Sa, 14:25 Uhr
10.07.2004
Karriere des Joghurtbechers
Niedergebra (nnz). Was für eine Karriere so ein Joghurtbecher macht. Als Abfall landet er gemeinsam mit vielen anderen Kunststoffprodukten im Gelben Sack. Wenig später hält ihn der Kunde wieder in der Hand, diesmal vielleicht als Werkzeugkasten. Wie das geht weiß nnz.
Karriere des Joghurtbechers (Foto: nnz)
Getränkepackung, Joghurtbecher, Plastetüte, sie alle kommen nach dem Gebrauch in den Gelben Sack. Der wird scheinbar umsonst vor der Haustür abgeholt. Bezahlt hat der Verbraucher die Entsorgung mit dem Kauf des Produktes. Sicher haben Sie das Zeichen des Dualen Systems, den Grünen Punkt, schon mal auf den Verpackungen gesehen. Was in den Säcken steckt, kommt nicht auf die Mülldeponie in Nentzelsrode, auch nicht nach dem Bau der neuen Müllbehandlungsanlage.
Die Wertstoffe finden den Weg nach Niedergebra. Dort sorgt die Firma Purus dafür, daß die Kunststoffe einer neuen Nutzung zugeführt werden können.
30-35.000 Tonnen Plasteabfälle werden bisher jährlich zur Wiederverwertung vorbereitet. Gern möchte die Firma ihre Kapazität auf rund 45.000 Tonnen erhöhen. Rund um die Uhr läuft die Anlage, die 75 Mitarbeitern Arbeit verschafft.
Drei Jahre ist sie erst alt und damit die modernste Kunststoffrecyclinganlage in Deutschland, wie Tobias Peters, der technische Leiter, beim Rundgang zum Tag der offenen Tür erläutert. Spezielle Maschinen für die Plastaufarbeitung gibt es nicht, berichtet er weiter. Alles habe man selbst nach eigenen Überlegungen zusammenstellen und ausprobieren müssen.
In der Vergangenheit kam es immer wieder zur Kritik von Anwohnern. Sogar eine Bürgerinitiative formierte sich gegen das Purus Werk. Lärm und Geruchsbelästigung machte sie geltend.
Seit dem vergangenen Herbst hat sich die Geruchsausströmung merklich vermindert, wie der Autor mit eigener Nase wahrnehmen konnte. Außerdem will die Firma nochmals über eine halbe Million Euro in eine neue Abluftanlage investieren, wie Purus Geschäftsführer Torsten Meyer mitteilte.
Die Nachfrage nach dem Kunststoffgranulat, was in Niedergebra aus unserem Müll hergestellt wird, sei im vergangenen stark gestiegen, berichtet Meyer. Der Grund seien die gestiegenen Weltmarktpreise für Rohöl, was den Grundstoff für neue Plastprodukte darstellt, über 100 Euro pro Tonne teurer wurde es. Die Firmen seien aber gezwungen preisgünstig zu produzieren, also probieren sie das Recyclingamterial aus. Es ist mehr als 30 % günstiger. Wer es einmal ausprobiert hätte, der bleibe auch dabei.
Nicht alle Hersteller von Kunststoffformteilen gäben zu, daß sie zumindest teilweise zu dem Granulat greifen. "Die Zeit, wo man mit Ökoprodukten besonders gut verdienen konnte ist vorbei" sagt Torsten Meyer. "Heute muß es vor allem billig sein."
An verwertbaren Abfällen mangelt es Purus momentan nicht. Bedenken äußerte der Geschäftsführer jedoch gegenüber der Idee den Gelben Sack abzuschaffen und sämtlichen Müll in eine Tonne zu schmeißen. Dieser müßte dann mit hohem technischen Aufwand sortiert werden bevor er wiederverwertet werden kann. "Das ist betriebswirtschaftlich und ökologisch Unsinn", so Meyer. Niemand sortiere die Wertstoffe so gut und preiswert wie die Menschen selbst.
Wer seine leeren Verpackungen bisher mit schlechtem Gewissen ungewaschen in den Wertstoffsack geworfen hat, braucht dieses in Zukunft nicht mehr haben. "Wir reinigen die Kunststoffe gründlicher als Sie das zuhause können." erklärtTobias Peters beim Rundgang.
Niemand muß hier die Kunststoffe anfassen und anhand der Kennzeichnung sortieren. Das übernehmen Maschinen, die nach Gewicht und Dichte aussortieren. So können Fremdstoffe wie Metalle abgetrennt werden, auch die nichtmagnetischen wie Aluminium werden in einer Wirbelstromanlage erwischt.
Dann folgt die Reinigung und letztlich die Aufarbeitung in ein graues Granulat. Dem kann jede Farbe beigemischt werden, nur weiß wird es nicht. Aus den Plastebecher wieder einen zu machen ist deshalb nicht möglich.
Die Resonanz auf den Tag der offenen Tür war überwältigend. Die Besucher kamen nicht wegen der kostenlosen Bratwürste, sondern weil sie echtes Interesse an der Verwertung ihres Mülls haben. Daß so viele Leute nach Niedergebra strömen würden, hatte selbst die Purus-Geschäftsführung nicht gedacht. Sicher lag es auch daran, daß die Diskussion um das Werk in den Medien wieder aufgeflammt war.
Daß hier Grenzwerte überschritten werden oder gar etwas ungesetzliches passiert, können die Bürger ausschließen. "Wir werden inzwischen sogar vom Umweltministerium überwacht" berichtet Geschäftsführer Torsten Meyer. Ein bißchen übertrieben findet er das zwar, schließlich sei man kein Atomkraftwerk, aber wenn es dazu dient, den Bürgern die Bedenken zu nehmen, dann ist es im Interesse aller.
Autor: wf
Karriere des Joghurtbechers (Foto: nnz)
Getränkepackung, Joghurtbecher, Plastetüte, sie alle kommen nach dem Gebrauch in den Gelben Sack. Der wird scheinbar umsonst vor der Haustür abgeholt. Bezahlt hat der Verbraucher die Entsorgung mit dem Kauf des Produktes. Sicher haben Sie das Zeichen des Dualen Systems, den Grünen Punkt, schon mal auf den Verpackungen gesehen. Was in den Säcken steckt, kommt nicht auf die Mülldeponie in Nentzelsrode, auch nicht nach dem Bau der neuen Müllbehandlungsanlage.
Die Wertstoffe finden den Weg nach Niedergebra. Dort sorgt die Firma Purus dafür, daß die Kunststoffe einer neuen Nutzung zugeführt werden können.
30-35.000 Tonnen Plasteabfälle werden bisher jährlich zur Wiederverwertung vorbereitet. Gern möchte die Firma ihre Kapazität auf rund 45.000 Tonnen erhöhen. Rund um die Uhr läuft die Anlage, die 75 Mitarbeitern Arbeit verschafft.
Drei Jahre ist sie erst alt und damit die modernste Kunststoffrecyclinganlage in Deutschland, wie Tobias Peters, der technische Leiter, beim Rundgang zum Tag der offenen Tür erläutert. Spezielle Maschinen für die Plastaufarbeitung gibt es nicht, berichtet er weiter. Alles habe man selbst nach eigenen Überlegungen zusammenstellen und ausprobieren müssen.
In der Vergangenheit kam es immer wieder zur Kritik von Anwohnern. Sogar eine Bürgerinitiative formierte sich gegen das Purus Werk. Lärm und Geruchsbelästigung machte sie geltend.
Seit dem vergangenen Herbst hat sich die Geruchsausströmung merklich vermindert, wie der Autor mit eigener Nase wahrnehmen konnte. Außerdem will die Firma nochmals über eine halbe Million Euro in eine neue Abluftanlage investieren, wie Purus Geschäftsführer Torsten Meyer mitteilte.
Die Nachfrage nach dem Kunststoffgranulat, was in Niedergebra aus unserem Müll hergestellt wird, sei im vergangenen stark gestiegen, berichtet Meyer. Der Grund seien die gestiegenen Weltmarktpreise für Rohöl, was den Grundstoff für neue Plastprodukte darstellt, über 100 Euro pro Tonne teurer wurde es. Die Firmen seien aber gezwungen preisgünstig zu produzieren, also probieren sie das Recyclingamterial aus. Es ist mehr als 30 % günstiger. Wer es einmal ausprobiert hätte, der bleibe auch dabei.
Nicht alle Hersteller von Kunststoffformteilen gäben zu, daß sie zumindest teilweise zu dem Granulat greifen. "Die Zeit, wo man mit Ökoprodukten besonders gut verdienen konnte ist vorbei" sagt Torsten Meyer. "Heute muß es vor allem billig sein."
An verwertbaren Abfällen mangelt es Purus momentan nicht. Bedenken äußerte der Geschäftsführer jedoch gegenüber der Idee den Gelben Sack abzuschaffen und sämtlichen Müll in eine Tonne zu schmeißen. Dieser müßte dann mit hohem technischen Aufwand sortiert werden bevor er wiederverwertet werden kann. "Das ist betriebswirtschaftlich und ökologisch Unsinn", so Meyer. Niemand sortiere die Wertstoffe so gut und preiswert wie die Menschen selbst.
Wer seine leeren Verpackungen bisher mit schlechtem Gewissen ungewaschen in den Wertstoffsack geworfen hat, braucht dieses in Zukunft nicht mehr haben. "Wir reinigen die Kunststoffe gründlicher als Sie das zuhause können." erklärtTobias Peters beim Rundgang.
Niemand muß hier die Kunststoffe anfassen und anhand der Kennzeichnung sortieren. Das übernehmen Maschinen, die nach Gewicht und Dichte aussortieren. So können Fremdstoffe wie Metalle abgetrennt werden, auch die nichtmagnetischen wie Aluminium werden in einer Wirbelstromanlage erwischt.
Dann folgt die Reinigung und letztlich die Aufarbeitung in ein graues Granulat. Dem kann jede Farbe beigemischt werden, nur weiß wird es nicht. Aus den Plastebecher wieder einen zu machen ist deshalb nicht möglich.
Die Resonanz auf den Tag der offenen Tür war überwältigend. Die Besucher kamen nicht wegen der kostenlosen Bratwürste, sondern weil sie echtes Interesse an der Verwertung ihres Mülls haben. Daß so viele Leute nach Niedergebra strömen würden, hatte selbst die Purus-Geschäftsführung nicht gedacht. Sicher lag es auch daran, daß die Diskussion um das Werk in den Medien wieder aufgeflammt war.
Daß hier Grenzwerte überschritten werden oder gar etwas ungesetzliches passiert, können die Bürger ausschließen. "Wir werden inzwischen sogar vom Umweltministerium überwacht" berichtet Geschäftsführer Torsten Meyer. Ein bißchen übertrieben findet er das zwar, schließlich sei man kein Atomkraftwerk, aber wenn es dazu dient, den Bürgern die Bedenken zu nehmen, dann ist es im Interesse aller.

