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Mi, 10:56 Uhr
23.03.2011

Przeworsk-Kultur im Südharzvorland

Seit dem Sommer 2010 führt das Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer mit Studierenden die Ausgrabung einer Siedlung der Przeworsk-Kultur bei Leimbach durch. Erste Ergebnisse gab es jetzt im Nordhäuser Geschichtsverein.


Auf dem Themenabend im März des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins stand der Ort Leimbach im Fokus des Vortrags von Prof. Dr. Michael Meyer und MA Björn Rauchfuß vom Institut für Prähistorische Archäologie an der Freien Universität Berlin, die über „Das Dorf der Einwanderer - Siedler der polnischen Przeworsk-Kultur bei Leimbach“ referierten.

„Das Kerngebiet dieser archäologischen Kultur, die nach einem Brandgräberfeld bei Przeworsk im Südosten Polens benannt ist, befand sich etwa vom Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. im polnischen Raum zwischen Warthe, Oder und Bug. Spuren der Przeworsk-Kultur in Mitteldeutschland, Thüringen und Teilen Hessens werden aber als Reste einer Einwanderung von Gruppen aus ihrem Gebiet im 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. und der Übernahme einzelner Elemente der Fremden durch die einheimische Bevölkerung gedeutet“, so Prof. Meyer in seinen Ausführungen.

Seit einigen Jahren sind auch aus dem Bereich des Südharzvorlandes neun Siedlungen dieser Kultur bekannt geworden, die der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Kurt Lützkendorf seit den 80-er Jahren durch Lesefunde entdeckt hat. Die Lage der Siedlungen im Randbereich der Goldenen Aue lässt es möglich erscheinen, dass den neuen Siedlern Gebiete zugewiesen wurden, ihre Ansiedlung also mit Zustimmung der einheimischen Bevölkerung erfolgte.

Nachdem bereits 2008 durch Prof Meyer Teile einer Siedlung der Przeworsk-Kultur bei Himmelgarten untersucht wurden, soll der Fundplatz bei Leimbach im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes großflächiger ausgegraben werden. Die erste Grabungskampagne erbrachte auf einer Fläche von etwa 1800 Quadratmetern verschiedene Spuren menschlicher Aktivitäten seit der Jungsteinzeit, hauptsächlich aber der vorrömischen Eisenzeit und der Przeworsk-Kultur.

„Das zahlreiche Fundmaterial besteht vor allem aus vielen Tonscherben, außerordentlich gut erhaltenen Tierknochen und einigen Eisenobjekten, darunter mehrere Nägel und ein eisernes Messerchen. Ein besonderes Artefakt ist eine gedrechselte, mehrfach durchlochte Bernsteinperle. Die gefundenen Scherben zeigen häufig typische Merkmale der Keramik der Przeworsk-Kultur: Gefäße mit facettiertem Rand, X-Henkeln und feinen eingeritzten Verzierungen. Nach derzeitigem Stand erreichten die neuen Siedler den Fundplatz bei Leimbach im 2. Jahrhundert v. Chr. Bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde er jedoch bereits wieder verlassen, ohne dass Spuren eines gewaltsamen oder plötzlichen Siedlungsendes festgestellt werden konnten“, berichtete Björn Rauchfuß. Die Ausgrabungsarbeiten sollen im Sommer 2011 fortgesetzt werden, so der Wissenschaftler.

Im Anschluss an den interessanten und kurzweiligen beantworteten die Referenten die Fragen der Anwesenden im sehr gut gefüllten großen Saal des Vereinshauses „Thomas Mann“.
Autor: rh

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