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Mo, 12:53 Uhr
13.02.2012

Forstgeschichtliches aus dem Südharz

Die Geschichte und die Geschichten der Südharz-Region sind sehr vielfältig. Auch aus dem Bereich der Forstwirtschaft gibt es Bemerkenswertes und bemerkenswerte Menschen, die Klaus-W. Brüggemann Ihnen vorstellen will...

Das Grab (Foto: privat) Das Grab (Foto: privat)
Das Familiengrab der Familie Drechsler auf dem Hofberg am Gut. Im mittleren Grab ist der Forstrat Gustav Drechsler beerdigt.

Der höhere Forstbeamte des Königreiches Hannover, Karl Christian Gustav Drechsler, wurde am 8. März 1807 in Zellerfeld im Oberharz geboren. Sein Vater, der Apotheker und Lehrer der Naturwissenschaften an der Bergschule Clausthal, Dr. Friedrich Drechsler, und sein späterer Stiefvater, Bergsekretär von Wiedheim, sorgten für eine gute Schulausbildung, u.a. am Collegium Carolinum in Braunschweig.

Gustav Drechsler begann die forstliche Laufbahn mit einer praktischen Ausbildung unter dem Oberförster Wilhelm von Uslar in Lauterberg, später Kammerpräsident in Braunschweig. Es folgte ein Forststudium an der Forstakademie in Tharandt bei Dresden, die von dem Thüringer Heinrich Cotta gegründet wurde und einen exzellenten Ruf besaß. Oberforstrat Cotta war ein forstlicher Klassiker und Begründer der neueren Forstwirtschaft. 1827 zum Forstauditor bestellt, schloss sich ein Studium in Göttingen an, was im Urlaub 1830/31 in Berlin ergänzt wurde. Eine Reisezeit durch Sachsen, das Riesengebirge, Österreich, Süd- und Westdeutschland beendete die Lehrzeit. Die theoretischen Kenntnisse wurden mit der mitteleuropäischen Waldbaupraxis abgeglichen.

Nach nur einem Jahr als Forstschreiber wirkte Drechsler 1833 als zum Forstassessor ernannter Lehrer an der Feldjäger- und Forstschule in Clausthal. Anschließend richtete er unter besonderer Order die hannoverschen Domanial- und Klosterforsten ein. Der berufliche Werdegang setzte sich 1840 als Oberförster und Referent beim Berg- und Forstamt des Westharzes fort. Auch als Inspektionsleiter 1844 in Lauterberg bildete er weiter junge Forstmänner, auch aus dem Ausland, aus. Die deutsche Forstwirtschaft galt als beispielgebend in Europa, besonders in Nord- und Osteuropa.

Ein Höhepunkt im Berufsleben war die Berufung 1847 durch König Ernst August von Hannover zum Referenten für Forsten in der Domänenkammer. Sehr anspruchsvoll war die Aufgabe der Neuorganisation des Forstwesens im Königreich, die er als Forst- und Kammerrat 1848 in Angriff nahm. Die Evaluierung des gesamten Forstpersonals auf Leistungsparameter unter weitest gehender Vernachlässigung der Nobilität war seine Aufgabe. Dieser wurde er menschlich und ergebnisorientiert gerecht.

Nach realisierter Reorganisation sollte der Forstrat Gustav Drechsler die Nachfolge des an der Spitze der königlich hannoverschen Forstverwaltung stehenden Oberforstmeisters Christian von Düring antreten. Nach dem frühen Tod Drechslers am 24. August 1850 in Hannover infolge einer körperlichen Erschöpfung und einer Erkältung blieb die Chefstelle bis 1857 vakant.
Drechsler war Abgeordneter der Ständeversammlung, gewählt von den Städten Clausthal und Zellerfeld.

Er veröffentlichte über den Rückgang der Eiche in den hannoverschen Landesforsten und u.a. über Nebennutzungen im Forst. Hier kam er zu dem Ergebnis, dass die Beerenernte im Wald mit anschließender Vermarktung im Königreich Hannover der Bevölkerung ein Gesamteinkommen von 145.000 Reichstalern sicherte, das waren 12 Prozent des Arbeitsverdienstes. Die klassische und in Berufskreisen viel beachtete Monographie „Die Forsten des Königreiches Hannover“ erschien erst nach seinem Tode.

Gustav Drechsler kaufte 1837 das Gut Krimderode (früher Crimderode). Krimderode war im Amt Hohenstein, Landdrostei Hildesheim, im Königreich Hannover gelegen. Er vererbte es seinem Sohn, Prof. Dr. Gustav Drechsler, der ein bedeutender Agronom war.

Auf dem Hofberg, ein Waldstück des Gutes Krimderode, liegt die Erbbegräbnisstätte der Familie Drechsler. Die Ruhestätte ist kirchliches Eigentum. Im mittleren Grab ist der Forstmann Gustav Drechsler beigesetzt. Der knapp fünf Hektar große Forst unweit des Flusses Zorge wird im Grundbestand von Alteichen geprägt, die um 1825 begründet wurden, also zu Lebzeiten Drechslers.
Klaus-W. Brüggemann

Der Autor ist Leiter des Forstamtes Bleicherode-Südharz
Autor: nnz

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