Sa, 10:15 Uhr
20.10.2012
Der Abstieg der Profis
Der englische Autor (und Fußballfan) Sir Terry Pratchett hat einmal gesagt: "Alles hat einen Grund. Außer vielleicht Fußball." Dem könnte man nach dem gestrigen Abend im Nordhäuser Stadttheater hinzufügen: "Und seiner Darstellung auf einer Bühne". Im übersichtlich gefüllten Saal saß Olaf Schulze für die nnz in der Rudolstädter Schauspielpremiere "Der Aufstieg der Amateure".
Die Band im Dress, ein Reporter, ein Torhüter beim Aufwärmen
Folgenden Erkenntnisgewinn ziehe ich aus der Aufführung des "Fußballkrimi mit Pauken und Trompeten", wie die Rudolstädter Theaterleitung ihr Projekt bescheiden untertitelte:
1. Es gibt Dinge im Leben, die passen nicht zusammen. Fußball und Theater zum Beispiel.
2. Manche Ereignisse braucht niemand und man könnte sie getrost weglassen.
3. Nur weil etwas skurril ist, ist es noch lange nicht unterhaltend.
Blick ins Bühnenstadion von der Sportsbar aus
Offensichtlich war ein nicht unerheblicher Teil des Nordhäuser Premierenpublikums allein durch die Kraft des kognitiven Denkens zu den gleichen Schlüssen gekommen, und hatte für sich hinzugefügt, dass sie 4. dann lieber zu Hause blieben. Dafür war die komplette Herrenmannschaft von Wacker Nordhausen im Theater und wohnte den zweieinhalb Stunden bei, die das Spektakel dauern musste.
Warum eigentlich so lange? Ein Spiel geht 90 Minuten und das hätte wirklich gereicht.
So reihten sich die abgestandensten Kalauer seit der Entwicklung der menschlichen Sprache mit den plattesten Fußballklischees aneinander, die sich denken lassen. Die – wenn man es überhaupt so nennen darf – Handlung war so spannend wie das Entrollen einer Bahn Raufasertapete. Die dramatische Wendung zum Schluss war so überraschend wie die Tatsache, dass aus einem Wasserhahn Wasser fließt.
Viel Lärm um ... Motor Eppelstädt
Das Autorenteam dieser Uraufführung besteht aus Intendant (Steffen Mensching) und Chefdramaturg (Michael Kliefert) des Rudolstädter Theaters. Der einstmals liedermachende Intendant wird wohl auch den Kontakt zur Berliner Brass- und Spaßkapelle Schnaftl Ufftschik hergestellt haben, die den Abend musikalisch begleitet (wenn die Musiker nicht gerade in Trikots der TSG Hoffenheim albern durch den Bühnenhintergrund rennen oder so tun müssen als seien sie Reinkarnationen von Steve Jobs und wollten mit ihrem Elektronikprodukt als Sponsor einsteigen). Der fiktive Ort des Geschehens heißt nämlich Eppelstädt. Na – verstanden? Eppelstädt wie Apple - hahaha!
Vielleicht hätte der mitdichtende Dramaturg sich auch noch mal Sean O' Caseys "Der Preispokal" ansehen können. Der alte Ire beweist nämlich, dass man durchaus auf der Bühne über Fußball reden kann. Es braucht dann aber dafür handelnde Figuren mit erkennbaren Strukturen und keine Abziehbilder im Stile der Privatfernsehen-Unterhaltung.
Ein Theaterstück war das nicht gestern Abend, eine Revue mit Musik auch nicht, auch kein richtiges Ballett. Nennen wir es also "Fußballkrimi mit Pauken und Trompeten". Mensch, Mensching – ich glaube das war ein Eigentor.
Olaf Schulze
Autor: nnz/knDie Band im Dress, ein Reporter, ein Torhüter beim Aufwärmen
Folgenden Erkenntnisgewinn ziehe ich aus der Aufführung des "Fußballkrimi mit Pauken und Trompeten", wie die Rudolstädter Theaterleitung ihr Projekt bescheiden untertitelte:
1. Es gibt Dinge im Leben, die passen nicht zusammen. Fußball und Theater zum Beispiel.
2. Manche Ereignisse braucht niemand und man könnte sie getrost weglassen.
3. Nur weil etwas skurril ist, ist es noch lange nicht unterhaltend.
Blick ins Bühnenstadion von der Sportsbar aus
Offensichtlich war ein nicht unerheblicher Teil des Nordhäuser Premierenpublikums allein durch die Kraft des kognitiven Denkens zu den gleichen Schlüssen gekommen, und hatte für sich hinzugefügt, dass sie 4. dann lieber zu Hause blieben. Dafür war die komplette Herrenmannschaft von Wacker Nordhausen im Theater und wohnte den zweieinhalb Stunden bei, die das Spektakel dauern musste.
Warum eigentlich so lange? Ein Spiel geht 90 Minuten und das hätte wirklich gereicht.
So reihten sich die abgestandensten Kalauer seit der Entwicklung der menschlichen Sprache mit den plattesten Fußballklischees aneinander, die sich denken lassen. Die – wenn man es überhaupt so nennen darf – Handlung war so spannend wie das Entrollen einer Bahn Raufasertapete. Die dramatische Wendung zum Schluss war so überraschend wie die Tatsache, dass aus einem Wasserhahn Wasser fließt.
Viel Lärm um ... Motor Eppelstädt
Das Autorenteam dieser Uraufführung besteht aus Intendant (Steffen Mensching) und Chefdramaturg (Michael Kliefert) des Rudolstädter Theaters. Der einstmals liedermachende Intendant wird wohl auch den Kontakt zur Berliner Brass- und Spaßkapelle Schnaftl Ufftschik hergestellt haben, die den Abend musikalisch begleitet (wenn die Musiker nicht gerade in Trikots der TSG Hoffenheim albern durch den Bühnenhintergrund rennen oder so tun müssen als seien sie Reinkarnationen von Steve Jobs und wollten mit ihrem Elektronikprodukt als Sponsor einsteigen). Der fiktive Ort des Geschehens heißt nämlich Eppelstädt. Na – verstanden? Eppelstädt wie Apple - hahaha!
Vielleicht hätte der mitdichtende Dramaturg sich auch noch mal Sean O' Caseys "Der Preispokal" ansehen können. Der alte Ire beweist nämlich, dass man durchaus auf der Bühne über Fußball reden kann. Es braucht dann aber dafür handelnde Figuren mit erkennbaren Strukturen und keine Abziehbilder im Stile der Privatfernsehen-Unterhaltung.
Ein Theaterstück war das nicht gestern Abend, eine Revue mit Musik auch nicht, auch kein richtiges Ballett. Nennen wir es also "Fußballkrimi mit Pauken und Trompeten". Mensch, Mensching – ich glaube das war ein Eigentor.
Olaf Schulze




