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Sa, 09:17 Uhr
20.08.2011

Vier Wochen früher als normal

In den vergangenen Jahren war der Wellensittich-Enzian
(Gentiana farreri) aus dem Hochland von Tibet mit die letzte Pflanze, die im Brockengarten ihre Blüten zeigte. Von Mitte/EndeSeptember bis Mitte Oktober konnten die Gartenbesucher die hellblauen Blüten mit ornamentartigen gelben Streifen bewundern. Doch in diesem Jahr blühen die tibetischen Hochlagenenziane schon etwa vier Wochen eher, obwohl das Sommerwetter eher herbstlich war...

Referenzstation am Brocken (Foto: privat) Referenzstation am Brocken (Foto: privat)
nformationstafel der Klimareferenzstation Brocken des Deutschen Wetterdienstes bei. Diese Wetterstation befindet sich unmittelbar neben dem Brockengarten und zeichnet den Klimawandel auf

Das zeitige Frühjahr mit viel Sonnenschein im April, sehr warme Tage im Mai und eine gute Wasserversorgung im Juli sind sicher neben anderen Faktoren der Grund für das frühe Erscheinen der Blüten in diesem Jahr. Dies könnten auch die Ursachen für die Zweitblüten der Brockenanemone im August sein. Als Frühjahrsbote der Brockenkuppe blüht sie normalerweise im Mai bzw. Anfang Juni.
Wellensittich-Enziane (Foto: privat)
Wellensittich-Enziane (Foto: privat)
Wellensittich-Enziane (Foto: privat)
Übrigens spiegelt sich der Witterungsverlauf auch in den Besucherzahlen wieder. So schauten sich vom 11.5. bis zum 30.6. insgesamt 3490 Gartengäste das Alpinum an und vom 1.7.bis zum 18.8. „nur“ 2014. Insgesamt besuchten 5504 Freunde der Hochgebirgsflora der Welt den botanischen Sondergarten auf der Brockenkuppe. Der Brockengarten ist somit u.a. eine wichtige Bildungs-und Informationseinrichtung des Nationalparks Harz.

Die letzte Gartenführung in diesem Jahr findet, auch wenn die asiatisch verbreiteten Enziane dann bereits abgeblüht sind, dennoch Mitte Oktober statt und zwar am 14. Oktober um 14 Uhr.
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
20.08.2011, 11:48 Uhr
Russisch Roulette: Klimawandel bei Pflanzen im Südharz
Auf dem Brocken wird der Klimawandel durch die dortige Dokumentation für viele greifbar. Doch als langjähriger Kartierer und Beobachter der Flora des Landkreises Nordhausen kann ich auch bei uns Hinweise auf Veränderungen unserer Pflanzenwelt finden. Hier einige Beispiele:
Das subkontinental verbreitete Pfriemengras (Stipa capillata), ein Steppenbewohner, breitet sich an seinen bisherigen wenigen Standorten im Gebiet um Nordhausen merklich aus. Auch bei dem Federgras Stipa joannis gibt es derartige Tendenzen. Andererseits zeigen Arten, die auf eher feuchte Frühjahre angewiesen sind Rückgänge, Blühausfälle oder aber sie erscheinen nicht einmal vegetativ. Unter den trockenen Frühjahren 2007, 2009 und 2007 leiden insbesondere die eher subozeanisch verbreiteten Orchideen, die also ausgeglichene klimatische Verhältnisse bevorzugen: Das Helm-Knabenkraut Orchis militaris hatte 2007 derartige Trockenheitsschäden, dass die Blütenstände stecken blieben und vertrockneten. 2011 kamen sie zwar zur Blüte, hatten aber 100%igen Fruchtausfall. Ebenso erging es dem Staatlichen Knabenkraut an vielen Standorten im Landkreis. Nach dem wieder trockenen - Rekord-Frühjahr 2011 blieb erstmals seit 20 Jahren, während denen ich den Standort beobachte, die Blüte des Spätblühenden Brandknabenkrautes an einem Standort des Kreises komplett aus. Die Sippe hat in Thüringen nur zwei Standorte!
Auch so manche einjährige Arten, die z.T. an sich schon hochgradig gefährdert sind, leiden unter den aus dem Rahmen fallenden, gehäuften, trockenen Frühjahren. Die Klebrige Miere (Minuartia viscosa), deren letzten deutschen Standort ich bei Halle betreue, blieb 2011 infolge Trockenheit komplett aus. Glücklicherweise haben wir für eine Erhaltungskultur im Botanischen Garten Halle für diese Art gesorgt. Dort blüte sie 2011 unter künstlichen Bedingungen reichlich.
Verbreitet waren in den Frühjahren 2007, 09, 11 bei vielen Arten Kümmerwuchs. Die dadurch freiwerdenden Flächen nutzen dann weniger empfidliche Pflanzen für ihre Ausbreitung: So besiedelt z.B. der Giersch (Aegopodium podagraria), ein häufiger Doldenblütler sehr schnell neue Flächen und verdrängt andere Arten. Auch invasive Neubürger, wie die Kanadische Goldrute, der Spierstrauch (Spiraea x billardii) und das Drüsige Springkraut (Impatiens glaandulifera) breiten sich fast sprunghaft aus. Alle Genannten kamen als Zierpflanzen aus ihren noch wärmeren Heimatregionen zu uns.
Eine weitere Beobachtung machte ich an den Pfaffenköpfen zwischen Nordhausen und Steigerthal. Während nicht mehr beweidete Flächen bei uns üblicherweise schnelll verbuschen, zeigen weite Teile des Nordhanges (südexponiert) seit einigen Jahren eine gegenteilige Tendenz: Keine Ansiedlungen von Weißdorn und Schlehe, absterben der vorhandenen Bestände, Ausbreitung trockenheitsliebender Arten und größere Lücken im Bestand.
Diese Beobachtungsreihe ließe sich noch lange fortsetzen. Z.B. damit, dass die Moore im Harz immer öfters austrocknen, daass die auf eine regelmäßige und gleichbleibende Durchnässung angewiesenen Arten wie z.B. Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) deutlich zurückgehen.
Mancher könnte jetzt argumeintieren, all das zeigt doch, dass sich die Natur im Klimawandel selbst hilft: Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Diese Prozesse vollziehen sich erdgeschichtlich gesehen in einem so extrem kurzen Zeitraum, dass dies nur mit dem Wort Katastrophe bezeichnet werden kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich solche Vorgänge normalerweise in Tausenden bis 10.000en Jahren vollziehen.
Zur Zeit geschieht das innerhalb weniger Jahre!
Weltweit warnen Wissenschaftler vor den unkalkulierbaren Gefahren, die uns und der Flora und Fauna durch den Klimawandel drohen. Der Mensch schickt sich an, ein fein ausgeklügeltes System in kürzester Zeit in eine neue Qualität zu überführen: Mit für ihn und das "sonstige" Leben am Ende unbekanntem Ausgang: Blindflug und Russisches Roulette könnten Synonyme dafür sein.
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