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So, 12:43 Uhr
03.04.2011

Landwirten blutet das Herz

Die Ackerfläche im Südharz schrumpft. Die Bauern machen sich große Sorgen. „Uns Landwirten blutet das Herz, wenn wir sehen, was an wertvollem Ackerland Jahr für Jahr für die Lebensmittelproduktion im Südharz verloren geht.“ Das sagte Uwe Kühne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Geschäftsführer der Agrargesellschaft Friedrichsthal, anlässlich einer Zusammenkunft der Landsenioren. Ein Bericht von Kurt Frank.

Gratulation (Foto: Kurt Frank) Gratulation (Foto: Kurt Frank)
Herbert Weschcke (links) wurde erneut zum Vorsitzenden der Vereinigung der Landsenioren gewählt. Uwe Kühne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, und seine Geschäftsführerin Susan Goldhammer gratulierten

Die von der Landwirtschaft genutzte Fläche betrug insgesamt 36282 Hektar, die Ackerfläche 30193 ha. Das war einmal. Durch den Bau der Autobahn 38 gingen der Landwirtschaft einschließlich der Ausgleichsflächen und allem Drum und Dran 1000 Hektar verloren. Hinzu kommen gut 120 Hektar für das Gewerbegebiet Goldene Aue. Das teilte Susan Goldhammer, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, mit und berief sich auf die neuesten Zahlen aus dem Landwirtschaftsamt in Bad Frankenhausen. Die Versiegelung wertvollen Bodens findet damit kein Ende. Im Gegenteil. Der Neubau der B 243 als Umgehungsstraße für mehrere Orte im Landkreis ist in sichtbarer Nähe.

Nach vorläufigen Schätzungen wird der dadurch entstehende Verlust an Flächen auf weitere etwa 250 Hektar geschätzt. In Günzerode und Mackenrode wünscht man sich die neue B 243 lieber heute als morgen herbei. Wenn die Fünfachser mit schwerer Last durch die Dorfstraße donnern, bekommen die Anlieger Ohrensausen. Die Freude bei den Landwirten ist hingegen getrübt. Und wird es bleiben. Im Gespräch ist außerdem eine Neutrassierung der B 4 zwischen Sundhausen und Hain und eine Westumfahrung von Nordhausen. Ganz zu schweigen von der Fläche, die ein Autohof beanspruchen könnte.

Uwe Kühne ist nicht generell gegen neue Straßen und Autobahnen. Er hat aber seine Zweifel, ob die damit verbundenen Regelungen immer sinnvoll sind. Wir Landwirte, beteuert er, wollen unsere Nahrungsmittel auch künftig hierzulande selbst anbauen und nicht aus fernen Ländern importieren. Klug sollte man überlegen, was künftig noch notwendig ist und was nicht.

Aufmerksam verfolgten die anwesenden Landsenioren in ihrer traditionellen Frühjahrs-Mitgliederversammlung den Rechenschaftsbericht ihres Vorsitzenden der Vereinigung HerbertWeschcke. Eine Kuh der Wippertaler Agrar GmbH & Co. KG Wolkramshausen, tat er kund, halte den Rekord in Thüringen. Sie brachte es auf eine Lebensleistung von 132572 Liter Milch und gebar 11 Kälber. Mit 2,7 Laktation pro Kuh sei das Durchschnittsalter derzeit aber zu gering, der Bestand an Kühen im Landkreis rückläufig.

Von den 11000 Tieren vor zwanzig Jahren bleiben noch 4273 übrig. Dafür stieg die Milchleistung je Kuh und Jahr enorm. 4000 Liter waren zu DDR-Zeiten Ausnahmen. 9665 Liter sind es im Durchschnitt heute hierzulande. Herausragend, was sich die Produzenten in Görsbach (11814 Liter), Wolkramshausen (11151) und die Wiedereinrichter Gerboth/Wiesner in Obersachswerfen (10923) in die Bücher schreiben können. Erfreulich, wenn jetzt 30 bis 32 Cent pro Liter an die Erzeuger gezahlt werden.

Unterdurchschnittlich, informierte Weschcke, waren hingegen die Erträge 2010, die je Hektar geerntet wurden. Winterweizen: 63,7 Dezitonnen (2009: 74,8 dt), Raps: 38, Winterroggen: 52,7 und Wintergerste 71,9 dt. Dennoch, meinte Uwe Kühne, konnte man mit den Preisen zufrieden sein. 33 Euro gab es für eine Dezitonne Raps. Sie glichen die Verluste zwar aus, waren aber infolge höherer Nebenkosten nicht immer kostendeckend.

Die Vereinigung der Landsenioren mit ihren 120 Mitgliedern und einem Durchschnittsalter von 74,8 Jahren führte im Vorjahr 22 Veranstaltungen mit 1000 Teilnehmern durch. Umfangreich ist auch das Veranstaltungsprogramm für 2011. Mit der Arbeit ihres Chefs sind die Landsenioren sehr zufrieden, weshalb sie Herbert Weschcke erneut zum Vorsitzenden wählten.

Dem Vorstand gehören weiter an: Werner Urban und Reinhard Wöllner als Stellvertreter, Ingeborg Hahn, Siegfried Liebau, Georg Petri, Günter Reinboth, Ilse Schlese, Günter Sieger und Winfried Wilhelm.
Kurt Frank
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
03.04.2011, 15:35 Uhr
Sorgen der Landwirte
Ich kann den Landwirten nur beipflichten. Nach einer Phase der drastischen Versiegelung auf Grund zahlreicher, aus wirtschaftlicher Sicht wohl notwendiger Infrastrukturprojekte, sollte schnell eine Phase der überlegten Nutzung bereits vorhandener, nicht von Landwirtschaft oder naturgeschützten Flächen eingenommenen Räumen angegangen werden.

Allein innerhalb der Stadt Nordhausen bestehen ausgedehnte Brachflächen, die einer Nutzung zugeführt werden könnten. Der Konflikt Versiegelung/Wirtschaft/Ökologie/Landwirtschaft verschärft sich in einem Land zunehmend, das zu den am dichtesten besiedelten der Welt gehört. Unsere Landschaft ist von Parzellen durchzogen auf denen nicht nur Eigentumsrechte stehen, sondern, auf Grund der vielen Belange unserer Zeit, oftmals zahlreiche weitere Interessen: von wirtschaftlicher Erschließung, Verkehrserschließung, Tourismus und Naturschutz.

Wir müssen lernen, effektiver und schonender mit unserer Landschaft umzugehen. Die Vielzahl ökologischer Probleme in unserer Welt zeigen (hieru gibt es unzählige Untersuchungen), dass es ein Weiter so nicht geben kann, wenn sich die Menschheit nicht den Ast absägen möchte, auf dem sie sitzt.

Bei allen auch noch so wichtigen wirtschaftlichen Aktivitäten sollten wir nie vergessen, dass die Grundlage allen Lebens und damit allen Wirtschaftens und allen Wohlstands eine intakte Biosphäre ist.

So weit ich weiß, hat sich Deutschland verpflichtet, die anhaltende jährliche Versiegelung von Flächen deutlich zu reduzieren.

Wohlstandswünsche erzeugen Wirtschaft und Wirtschaft erzeugt Verkehr und beides wieder weiteren Landschaftsverbrauch. Es geht nicht darum, wieder, wie Kritiker gern sagen, wieder in Höhlen zu leben, sondern das Vorhandene so effektiv wie möglich und so schonend wie möglich zu nutzen, ohne immer weiter an unseren natürlichen letztlich aber entscheidenden Lebensgrundlagen zu feilen.

Dafür setzen wir uns z.B. als BUND-Kreisgruppe, gern im Gespräch mit allen Interessierten, ein.
Auch hierzu gibt es zahlreiche Konzepte, die aber noch zu wenig umgesetzt und von den Regierungen verfolgt werden. Die gegenwärtigen politische Bewegung in Deutschland zeigt aber, dass ein Umdenken immer weiter stattfindet.
Bodo Schwarzberg
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