also lebensnotwendig. Deshalb schrieb Mine in ihren Aufzeichnungen über das gemeinsame Leben: Nun heißt es wieder Besuche zu machen, und dann wollen wir sehen, wie es gelingen wird, uns hier eine einstweilige Heimat zu schaffen. Die Kunden kamen aus dem Bürgertum, aber auch aus dem Adel und bestellten vor allem Porträts.
Quelle: Johannes Werner. Die Schwestern Bardua ..., Leipzig 1929
Bei den Recherchen über sie stieß ich auf Bezüge dieser außergewöhnlichen Frau zu Personen oder Begebenheiten, die mit unserer Region direkt oder indirekt in Verbindung zu bringen sind. Da wäre der bereits erwähnte Friedrich Heinrich Wilhelm Körte, der den Anstoß zu ihrer Ausbildung als Künstlerin gab. Er lebte nach seinem Jurastudium, das er in Halle absolviert hatte, in Halberstadt. Hier war er vor allem als Nachlassverwalter und Herausgeber seines 1803 verstorbenen Großonkels Gleim tätig. Leben und Studien Friedr. Aug. Wolf's, des Philologen, die zweibändige Biographie über seinen Schwiegervater, verfasste er 1833.
Wolf, der in Nordhausen das Gymnasium besuchte, in Göttingen ab 1777 Philologie studierte, einige Zeit an der Klosterschule in Ilfeld lehrte, lernte im benachbarten Neustadt unterm Bergschloss Hohenstein, wie Körte schrieb, seine Frau Sophie Hüpeden kennen. Sie heirateten 1782, weil deren wunderbare Schönheit Wolfs beide Augen verwundet hatte. Sie war wenig belesen, weil der Vater das für unnötig erachtete. Wolf wollte sie zu sich hinaufbilden, was erfahrungsgemäss nicht gut ausging.
Der Hohnstein im bewohnten Zustand, Litho. von F. Fritsch in Nordhausen, coloriert, nach einer alten Handzeichnung, Kunstsammlung der Stadt Nordhausen
Man war sehr verschieden und ließ sich 1802 scheiden. Leider gestaltete sich das Verhältnis zu der schnell alternden Frau allmählich so trübe, dass die Gatten sich ... dauernd trennten, so Körte. Wolf erhielt ab 1783 in Halle und ab 1810 in Berlin als Universitätsgelehrter für die von ihm modernisierte Altertumswissenschaft, die er von der Theologie trennte, große Anerkennung. Berühmt wurde er mit seiner Forschung über den antiken Dichter Homer, die heftige Diskussionen auslöste, weil Wolf der Ansicht war, dass nicht alle der diesem zugeschriebenen Werke von einem Mann verfasst worden seien.
Wilhelmine, die mittlere Tochter, genannt Minchen, lebte fortan bei ihm und wurde in philologischer Forschung unterwiesen. Goethe, mit Wolf eng befreundet, lernte sie 1805 als ein Mädchen kennen, die in allen Reizen der frischen Jugend mit dem Frühling wetteiferte. Körte heiratete Wilhelmine und lebte mit ihr in Halberstadt unweit des Domes.
Als Caroline 1810 ihr Kunststudium in Dresden mit der Ausstellung einiger Bilder in der aktuellen Kunstausstellung beendet hatte, in der vor allem ihr Porträt von Caspar David Friedrich, im Jahr der Präsentation entstanden, Anerkennung erntete, kehrte sie nach Ballenstedt zurück. In dieser Kleinstadt gab es für sie zu wenige Auftraggeber. Deshalb folgte sie 1812 der Einladung Körtes, doch in Halberstadt ihr Glück zu versuchen. Sie wohnte in dessen Haus, in dem für sie eigens ein Atelier eingerichtet wurde, und war seit dieser Zeit besonders mit Wilhelmine Körte befreundet.
Die Bardua erhielt tatsächlich mehrere Porträtaufträge, und sie malte auch ihre Gastgeberin, wie man aus den Aufzeichnungen der Schwester weiß. Die Dargestellte wurde so beschrieben: Sie konnte Griechisch und es gab nichts Anziehenderes, als diese junge Frau mit dem ausdrucksvollen Gesicht .... mit dem glänzend weißen Hals und dem hellbraunen, nach hinten geknoteten Haar, ganze Partien des Homer mit ihrer wohltönenden Stimme rezitieren zu hören ... Ihre schöne Altstimme paßte trefflich zu Carolines Sopran. Herrlich war es, wenn Mine Körte den Zelterschen König von Thule sang – zum bleibenden Andenken daran hat ihr Caroline ... ein Heft mit den Anfangsworten des Liedes in die Hand gegeben.
Damit man einen Eindruck gewinnt, in welcher Häuslichkeit Caroline Aufnahme fand, sei nochmals ihre Schwester zitiert: Man trat durch ein Tor in das Gehöft, im Hintergrunde lag das Haus, zur Seite der Garten mit einem Gartenhaus, in dem sich die Körtes zur Sommerzeit ... aufhielten. Die Einrichtung ... hatte etwas Poetisches; ... an der Nordwand sah man auf hohem Postament die Marmorbüste von F. A. Wolf, an der Seite ein Fortepiano, darüber hing Carolines Bildnis der Freundin. Ein besonderer Anziehungspunkt ... war die Sammlung von Porträts berühmter Personen, die zum Gleimschen Nachlasse gehörten. Geselligkeit wurde groß geschrieben, und um den Teetisch versammelten sich bekannte Persönlichkeiten.
F. A. Wolf besuchte alljährlich seine Kinder und brachte interessante Freunde mit; berühmte Komponisten und Virtuosen wie Zelter, Spohr, Hermstedt u. a. ... Caroline ... gewann sich Freunde, sie wurde geschätzt, gesucht, gehätschelt. Nun konnte sie es sich mit dem Verdienst leisten, 1813 nochmals nach Dresden zur Fortsetzung des Kunststudiums zu gehen. Wird fortgesetzt




