Sa, 09:07 Uhr
11.02.2012
Hagelstange-Lesebuch (5)
Am 14. November 2011 wurde im Tabakspeicher in Nordhausen die von der Stadt herausgegebene Publikation Rudolf Hagelstange, der Schriftsteller und Dichter aus Nordhausen am Harz - Ein Lesebuch vorgestellt. Hagelstange wurde am 14. Januar 1912 in Nordhausen geboren. In lockerer Folge soll in der nnz Rudolf Hagelstange den Lesern nahe gebracht werden...
Villa Massimo (Foto: privat)
Im Jahr 1910 erwarb der preußische Unternehmer Eduard Arnhold (1849-1925), durch den Kohlehandel sehr wohlhabend geworden, ein größeres Gelände an der Peripherie Roms. Er, Senator der Akademie der Künste in Berlin und Italienfreund, hatte miterlebt, wie ärmlich und ungesund deutsche Künstler in Rom lebten. Dem wollte er abhelfen. Das Grundstück befand sich in einer gesunden Höhenlage, die Schutz vor Malaria und Sommerhitze bot.
Ein Park mit alten Bäumen war ideal für die Inspiration. Arnhold ließ eine Villa und zehn aneinander gereihte moderne Ateliers mit dazugehörigen Wohnungen bauen. In diesen Atelierswohnungen lebten 1976 sowohl Kühlewein mit Frau und Tochter, denn er war mit einem Studienförderungsaufenthalt der Villa Massimo Rom ausgezeichnet worden, als auch Hagelstange. Familie Kühlewein lud ihren Nachbarn zum Frühstück ein, um ihn kennenzulernen, nicht ahnend, dass es sich dabei um den vor allem von Frau Kühlewein geschätzten Autor handele.
Kühlewein (Foto: privat)
Es begann eine Freundschaft, die bis zum Tode des Literaten 1984 währte. Im Hagelstange-Lesebuch der Stadt Nordhausen ist darüber, vom Künstler verfasst, nachzulesen. … seine etwas längeren, glatt glänzenden, weiß schimmernden Haare, das braungebrannte Wettergesicht und die hellblauen Augen unter den buschigen Brauen, dazu der etwas locker sitzende, kombinierte graue Anzug – so schaut nicht jeder oder gar irgendeiner aus … Er gehörte 1957 zu den ersten Stipendiaten der Villa Massimo, als nach dem Zweiten Weltkrieg durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, das ganze Areal – vom italienischen Staat beschlagnahmt – wieder in deutschen Besitz übergegangen war ... Und jetzt hatte man sich des einstigen Stipendiaten erinnert und ihn als Gast eingeladen ...
Aus dieser ersten Begegnung erwuchs eine ganz besondere und für meine menschliche und künstlerische Entwicklung prägende Freundschaft. Wohl auch deshalb, weil er – fast so alt wie meine Frau und ich zusammen – niemals seine an Lebensweisheit reiche Persönlichkeit uns hat spüren lassen. Mit der Ausnahme, dass er mich einmal schweigend betrachtete, mit maskenhaftem Gesicht, als ich einen zeitgenössischen Maler hart kritisierte. Da schämte ich mich. Sein Schweigen, diese Kraft atmende Ruhe – er war ein Gigant! Bernhard Kühlewein wurde 1938 in München geboren, studierte dort an der Akademie der freischaffenden Künste Zeichnen, Malerei, Kunstgeschichte und an der Universität Anatomie.
Skizzenblatt (Foto: privat)
Es schloss sich eine Lehrzeit in einem Meisterbetrieb mit der Gesellenprüfung im Maler- und Vergolderhandwerk an als eine sinnvolle, auf die Praxis des Lebens und des Berufs bezogenen Ergänzung ...", so Kühlewein. Er malt Stillleben, Landschaften in allen Jahreszeiten mit und ohne Menschen, Porträts. Er bemalt Glas, Porzellan, Wände, Decken, Möbel.
So schuf er Wandgemälde für das Fürstliche Haus Thurn und Taxis, Entwürfe für Glasfenster, Porzellanmalereien für die Firma Rosenthal. gestaltete Bieretiketten, Plakate u. a. m. Kühlewein entwarf auch Bühnenbilder und Requisiten und spielte den Prinzipal im Festspiel der Landshuter Hochzeit 1475, wo er auch Regie führte.
Mit seinen Ölbildern z. B. erregte er 1989 durch eine über zweihundert Werke umfassende Ausstellung im Europäischen Patentamt weitreichendes Interesse.
Lesen und Malen (Foto: privat)
Es war offensichtlich, das Kühlewein eine unverwechselbare Künstlerpersönlichkeit darstellt. Sein Wohnsitz und der parkähnliche Garten in der Nähe von Landshut war ein ehemaliger Bauernhof, der nach und nach umgebaut wurde, so dass er einem Gesamtkunstwerk gleicht. Paradiesähnlich öffnet sich das Anwesen dem Besucher, die gemalte Eva und der gemalte Adam begrüßen die Kommenden. Der vielseitige Künstler illustrierte auch ca. 30 Bücher, z. B. Von großen und kleinen Tieren - Lustig- listige Fabeln und Letzte Nächte von Rudolf Hagelstange. In Nordhausen zeigt er in einem Raum mehrere Originalskizzen des Fabelbuches.
Kühlewein trug mit seinen darstellerischen Fähigkeiten während der Eröffnung der Sonderausstellung Rudolf Hagelstange - Literatur und Kunst das humorvoll-hintergründige Ochsenschwanzgedicht vor. Der Kühlewein-Raum im Kunsthaus ist auch das Lesezimmer der Ausstellung. Mehrmals versammelten sich dort bisher Kinder verschiedenen Alters, um Kindergeschichten Hagelstanges zu lauschen.
Heute wird ab 14.00 Uhr die nächste Hagelstange-Lesung für Erwachsene im Kunsthaus von der Stadtbibliothek angeboten. Am 19. Februar folgt eine nächste Führung mit Heidelore Kneffel ab 15.00 Uhr.
Autor: nnzBernhard Kühlewein aus Landshut, eine vielseitige Künstlerpersönlichkeit, zu Besuch in Nordhausen
Am 13. 1. 2012 reiste in Nordhausen ein Kunstmaler und seine Frau an, die mit dem Literaten Rudolf Hagelstange im Jahr 1976 bekannt wurden – das Ehepaar Bernhard und Ortrun Kühlewein. Das geschah in Rom in der Villa Massimo, die deutschen Autoren, Künstler, Komponisten, Architekten seit Jahrzehnten Stipendien vergibt. Ein kurzer Hinweis zur Historie dieser Einrichtung sei hier eingefügt.
Villa Massimo (Foto: privat)
Im Jahr 1910 erwarb der preußische Unternehmer Eduard Arnhold (1849-1925), durch den Kohlehandel sehr wohlhabend geworden, ein größeres Gelände an der Peripherie Roms. Er, Senator der Akademie der Künste in Berlin und Italienfreund, hatte miterlebt, wie ärmlich und ungesund deutsche Künstler in Rom lebten. Dem wollte er abhelfen. Das Grundstück befand sich in einer gesunden Höhenlage, die Schutz vor Malaria und Sommerhitze bot. Ein Park mit alten Bäumen war ideal für die Inspiration. Arnhold ließ eine Villa und zehn aneinander gereihte moderne Ateliers mit dazugehörigen Wohnungen bauen. In diesen Atelierswohnungen lebten 1976 sowohl Kühlewein mit Frau und Tochter, denn er war mit einem Studienförderungsaufenthalt der Villa Massimo Rom ausgezeichnet worden, als auch Hagelstange. Familie Kühlewein lud ihren Nachbarn zum Frühstück ein, um ihn kennenzulernen, nicht ahnend, dass es sich dabei um den vor allem von Frau Kühlewein geschätzten Autor handele.
Kühlewein (Foto: privat)
Es begann eine Freundschaft, die bis zum Tode des Literaten 1984 währte. Im Hagelstange-Lesebuch der Stadt Nordhausen ist darüber, vom Künstler verfasst, nachzulesen. … seine etwas längeren, glatt glänzenden, weiß schimmernden Haare, das braungebrannte Wettergesicht und die hellblauen Augen unter den buschigen Brauen, dazu der etwas locker sitzende, kombinierte graue Anzug – so schaut nicht jeder oder gar irgendeiner aus … Er gehörte 1957 zu den ersten Stipendiaten der Villa Massimo, als nach dem Zweiten Weltkrieg durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, das ganze Areal – vom italienischen Staat beschlagnahmt – wieder in deutschen Besitz übergegangen war ... Und jetzt hatte man sich des einstigen Stipendiaten erinnert und ihn als Gast eingeladen ... Aus dieser ersten Begegnung erwuchs eine ganz besondere und für meine menschliche und künstlerische Entwicklung prägende Freundschaft. Wohl auch deshalb, weil er – fast so alt wie meine Frau und ich zusammen – niemals seine an Lebensweisheit reiche Persönlichkeit uns hat spüren lassen. Mit der Ausnahme, dass er mich einmal schweigend betrachtete, mit maskenhaftem Gesicht, als ich einen zeitgenössischen Maler hart kritisierte. Da schämte ich mich. Sein Schweigen, diese Kraft atmende Ruhe – er war ein Gigant! Bernhard Kühlewein wurde 1938 in München geboren, studierte dort an der Akademie der freischaffenden Künste Zeichnen, Malerei, Kunstgeschichte und an der Universität Anatomie.
Skizzenblatt (Foto: privat)
Es schloss sich eine Lehrzeit in einem Meisterbetrieb mit der Gesellenprüfung im Maler- und Vergolderhandwerk an als eine sinnvolle, auf die Praxis des Lebens und des Berufs bezogenen Ergänzung ...", so Kühlewein. Er malt Stillleben, Landschaften in allen Jahreszeiten mit und ohne Menschen, Porträts. Er bemalt Glas, Porzellan, Wände, Decken, Möbel.So schuf er Wandgemälde für das Fürstliche Haus Thurn und Taxis, Entwürfe für Glasfenster, Porzellanmalereien für die Firma Rosenthal. gestaltete Bieretiketten, Plakate u. a. m. Kühlewein entwarf auch Bühnenbilder und Requisiten und spielte den Prinzipal im Festspiel der Landshuter Hochzeit 1475, wo er auch Regie führte.
Mit seinen Ölbildern z. B. erregte er 1989 durch eine über zweihundert Werke umfassende Ausstellung im Europäischen Patentamt weitreichendes Interesse.
Lesen und Malen (Foto: privat)
Es war offensichtlich, das Kühlewein eine unverwechselbare Künstlerpersönlichkeit darstellt. Sein Wohnsitz und der parkähnliche Garten in der Nähe von Landshut war ein ehemaliger Bauernhof, der nach und nach umgebaut wurde, so dass er einem Gesamtkunstwerk gleicht. Paradiesähnlich öffnet sich das Anwesen dem Besucher, die gemalte Eva und der gemalte Adam begrüßen die Kommenden. Der vielseitige Künstler illustrierte auch ca. 30 Bücher, z. B. Von großen und kleinen Tieren - Lustig- listige Fabeln und Letzte Nächte von Rudolf Hagelstange. In Nordhausen zeigt er in einem Raum mehrere Originalskizzen des Fabelbuches. Kühlewein trug mit seinen darstellerischen Fähigkeiten während der Eröffnung der Sonderausstellung Rudolf Hagelstange - Literatur und Kunst das humorvoll-hintergründige Ochsenschwanzgedicht vor. Der Kühlewein-Raum im Kunsthaus ist auch das Lesezimmer der Ausstellung. Mehrmals versammelten sich dort bisher Kinder verschiedenen Alters, um Kindergeschichten Hagelstanges zu lauschen.
Heute wird ab 14.00 Uhr die nächste Hagelstange-Lesung für Erwachsene im Kunsthaus von der Stadtbibliothek angeboten. Am 19. Februar folgt eine nächste Führung mit Heidelore Kneffel ab 15.00 Uhr.


