Di, 09:00 Uhr
06.05.2014
Der Meiler brennt!
Das Forstamt Bleicherode-Südharz lässt das traditionsreiche Harzer Köhlereihandwerk eine kleine Renaissance erleben. Derzeit wird im forstamtseigenen Ausbildungsstützpunkt von sieben Lehrlingen, unter Anleitung eines erfahrenen Forstwirtschaftsmeisters und Otto Ibe ein historischer und detailgetreuer Harzer Erdmeiler errichtet...
Von links: Auszubildende unter Anleitung eines Forstwirtschaftsmeisters beim Aufbau des tradionellen Harzer Erdmeilers auf dem Ausbildungsgelände. Von links: Patrik Niemand, David Graf, Lars Scharfe (Forstwirtschaftsmeister), Domenik Huke
Ab dem 13. bis Anfang des 19. Jahrhunderts galt der Harz, besonders der Iberg im Westharz bei Bad Grund, Zellerfeld, Königskrug bei Braunlage und Wolfshagen als bergbauliches Dreh- und Angelkreuz Deutschlands.
Hunderte Klein- und Kleinstbergwerke mit weitreichenden Stollensystemen plünderten das Deutsche Mittelgebirge auf der Suche nach Eisenerzen, Kupfer und sogar Silber aus. Zur Verhüttung der wertvollen Metalle benötigten die Schmelzöfen Unmengen an Holzkohle. Steinkohle war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Im Südharzer Bereich verhüttete man ebenfalls Metalle, die nötige Holzkohle gewann man unter anderem auf Großkohlungsplätzen in Lauterberg und Sieber, sowie in den Flussrändern des nördlichen Harzrandes.
Anfang des 16. Jahnhunderts betrieb der Köhlermeister zusammen mit seinen Gesellen und Knechten den bis dahin weit verbreiteten Grubenmeiler, dessen Wirkungsgrad bei 15 % – max. 20 % lag. Dieser Meilertyp war einfach im Aufbau. In einer 1,5 m tiefen Erdmulde schürte man ein Feuer, bis diese mindestens zur Hälfte mit glühender Holzkohle voll war. Folglich erstickte man den Grubenmeiler mit Erdreich und gewann somit Holzkohle. Der geringe Wirkungsgrad und zeitaufwendiges Ausschaufeln der erzeugten Holzkohle aus der Erdgrube lösten den Meiler durch schleichende Prozesse im Laufe der Jahrhunderte ab.
Der Erdmeiler setzte sich im 16. Jahrhundert endgültig durch, obwohl schon im 13. Jahrhundert vereinzelt angewendet. Bis zum damaligen Zeitpunkt (16. Jahrhundert) kannte man keinen bzw. kaum Holzmangel. Das änderte sich, als riesige Flächen über die Jahrhunderte kahlgeschlagen wurden und Ackerbau sowie Viehzucht vornehmlich im Oberharz die Flächen beanspruchten. Somit änderten sich auch die Harzer Waldbestände. Zuvor überwiegend buchendominierte Wälder wichen reinen Fichtenkulturen, da diese leichter aufzuforsten waren und einen höheren Holzertrag auf gleicher Fläche erbrachten.
Die Holzköhlerei veränderte nachhaltig das Gesicht des Harzes, bis heute. Sie wurde bis 1975 im Staatsforstbetrieb Ilfeld auf dem Hufhaus weiter betrieben und das Schwarze Gold des Harzes in Wagons bei Rottleberode verladen. Um diesen Traditionsberuf nicht in völlige Vergessenheit geraten zu lassen, entschloss sich das Forstamt Bleicherode-Südharz ein Ausbildungsprojekt daraus erwachsen zu lassen.
Ein historischer Erdmeiler wurde errichtet. Die benötigten 25 Raummeter Buchen- und Eschenmeterscheite kamen aus dem Forstrevier Rothesütte. Hartlaubholz gleicher Güte, wird für eine gleichmäßigen Kohlprozess und Holzkohle höchster Güte verwendet. Zum Aufbau des Erdmeilers: Am Anfang steht die Herrichtung des Meilerplatzes und der Meilerplatte. Anschließend wird ein sogenannter Quandelschacht, ein zwei Meter hoher im Zentrum befindlicher Schacht. Der anschließend mit leicht brennbaren Astmaterial und trocknen Buchenstücken gefüllt wird und dem späteren Anzünden dient. Dicht an dicht stapeln die jungen Auszubildenden die vorbereiteten Holzscheite an den Quandelschacht, bis sich ein halbkugelförmiger Aufbau ergibt.
Restliche Hohlräume werden mit kleinen Hölzern geschlossen, dass sorgt für eine gleichmäßige Holzverkohlung. Nachdem der Erdmeiler mit einer Heuschicht luftdicht ummantelt war, konnte nun die Stübbe (Gemisch aus Erde und Holzkohleresten) aufgetragen werden. Fest angeklopft und gegen Abrutschen mit der Ober- und Unterrüstung sichern. Nachdem der Holzkohlemeiler über 25 Raummeter fasst, wird dieser durch den Quandelschacht entzündet. Durch kreisförmig angeordnete Luftlöcher in der Meilerkrone, die mit dem Stachel hineingetrieben wurden, steuert man den Verkohlungsprozess. So wiederholt sich der Vorgang, bis die Meilersohle erreicht ist.
Die optimale Arbeitstemperatur des Erdmeilers liegt bei 350 - 500 °C, dabei bleibt lediglich das Kohlenstoffgerüst übrig. Nach einer Woche des Meilerbrandes, beginnt die einwöchige Abkühlungsphase. Der Meiler wird nach und nach breit gezogen und kann sich kontinuierlich abkühlen. Auftretende Glutnester werden mit Wasser oder Stübbe gelöscht. Die Früchte seiner Arbeit sieht man dann bei der Meilerernte, die voraussichtlich am 16. Mai im Netzkater 9 in Ilfeld sein wird.
Säckeweise ist das schwarze Gold traditionsgerecht nach Harzer Köhlereikunst an Grillbegeisterte abzugeben. Eine ordentliche Ausbeute von 2 t wird erwartet. Hohe Qualität, gleichmäßige und ungeheuer lange Brenndauer zeichnen die Harzer Buchenholzkohle aus. Grillprofis werden sie zu schätzen wissen, ganz nach dem Motto der Köhlermeister Gut Brand.
Michael Böhme
Autor: redVon links: Auszubildende unter Anleitung eines Forstwirtschaftsmeisters beim Aufbau des tradionellen Harzer Erdmeilers auf dem Ausbildungsgelände. Von links: Patrik Niemand, David Graf, Lars Scharfe (Forstwirtschaftsmeister), Domenik Huke
Ab dem 13. bis Anfang des 19. Jahrhunderts galt der Harz, besonders der Iberg im Westharz bei Bad Grund, Zellerfeld, Königskrug bei Braunlage und Wolfshagen als bergbauliches Dreh- und Angelkreuz Deutschlands.
Hunderte Klein- und Kleinstbergwerke mit weitreichenden Stollensystemen plünderten das Deutsche Mittelgebirge auf der Suche nach Eisenerzen, Kupfer und sogar Silber aus. Zur Verhüttung der wertvollen Metalle benötigten die Schmelzöfen Unmengen an Holzkohle. Steinkohle war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Im Südharzer Bereich verhüttete man ebenfalls Metalle, die nötige Holzkohle gewann man unter anderem auf Großkohlungsplätzen in Lauterberg und Sieber, sowie in den Flussrändern des nördlichen Harzrandes.
Anfang des 16. Jahnhunderts betrieb der Köhlermeister zusammen mit seinen Gesellen und Knechten den bis dahin weit verbreiteten Grubenmeiler, dessen Wirkungsgrad bei 15 % – max. 20 % lag. Dieser Meilertyp war einfach im Aufbau. In einer 1,5 m tiefen Erdmulde schürte man ein Feuer, bis diese mindestens zur Hälfte mit glühender Holzkohle voll war. Folglich erstickte man den Grubenmeiler mit Erdreich und gewann somit Holzkohle. Der geringe Wirkungsgrad und zeitaufwendiges Ausschaufeln der erzeugten Holzkohle aus der Erdgrube lösten den Meiler durch schleichende Prozesse im Laufe der Jahrhunderte ab.
Der Erdmeiler setzte sich im 16. Jahrhundert endgültig durch, obwohl schon im 13. Jahrhundert vereinzelt angewendet. Bis zum damaligen Zeitpunkt (16. Jahrhundert) kannte man keinen bzw. kaum Holzmangel. Das änderte sich, als riesige Flächen über die Jahrhunderte kahlgeschlagen wurden und Ackerbau sowie Viehzucht vornehmlich im Oberharz die Flächen beanspruchten. Somit änderten sich auch die Harzer Waldbestände. Zuvor überwiegend buchendominierte Wälder wichen reinen Fichtenkulturen, da diese leichter aufzuforsten waren und einen höheren Holzertrag auf gleicher Fläche erbrachten.
Die Holzköhlerei veränderte nachhaltig das Gesicht des Harzes, bis heute. Sie wurde bis 1975 im Staatsforstbetrieb Ilfeld auf dem Hufhaus weiter betrieben und das Schwarze Gold des Harzes in Wagons bei Rottleberode verladen. Um diesen Traditionsberuf nicht in völlige Vergessenheit geraten zu lassen, entschloss sich das Forstamt Bleicherode-Südharz ein Ausbildungsprojekt daraus erwachsen zu lassen.
Ein historischer Erdmeiler wurde errichtet. Die benötigten 25 Raummeter Buchen- und Eschenmeterscheite kamen aus dem Forstrevier Rothesütte. Hartlaubholz gleicher Güte, wird für eine gleichmäßigen Kohlprozess und Holzkohle höchster Güte verwendet. Zum Aufbau des Erdmeilers: Am Anfang steht die Herrichtung des Meilerplatzes und der Meilerplatte. Anschließend wird ein sogenannter Quandelschacht, ein zwei Meter hoher im Zentrum befindlicher Schacht. Der anschließend mit leicht brennbaren Astmaterial und trocknen Buchenstücken gefüllt wird und dem späteren Anzünden dient. Dicht an dicht stapeln die jungen Auszubildenden die vorbereiteten Holzscheite an den Quandelschacht, bis sich ein halbkugelförmiger Aufbau ergibt.
Restliche Hohlräume werden mit kleinen Hölzern geschlossen, dass sorgt für eine gleichmäßige Holzverkohlung. Nachdem der Erdmeiler mit einer Heuschicht luftdicht ummantelt war, konnte nun die Stübbe (Gemisch aus Erde und Holzkohleresten) aufgetragen werden. Fest angeklopft und gegen Abrutschen mit der Ober- und Unterrüstung sichern. Nachdem der Holzkohlemeiler über 25 Raummeter fasst, wird dieser durch den Quandelschacht entzündet. Durch kreisförmig angeordnete Luftlöcher in der Meilerkrone, die mit dem Stachel hineingetrieben wurden, steuert man den Verkohlungsprozess. So wiederholt sich der Vorgang, bis die Meilersohle erreicht ist.
Die optimale Arbeitstemperatur des Erdmeilers liegt bei 350 - 500 °C, dabei bleibt lediglich das Kohlenstoffgerüst übrig. Nach einer Woche des Meilerbrandes, beginnt die einwöchige Abkühlungsphase. Der Meiler wird nach und nach breit gezogen und kann sich kontinuierlich abkühlen. Auftretende Glutnester werden mit Wasser oder Stübbe gelöscht. Die Früchte seiner Arbeit sieht man dann bei der Meilerernte, die voraussichtlich am 16. Mai im Netzkater 9 in Ilfeld sein wird.
Säckeweise ist das schwarze Gold traditionsgerecht nach Harzer Köhlereikunst an Grillbegeisterte abzugeben. Eine ordentliche Ausbeute von 2 t wird erwartet. Hohe Qualität, gleichmäßige und ungeheuer lange Brenndauer zeichnen die Harzer Buchenholzkohle aus. Grillprofis werden sie zu schätzen wissen, ganz nach dem Motto der Köhlermeister Gut Brand.
Michael Böhme


