nnz-Forum: Piratentreff im Stepel
Gestern traf sich der Nordhäuser Piratenstammtisch im Stepel, um die Arbeit der Piratenpartei vorzustellen. Zu Gast war die Schatzmeisterin des Thüringer Landesverbandes, Irmgard Schwenteck. Und ein Leser der nnz...
Der Stammtisch war mit etwa 25 bis 30 Personen sehr gut besucht, dies zeugt von der Aufmerksamkeit, den diese Partei mittlerweile bekommt. Eines muss man vorweg sagen: Die Piraten sind keine Ein-Themen-Partei mehr! Die Piraten möchten weder das Patent- noch das Urheberrecht aushebeln, wie es ihnen häufig unterstellt wird! Die Piraten möchten statt des "gläsernen Bürgers" den "gläsernen Staat", das heißt, sie setzen sich für Transparenz in zum Beispiel wirtschaftspolitischen Fragen ein, sodass "Vetternwirtschaft" schneller aufgedeckt, bzw. erst garnicht entstehen kann. Auch wird so ersichtlich, wie welcher Staatsbeamte arbeitet.
Als es zum Thema "Urheberrecht" kam, wurde eine recht interessante Diskussion geführt. Es ist schon erstaunlich, das beispielsweise die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) selbst von Kindergärten Gebühren verlangt, wenn die Kinder öffentlich uralte Lieder, wie "Alle meine Entchen" nicht aufführen dürfen, bzw. den Liedtext kopieren dürfen. Glücklicherweise hat hier die Piratenpartei Abhilfe geschaffen, indem man die Noten und die Liedtexte einfach neu setzen lassen hat und dieses Buch an KiTa`s kostenlos verteilt!
In diesem 52-seitigen Liederbuch befinden sich Liedtexte und Noten, deren Urheberschutz erloschen ist. Somit kann aus diesem Buch frei kopiert werden, ohne Gebühren und Bürokratie, so die Piratenpartei auf ihrer Homepage. Ich erspare mir hier jeden weiteren Kommentar, denn ich denke, es sagt genug über die Handlungweise der GEMA aus.
Das Thema Arbeitslosigkeit: Die Piraten möchten ein Grundeinkommen für jedermann erreichen. Ein Punkt, dem sich noch nichteinmal unsere großen, sozialen oder gar sozialistischen Parteien auf die Flagge geschrieben haben. Eines zum Schluß: der gestrige Abend war für die Nordhäuser Piraten ein voller Erfolg! Laut der eigenen Website wurden drei Neuanträge eingereicht. Jeder, der mitmachen möchte ist übrigens herzlichst eingeladen, egal welchen Alters.
Allerdings muss man erwähnen, dass sich die Piratenpartei von jedweder extremistischen oder gar radikalen Einstellung distanziert!
Christian Brothuhn, ein Nordhäuser Pirat
Autor: nnz
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Kommentare
Bodo Schwarzberg
21.10.2011, 17:46 Uhr
"Pirat(enpartei)" ist nicht, klingt aber extremistisch
Wenn der Autor des obigen Beitrages betont, die Piratenpartei sei nicht extremistisch, so möchte ich das schon glauben, aber zugleich zu bedenken geben, dass der Name "Pirat" auf den ersten Blick nicht unbedingt für humane Ziele steht, sondern eher für Raub, Mord und Kaperung. Wenn man diese Begriffe vertieft, dann könnten böswillige Zeitgenossen der neuen Partei unterstellen, auf der einen Seite bestimmte Rechte rauben bzw. aushebeln zu wollen, um "anderes" zu erreichen, im schlimmsten Fall einen rechtsfreien Raum.
Es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich eine Partei lammfromm gibt, so lange sie keine Machtpositionen innehat. Nun, das sind nur Gedanken, die mir beim Nachdenken über den Namen "Pirat" so kommen. - Vielleicht sollte die Partei daher nach einem etwas friedlicheren Namen suchen, nach einem, der zu ihren angebenen menschenfreundlichen Zielen passt.
Interessieren würden mich als Biologen und Naturschützer zudem, was die "Piraten" zum Thema Ökologie zu sagen haben. Schließlich ist die zunehmende anthropogene Veränderung unserer Lebensgrundlagen DIE Herausforderung unserer Zeit, weil sie alle anderen Aufgabenfelder, auch die zentralen Denksäulen der neuen Partei, maßgeblich beeinflusst.
Denn nicht einmal ein Pirat kann in einer stürmischen, klimagewandelten See überleben, wenn die Wellen über dem Großmast zusammenschlagen.
An sich begrüße ich die neue Partei, weil sie die anderen vielleicht über ihre eingefahrenen Gleise nachdenken lässt und zu neuen Argumenten beflügelt. Ob natürlich die zunehmende Quantität der aktiven Parteien tatsächlich zu einer Qualität führt, die uns allen hilft (um mit dem mir ans herz gewachsenen Marx zu sprechen), dss wird sich zeigen. Zeit für all zu viel Experimente allerdings bleibt der Menschheit nicht mehr.
Von daher würde ich mir von der Piratenpartei wünschen, dass sie Qualitäten versucht zu erreichen, die die vordringliche Sicherung der Existenz der Menschheit und des ganzen
Planeten Erde in seiner lebensfreundlichen Form vorantreibt.
Entern Sie also alte Denkstrukturen und Verhaltensweisen, schärfen Sie den Blick über die Ränder der unzähligen Suppenteller, die in heimischen Schränken stehen und fördern sie das übergreifende systemische Denken. Denn alles hängt von allem anderen ab.
Frank Tabatt
21.10.2011, 22:56 Uhr
Piratenname
Hallo Bodo,
Namen sind Schall und Rauch - es kommt darauf an was die Partei anpackt und vor Allem löst. Die meißten anderen Parteien lösen zur Zeit gar nichts mehr!
Versuch bitte nicht mit irgendwelchen fragwürdigen "Denkaufgaben" anderen Mitbürgern irgendwelchen Mist anzudichten.
Komm doch einfach mal zur nächsten Versammlung.
Frank Tabatt
Piraten Partei
Luftikus
21.10.2011, 23:05 Uhr
Piratenpartei die neue FDP?
Die Piratenpartei versteht sich wohl als liberale Partei, jedoch mit mehr Verbundenheit zu heutigen Problemen. Dadurch das Sie noch Jung ist, hat sie auch keine alten Zeitgeister der sie hinterher hingt. Vermutlich werden in den nächsten Jahren viele FDP-Wähler hierein wechseln, wenn sich die FDP nicht vorher selbst überarbeitet und zu ihren Wurzeln zurück findet.
TeeEff
21.10.2011, 23:56 Uhr
3,14159265...
oder mit für übliche Anwendungen ausreichender Genauigkeit 22/7. Nur damit ihr nicht weiter raten müsst und zumindest schon mal einen Anfangswert habt, an dem ihr Euch orientieren könnt!
Sorry, aber der Herrn Brothuhn ist ihm doch entgangen das das BGE aka "Bedingungsloses Grundeinkommen" oder auch "Bürgergeld" schon vor Jahren bei den von ihm "sozialistisch" genannten Parteien auf der Karte stand, als es die Orangen weder in Deutschland noch ihrer skandinavischen Heimat gab...
Selbst die eher reaktionären Schweizer haben darüber schon vor Jahren einmal ausgiebig diskutiert.
Naja, hätte man mit kurzem googlen aber wissen können - oder als so netzaffiner Pirat: wissen müssen!
Von daher kommt auch aus der Ecke das, was man gewohnt ist: falsche Aussagen und Halbwahrheiten gefährliches Unwissen.
Wie sehr diese Partei im übrigen auch bei der Auswertung des Skandals um den Bundestrojaner versagt hat, kann man gern auf dem Blog des Internataktivisten "Fefe" nachlesen - dessen Meinung dazu ich ausnahmsweise absolut teile.
Naja, aber was erwartet man, wenn die politische Geschäftsführerin der Piraten twitterte, dass sie die Debatte um dieses Thema "ermüdend" findet und weggezappt hat...
Auch ein "Ich muss raus und Autogrammkarten drucken lassen, aber ich kann mich nicht motivieren. :( #faulheitstweet" spricht Bände. Hier verwechseln Leute massiv Politik mit dem Show-Business. Aber das weiß längst jeder, der sich die inszenierten Auftritte der Truppe um die Berliner Wahlen angesehen hat.
Franz Tabak
22.10.2011, 00:29 Uhr
Alle meine Entchen
Endlich gibt es eine derartige Partei! Macht weiter so!
Bodo Schwarzberg
22.10.2011, 10:04 Uhr
Piraten wollen Kommentatoren Vorschriften machen?
Ich freue mich, dass Sie meine Einlassung tatsächlich so ernst nehmen, wie sie gemeint war, sehr geehrter Herr Tabatt. Dass Sie aber geschrieben haben, Namen seien Schall und Rauch, enttäuscht mich. Schließlich ist ein Name stets das als erstes auffallende Aushängeschild einer "Sache" oder einer Institution. Zum Zweiten werden Sie wohl damit leben müssen, dass sich die Öffentlichkeit mit der neuen Partei kritisch auseinandersetzt.
Dass Sie hier versuchen, den nnz-Lesern zu empfehlen, was sie zu schreiben haben und was nicht, spricht nicht für die angeblichen offenherzigen Ziele Ihrer Partei und lässt mich noch kritischer werden. Jeder kann hier frei seine Meinung äußern und muss sich diesbezüglich von niemandem etwas vorschreiben lassen.
Natürlich werde ich zu keiner Ihrer Sitzungen kommen. Ich fühle mich der freien Meinungsäußerung verpflichtet und würde mich daher niemals in die Nähe einer Parteiorganisation begeben, was allerdings ein gewisses Wohlwollen bestimmten Parteien gegenüber nicht ausschließt. Einen positiven Gedanken finde ich aber an Ihrem Statement: Dass Sie hier im Gegensatz zu vielen anderen Ihren Namen nennen.
-Insider-
22.10.2011, 10:08 Uhr
erfrischend
anders und genau deshalb gefürchtet. so könnte man die Piratenpartei in einem satz beschreiben. sie gehen andere wege wie CDU, SPD und Co. und genau das wird ihnen hier von einigen kommentatoren angekreidet. Meine Generation will weg von den angeblichen Politsaubermännern die im dicken Benz vorfahren und nur noch Hugo Boss Anzüge tragen. Nicht die Verpackung macht die Politik, sondern der Inhalt.
Bodo Schwarzberg
22.10.2011, 10:12 Uhr
"Piraten": Wo bleiben die Antworten?
Im Übrigen hatte ich die Frage aufgeworfen, was denn die "Piraten" hinsichtlich der Ökologie für Meinungen vertreten. Hierzu kam bisher keine Antwort. Ich denke aber, dass eine Partei, die sich dem Volk vorstellt, offen über alle Ihrer Ziele Auskunft geben sollte.
Alex Gösel
22.10.2011, 13:25 Uhr
Antworten
Es wäre sicherlich gut, wenn die Piraten Nordhausen einen Kreisvorstand bekommen, damit die Bürger einen konkreten Ansprechpartner haben.
Es gibt Personen, die verlangen von der P-Partei klare Antworten. Von dieser Partei sind seit gerade rund 4 Wochen 9 Mitglieder im Berliner Parlament!
Martin
22.10.2011, 13:49 Uhr
Aussagen von Partei und Personen bitte trennen
Ich weise kurz darauf hin, dass bis zur Kreisverbandsgründung nur der Landesvorstand der Piraten die Partei in dieser Region repräsentiert. Als Ansprechpartner für die Piratenpartei im Kreis Nordhausen werde ich unter Kenntnis des Landesvorstands geführt.
Alle hier geäußerten Meinungen und Ansichten sind privater Natur. Inbesondere gilt das für den Forenartikel von Christian. Auch die in den Kommentaren getätigten Äußerungen zu Themen sind nicht Parteipositon, sondern Einzelmeinungen.
Wer die Parteipositionen erfahren möchte, findet diese als Positionspapiere oder Programme auf den Webseiten der jeweiligen Gliederungen (piratenpartei.de und piraten-thueringen.de). Ich bitte um Verständnis, dass die Piratenpartei und ihre Mitglieder keine Suchmaschinen darstellen - da könnten wir auch mit der Konkurrenz nicht mithalten ;)
TeeEff
22.10.2011, 16:40 Uhr
Wenn er drunterschreibt...
"Ein Nordhäuser Pirat" - klingt das als würde er durchaus in Eurem Namen sprechen...
Sorry, aber ist so.
H.Buntfuß
22.10.2011, 17:04 Uhr
Piraten- eine Partei macht von sich reden.
Ich möchte vorweg nehmen, dass ich kein Mitglied der Piraten bin, sondern nur aus Interesse bei dem Treffen der Piraten anwesend war. Schwerter, Pistolen und Henkerseile, habe ich keine gesehen: dafür aber engagierte Personen, die Willens sind, die verkrustete deutsche Parteienlandschaft aufzumischen, im politischem Sinne versteht sich.
Das muss ich wohl hier extra betonen, denn es gibt Kommentarschreiber, die setzen die Partei in Verbindung mit den kriminellen Piraten, die leider noch nicht ausgestorben sind, wie man oft in den Medien zu hören bekommt.
Ich frage einmal, waren jene Personen, die hier versuchen, gegen die Partei Stimmung zu machen, überhaupt anwesend im Stepel? Ich glaube ein Herrn Schwarzberg nicht gesehen zu haben. Bei TeeEff bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube, er schreibt hier auch nur vom HÖREN SAGEN.
Wenn diese Personen da gewesen wären, dann wüssten sie auch, dass es sich bei diesem Treffen um ein Planungstreffen gehandelt hat. Das heißt die wenigen Mitglieder der Partei haben einfach nur ausgelotet wie groß der Zuspruch für diese Partei in Nordhausen ist.
Zum anderen stellten sie einige Punkte des Vorhabens der Partei vor. Ich spreche hier bewusst nicht von einem Programm. Das gibt es noch nicht in der Form, wie es andere Parteien vorlegen und welches dann schnell wieder in der Versenkung verschwindet, wenn die Wahlen gelaufen sind.
Wenn ich den Referenten richtig verstanden habe, gibt es eine Art von Portal im Netz, auf das jeder Bürger bei Interesse zugreifen kann. Dort kann er auch seine Meinung und Vorschläge zum Programm einbringen. Wichtig ist dabei, dass jede Meinung ernst genommen wird. Abstimmen über bestimmte Sachen, dürfen allerdings nur Mitglieder der Partei, aber das versteht sich ja von selbst, oder muss ich das extra erklären?
Vielleicht noch ein Wort zu dem Ausspruch: Piraten wollen den Kommentatoren Vorschriften machen. Ist es hier nicht eher so, dass der Kommentator, der Partei etwas andichten möchte?
Einer Partei, die es in Deutschland erst seit 2006 gibt und die erst seit vier Wochen im Berliner Senat sitzt, so einen Vorwurf zu machen. Da frage ich mich was diese Person, den Parteien zu sagen hat, die schon seit nunmehr 60. JAHREN in Deutschland ihr Unwesen treiben?
Dazu gehören auch DIE LINKEN, deren Vorgänger schon einen Staat ruiniert haben. Seit über 20. Jahren versuchen sie nun in der Bundespolitik mit zu mischen. Mit welchem Erfolg, das sieht wohl jeder selber? Wie sagte Frau Lötzsch eine der beiden Parteispitzen, in Erfurt: Die Menschen trauen uns nicht zu, dass wir etwas verändern können. Ich kenne einige der Genossen und kann somit der Genossin Lötzsch nur zustimmen.
Da es in Nordhäuser Kreis noch keinen Vorstand gibt, kann ich Herrn Brothuhn nicht als Pressesprecher anreden, obwohl er Parteimitglied ist. Sein Artikel zeigt in sehr großen Zügen auf, wie man den Weg der Partei gestalten möchte. Dabei geht es um Transparenz, dass heißt es geht um den gläsernen Politiker und nicht dem Bürger. Es soll eine rege Beteiligung der Bürger an der Politik geschaffen werden. Das bedeutet eine bessere Beziehung zwischen Bürger und Politiker, die es in diesem verkrusteten System schon vor sehr langer Zeit abgeschafft wurden.
Herr Brothuhn schreibt über das Urheberrecht, dazu sei zu sagen, es geht hierbei nicht nur um das Entchenlied. Hier geht es um Gesetzeslücken im Urheber- und Patentrecht. Die Partei vertritt die Meinung, dass es nicht gerechtfertigt ist, dass irgend welche Personen oder zum Beispiel die GEMA noch enormen Gewinn macht mit Urheberrechten, die es schon jahrelang nicht mehr gibt. Das gleiche gilt für das Patentrecht.
Hier zeigt sich sehr deutlich, dass deutsche Gesetze eine sehr große Grauzone haben. Das heißt doch im Umkehrschluss, jemand der viel Geld hat und sich einen cleveren Anwalt leisten kann, der muss vor der deutschen Rechtsprechung keinen Angst haben. Der Anwalt findet schon die Lücke im Gesetz die man benötigt. Aber ist das denn ein Wunder, ist es in Deutschland nicht so, dass Gesetze von der Wirtschaft vorgegeben werden und die Abgeordneten nur noch ihren Arm zu heben haben?
Ich habe auch noch eine aktuelle Neuigkeit. Im Dialog eine Sendung von Phoenix sprach der Börsenexperte und Buchautor Dirk Müller über die Krise in Europa. Er vertritt die Meinung: Griechenland ist vor der Pleite nicht mehr zu retten. Die Einführung des Euro ist seiner Ansicht nach, ein großer Fehler der Politik gewesen.Das System Soziale Marktwirtschaft trägt die Schuld an dieser Krise. Von sozial ist bei dieser Marktwirtschaft nichts mehr zu spüren, so Müller. Er geht weiter davon aus, dass eine Inflation unausweichlich sei.
Vielleicht fragen die Kommentatoren, die von den Piraten Antworten haben wollen, einmal die regierenden Parteien und ihren Handlangern nach Antworten. Ich bin schon gespannt wie man ihnen antworten wird. Wenn die Parteien nicht zustande bringen, aber wie man Floskel verbreitet, dass verstehen sie aus dem Effeff. Ich möchte auch nicht den Anschein erwecken, dass ich im Namen der Partei spreche. Ich stelle nur einige Punkte zur Debatte in Bezug auf diese Partei.
Stewart
22.10.2011, 22:02 Uhr
Blasen sind zum Platzen da
Piratenpartei ist ein schöner Hype, weil anders und gefühlt unkonventionell. Unwissenheit ist zwar unkonventionell, aber deshalb noch lange nicht zeitgemäß, sprich Hype. Wenn der voraussichtliche Fraktionschef der Piraten im künftigen Berliner Senat bei der Verschuldung des Bundeslendes, für das er kandidierte und gewählt wurde, nicht einmal weiß, wie hoch diese für Berlin ist (er erwähnte öffentlich, es seien ein paar Millionen, dabei sind es über 60 Milliarden), dann geht das über einen Hype hinaus. Das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Die "alten" Parteien sind blind vor Macht, die "neuen" blind vor Unwissenheit. Nur mal ein Zitat aus dem Parteiprogramm der Piraten: "Die Piratenpartei lehnt die Erfassung des Merkmals "Geschlecht" durch staatliche Behörden ab....Der Zwang zum geschlechtseindeutigen Vornamen ist abzuschaffen." Dazu nur ein zwei Beispiele: Jungen und Mädchen, also nach den Piraten "die gleichen", gehen sich künftig als Jugendliche im Sportunterricht (Schule ist staatliche Behörde und darf Geschlecht nicht mehr erfassen) gemeinsam umziehen. Toll!
In Rathäusern (auch Behörde) benutzen "konventionelle" Frauen und Männer künftig die gleiche Toilette (mag gehen - mit der Verordnung zum generellen Sitzenpinkeln und Schminkenverbot). Wow! Alles sehr wichtig für den Fortbestand der Demokratie! Im Parteiprogramm der Piraten tauchen übrigens lebensumfassende (nicht nur "digitale") Standpunkte bzw. Begriffe im Sinne von Politik wie z. B. zur Gesundheit, Bundeswehr, zu Steuern oder Europa gar nicht auf. Schade!
Martin
23.10.2011, 13:12 Uhr
Dieses, jenes
TeeEff: Deshalb stell ichs ja klar :)
Ansonsten fällt vielleicht auf, dass ich hier vieles einfach stehen lasse. Das passiert zum Einen aus Zustimmung und zum Anderen, weil man auf Vieles am Besten einfach nicht reagiert. Zum Beispiel, weil es provokativ oder schlecht recherchiert ist. Oder weil sich der Kommentator schon selbst "Kleingeist" nennt... ;)
TeeEff
23.10.2011, 16:57 Uhr
Wieder ein "False Friend"...
wie so oft im Englischen. Kleingeist wäre eher small mind oder besser noch als Adjektiv verwendet narrow-minded. (The) Little Ghost ist immer "Der Kleine Geist" - übrigens u.a. eine schöne, süß illustrierte Kindergeschichte von Vivian French (sic).
Real Human
23.10.2011, 19:54 Uhr
Gysi nimmt Piraten ernst!
Weil sich meinem Eindruck nach hier vor allem politisch linksorientierte Kommentatoren kritisch zu den Piraten geäußert haben, gebe ich hier einmal die Meinung eines Oberlinken zu den Piraten wider:
Am 21. Oktober gab Gregor Gysi im "nordwestradio" ein Interview u.a. zu diesem Thema. (Siehe und höre auch: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/gespraechszeit/gzgregorgysi100.html und zwar die zweite Audiodatei!)
Silke Engel [Interviewerin]:
Kommen wir doch mal zu den Inhalten, Gregor Gysi! Stichwort – Piratenpartei, aber jetzt auch der außerparlamentarische Protest gegen die ganzen Banken. Da stellt man fest, dass die Linke nicht mehr ganz so stark mobilisiert, wie sie es noch zu Zeiten von WASG und Hartz-4 getan hat.
Woran liegt es das, obwohl ja diese Ohnmacht mindestens genau so stark ist wie damals, als die Hartz-4-Gesetze eingeführt wurden? Warum ist die Linke momentan nicht mehr ganz vorne mit dabei in dieser Bewegung, obwohl ja auch gerade Antikapitalismus, diese ganze Kritik am Finanzsystem Ihr Thema ist?
Gregor Gysi:
Also, bei Hartz-4 war es auch nicht so, dass wir die Montagsdemos erfunden haben. Da gab es einen einzelnen Mann in Magdeburg, der hat‘n Zettel 1000mal hergestellt und verteilt und dann kamen 10.000 Leute.
Da sind wir hinterher gerannt – das ist die Wahrheit! – und haben von da an natürlich die ganze Sache unterstützt. Aber wir waren gar nicht die Initiatoren. Trotzdem, damals bildete sich die WASG heraus, aber in Auseinandersetzung mit der Agenda 2010 und der Sozialdemokratie und der tiefen Enttäuschung, dass gerade die Regierung von Schröder und Fischer eine Vielzahl unsozialer Prozesse eingeleitet hatte.
[Anmerkung des Kommentators: Zu dieser Zeit wollte die Nordhäuser PDS mit genau dieser SPD einen Roten Deal vereinbaren!]
Das war ja auch etwas, was Relevanz hatte und deshalb habe ich von Anfang an gesagt, die WASG kann Bestand haben, also müssen wir mit ihr reden. …
… So, die Piratenpartei: Ich weiß noch, einen Tag vor der letzten Bundestagswahl war ich bei zwei Sendern mit Herrn Rasch und den Vertretern anderer Parteien. Und da konnten die Jugendlichen Fragen stellen. Und da gab es dann eine Frage zur Piratenpartei. Und da haben alle Anderen gesagt: Die [diese Frage] ist nicht nötig!
Und ich hab gesagt, die hat eine Relevanz. Und zwar hat sie deshalb eine Relevanz, weil sie ein Defizit bei uns deutlich macht.
Und das Defizit betrifft die neue Generation und ihre neue Kommunikation. Es geht ja nicht um d[en] Computer, sondern es geht um einen neuen Freiheitsbegriff. Es geht um einen neuen Eigentumsbegriff. Die sagen eben: Ja, wenn mir die S-Bahn mitgehört, weil sie Bundeseigentum ist, dann bezahle ich doch dafür nicht etc.!
Also völlig – sage ich mal – [eine] völlig andere Einstellung, die sie an den Tag legen. Und – das hat nie Sinn, dass man künstlich so wird, wie die Piraten sind. So nach dem Motto, wir machen die jetzt mal nach, um ihre Wählerinnen und Wähler zu bekommen. Das läuft nicht! Aber man braucht die Zusammenarbeit, man braucht das Gespräch, um die Welt der nächsten Generation zu versteh‘n. Wenn man nämlich mit der nächsten Generation nicht mitdenkt, dann wird man in einem ganz bestimmten Sinne konservativ. Und da müssen alle anderen Parteien – uns eingeschlossen – aufpassen!
Ich weiß noch nicht, ob die Piraten Bestand haben. Sie haben sich ja mit vielen Fragen noch gar nicht beschäftigt. Und wenn sie anfangen, sich mit den Fragen zu beschäftigen, weil sie müssen, dann kann das natürlich auch zu Verwerfungen führen etc.! Aber trotzdem muss man das ernst nehmen! (Zitatende)
Ich war übrigens auch bei der Piratenversammlung im Stepel – ohne gleich Mitglied zu werden. Hier kann – ich betone KANN – durchaus eine neue Bürgerbewegung heranwachsen, und zwar eine, mit der alle etablierten Parteien rechnen müssen. Ich kann denen, die schon immer wussten, wo es lang geht, nur raten, sich die entsprechenden Webseiten anzuschauen.
Aber wie schon Gregor Gysi richtig erkannt hat – Kopieren wird kaum etwas nützen. Es handelt sich nämlich um eine Bürgerbewegung des 21. Jahrhunderts. Mit den Techniken und Überzeugungen des vergangenen Jahrhunderts wird man vielleicht ewigen Hinterwäldlern gerecht, fortschrittliche junge Menschen wird man damit aber immer weniger erreichen.
Franz Tabak
23.10.2011, 20:59 Uhr
Unverständlich?
Wie soll man den Kommentar von Martin verstehen? Heißt das sich die Parteiführung, oder jene die sie zur Zeit kommissarisch leiten von der Basis in gewissermaßen distanzieren. Sollte das jetzt schon der Fall sein, dann gebe ich der Partei keine allzu große Lebensspanne. Von korrupten Führern und Vorständen, haben wir in diesem Land schon genug, glaube ich.
Was das Volk braucht, ist eine Partei deren Führung offen und ehrlich ihrer Basis gegenübertritt. Nur so kann eine Partei ein Volk für sich gewinnen. So wie ich den Kommentar von Martin gelesen habe, ist Herr Brothuhn zwar Mitglied der Partei, aber von dem was er geschrieben hat, nimmt die Partei Abstand. Wie heißt es: "Alle hier geäußerten Meinungen und Ansichten sind privater Natur. Inbesondere gilt das für den Forenartikel von Christian."
Genauso handhaben es die bekannten großen und kleinen Parteien. Äußert dort jemand einen Gedanken der der Führung nicht passt, wird er erst einmal gemaßregelt. Hilft das nicht wird er in der Öffentlichkeit als Nestbeschmutzer bezeichnet, wenn ihn das nicht zur Einsicht bringt, kommt was kommen muss....
Ich will nicht glauben, dass sich hier eine so genannte SCHICKI-MICKI Partei entwickelt?
Das wäre sehr bedauerlich.
brazil
23.10.2011, 23:42 Uhr
@Bodo Schwarzberg
. . . und wie Bodo Schwarzberg erst klingt ^^.
Ist es aber auch nicht. :-)
Martin
24.10.2011, 11:24 Uhr
Und täglich grüßt das Murmeltier
Da das System meinen Kommentar gefressen hat, schreib ich ihn jetzt nicht nochmal lang auf...
Die langweilige Märchenstunde von der Fremdsteuerung und von vorgetäuschter Basisdemkokratie wird immer mal wieder ausgepackt und dann lang widerlegt - und ist im Internet demnach zu genüge dokumentiert, bitte selber nachlesen.
Beobachtbarer Umstand ist, und das darf bei uns jeder vor Ort und beim Landesparteitag in Ilmenau am 5.11. oder beim Bundesparteitag in Offenbach am
3./4. Dezember gerne aus erster Hand erfahren, es läuft immer gleich: Die anwesenden Mitglieder entscheiden (nicht Delegierten oder "kommissarisch Leitende" (haha), denn wir haben keine). Wo Hanni eine Maßregelung siehst, sehe ich eine Klarstellung, deren Notwendigkeit ja danach auch gleich von anderen Kommentatoren belegt wurde.
Im Übrigen haben wir als basisdemokratische Partei keine "Führung", wir haben einen Vorstand der von der Basis gewählt wird. Geführt wird bei uns nichts, ganz sicher nicht die Basis. Ich habe zudem nicht den Eindruck, dass wir "ein Volk für uns gewinnen wollen" (solche Rhetorik überlassen wir Anderen) - wir wollen aufgeklärte, denkende Bürger von unseren Inhalten überzeugen und noch lieber für Mitarbeit gewinnen.
Auch die mangelnd große Lebensspanne wird uns alle fünf Minuten aufs Neue prophezeit und man stellt nach kurzer Recherche dann fest: Sie ist seit sechs Jahren falsch, Mitgliederwachstum und in Wahlen ausgedrückte Zustimmung durch die Bürger lassen nicht vermuten, das wir in nächster Zeit verschwinden.
Man möge mir verzeihen, dass mir der Humor langsam abkömmlich wird, dass liegt am Mangel an Recherche oder eigener Erfahrung der hier zum eigentlichen Thema in die Diskussion einfließt. Denn davon, und von nichts anderem, zeugt dieser schlappe "Schicki-Micki"-Kommentar.
Im Übrigen, lieber "Hanni", heiße ich wirklich Martin - keine Notwendigkeit für Anführungszeichen.
Harzer_Wolf
24.10.2011, 13:21 Uhr
Das ist schon die Angst
Sehr geehrter Martin, das ist schon die pure Angst, die hier einige User an den Tag legen, ob der richtig guten Umfragewerte Ihrer Partei. Darauf können und dürfen Sie stolz sein. Wenn ich Ihnen trotzdem einen Rat geben darf: Diskutieren Sie nicht zu oft mit diesen Besserwissern.
Irgendwann wird dann mal ein falsches Wort auf die Goldwaage gelegt. Ich kann Ihnen und den Piraten nur eines wünschen - nämlich viel Erfolg!
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