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So, 17:48 Uhr
27.07.2003

Der Bauch sagt es: Es geht nach oben

Nordhausen (nnz). Die deutsche Wirtschaft steht nach Einschätzung von Volkswirten bei einem neuen Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex wohl vor einem leichten Aufschwung. Und da ist auch das Bauch-Gefühl eines Experten von besonderer Wichtigkeit.


Da die Experten ihre Konjunkturprognosen zurzeit aber nur auf Stimmungsbilder stützen können, bleibt ein Rest an Skepsis: "Allein am Ifo-Klima könnte man keine Konjunkturwende festnageln", sagt etwa Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank. So zeichnen die realwirtschaftlichen Daten noch ein trübes Bild der Konjunktur in Deutschland und Europa. Dennoch erwarten von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten für Montagmorgen im Schnitt einen Anstieg des Konjunkturbarometers des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) auf 89,8 von 88,8 Punkten im Juni.

Nach einer Faustregel des Ifo wäre ein dritter Anstieg des Konjunkturbarometers in Folge das Indiz für einen Aufschwung. "Es wird gestritten, ob das noch gilt", schränkt Weidensteiner ein: "Das war vor einem Jahr schon einmal so, ohne dass die Wirtschaft hinterhergekommen ist." Auch Jörg Krämer von Invesco Asset Management meldet Zweifel an der Prognosegenauigkeit des Ifo-Index an: "In solchen labilen Konjunkturzeiten ist es möglich, dass die Frühindikatoren stark schwanken." Worauf stützen sich dann die überwiegend optimistischen Erwartungen der Experten?

"Mein Bauchgefühl sagt mir (...), dass wir am Anfang eines Aufschwungs stehen", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, der "Financial Times Deutschland". Nach Weidensteiners Worten gibt es aber auch sachliche Argumente, die einen Ifo-Anstieg erwarten lassen: "Der Euro-Kurs hat sich entspannt, der Einzelhandel meldet eine leichte Verbesserung seiner Geschäfte - und es gibt die wirtschaftspolitische Reformdebatte."

Wie andere Analysten führt Weidensteiner zudem die jüngste Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 300 Finanzmarktexperten an, die im Juli unerwartet positiv ausgefallen war. Hinzu kommen wieder bessere Konjunkturdaten aus den USA, insgesamt also "ein Bündel an besseren Daten." Ganz ohne Gespür kommt aber auch er nicht aus: "Da ist das Gefühl, dass sich allmählich etwas bewegt in Deutschland."

Invesco-Volkswirt Krämer bleibt dennoch skeptisch und sagt einen Ifo-Anstieg um gerade einmal 0,2 Punkte auf 89,0 voraus. "Alle Analysten gucken auf den ZEW und finden die Steuerreform gut", sagt er. Wenn sich dann noch der Aktienmarkt - wie zuletzt geschehen - besser entwickele, komme eben Fantasie auf. Mit Blick auf die Ifo-Befragung von 7000 Unternehmen zeigt er sich jedoch gewiss: "Die Manager beurteilen die Steuerreform viel viel cooler, die rechnen, was bleibt netto übrig."

Man dürfe auch nicht vergessen, dass sich Deutschland nicht von der Stimmung im Euro-Raum abkoppeln könne, sagt Krämer. Der Durchschnitt der sechs wichtigsten Frühindikatoren im Währungsgebiet sei im Juni noch gefallen. "Die Signale sind gemixt." So fiel das Geschäftsklima in Belgien weniger schlecht aus als im Vormonat, trübte sich in Italien aber ein.

Auch der Blick auf die letzten Konjunkturdaten scheint eher die Skeptiker zu bestätigen. Die deutsche Industrieproduktion fiel im Mai zum Vormonat um 0,8 Prozent, der Auftragseingang ging im Mai sogar um 2,6 Prozent zurück. Auch der Reuters-Einkaufsmanagerindex zeigte den elften Monat in Folge einen Rückgang der Geschäftstätigkeit in der Industrie an. "Es bleibt dabei, im zweiten Quartal wird das Bruttoinlandsprodukt gefallen sein", sagt Krämer. Für den Rest des Jahres sei allenfalls eine "bessere Stagnation" zu erwarten.

Wie belastbar ein dritter Ifo-Anstieg in Folge tatsächlich wäre, ist von den Analysten also nur schwer vorherzusagen. "Ich würde nicht zu viel in den Ifo hineinlesen", sagt deshalb Gerd Haßel von der ING BHF-Bank. Eine gute Nachricht wäre ein Ifo-Anstieg aber auf jeden Fall. "Wenn es passiert, sprechen alle darüber, und allein das hätte einen psychologischen Effekt: Erwartungen wecken Erwartungen."
Autor: nnz

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