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Mo, 17:09 Uhr
28.07.2003

Ein Jahr danach

Nordhausen (nnz). Heute vor einem Jahr ereignete sich in ein Vorfall, bei dem ein Mensch sein Leben verlor. René Bastubbe starb durch ein Geschoß, das aus der Dienstwaffe eines Polizeibeamten abgefeuert worden war. Dazu eine unvollständige Betrachtung der nnz.


Der 28. Juli des vergangenen Jahres, es war ein Sonntag, war erst wenige Stunden jung, da wurde die Nordhäuser Polizei zum Kino gerufen. Jugendliche würden an einem Zigarettenautomaten randalieren. Eine Polizeistreife kam zum vermeintlichen Tatort, Minuten später fiel ein Schuß.

Einer der beiden, die sich am Zigarettenautomaten zu schaffen machten, war der Nordhäuser René Bastubbe. Er soll sich der Festnahme widersetzt haben, hieß es später im Protokoll der Polizei. Ein Beamter schoß, das Projektil traf den Nordhäuser. Tödlich. Stunden später die erste Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft. Das Medieninteresse riesengroß. Bereits zu diesem Zeitpunkt ermittelte die Staatsanwaltschaft in alle Richtungen: Das hieß damals – von Notwehr bis zur fahrlässigen Tötung, wurde aber nicht von allen so zur Kenntnis genommen.

Für Tage stand Nordhausen ganz oben auf der medialen Hitliste. Es gab immer wieder Anlässe. So waren bereits am Sonntagabend Wände des Kinogebäudes mit Sprüchen wie „Polizisten – Mörder“ beschmiert worden. Es gab aber auch Nordhäuser, die trauerten einfach um ein Menschenleben. Blumen wurden am Tatort niedergelegt.

Die Menschen in und um Nordhausen schrieben ihre Meinung. Eine junge Frau aus Nordhausen auch, sie geriet später ins Visier der Nordhäuser Polizeiführung. Alles bekannt. Es gab aber auch Meinungen, die besser niemals gesagt, geschweige denn je geschrieben worden wären.

Dann die Trauerfeier für René auf dem Nordhäuser Friedhof. Auch Barbara Rinke war mit dabei. Nicht als Oberbürgermeisterin, sondern privat. Doch wann ist man als Stadtoberhaupt privat? Und wieder entfesselte sich ein Meinungsdurcheinander, diesmal politischer Natur. Und überhaupt: Der Tod des Renè B. wurde zusehends politischer. Indes ermittelten Staatsanwaltschaft und Polizei.

Ungeschickt, dass sich die Mühlhäuser Staatsanwälte der Kripo aus Nordhausen bedienten. Jedenfalls, es verging Zeit, viel Zeit. Unendlich viele Gutachten waren in Auftrag gegeben worden. Der Zigarettenautomat wurde untersucht, die kinetische Energie eines Pflastersteines begutachtet... Am Ende dann, im April dieses Jahres, erhob die Mühlhäuser Behörde Anklage gegen den Polizisten. Noch in diesem Jahr soll am Landgericht verhandelt werden. Nachzulesen ist das alles in der nnz.

Wurden vor einem Jahr täglich viele Fragen gestellt, so ist das alles abgeebbt. Wer fragt heute nach der Familie des Renè B.? War hat je einmal gefragt, was der Polizeibeamte durchlebte in dieser Zeit. Heute sollte noch einmal die Zeit sein, in der nachgedacht werden könnte. Doch die Zeit hat Eile, keine Weile. Vielleicht ist das auch gut. Besser wäre allerdings, hätte die Gesellschaft (wer genau das auch sein mag?) in den zurückliegenden Tagen, Wochen und Monaten einige Antworten gegeben. Doch wie hieß es heute auf Anfrage der nnz von der Polizei: Keine besonderen Vorkommnisse, alles ruhig. Und das entspricht wohl der Realität.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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